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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 24.04.2006

Wo unsere WM-Gäste nicht auf FreundInnen treffen
Sarah Ross

In einem Katalog des Afrika-Rats , der dunkelhäutige WM-BesucherInnen vor rassistischen Übergriffen schützen soll, werden ganze Berliner Bezirke als No-Go-Areas gekennzeichnet. Traurig, aber wahr



Der jüngste, rassistisch motivierte Übergriff auf Ermyas M. in Potsdam hat einmal mehr gezeigt, dass das Motto der Fußball-Weltmeisterschaft "Die Welt zu Gast bei Freunden" kritisch hinterfragt werden muss. Daher hat nun der Politologe vom Afrika-Rat und Vizepräsident der Internationalen Liga für Menschenrechte, Yonas Endrias, gefordert, dass endlich der Rassismus gegenüber afrikanisch-stämmigen MitbürgerInnen ernst genommen und sofort Schutzmaßnahmen ergriffen werden sollen. Da Rechtsextreme bereits mehrere Aufmärsche und Angriffe während der WM angekündigt haben, wird nun die Liga und der Afrika-Rat - der Dachverband afrikanischer Vereine und Initiativen in Berlin-Brandenburg - einen Katalog mit Vorsichtsmaßnahmen für dunkelhäutige WM-BesucherInnen veröffentlichen.
Darin sind ganze Berliner Bezirke, wie Hellersdorf-Marzahn und Köpenick, als gefährliche No-Go-Areas gekennzeichnet. Im Mai 2005 wurde der Afrika-Rat als Dachorganisation von 25 MigrantInnen-Vereinen aus Berlin und Brandenburg gegründet.

Der Katalog soll den BesucherInnen Antworten auf Fragen geben wie: "Wohin dürfen wir gehen?", "Welche Kneipen sollten wir meiden?" und "Wohin nur gemeinsam mit anderen gehen?" - so der Vorsitzende des Afrika-Rats, Moctar Kamara. Als besonders gefährlich gelten zum Beispiel die S-Bahnhöfe Ostkreuz und Lichtenberg sowie generell der Ostteil Berlins, Brandenburg und das Berliner Umland, wo man sich vor allem nachts nicht alleine aufhalten sollte.
Der Katalog soll nicht nur die WM-Gäste vor Übergriffen schützen, die sich mit den Gegebenheiten hierzulande nicht auskennen. Die VertreterInnen der afrikanischen Gruppen wollen dadurch viel mehr deutlich machen, dass man sich nicht länger mit der Bedrohung arrangieren und die durchaus begründete eingeschränkte Bewegungsfreiheit hinnehmen will. Die MacherInnen verstehen ihren Katalog daher als Notwehr. Kamara machte darüber hinaus deutlich, dass diese Aktion nicht allein für die Zeit der Fußball-Weltmeisterschaft gilt, sondern dass diese nur der Anlass sei. Denn während der WM werden unter anderem viele afrikanische BesucherInnen erwartet.

Die Initiative des Afrika-Rats will auch darauf aufmerksam machen, dass die derzeitige Integrationsdebatte völlig am Problem vorbeigehe und allgemeine Maßnahmen zur Bekämpfung von Rassismus und Rechtsextremismus in Deutschland scheitern, solange der Rassismus gegen schwarze Menschen nicht thematisiert wird. Denn es sei die schwarze Hautfarbe und nicht der deutsche Pass, aufgrund dessen die Unterschiede zwischen den Menschen ausgemacht werden.

Während der Berliner CDU-Innenexperte Frank Henkel den Katalog als "groben Unfug und Panikmache" bezeichnet und auch das WM-Organisationskomitee sich dieser Sache gegenüber ablehnend zeigt, können die Betroffenen die Liste der Maßnahmen, die nötig wären aber mit Nichtachtung gestraft werden, endlos fortsetzen. So fordert Hasan Sezgins vom Migrationsrat Berlin-Brandenburg das kommunale Wahlrecht für Nichtdeutsche und auch die Integrationshilfe von der öffentlichen Hand lässt sehr zu wünschen übrig. Miriam Camara von Black Flowers e. V., einem Potsdamer Verein zur Unterstützung von MigrantInnen und ihren Angehörigen, hat bisher vergeblich beim Ausländeramt der brandenburgischen Landeshauptstadt und in benachbarten Städten um finanzielle Hilfe gebeten.

Solange weiterhin von Seiten der Politik die spezifische Gefährdung dunkelhäutiger MitbürgerInnen in Deutschland heruntergespielt und vertuscht wird, wobei laut Kamara tagtäglich zahlreiche schwarzhäutige Afrikaner "angegriffen, beschimpft und beleidigt" werden, stellt sich wirklich die Frage, ob die Welt zu Gast bei FreundInnen oder FeindInnen ist.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter:
www.afrika-start.de/artikel-176.htm
www.taz.de/pt/2006/04/21/a0208.1/text
www.n24.de/politik/inland/?n2006042117402800002

Public Affairs Beitrag vom 24.04.2006 Sarah Ross 

   




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