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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 16.07.2010

Deutsche und afrikanische ForscherInnen starten Klima-Initiative - Bundesforschungsministerin Schavan kündigt Aufbau regionaler Kompetenzzentren in Afrika an
Evelyn Gaida

Die Auswirkungen des Klimawandels sind in Afrika bereits eine lebensbedrohliche Realität. Gerade dort ist der Erhalt der Ökosysteme als Existenzgrundlage essenziell. Das veränderte Klima stellt ...



... die Landnutzung jedoch vor immer größere Herausforderungen.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gab am 14. Juli 2010 zusammen mit PartnerInnen aus dem südlichen und westlichen Afrika den Startschuss für eine neue Initiative zum Aufbau von regionalen Kompetenzzentren (Regional Science Service Centres) "Klimawandel und angepasstes Landmanagement in Afrika", die als langfristige afrikanische Forschungsinfrastruktur angelegt werden sollen.

Bundesforschungsministerin Dr. Annette Schavan präsentierte die Initiative im Rahmen einer Pressekonferenz gemeinsam mit Ghanas Ministerin für Umwelt, Forschung und Technologie, Sherry Ayittey, sowie Sambias Staatssekretärin für Forschung, Technologie und Fortbildung, Sherry Thole. Angaben zu konzeptionellen Details wurden von Prof. Norbert Jürgens, Koordinator der Initiative im südlichen Afrika, und Prof. Paul Vlek, Koordinator der Initiative im westlichen Afrika, mitgeteilt.

v.l.: Prof. Paul Vlek, Koordinator der Initiative im westlichen Afrika, Sherry Ayittey, Ghanas Ministerin für Umwelt, Forschung und Technologie, Dr. Annette Schavan, Bundesforschungsministerin, Sherry Thole, Sambias Staatssekretärin für Forschung, Technologie und Fortbildung, Prof. Norbert Jürgens, Koordinator der Initiative im südlichen Afrika. © Evelyn Gaida


Klimawandel in Afrika

Afrika ist der Kontinent mit den geringsten Schadstoffemissionen - der Klimawandel droht ihn aber besonders hart zu treffen. Ausgangspunkt des begonnenen Forschungsprojekts sind Fragen, die deshalb für Afrika immer dringender werden: Mit welchen Klimaveränderungen und mit welchen Folgen für die Landnutzung sowie für das Wassermanagement ist zu rechnen? Welche Lösungsstrategien helfen? Derzeit leben 700 Mio. Menschen in Afrika, in den nächsten Jahren wird die Bevölkerungszahl sich verdoppeln und auf 1,7 Mrd. Menschen ansteigen. "Keiner kann sich vorstellen, wo doppelt so viel Land und Wasser herkommen sollen", sagte Prof. Jürgens. Dies werde durch den Einfluss des Klimawandels noch zusätzlich erschwert. "Zentraler Punkt" der Initiative sei aus diesem Grund "der Aufbau einer Forschungsinfrastruktur" in Afrika, die den "dortigen Wissenschaften Möglichkeiten schaffen" soll, so Schavan.

Kompetenzen in den Regionen stärken

Damit sei ein "neues Level der Forschungszusammenarbeit" erreicht. Laut Schavan wird das BMBF zu diesem Zweck in den kommenden zwei Jahren 5,1 Millionen Euro investieren. Die Investitionen für die weitere Aufbauphase könnten später bis zu 100 Millionen Euro betragen. Innerhalb eines Jahres sollen mit den afrikanischen PartnerInnen zwei Klimazentren im südlichen und westlichen Afrika aufgebaut werden. Schavan betonte, dass es nicht darum gehe, "deutsche Forschungszentren in Afrika aufzubauen", sondern darum, "in partnerschaftlicher Zusammenarbeit die vorhandenen Kompetenzen in den Regionen selbst zu stärken und zu integrieren." Die auf diesem Weg gewonnenen Ergebnisse könnten der Forschungsministerin zufolge auch für die deutsche Wissenschaft interessante Perspektiven bringen: Zum Beispiel im Hinblick auf die Frage, wie sich die Landwirtschaft auf die zunehmende Wasserknappheit einstellen kann. Von zentralem Interesse der ForscherInnen ist außerdem, wie die Menschen sich besser vor Überschwemmungen schützen können, was auch für Deutschland von großer Relevanz sei.

"Farmers must have access to information"

Ministerin Ayittey aus Ghana hob hervor, wie wichtig die Überwindung des Informationsdefizits über die Auswirkungen des Klimawandels in ihrem Land sei, um regionale Lösungsstrategien entwickeln zu können: "We need to teach our farmers management strategies on climate change. Farmers must have access to information." Die LandwirtInnen in die Lage zu versetzen, auf die veränderten Wetterbedingungen effektiv zu reagieren, sei eine Frage der nationalen Sicherheit, des Friedens und der Stabilität, besonders auch angesichts klimabedingter Migrationsbewegungen als Reaktion auf lebensfeindliche Umweltbedingungen. Jedes Jahr fordern die Folgen des veränderten Klimas 300.000 Menschenleben, so Ayittey, zum Beispiel durch lange Dürreperioden oder sintflutartige Regenfälle. Sie begrüßte die Chance der interkontinentalen Kooperation und deren "benefit for our people".

