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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 09.08.2011

Frauenmorde in Zentralamerika und Mexiko
Britta Meyer

Eine Frau zu sein erhöht auf der ganzen Welt das Risiko eines gewaltsamen Todes. In Zentralamerika ist es jedoch besonders gefährlich, mit der Geschlechtszuschreibung "weiblich"...



... geboren zu werden.

Wie die Politologin Eva Bräth in ihrem Artikel "Frauenmorde in Mexiko: Der Kampf gegen eine `Kultur des Schweigens`" schreibt, gehören Mexiko und Zentralamerika zu den Regionen, in denen es am häufigsten zu Gewalt gegen Frauen kommt. Sie werden diskriminiert, misshandelt, vergewaltigt und oft ermordet. "In den noch immer patriarchal und machistisch geprägten Gesellschaften Zentralamerikas und Mexikos gehört psychische und physische Gewalt für einen Großteil der Frauen in gehört von klein auf zum Alltag. Viele Mädchen und Frauen kennen es nicht anders", berichten Anna Schulte und Olga Burkert von der Zeitschrift "Lateinamerika Nachrichten". Diese hat den massenhaften Frauenmorden oder auch "Feminiziden" der mittelamerikanischen Region in ihrer Ausgabe vom Juni 2011 ein eigenes Dossier gewidmet.

Die Stadt der toten Mädchen

Traurige Berühmtheit als die "Stadt der toten Mädchen" erlangte seit den 1990er Jahren Ciudad Juárez im nordmexikanischen Bundesstaat Chihuahua. Allein hier wurden 2010 knapp 300 Frauen getötet. In der von Drogenhandel und Migration geprägten Stadt an der Grenze zur USA verschwinden regelmäßig in die Stadt immigrierte Arbeiterinnen und werden später vergewaltigt, gefoltert und und oft bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt in der Wüste, am Straßenrand oder auf Müllkippen gefunden. In Ciudad Juárez wurde bereits 1993 jeden zwölften Tag eine Frau umgebracht, mittlerweile wird dort alle 20 Stunden eine Frau getötet. Die Täter werden nicht ernsthaft gesucht und auch fast nie gefunden. Erst einer gut vernetzten Frauenbewegung ist es schließlich gelungen, internationale Aufmerksamkeit auf die Ciudad Juárez-Frauenmorde zu lenken – jedoch nur, weil diese besonders grausam und vor allem spektakulär sind. Bräth schreibt hierzu:

"Um den spezifischen Charakter der grausamen Verbrechen hervorzuheben, führten AktivistInnen den Begriff des "Feminizid" als Ausdruck der brutalsten Form männlicher Machtdemonstration ein. Damit werden Frauenmorde durch Männer bezeichnet, die aufgrund des Geschlechts der Opfer begangen werden, das heißt, das Tatmotiv ist in extremer Geringschätzung oder Hass gegenüber Frauen zu finden."

Mit inbegriffen in der Definition ist die staatliche Duldung und Förderung dieser Verbrechen.

Mehr als zivile Opfer der Drogenkriege

Staatliche Stellen innerhalb der Länder schieben die Gründe für die erschreckenden Zahlen der Frauenmorde auf die durch Bürgerkriege stark brutalisierte Bevölkerung und die hohen Kriminalitätsrate in Zentralamerika und Mexiko. Ciudad Juárez ist jedoch kein Einzelfall. Neuere Datenerhebungen zivilgesellschaftlicher Organisationen zeigen, dass sich die Morde nicht auf die nördliche Region des Landes, Hochburg des Organisierten Verbrechens, beschränken. In zentralamerikanischen Ländern wie Guatemala und El Salvador gehen die skandalös hohen Zahlen von Gewaltverbrechen an Frauen in der Regel auch nicht auf die in den Medien gern reißerisch und blutrünstig präsentierten "Jagd der Drogenkartelle nach Frauen" zurück.

Gewalt gegen Frauen findet in Zentralamerika, wie überall sonst auf der Welt auch, vor allem innerhalb des direkten Umfelds der Betroffenen statt. Die meisten Morde an Frauen werden von deren Angehörigen, wie dem Vater, einem (Ex-)Partner oder anderen Mann aus dem näheren Bekanntenkreis begangen. Im zentralamerikanischen und mexikanischen Alltag werden Frauen nahezu ständig Opfer von Gewalt. In den noch immer machistisch geprägten Gesellschaften der Region werden jährlich Hunderte Frauen getötet. Auch wenn in El Salvador und Mexiko der Tatbestand des Feminizids mittlerweile in die Strafgesetzgebung aufgenommen worden ist, geht keine Regierung der Region angemessen gegen die Frauenmorde vor. Behörden dokumentieren Feminizide nur unzureichend oder gar nicht, Beweise verschwinden, Anzeigen werden nicht aufgenommen und ZeugInnenaussagen in Frage gestellt. Staatliche Frauenhäuser gibt es kaum, schon gar nicht in den besonders stark betroffenen ländlichen Regionen der Länder.

