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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 19.11.2003

Germaine Greer. Der Knabe (The Boy)
Sabine Grunwald

Die "Ikone des Feminismus" propagiert den Anspruch der Frau auf die Lust am visuellen Genuss, indem sie die Facetten der Knaben-Gestalt in einen gesamthistorischen Kontext stellt.



Germaine Greer bricht wieder einmal ein Tabu. Mit ihrem neuesten Werk "Der Knabe", das sich mit der Darstellung jungenhafter Sch├Ânheit und Erotik befasst, wagt sie sich an ein Thema, das h├Ąufig mit moralischen Schranken belegt wird.
Nicht nur widersprach die zur Schau Stellung m├Ąnnlicher Sch├Ânheit feministischen Zielen, sondern sch├╝rte auch die Schuldgef├╝hle mancher m├Ąnnlicher Betrachter, unter dem Verdacht der P├Ądophilie zu stehen.

Seit der Antike sind Knaben Objekte der Begierde und Inbegriff der Sch├Ânheit, mit denen sich auch die westliche Kunst ├╝ber Jahrhunderte hinweg begeistert besch├Ąftigt hat.
Die Entsexualisierung des Knaben in der Kunst setzte erst ein als auch Frauen den Zugang zum ├Âffentlichen Kanon der Kunst erhielten und als Museumsbesucherinnen vor dem unmoralischen Anblick nackter "Tatsachen" gesch├╝tzt werden sollten.

Erst im 19. Jahrhundert etablierte sich der weibliche Akt in der Malerei, bis dahin dienten Knaben als Modelle, sowohl f├╝r m├Ąnnliche, als auch f├╝r weibliche Darstellungen. Das gleiche Ph├Ąnomen konnte in den artverwandten K├╝nsten, dem Theater, der Oper und im Tanz beobachtet werden.
Doch trotz aller Versuche, die visuelle Lust auf die fragile Sch├Ânheit des J├╝nglings zu vernichten, feierte der androgyne Knabe seine Renaissance im Film (James Dean), im Tanz (Nijinskij), der Popkultur (Boy George), der Malerei (Schiele), der Fotografie und der Werbung.

Die Feministin Germaine Greer zeigt in diesem Bildband die Facetten der Knaben-Gestalt und stellt sie in einen gesamthistorischen Kontext. Mit den Augen einer Frau untersucht sie die Kunst- und Kulturgeschichte der letzten f├╝nfhundert Jahre. Sie setzt sich in den einzelnen Kapiteln mit folgenden Themen auseinander:
"Die Kastration Amors", "Das passive Objekt der Liebe", "Der Knabe als Soldat und Diener", um nur einige Motive zu nennen.

Ihr Pl├Ądoyer f├╝r die ├Ąsthetische Betrachtung "m├Ąnnlicher Sch├Ânheit" gipfelt in ihrer ├ťberzeugung, dass der Knabe ein Bundesgenosse im Kampf f├╝r die Feminisierung der Gesellschaft sei, in dem er die ganze Vorstellungswelt m├Ąnnlicher ├ťberlegenheit umst├╝rze.

Germaine Greer, 1939 in Melbourne geboren, promovierte ├╝ber Shakespeares fr├╝he Kom├Âdien. Mit ihrem Buch "Der weibliche Eunuch" (1968) wurde sie ├╝ber Nacht weltber├╝hmt und lieferte einen wichtigen Beitrag zur sexuellen Befreiung der Frau. Die in England lebende Autorin und Professorin geh├Ârt zu den wichtigsten Philosophinnen der internationalen Frauenbewegung

AVIVA-Tipp: Ein visueller und geistreicher Kunst-Genuss



Germaine Greer
Der Knabe

Aus dem Englischen von Sylvia Strasser
Verlag, Gerstenberg Verlag, Oktober 2003
ISBN 3-8067-2920-4
39,90 EUR
Hardcover, 256 Seiten, 200 Abb., davon 150 in Farbe 200856875875

Public Affairs Beitrag vom 19.11.2003 Sabine Grunwald 

   




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