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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 17.03.2010

Erdogan droht mit Ausweisung von 100.000 ArmenierInnen
Nadja Grintzewitsch

Anfang März 2010 hatten sowohl der auswärtige Ausschuss des US-Kongresses als auch die schwedische Regierung in zwei Resolutionen die Ermordung Hunderttausender ArmenierInnen während des Ersten...



...Weltkrieges als Völkermord klassifiziert. Die Türkei zog daraufhin ihre BotschafterInnen aus Washington und Stockholm ab. Nun verschärft Premier Recep Tayyip Erdogan den Ton.

Der türkische Ministerpräsident ist für seine radikalen Ansichten bekannt. In einem BBC-Interview weigerte sich Erdogan, den von vielen HistorikerInnen als "Genozid" bezeichneten Mord an den ArmenierInnen durch das Osmanische Reich 1915 anzuerkennen. Im Gegenzug drohte er mit der Ausweisung von 100.000 ArmenierInnen. Laut Erdogan würden gegenwärtig 170.000 Mitglieder der christlichen Minderheit auf türkischem Gebiet leben. Nur 70.000 von ihnen besäßen jedoch die türkische Staatsbürgerschaft, alle übrigen würden bislang toleriert. "Wenn nötig, kann es passieren, dass ich diesen 100.000 sagen muss, dass sie in ihr Land zurückgehen sollen, weil sie nicht meine Staatsbürger sind. Ich muss sie nicht in meinem Land behalten" erklärte der Regierungschef bestimmt.

Erdogans Ankündigung löste eine internationale Welle der Kritik aus, vor allem durch die äußerst unpassende Wortwahl. Zum einen war es der Diktator-Ton, in welchem der Premier über "seine Staatsbürger" und "sein Land" sprach – und damit sowohl gegensätzliche Meinungen innerhalb der Türkei völlig außer Acht ließ. Zum anderen bedeutet das Wort "Ausweisung" in englischer Sprache "Deportation" – und dieses gelangte dann auch in die Schlagzeilen. Es weckt direkte Assoziationen an die Deportationen 1915, denn zu dieser Zeit starben die vertriebenen ArmenierInnen zu Hunderttausenden an Hunger, Krankheiten Misshandlungen und gezielten Mordaktionen.

Der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts

HistorikerInnen schätzen, dass im Osmanischen Reich zwischen 200.000 (nach türkischen Angaben) und 1,5 Millionen (nach armenischen Angaben) ArmenierInnen von TürkInnen getötet wurden. Die Türkei behauptet dagegen, sie seien Opfer von gewaltsamen Ausschreitungen während des Bürgerkrieges geworden und die genannte Anzahl der Opfer stimme nicht mit der Realität überein. Des Weiteren hätten die christlichen ArmenierInnen im ersten Weltkrieg auf Seiten des Kriegsgegners Russland gekämpft und damit als FeindInnen des osmanischen Reiches verfolgt worden.

In der heutigen Zeit lebt in der Türkei nur eine kleine Minderheit der ethnischen Gruppe. Zuletzt galt die Situation als entspannt, beide Seiten bemühten sich um eine friedliche Lösung des Konfliktes. Die mehr als unüberlegten Äußerungen Erdogans als Reaktion auf die Resolutionen Schwedens und der Vereinigten Staaten haben die Lage nun wieder verschärft.

Nachdem die diplomatischen Drohgebärden versagt haben (zuletzt sagte Erdogan den türkisch-schwedischen Gipfel vom 17. März 2010 ab), sah sich der Ministerpräsident anscheinend veranlasst, mit der Wortkeule unter die Gürtellinie zu zielen. Dass er damit nicht nur in die internationale Kritik geraten ist, sondern sich auch innerhalb seines Landes FeindInnen schafft, scheint er in Kauf zu nehmen.

Es ist nicht nur die armenische Minderheit, welche sich zunehmend von Erdogans Politik bedroht sehen muss, denn der Premier schürt auch anti-israelische Ressentiments innerhalb der Türkei. So kritisiert die Regierung kontinuierlich das Vorgehen Israels im Gaza-Streifen. Die Drohung des iranischen Präsidenten Mahmut Ahmadinedschad, den israelischen Staat militärisch auszulöschen, führte in Ankara weder zu empörten Äußerungen noch zu einer offiziellen Stellungnahme. Als Reaktion auf den ansteigenden Antisemitismus in der Türkei wanderten 2009 über 600 Jüdinnen und Juden nach Israel aus – zehn Mal so viele wie sonst.

Vor allem GegnerInnen des anvisierten türkischen EU-Beitritts werden damit neuen Zündstoff für ihre Argumentationen gefunden haben.

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Das Haus der Lerchen. Von Antonia Arslan

Der Bastard von Istanbul. Elif Shafak

Ararat - Eine waghalsige Reise durch Kurdistan

Quellen:
"Erdogan droht Armeniern mit Ausweisung", erschienen im Spiegel online (17. März 2010)
www.spiegel.de

"Türkei droht 100.000 Armeniern mit Deportation", erschienen in der Welt online (17.März 2010)
www.welt.de


Public Affairs Beitrag vom 17.03.2010 AVIVA-Redaktion 

   




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