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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 21.04.2005

Antisemitismus in Deutschland 2005
Sarah Ross

Das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung in Bielefeld veröffentlicht Ergebnisse zum Ausmaß und der Entwicklung von Menschenfeindlichkeit in Deutschland. Deprimierend!



Die Ergebnisse zur Querauswertung der Antisemitismusitems aus dem Heitmeyer´schen GMF-Survey aus dem Jahr 2004 wurden kürzlich von den AutorInnen Andreas Zick und Beate Küpper vorgestellt. Untersucht wurde, wie viele Deutsche insgesamt diesen Items in einem oder mehreren Facetten zustimmen. Dabei stellte sich heraus, dass viele derjenigen, die Israel kritisieren, gleichzeitig einem der antisemitischen Facetten zustimmen und wie wenige es nicht tun. Das Ergebnis ist leider bedrückend.

Bereits seit 2002 führt das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung, unter der Leitung von Prof. Wilhelm Heitmeyer jährlich Untersuchungen zum Ausmaß, der Entwicklung und zur Erklärung von "Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in Deutschland" durch. Die Ergebnisse dieser Umfrage basieren auf telefonisch durchgeführten standardisierten Interviews von Deutschen ohne Migrationshintergrund. In diesem Kontext konnte nun die Annahme, dass "Antisemitismus zusammen mit Islamophobie, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Sexismus, Herterophobie sowie Etabliertenvorrechten ein Syndrom der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit bildet", empirisch bestätigt werden.

Der Fokus der GMF-Survey 2004 lag auf den verschiedenen Facetten des Antisemitismus: den zwei Facetten des traditionellen Antisemitismus, charakterisiert durch den Mythos, dass Juden zu viel Einfluss haben und aufgrund ihres Verhaltens an ihrer Verfolgung mitschuldig sind. Die Zustimmung der Befragten lag hier bei 20%. Darüber hinaus unterscheiden die Forscher fünf Facetten des so genannten sekundären Antisemitismus: dem Vorwurf, aus der Vergangenheit (Holocaust) Vorteile zu ziehen und die Forderung nach einem Schlussstrich unter die Vergangenheit, dem insgesamt 65% der Befragten zustimmten. Des weiteren unterscheidet man einen Antisemitismus mit Bezug auf Israel und einer damit einhergehenden Ablehnung von Juden insgesamt: der separationistische Antisemitismus - gekennzeichnet durch den Vorwurf, dass deutsche Juden sich stärker mit Israel, und dessen Angelegenheiten, als mit Deutschland verbunden fühlen (52-prozentige Zustimmung), der Israelbezogene Antisemitismus - eine durch die israelische Politik legitimierte Ablehnung von Juden (38,1 % Zustimmung) - und die Israelkritik, die mit Assoziationen und Vergleichen mit der NS-Zeit arbeitet (57,3 % Zustimmung).

Die besondere Schwierigkeit bei der Auswertung der Fragen lag darin, zu erkennen, wo die Schwelle zwischen einer antisemitischen Haltung (kann man diese Person als "AntisemitIn" bezeichnen ?) und dem Ausdruck einer (politischen) Einstellung lag. Daher sollte auch in diesem Kontext der Gebrauch des Labels "AntisemitIn" mit Vorsicht genossen werden.

Die GMF-Survey konnte darlegen, dass nicht nur mehr Männer als Frauen, mehr niedriger als besser Gebildete Menschen den antisemitischen Äußerungen zustimmten, sondern auch, dass entgegen der aktuellen Diskussion der Antisemitismus vor allem ein Problem der Älteren und nicht der Jüngeren ist! Weiterhin wurde deutlich, dass auch die "politische Mitte" keineswegs frei von Antisemitismus ist.

Im Endergebnis konnten die WissenschaftlerInnen feststellen, dass über 2/3 der befragten Deutschen mindestens einer der eindeutigen Facetten zustimmten. Dass die einzelnen Facetten des Antisemitismus mit einander verwoben sind, wurde besonders in Hinblick auf die Forderung nach einem Schlussstrich deutlich, die vor allem mit dem Vorwurf der Vorteilsnahme durch den Holocaust zusammenhängt.
Die AutorInnen weisen jedoch auch besonders darauf hin: eine "reine, des Antisemitismus unverdächtige Kritik an Israel ist möglich, aber sie ist rar".

Weitere Informationen finden Sie unter: www.uni-bielefeld.de/ikg

Public Affairs Beitrag vom 21.04.2005 Sarah Ross 

   




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