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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 06.11.2009

Amadeu Antonio Stiftung - bundesweite Aktionswochen gegen Antisemitismus 2009
Lisa Erdmann

Die Stiftung koordiniert seit 2004 die bundesweiten Aktionswochen gegen Antisemitismus. Ziel der Wochen um den 9. November 2009 ist es, auf historischen und aktuellen Antisemitismus hinzuweisen,...



...durch eine Vielzahl von Veranstaltungen √ľber das Thema aufzukl√§ren und √∂ffentliche Diskussionen anzuregen.

Was 2004 in einem eher kleinen Rahmen von 50 Veranstaltungen begann, entwickelte sich zur gr√∂√üten Kampagne gegen Antisemitismus in Deutschland. Auch die diesj√§hrigen Aktionswochen rund um den 09. November 2009 wollen mit √ľber 120 Partnerorganisationen und ca. 250 Veranstaltungen das Thema Antisemitismus in seinen verschiedenen Erscheinungsformen thematisieren und gegen antisemitische Vorf√§lle in der Bev√∂lkerung vorgehen. Ziel ist es, einen √∂ffentlichen Meinungsaustausch der EinwohnerInnen einzelner Gemeinden und St√§dte anzuregen.

"20 Jahre nach dem Mauerfall ist es wichtig, den aktuellen Antisemitismus in den Fokus der √Ėffentlichkeit zu r√ľcken. Der nicht aufgearbeitete Antisemitismus in Ostdeutschland trifft auf einen neuen, gesamtdeutschen und globalisierten Antisemitismus, der sich jugendkulturell Bahn bricht und verschw√∂rungstheoretisch n√§hrt. [...] Deshalb sind wir froh, dass die Aktionswochen heute zum sechsten Mal bundesweit stattfinden um eine verst√§rkte Auseinandersetzung mit Antisemitismus zu erm√∂glichen" so Anetta Kahane, Vorsitzende der Stiftung, am 5. November 2009.

Anetta Kahane wies darauf hin, dass die Aktionswochen von der Zivilgesellschaft getragen werden und sie sich mehr Engagement von staatlichen Stellen w√ľnsche. In diesem Zusammenhang kritisierte sie auch die mangelnde Umsetzung des 9. November-Beschlusses des Deutschen Bundestages zur Bek√§mpfung des Antisemitismus vor einem Jahr: "Es sollte ein deutliches Zeichen gegen Antisemitismus sein. Doch es bleibt ein Zeichen ohne Folgen. Bis jetzt hat sich gerade mal ein Gremium konstituiert, mehr ist nicht passiert. Es ist peinlich, dass Bundestag und Bundesregierung so lange brauchen, um das Beschlossene zu verwirklichen.", so Kahane.

Die Aktionswochen 2009 in Berlin

Die Aktionswochen gegen Antisemitismus finden in 75 Orten mit 231 Veranstaltungen in allen Bundesl√§ndern statt. Beteiligte Initiativen setzen sich in Gedenkveranstaltungen, Theater- und Filmauff√ľhrungen, ZeitzeugInnengespr√§chen und Lesungen mit historischem und aktuellem Antisemitismus auseinander.

So findet im Berlin unter anderem am Montag, dem 9. November eine F√ľhrung durchs J√ľdische Museum zum 71. Jahrestag des Novemberpogroms 1938 statt. Am Donnerstag, dem 12. November, l√§dt das Interkulturelle Netzwerk JOLIBA e.V. zu einer Filmvorf√ľhrung, Lesung und einer Ausstellung zu Johanna Krause "Zweimal verfolgt. Eine Dresdner J√ľdin erz√§hlt" ein. Vom Sportverein Roter Stern Nordost Berlin e.V. wird es am Freitag, dem 13. November einen Vortrag zu "Antisemitismus im ostdeutschen Fu√üball" geben.

Eine Liste mit allen Veranstaltungen finden Sie unter: www.aktionswochen-gegen-antisemitismus.de

Jan Jetter von der "Arbeitsgemeinschaft freier Jugendverbände aus Hamburg", der sich im Rahmen der Aktionswochen engagiert, stellte seine verschiednen Aktionen auf der Pressekonferenz vor und berichtete aus der Arbeit: "Moderne Formen des Antisemitismus, kriegen wir tagtäglich mit. So zum Beispiel durch Vergleiche von Israel und Nationalsozialismus. Das wollen wir in keinem Fall hinnehmen und thematisieren das mit Jugendlichen in unserer Arbeit."

Die Aktionswochen gehen am 30. November im Centrum Judaicum mit einer Perspektivdiskussion zu Ende. VertreterInnen der neuen Regierungsparteien diskutieren gemeinsam mit ExpertInnen, was im Kampf gegen Antisemitismus zu tun ist. Sie wird von der J√ľdischen Gemeinde zu Berlin, dem J√ľdischen Forum gegen Antisemitismus und der Amadeu Antonio Stiftung ausgerichtet.

