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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 19.07.2006

Antiisraelische Meinungsmache beim WDR
Katharina Höftmann

Kaum eine Redaktion, die in diesen Tagen nicht mit der Zuspitzung des Nahostkonfliktes beschäftigt ist. Doch Berichterstattung kann dabei sehr unterschiedlich aussehen...



Die Wellen schlagen hoch, der Nahe Osten bebt. Und so auch die deutschen Medien. Da ist von "Neuem Krieg" die Rede oder von "Eskalation", aber zumeist gibt es doch deutliche Versuche, das Problem rational und überlegt zu analysieren. Natürlich bietet das Gesetz der Pressefreiheit das Recht auf Stellungnahme und Kritik, aber man wünscht sich doch konstruktive Kritik und eine Berichterstattung, die dem Sachverhalt gerecht wird.

Leider ist das nicht immer so, wie ein aktuelles Beispiel des WDR´,s zeigt: am 18.07.2006 erschien auf der Homepage des Senders WDR unter dem Schlagwort "WDR Der Tag, Klartext" ein fragwürdiger Artikel des Nahost- Korrespondenten Jürgen Hanefeld. Betitelt mit "Israelische Militäroffensive: Sündenbock Libanon" gibt der erfahrene Journalist dort einige bedenkliche Aussagen zum Besten: Die Geschehnisse im Libanon bezeichnet Hanefeld als "Überfall auf einen souveränen und friedfertigen Staat" , Israels Premierminister Ehud Olmert wird direkt als Schurke deklariert und die Gründe für den Militäreinsatz beschreibt der Journalist als "samt und sonders falsch". Hanefeld bezweifelt, dass die libanesische Regierung überhaupt die Hisbollah entwaffnen kann und jeder Versuch würde doch nur zu einem Bürgerkrieg führen.

Nun, die Hisbollah ist eine Terrororganisation, soweit dürften sich in den westlichen Staaten zumindest führende PolitikerInnen einig sein, der libanesische Staat ein Land mit einer fragilen Demokratie und einer Regierung, in der auch die Hisbollah mit Abgeordneten vertreten ist. Der Süden der libanesischen Nation ist, nicht erst seit der letzten Wahl, fast komplett in Hand der schiitischen Hisbollahmiliz.
Nachdem Israel sich, mehr oder weniger erzwungen, aus dem Libanon zurückgezogen hat, feierte man im Süden Libanons gemeinsam mit der Hisbollah einen glorreichen Sieg. Die Terrororganisation nutzte die "neue Freiheit", um Waffen, unterstützt durch den Iran und Syrien, anzuhäufen.
Vorbereitung für einen neuen Angriff. Denn, dass sie vorbereitet sind, sieht man in diesen Tagen an der Anzahl und Qualität der Raketen, die die Hisbollah gen Israel schießt. Sie sind aber auch deshalb gut vorbereitet, weil sie diesen Krieg erwartet haben, weil sie ihn provoziert haben.

Schon Monate vor Beginn der militärischen Offensive durch Israel gab es Angriffe der Hisbollah durch Raketen auf den Norden des Landes. Diese Tatsache bleibt im Artikel von Hanefeld unerwähnt, genauso wie die, dass es die Hisbollah war, die die territoriale Grenze als erstes überschritt und einen Überfall auf einen israelischen Militärposten durchführte. Der Hisbollah muss klar gewesen sein, dass dies schwere Folgen haben würde, das erklärt sich auch durch die Wahl des Zeitpunktes ihrer Entführung: Israel schien vollends beschäftigt im Gazastreifen und Westjordanland und der beste Zeitpunkt für einen Angriff ist schließlich der, wenn der Gegner geschwächt scheint.
Natürlich hat niemand mit diesem Ausmaß der Gegenwehr gerechnet, und das ist ein Punkt der sicherlich kritikwürdig an der israelischen Politik ist. Genauso wie die Tatsache, dass nun unschuldige ZivilistInnen getötet werden, eine Entwicklung, die dem Ziel der Entwaffnung von Hisbollah nur unzureichend nahe kommt. Aber welche Alternative gab es aus Israels Sicht?
In Europa denkt man durch Diplomatie können solche Konflikte gelöst werden, die Israelis haben diese Hoffnung schon fast aufgegeben. Warum sollen sie mit einem Partner verhandeln, der sich doch nicht an Abmachungen hält? Sie haben den Libanon exakt am 24. Mai 2000 verlassen. Der Staat hatte die Möglichkeit, sich zu entwickeln, die Basis für einen Frieden zu stärken. Stattdessen hat er die Hisbollah machen lassen, was sie wollte, hat zugesehen, wie Raketen und andere Waffen von Syrien und dem Iran importiert wurden. Ja, bis jetzt versuchen sie nicht, der Terrororganisation Einhalt zu gebieten. Vielleicht auch deshalb nicht, weil sie es schlichtweg nicht können, aber was hätte Israel bei dieser Lage genau verhandeln sollen? Ihnen ist schon lange bekannt, dass die Hisbollah in "Waffenlieferungskontakt" mit Syrien und dem Iran steht, genauso lange versucht Israel durch Kommunikation das libanesische Militär Richtung Süden des Landes zu bewegen.
Ohne Erfolg.

Israel handelt jetzt, weil die Sicherheit des Landes und der Menschen gefährdet ist. In diesem Zusammenhang behauptet Hanefeld sogar, dass im Gegensatz zu Israel nicht einmal der Iran bisher die "Grenzen überschritten und die seiner Nachbarn verletzt" hätte, wie soll man dann die ständigen Drohungen des iranischen Präsidenten Ahmedinaschad zur Vernichtung Israels verstehen? Wie seine tatkräftige Unterstützung der Hisbollah, die sich eben diesem Ziel verschrieben hat? Nein, Israel als den alleinigen Aggressor darzustellen ist nicht nur unglaublich einseitig, sondern entbehrt auch jeder Faktengrundlage.

Es mag ja sein, dass Jürgen Hanefelds persönliche Meinung so aussieht, aber es ist richtig, diese beim WDR zu veröffentlichen? Pressefreiheit hin oder her, bewilligt der Intendant Fritz Pleitgen eine derart verzerrte Darstellung des Nahostkonfliktes? Offensichtlich!
Das ist das traurige am Journalismus, es gibt BerichterstatterInnen, die die Menschen informieren wollen, aber es gibt auch welche, die durch zweifelhafte Mittel Meinungen bilden wollen, die auf der Unterschlagung von Informationen basieren.
Wie sagte schon Jules Renard: "Eine Zeitung ist nicht sehr viel literarischer als ein Stammtisch." Nun, die Homepage des WDR hat eine neue Kneipe eröffnet und Jürgen Hanefeld sitzt schon am Tisch und wartet auf seine Kumpels.
Es lebe der Stammtisch- Journalismus!

Public Affairs Beitrag vom 19.07.2006 Katharina Höftmann 

   




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