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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 29.05.2006

Ab nach Warschau am 9.-15. Juni 2006
Agnes Winklarz

Bereits zwei Mal hat die polnische Regierung den Warschauer CSD verboten. Anlass genug, um sich beim dritten Anlauf kritisch mit dem Mangel an liberalem Gedankengut auseinander zu setzen.



ExotInnen "im Land des Glaubens"

Vom 8.06. - 15.06.06 findet in der Warschauer Innenstadt die Gleichberechtigungsparade 2006 ("Dni Równosci 2006 - Kultura Róznorodnosci") statt: Filmfestival, Diskussionsforum, schwul-lesbischer Straßenumzug, Konzerte und kleinere Veranstaltungen - ganz nach dem Vorbild des Christopher-Street-Days (www.paradarownosci.pl).
Doch was in deutschen Gro√üst√§dten j√§hrlich Tausende TeilnehmerInnen anlockt, sorgt in Polen bereits seit Jahren f√ľr einen handfesten Skandal und zahlreiche Diskussionen. Denn w√§hrend hierzulande Homosexualit√§t in weiten Teilen akzeptiert, mindestens toleriert wird, sehen sich in Polen konservative Gruppen zu einem Feldzug gegen den sogenannten "Verf√ľhrer der Familie" gezwungen.

"Etwas andere sexuelle Präferenzen"

Verst√§rkt wird die ablehnende Haltung gegen√ľber gleichgeschlechtlichen Liebesbeziehungen durch die Zwillingsbr√ľder Kaczynski, die die politische Richtlinie Polens ma√ügeblich mitbestimmen. Gemeinsam besetzen die beiden M√§nner die h√∂chsten √Ąmter im polnischen Staat. Lech als Pr√§sident und Jaroslaw als Vorsitzender der gemeinsam gegr√ľndeten rechtskonservativen Partei "Recht und Gerechtigkeit" (Prawo i Sprawiedliwosc, PiS). Schon als Lech Kaczynski Stadtpr√§sident (Oberb√ľrgermeister) von Warschau war, hat er mit seiner homophoben Einstellung f√ľr Aufsehen gesorgt. Zweimal hatte er in der polnischen Hauptstadt die "Parada r√≥wnosci", die "Gleichheitsparade" der Schwulen und Lesben verboten und die Ressentiments gegen√ľber Schwulen und Lesben gesch√ľrt.
Diese zieht es daher zunehmend nach Berlin, in eine Stadt, die sich immer mehr zum Mekka polnischer Homosexueller entwickelt.

"Es sind vor allem junge Lesben und Schwule aus der polnischen Provinz, die nach Berlin kommen", sagt auch Tomasz Baczkowski gegen√ľber der "taz" Berlin. Der 33-j√§hrige lebt seit zehn Jahren in Berlin, hatte daher die M√∂glichkeit, die Szene √ľber einen l√§ngeren Zeitraum zu beobachten. Seinen Sch√§tzungen zufolge sind 30 bis 40 Prozent der jungen Polen, die in die Stadt kommen, homosexuell.

"Dass Berlin die internationale Hauptstadt von Damen und Herren mit etwas anderen sexuellen Pr√§ferenzen ist," ist auch Lech Kaczynski nicht entgangen, der in der gleichgeschlechtlichen Liebe einen "moralischen Werteverfall" und einen "Angriff auf die religi√∂sen Fundamente Polens" wittert: "Es ist kein Problem, dass es Homosexuelle gibt. Die gab es immer, die wird es geben. Das Problem ist aber, dass sie ihre Lebensweise als Alternative f√ľr die Mehrheit propagieren." Die Mehrheit - im Fall Polens 90 % der Bev√∂lkerung - ist katholisch, orientiert sich am konventionellen Familienbild mit Mutter, Vater und Kind.
Homosexuelle stellen wie Kaczynski, der Welt am Sonntag erkl√§rte, sowohl "kulturell" als auch "biologisch" eine Gefahr dar, da sie im √§u√üersten Fall, dazu f√ľhrten, dass "die Menschheit ausstirbt" folgerte er gegen√ľber einer Aktivistin bei seinem Auftritt in der Berliner Humboldt-Universit√§t, wie die FAZ berichtete.

Unterst√ľtzung erh√§lt der Pr√§sident nicht nur von seinem Bruder, sondern zugleich von seinem Parteikollegen Kazimierz Marcinkiewicz, der kurz vor seiner Ernennung zum Premierminister im Oktober 2005, der polnischen "Newsweek" ein Interview gab, in dem er die Unnat√ľrlichkeit der Homosexualit√§t propagierte und dem Staat die Aufgabe zuschrieb die Familie vor einer Ansteckung mit der Homosexualit√§t zu sch√ľtzen.

Gemeinsamer Kampf "zum Schutz der Familie"

Allein sind sie mit dieser Einstellung jedoch nicht, vor allem Vertreter der Kirche haben es sich zur Aufgabe gemacht "Aufkl√§rungsarbeit" in Eigenregie zu leisten.Sei es mit Hilfe des katholisch-fundamentalistischen Radiosenders "Radio Maryja", der vor allem durch seine ausl√§nderfeindlichen, europaskeptischen und antisemitischen √Ąu√üerungen auff√§llt oder mit Hilfe christlicher Organisationen, die in Form von Brosch√ľren versuchen, die breite Masse zu erreichen.Ansetzen m√∂chte man bei den J√ľngsten, weshalb ein 55-seitiges Heft an zahlreiche Schulen in ganz Polen verschickt wurde.
Ein anonymer Autor erklärt, basierend auf den "Erkenntnissen" unbekannter amerikanischer Gelehrter und Psychologen, Ursachen und Folgen der gleichgeschlechtlichen Liebe und zeichnet Homosexuelle, als blut- und fäkalienverzehrende Unmenschen, die sowohl dem Sex mit Kindern, als auch mit Tieren nicht abgeneigt sind.

