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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 13.09.2010

Berichte über Sakineh Ashtianis Freiheit wurden dementiert
Britta Meyer

Mina Ahadis Berichten zufolge sollen Sakineh Mohammadi Ashtiani, Sajjad Ghaderzadeh und Hootan Kian aus dem Gefängnis entlassen worden sein. Der iranische Sender "Press TV" widersprach dem auf...



... seiner Website. Gegenteilige Angaben seien Teil einer "großen Propagandakampagne der westlichen Medien".

NEWS vom 10.12.2010Sakineh Mohammadi Ashtiani soll nach Angaben des Komitees gegen die Steinigung frei sein. Die in Deutschland lebende Sprecherin der Organisation, Mina Ahadi, sagte am Abend des 09. Dezembers 2010 telefonisch der Nachrichtenagentur AFP, sie habe Informationen, wonach Ashtiani, ihr Sohn und ihr Anwalt auf freiem Fuß seien. "Wir haben aus dem Iran die Information erhalten, dass sie frei sind", sagte Ahadi.

Der iranische Sender "Press TV" dementierte dies jedoch am 10. Dezember 2010 auf seiner Internetpräsenz und berichtete, die "Mörderin" Ashtiani sei nicht auf freiem Fuß.

Über die zwei zusammen mit Ashtianis Sohn und ihrem Anwalt festgenommenen deutschen Journalisten ist nichts weiteres bekannt. Auch das Auswärtige Amt in Berlin konnte zum Schicksal der beiden Reporter keine neuen Angaben machen. Die beiden deutschen Journalisten sitzen seit Oktober im iranischen Tabris in Haft, weil sie Ashtianis Sohn interviewen wollten. Die Reporter, Ghaderzadeh und Kian waren während des Interviews von der iranischen Polizei verhaftet worden, als diese Kians Wohnung stürmte. Am Montag hatte das iranische Außenministerium mitgeteilt, es prüfe ein Gesuch der beiden, über den Jahreswechsel ihre Familien sehen zu können.



Sakineh Mohammadi Ashtiani war 2006 der "unerlaubten Beziehungen" zu zwei Männern bezichtigt und dafür von einem iranischen Gericht zu 99 Peitschenhieben verurteilt worden. Monate später wurde Ashtianis Ehemann das Opfer eines Mordes. Die Polizei ermittelte und kam zu dem Schluss, dass Frau Ashtiani nichts mit der Tat zu tun hatte. Nachdem die Ermittlungen in dem Mordfall abgeschlossen waren, rollte die iranische Justiz den früheren Fall noch einmal auf und kam zu dem Schluss, dass sie neben den "unrechtmäßigen" freundlichen Gesprächen auch außerehelichen Sex mit den beiden Männern gehabt habe und verurteilte sie zum Tod durch Steinigung. Frau Ashtiani hat seitdem zweimal bei der Kommission für Amnestien um Begnadigung gebeten und wurde beide Male abgewiesen. Aufgrund heftiger globaler Proteste gegen das Urteil wurde die Steinigung vorerst ausgesetzt, das Todesurteil bleibt jedoch weiterhin bestehen.

"Meine Mutter wird gesteinigt."

Mit diesen Worten kontaktierte Sajjad Ghaderzadeh, der Sohn Sakineh Ashtianis, vor drei Jahren Mina Ahadi per Telefon. Sie hat diesen Satz seitdem nicht vergessen können. Mina Ahadi, geboren 1956 in Abhar, studierte Medizin an der Universität Tabriz und war aktiv in der linken Opposition gegen den Schah. Als die Revolution im Iran scheiterte, Islamisten die Macht ergriffen und Khomeini den Kopftuchzwang anordnete, organisierte Ahadi Protestaktionen und Demonstrationen. Ende 1980 durchsuchte die Geheimpolizei ihre Wohnung, während sie ihrer Arbeit nachging . Dabei wurden ihr damaliger Mann sowie fünf Gäste festgenommen und kurz darauf hingerichtet. Mina Ahadi entkam und musste aus dem Iran flüchten. 2001 gründete sie das Internationale Komitee gegen Steinigung, ein Netzwerk mit 200 internationalen Organisationen, 2004 das Komitee gegen die Todesstrafe. Auf der Gründungsversammlung des Zentralrats der Ex-Muslime wurde Mina Ahadi im Januar 2007 zur 1. Vorsitzenden des Vereins gewählt und steht seitdem unter Polizeischutz. Seit dem Telefonat mit Sajjad Ghaderzadeh vor drei Jahren kämpft sie für Sakineh Ashtianis Leben und Freiheit.