"Die institutionellen Defizite zeigen sich in der geringen Aufklärungsrate der Verbrechen sowie in den Unregelmäßigkeiten innerhalb der polizeilichen Ermittlungen, die ein Klima der Straflosigkeit erzeugen: den 459 Morden in der ersten Jahreshälfte 2009 stehen lediglich acht Verurteilungen sowie 87 polizeilich Verdächtige gegenüber, wobei diese aufgrund mangelnder Beweise nicht belangt werden konnten.", führt Bräth aus.

Schuld sind schon wieder die Opfer

Die Medien erklären die toten Frauen in ihrer Berichterstattung meist zu Prostituierten, Drogenabhängigen und Kriminellen, die ihr Ende durch einen "unmoralischen Lebensstil" selbst zu verantworten hätten. Darüber hinaus wird Gewalt gegen Frauen von weiten Teilen der Gesellschaft heruntergespielt und als etwas normales behandelt. Entscheidende Ursache des Feminizids ist das noch immer von machistischen Denkstrukturen geprägte Geschlechterrollenverständnis der Region. Diese sind leider keine leeren Stereotype, erklärt Bräth:

"Dass es sich dabei nicht um realitätsferne Klischees handelt, belegen Ergebnisse der 2005 und 2010 vom Nationalrat für die Prävention von Diskriminierung (CONAPRED) durchgeführten Studien. Im Jahr 2005 hielten 15 Prozent der männlichen Befragten es für legitim, weniger in die Bildung von Töchtern zu investieren, 22 Prozent schätzen Frauen als weniger kompetent in der Ausführung verantwortungsvoller Posten ein und 40 Prozent waren der Ansicht, Frauen sollen `einer ihrem Geschlecht angemessenen` Arbeit nachgehen."

Auch Massenmedien vermitteln ununterbrochen Rollenbilder, die männliche Gewalt über Frauen als ein Naturrecht darstellen. Wird diese Machtverteilung zwischen den Geschlechtern infrage gestellt ist die Gefahr groß, dass es zu Konflikten innerhalb der Familien und zur Gewaltanwendung kommt.

¡Basta ya! Es reicht!

Couragierte Frauenrechtsorganisationen machen seit Jahren lautstark auf die steigenden Frauenmordraten in ihren Ländern aufmerksam. Angefeindet, diffamiert und selbst Empfängerinnen zahlreicher Morddrohungen, arbeiten zahllose Frauen in Zentralamerika und Mexiko daran, den Opfern von sexistischer Gewalt eine Stimme zu geben. Sie führen Feminizide in regierungsunabhängigen Registern auf, unterstützen Angehörige im Kampf mit den Behörden und versuchen, durch Proteste und Kampagnen die Öffentlichkeit zu sensibilisieren. Die deutschlandweite Kampagne "FrauenStimmen gegen Gewalt" der Christlichen Initiative Romero macht die gewaltbelastete Situation von Frauen in Mittelamerika erneut öffentlich und fordert Frauen wie Männer dazu auf, mit ihrer Stimme klare Position gegen Misogynie und Frauenmorde zu beziehen. Schirmherrin der Aktion ist die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann.

Auf den Seiten der Christlichen Initiative Romero können Sie direkt Ihre Stimme abgeben, um gegen Frauenhass und Gewalt zu protestieren.

Weitere Informationen finden Sie unter:

Frauenmorde in Mexiko: Der Kampf gegen eine "Kultur des Schweigens"

FrauenStimmen gegen Gewalt

Dossier "Frauenmorde in Zentralamerika und Mexiko" der "Lateinamerika Nachrichten"

Amnesty International: Frauenmorde in Ciudad Juárez – Ermittlungen der Behörden weiterhin unzureichend

Studie der CONAPRED (auf spanisch)

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Der Feminizid an der mexikanischen Grenze zu den USA: Traurige Berühmtheit des mexikanischen Ciudad Juarez


Quellen: Eva Bräth (Heinrich Böll Stiftung), Anna Schulte, Olga Burkert (Lateinamerika Nachrichten)


Public Affairs Beitrag vom 09.08.2011 Britta Meyer 

   




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