Ziel ist es, junge Menschen vor der Verlockung gleichgeschlechtlicher Liebe zu bewahren, der nach Recherche des Autors vor allem Kinder atheistischer Eltern zum "Opfer" fielen, aber auch traumatisierte und psychisch Kranke. Doch die Einheit der Familie sehen konservative Gruppen nicht nur durch Homosexuelle bedroht, auch Abtreibungsbef√ľrworterInnen und Feministinnen sind ihnen ein Dorn im Auge.

Abtreibungen auf hoher See

Seinen Ursprung fand die polnische Emanzipationsbewegung im Jahr 1989, was sich in erster Linie durch die zunehmende √Ėffnung zum Westen erkl√§ren l√§sst. Aber erst 1993, mit der Einf√ľhrung des Abtreibungsverbotes, fand die Idee weiblicher Gleichberechtigung und Selbstbestimmung eine zunehmende Anzahl Anh√§ngerInnen, sorgte jedoch gleichzeitig f√ľr ein reges Tauziehen der verschiedenen politischen Gruppierungen. Um auch polnischen Frauen den Weg zu einer menschengerechten Abtreibung zu ebnen, legte zehn Jahre sp√§ter die niederl√§ndische Frauenorganisation "Women on Waves" mit einer schwimmenden Abtreibungsklinik in einem kleinen Ostseehafen bei Danzig an. Dort nahm sie polnische M√§dchen und Frauen an Bord, um au√üerhalb der 19-Meilen Zone auf hoher See die gew√ľnschten Abtreibungen vorzunehmen.

Die Regierung und die Kirche bereiteten den Aktivistinnen aus Holland einen erwartungsgemäßen Empfang: So wetterte der Erzbischof von Danzig, Tadeusz Goclowski, schon im Vorfeld, die Frauen seien angereist, um "Polen zu töten", aber auch Bezeichnungen wie "Mörder" und "Gestapo" blieben nicht aus.

"In Käfigen einsperren und Kinder gebären"

Schwangerschaftsabbr√ľche widersprechen den Vorstellungen einer polnischen Familie, die sich vor allem durch Kinderreichtum, Gottesgl√§ubigkeit und Bodenst√§ndigkeit definiert, weshalb Polen eines der restriktivsten Abtreibungsgesetze Europas hat. Abtreibungen sind daher nur in Ausnahmef√§llen erlaubt, etwa wenn das Leben oder die Gesundheit der Mutter in Gefahr ist. Aber auch dann weigern sich viele √ĄrztInnen, den Eingriff vorzunehmen. "Selbst wenn eine Frau nach dem Gesetz ein Recht auf Abtreibung hat, trifft sie h√§ufig auf Barrieren, die den legalen Weg unm√∂glich machen. Die meisten Frauen versuchen es dann illegal", erkl√§rte Wanda Nowicka, Vorsitzende der "F√∂deration f√ľr Frauen und Familienplanung" dem ZDF. Die Ursache daf√ľr sieht sie vor allem im Diktat der katholischen Kirche, dem die Bev√∂lkerung sich bedingungslos unterwirft.

Auch die Autorin Agnieszka Graff kritisiert im Jahrbuch Polen 2006 die "Tradition, deren Bollwerk die Kirche und deren Symbol und St√ľtze die traditionelle Rolle der Frau ist." Deshalb gelingt es ihrer Meinung nach nicht, im polnischen Parlament ein Gleichstellungsgesetz durchzubringen, das gem√§√ü den EU-Richtlinien vorsieht, die Gleichberechtigung von M√§nnern und Frauen gesetzlich zu sch√ľtzen. Vielmehr nimmt man im Parlament die Debatte zum Anlass sich √ľber die "verr√ľckten Feministinnen" lustig zu machen.

Dass in Polen eine "starke fundamentalistische Str√∂mung in Polen" existiert, best√§tigt auch Wanda Nowicka: "Am liebsten w√ľrden diese Leute Frauen zuhause, oder noch besser in K√§figen einsperren, damit sie dort ungest√∂rt Kinder geb√§ren. Doch der Staat zieht sich nach der Geburt schnell aus der Aff√§re: So muss eine Mutter in Polen monatlich mit umgerechnet 150 Euro f√ľr sich und ihre drei Kinder auskommen.

Mehr Infos unter: www.deutsches-polen-institut.de

Der "Warschauer Pakt 2006" organisiert zusammen mit "anders reisen" eine Busreise zum Warschauer CSD am 10.6.2006.
Alle Buchungen und Fragen zur Reise bitte an:
anders reisen
Motzstr. 34
10777 Schöneberg
√Ėffnungszeiten: Mo.-Fr. 10-19 Uhr und Sa. 10-15 Uhr
Telefon: 030/21 96 88 56
Internet: www.anders-reisen.com

Weitere Informationen √ľber die Gleichberechtigungsparade 2006 erhalten Sie unter:
www.paradarownosci.pl
www.warschauerpakt2006.de
Infos zur Anreise: www.warschauerpakt2006.de/anreise.html

Jahrbuch Polen 2006
Herausgegeben vom Deutschen Polen-Institut Darmstadt
Herausgegeben von Andrzej Kaluza, Jutta Wierczimok
Harrassowitz Verlag Wiesbaden 2006
11,80 Euro
ISSN 1432-5810
ISBN 3-447-05317-8

Public Affairs Beitrag vom 29.05.2006 AVIVA-Redaktion 

   




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