v.l.: Sherry Ayittey, Ghanas Ministerin für Umwelt, Forschung und Technologie, Dr. Annette Schavan, Bundesforschungsministerin. © Evelyn Gaida


Weltforschungsgemeinschaft in der Pflicht

Prof. Vlek berichtete, dass westafrikanische LandwirtInnen Anpassungsmaßnahmen bisher mit wenigen Mitteln von außen vornähmen - "die Weltforschungsgemeinschaft muss Hilfe leisten", forderte er. Der Aufbau regionaler Forschungszentren, die regional angepasste Lösungsstrategien entwickelten, sei "ein völlig neuer Prozess". Keineswegs neu ist dagegen die Forderung nach einer stärkeren Unterstützung Afrikas bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels, die bereits in vielen internationalen Beschlüssen zum Ausdruck kam, beispielsweise im sogenannten Bali-Aktionsplan der Klimarahmenkonvention und der Abschlusserklärung des G8-Gipfels von Heiligendamm im Jahr 2007.

Schwerpunkte und Themen der Kompetenzzentren

Derzeit beteiligen sich zehn Länder in Westafrika und fünf Länder im südlichen Afrika an dem Projekt. Die Zentren werden den InitiatorInnen zufolge ihren Schwerpunkt auf anwendungsorientierte Forschung legen und zugleich in ihrer Region eine beratende Funktion für öffentliche und private EntscheidungsträgerInnen übernehmen. Von den ermittelten Forschungsergebnissen könnten grenzübergreifend auch andere afrikanische Staaten profitieren, sagte Ayittey. Im Mittelpunkt stehen nach Aussage Prof. Vleks drei verfolgte Ziele: Die Sammlung von Daten zum Klimawandel in Afrika, das gemeinsame Forschen und "capacity building". Die Datenlage für Westafrika entspreche derzeit einem "weißen Fleck". Das müsse sich ändern.

"Eingebettete Organisationen"

Die Kompetenzzentren in Westafrika seien laut Prof. Vlek als "autochthone, in afrikanische Universitäten eingebettete Organisationen" konzipiert. Forschungsaufgaben würden über die Konsortien der Universitäten nach Kompetenzen verteilt, Qualitätsstandards müssten festgelegt werden. Die teilnehmenden Länder seien gefragt, zu entscheiden, welcher Forschungszweig wo angesiedelt werden soll. Prof. Jürgens zufolge sehe es im südlichen Afrika etwas anders aus, wo die Ministerien, wie zum Beispiel das jeweilige Forschungs- oder Landwirtschaftsministerium, über den besten Kenntnisstand verfügten. Es gelte hier, eine "Gemengelage aller beteiligten Akteure" in eine neue Qualität der Zusammenführung umzuwandeln. Auf die Frage eines Journalisten, ob auch neue Gebäude vorgesehen seien, zitierte Jürgens einen afrikanischen Kollegen - nicht in "bricks and water" solle das Geld investiert werden, sondern in "brains". In Westafrika würde jedoch auch gebaut werden, teilte Prof. Vlek mit.

Förderung junger, afrikanischer WissenschaftlerInnen

Eine der wichtigsten Aufgaben wird die Qualifizierung und Rekrutierung junger WissenschaftlerInnen aus afrikanischen Ländern sein, so die InitiatorInnen. Stipendien- und Austauschprogramme würden laut Prof. Vlek zur Verfügung gestellt werden, um jungen WissenschaftlerInnen die Promotion zu ermöglichen. Nach Aussage von Staatssekretärin Thule aus Sambia ist es das Ziel der Kompetenzzentren, gerade auch Wissenschaftlerinnen zu unterstützen und zu ermutigen, sich zu engagieren.

Fragen der Umsetzung

Über ein Gesamtkonzept für die westafrikanische Region und die Koordinierung der dortigen Foschungsaktivitäten sei die Diskussion noch im Gange, sagte Prof. Vlek. Staatssekretär Georg Schütte fügte an, es handele sich bei den präsentierten Vorhaben nicht um die Entwicklung eines Prototyps. Die Lösungen würden sich vor Ort ergeben und sich an der jeweiligen regionalen Situation orientieren. Es sei Raum für regional unterschiedliche Lösungen vorhanden, so Schütte weiter. Ein Vertreter des BMBF fasste es folgendermaßen zusammen: Auf deutscher Seite sei die Expertise gebraucht, die von afrikanischer Seite als notwendig erachtet werde.

Bleibt zu hoffen, dass die Entwicklung und Verwirklichung dieser vielversprechenden Initiative nicht auch dem Sparkurs der Bundesregierung zum Opfer fällt. Laut Spiegel ONLINE-Bericht vom 26. Juni 2010 sind drastische Kürzungen unter anderem bei Hilfszahlungen an arme Länder zur Unterstützung des Klimaschutzes vorgesehen.

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.bmbf.de

www.rssc-southernafrica.net

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Public Affairs Beitrag vom 16.07.2010 Evelyn Gaida 

   




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