Antisemitismus in der Mitte der Gesellschaft

Dirk von Lowtzow, S√§nger der Band Tocotronic, h√§lt vielf√§ltiges Engagement gegen alle Formen von Antisemitismus, wie bei den Aktionswochen gegen Antisemitismus, f√ľr unverzichtbar: "Es zeigt sich doch immer wieder, dass Antisemitismus sich stark in der Mitte der Gesellschaft verortet und eben nicht nur ein Problem des Islamismus oder Rechtsextremismus ist." Kritisch gegen√ľber dem eigenen Lager √§u√üerte sich die Bundesvorsitzende der Jusos, Franziska Drohsel: "Antisemitismus ist kein Problem von Stiefelnazis. Verk√ľrzte Kapitalismuskritik und verschw√∂rungstheoretische Ans√§tze gepaart mit antisemitischen Klischees finden sich durchaus auch in Teilen der Linken."

Auch Claudia Schmid, Leiterin des Berliner Verfassungsschutzes wies darauf hin, "dass kaum ein Deliktsfeld √ľber ein so breit gef√§chertes T√§terpotenzial verf√ľge." Und: "Menschen, die Juden verachten, hassen und auch gewaltbereit sind, haben nicht alle einen kahl rasierten Kopf und tragen Springerstiefel. Der Antisemitismus hat viele Gesichter: Er wird manchmal propagiert in kleinen radikalen Hinterhofmoscheen, bei Treffen von Alt- und Neonazis, in den Liedstrophen radikaler Nazi-Rock-Bands."

Auch politisch wird Antisemitismus genutzt. Doch nur weil die rechtsextremistische Szene Antisemitismus nicht immer offen zeigt, so ist er doch laut Schmid Bestandteil jeder rechtsextremistischen Ideologie. Aber es gebe auch andere Hetze, deren Protagonisten teilweise nicht belangbar sind, weil sie von arabischen Ländern aus operierten, in denen der Hass auf Israel, auf alle Juden, Teil der allgegenwärtigen Lebenseinstellung ist und von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Aktueller Antisemitismus in Deutschland

Antisemitismus ist nicht nur eine Bedrohung f√ľr J√ľdinnen und Juden, sondern auch f√ľr die Demokratie. Diesen Konsens gilt es immer wieder ins Ged√§chtnis zu rufen. Das zeigen gerade die j√ľngsten antisemitischen √úbergriffe, wie beispielsweise in Hamburg Ende Oktober 2009: dort konnte ein Film von Claude Lanzmann √ľber Israel nicht gezeigt werden, weil linke Demonstranten den Eingang zum Kino blockierten und BesucherInnen mit Gewalt und Beschimpfungen wie "Judenschweine" von der Vorf√ľhrung fern hielten.

Auch finden sich wieder verst√§rkt antisemitische Schmierereien an H√§userw√§nden in deutschen St√§dten: Beispiel Eschwege. Dort wurde im Oktober an eine Hauswand in Gro√übuchstaben "Jude" und "Huso" (f√ľr Hurensohn) gespr√ľht.

Auch die Sch√§ndung von "Stolpersteinen" ist an der Tagesordnung, wie beispielsweise im August in Berlin Pankow oder im September in Bremen. Sogar Beleidigung oder Bedrohung j√ľdischer Menschen sind keine Seltenheit: Ende August wurde ein j√ľdischer Mann und sein Begleiter in Berlin Zehlendorf mit Bierflaschen beworfen und beschimpft und eine Gruppe von Jugendlichen aus Israel in Waren an der M√ľritz vor wenigen Tagen angegriffen

Seit ihrer Gr√ľndung 1998 ist es das Ziel der Amadeu Antonio Stiftung, eine demokratische Zivilgesellschaft zu st√§rken, die sich konsequent gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus wendet. Hierf√ľr unterst√ľtzt sie lokale Initiativen und Projekte in den Bereichen Jugend und Schule, Opferschutz und Opferhilfe, alternative Jugendkultur und Kommunale Netzwerke. Die von der Amadeu Antonio Stiftung koordinierten Aktionswochen gegen Antisemitismus sind ganz bewusst nicht auf klassische Gedenkarbeit beschr√§nkt. Sie sollen m√∂glichst vielseitig sein, um eine breite Masse von Menschen erreichen zu k√∂nnen.

Anette Kahane, die Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung, beschreibt die Notwendigkeit der Aktionswochen folgendermaßen: "Die Aktionswochen können eigentlich nur wieder und wieder versuchen, im Mainstream eine möglichst breit getragene Sensibilisierung auszulösen und zu verfestigen. Es geht darum, die wahrhaft menschenfeindliche Motivation von Antisemiten schonungslos zu demaskieren."

Weitere Infos unter: www.amadeu-antonio-stiftung.de

Kontakt:
Fon: 030/240 886 13 (Dr. Andrés Nader oder Claire Keruzec)
netzwerke@amadeu-antonio-stiftung.de

Weitere Infos zu den einzelnen Veranstaltungen der Aktionswochen gegen Antisemitismus finden Sie unter: www.aktionswochen-gegen-antisemitismus.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"Feindbild Judentum - Antisemitismus in Europa". Herausgegeben von Lars Rensmann und Julius Schoeps

"Neuester Antisemitismus-Skandal in Berlin" von Benjamin Weinthal

Antisemitismus in Deutschland

Antisemitistische Realitäten im Deutschland von heute

J√ľdisches Forum f√ľr Demokratie und gegen Antisemitismus

Sachverständigenanhörung zu Antisemitismus im Innenausschuss des Deutschen Bundestags

"Neu-alter Judenhass", herausgegeben von Klaus Faber, Julius H. Schoeps und Sacha Stawski.


Public Affairs Beitrag vom 06.11.2009 Lisa Erdmann 

   




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