Weltweite Proteste

Mina Ahadi sagte auf der Pressekonferenz am 10. September in Berlin, diese Kampagne unterscheide sich von ihrer vorherigen Arbeit, da innerhalb eines Jahres weltweite Aufmerksamkeit auf den starken Widerstand der iranischen Bevölkerung gegen das Regime, seine Gesetze und gegen Steinigungen gelenkt wurde. Die weltweiten Bemühungen, Sakineh Ashtiani vor der Steinigung zu retten, hat die Weltöffentlichkeit auf diese barbarische Strafform aufmerksam gemacht. Inzwischen kennen Millionen von Menschen Ashtianis Namen, Hunderttausende haben ihre Abscheu über die Steinigung zum Ausdruck gebracht, indem sie die in 16 Sprachen übersetzte Petition unterschrieben und an Protestaktionen überall auf der Welt teilgenommen haben. Ahadi übte während der Konferenz scharfe Kritik an kulturrelativistischen Argumenten zur Rechtfertigung von Gewalt gegen Frauen:

"In den Medien wird oft gesagt: `Der Iran ist ein islamischer Staat. Die Menschen dort sind Muslime mit einer anderen Kultur. Vielleicht tut es einer muslimischen Frau nicht weh, wenn sie zu Hause geschlagen wird.` Manchmal ist es, als würden sie sagen: `Vielleicht tut es einer muslimischen Frau nicht weh, wenn sie gesteinigt wird, schließlich ist sie Muslimin.` "

Mina Ahadi erklärte weiter, der Iran sei eindeutig kein islamischer Staat, sondern ein faschistisches Regime, welches sich eines politisierten Islamismus` bediene, um die Bevölkerung zu terrorisieren und einzuschüchtern. Sie begrüßte das Engagement der deutschen Regierung, merkte aber an, dieses käme sehr spät und erst im Anschluss an das von Staaten wie Brasilien, Frankreich und der Türkei. Sie forderte weltweite politische Maßnahmen, um Druck auf das Regime auszuüben, wie die Schließung iranischer Botschaften in EU-Staaten und den Ausschluss iranischer Diplomaten aus dem EU-Parlament.

von links nach rechts:
Mina Ahadi, Christian Zimmermann und Angelika Graf
© Britta Meyer, AVIVA-Berlin


Terror als Reaktion auf den öffentlichen Druck

Am 28. August 2010 fanden im Zusammenhang mit Sakineh Ashtianis Fall in über 111 Städten auf der ganzen Welt Proteste gegen die Steinigung und die Todesstrafe statt. Am Abend dieses Tages wurde Frau Ashtiani im Gefängnis verkündet, dass sie im Morgengrauen des kommenden Tages gehängt werden würde, sie solle ihr Testament machen. Weder ihr Anwalt noch ihre Kinder durften sie besuchen. Frau Ashtiani schrieb ihr Testament und verbrachte die Nacht in Erwartung ihrer Hinrichtung. Am Morgen wurde ihr mitgeteilt, diese werde nun doch nicht stattfinden. Ebenfalls am 28. August wurde in der London Times irrtümlich das Foto einer anderen Frau als das Sakineh Ashtianis veröffentlicht. Diese trug auf dem Bild keinen "Hijab" (Gesichtsschleier), was Frau Ashtiani eine Verurteilung zu weiteren 99 Peitschenhieben wegen des Verbreitens von Korruption und öffentlicher Unschicklichkeit eintrug. Trotz dieser physischen und psychischen Folter als Reaktion des Regimes auf den weltweiten Druck appelieren Frau Ashtianis Tochter und Sohn weiterhin an die Öffentlichkeit, die Proteste fortzuführen. Die große öffentliche Aufmerksamkeit sei der einzige Grund, dass ihre Mutter überhaupt noch am Leben sei.

Während der Pressekonferenz wurde per Handy direkter Kontakt zu Sajjad Ghaderzadeh und Frau Ashtianis Anwalt Hootan Kian, die sich beide im Iran befinden, hergestellt. Sajjad Ghaderzadeh sagte am Telefon ausdrücklich, ein im Fernsehen veröffentlichte Interview mit seiner Mutter sei nicht authentisch, vielmehr sei sie ohne Beisein ihres Anwalts zu ihren Aussagen gezwungen worden. Das Fernsehinterview war im August 2010 ausgestrahlt worden und zeigt Sakineh Ashtiani, wie sie eine Affäre mit ihrem Cousin und die Beteiligung am Mord ihres Mannes gesteht. Im Iran wurde gerade das Zuckerfest gefeiert, welches das offizielle Ende des Ramadans darstellt, die Zeit religiös verordneter Zurückhaltung ist damit vorbei. Sajjad Ghaderzadeh ist sehr besorgt, dass seine Mutter nun in einer Eilaktion hingerichtet werden könnte.

Hootan Kian und Sajjad Ghaderzadeh sprachen allen AktivistInnen, die sich für Sakineh Ashtiani eingesetzt haben, großen Dank aus.

Weitere Informationen finden Sie unter:

International Committee Against Stoning

100 Städte der Welt gegen Steinigung

Amnesty International

Facebook-Gruppe zur Unterstützung Sakineh Ashtianis

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Public Affairs Beitrag vom 13.09.2010 Britta Meyer 

   




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