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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 05.11.2002

Weiterbildung im Qualitätstest
Ilka Fleischer

Die Stiftung Bildungstest im kritischen Austausch mit VertreterInnen von Berliner Weiterbildungseinrichtungen.



Läßt sich Bildung wie eine Waschmaschine testen?

"Weiterbildung im Qualitätstest" - Unter diesem Motto versammelte sich am letzten Oktober-Mittwoch das Berliner Edukations-Management in der City Volkshochschule. Auf Einladung der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport stand die Arbeit der kürzlich gegründeten Abteilung Bildungstest der Stiftung Warentest im Focus der Diskussion.

Das Test-Team der "Ware Bildung" hatte die hauptstädtische Weiterbildungslandschaft bereits mit ersten Ergebnissen in Aufruhr versetzt: ob in Internet-Einführungskursen, Weiterbildungsdatenbanken oder Fortbildungsberatungen von Arbeitslosen - überall wurden eklatante Mängel ausgemacht. Wenig erstaunlich also, daß sich Alfred Töpper, Abteilungsleiter der "Stiftung Bildungstest", einem skeptischen Publikum gegenüber sah. Kern-Kritik: Bildung lasse sich nicht wie eine Waschmaschine testen.


Die Basis für die geplanten Überprüfungen im Bildungs-Bereich bildet die von Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn in Auftrag gegebene "Machbarkeitsstudie Bildungstest". Kurz nach Veröffentlichung im Dezember 2001 hatte die Ministerin das Vorhaben verkündet, deutsche Bildungsqualität durch unabhängige Tests sichern und erhöhen zu wollen.
In Kooperation mit der perspektivisch einzurichtenden Stiftung Bildungstest werden bis zum Jahresende 2005 schwerpunktmäßig Kursangebote im Bereich beruflicher Weiterbildung untersucht - vorerst unter dem Dach der Stiftung Warentest. Langfristig sollen außerdem die Bildungsangebote von Schulen und Hochschulen getestet werden. Bis Ende 2005 werden zunächst 6 Millionen Euro aus Mitteln des Bundesbildungsministeriums und des Europäischen Sozialfonds zur Verfügung gestellt.

Die übergeordneten Ziele der mittelfristigen Testreihen werden einerseits in der Schaffung von Orientierungshilfen für VerbraucherInnen und andererseits in der Anhebung des Qualitätsbewußtseins von Weiterbildungsanbietern gesehen. Laut Stiftung Warentest-Vorstand Dr. Werner Brinkmann sei der deutsche Weiterbildungsmarkt mit seinen 400.000 unterschiedlichen Produkten nicht nur hinsichtlich seiner Transparenz optimierbar: Die ca. 35.000 Veranstalter erwirtschafteten jährlich 40 Milliarden Euro, während die Erwartungen der Verbraucher nicht immer erfüllt würden.

Bis auf weiteres mit einem Jahresbudget von nur 1,7 Millionen Euro sowie 12 festen und einer Handvoll freien MitarbeiterInnen ausgestattet, verlangt die Arbeit des Test-Teams um den Mathematiker Alfred Töpper eine minimalistische Vorgehensweise - zumal jährlich 20 Untersuchungen geplant sind. Trotz der thematischen Eingrenzung für die kommenden 3 Jahre auf berufliche Fortbildungsangebote stehen vielfältige Testfelder auf dem Programm: von Existenzgründungsseminaren über Bewerbungstrainings und Wirtschaftsenglisch-Kurse bis hin zu arbeitsamtgeförderten Langzeit-Maßnahmen im kaufmännischen Bereich und den bereits "angetesteten" Weiterbildungsdatenbanken. Ohne eine starke Beschränkung der zu testenden Einrichtungen und der Testreihen lässt sich das Vorhaben vor diesem Hintergrund kaum realisieren.

Wie können punktuelle Stichproben Repräsentativität gewährleisten? Angrenzende Fragen: Wie können einzelne DozentInnen davor geschützt werden, als "Bauernopfer" ihrer Arbeitgeber funktionalisiert zu werden? Wie können getestete Einrichtungen sich davor bewahren, für getestete "Ausnahmesituationen" ins Schußfeuer der Kritik zu geraten? Welche Folgen bringt die Auswahl der Test-Einrichtungen in Bezug auf die Positionierung gegenüber nicht-getesteten Mitbewerbern mit sich? Fragen, die Herrn Töpper und sein Test-Team schon seit Monaten begleiten und bei aller selbstkritischen Reflexion nicht aus der Fassung bringen.
Die Vorgehensweise "in dubio pro reo" schütze die getesteten Einrichtungen im Zweifelsfalle vor verallgemeinernder Kritik und die einzelnen KursleiterInnen würden in den Veröffentlichungen niemals genannt, erklärt Herr Töpper. Ohne Überheblichkeit erläutert er Grundlagen der Wahrscheinlichkeitsrechnung und berichtet, inwiefern die Unterstellung, zur falschen Zeit am falschen Ort getestet zu haben, zum Alltag der Stiftung Warentest gehört.

Der zweite neuralgische Bereich dreht sich um den zugrunde gelegten Qualitätsbegriff und hatte im Vorfeld bereits große Zweifel aufgeworfen: Inwieweit könnte die Arbeit der Abteilung Bildungstest als "Königsweg für eine aktive Qualitätssicherungspolitik der Bundesregierung" instrumentalisiert werden, hatte sich GEW-Weiterbildungsexpertin Ursula Herdt skeptisch geäußert.
Ohne regierungspolitische Bezüge herzustellen, dennoch mit ähnlich grundlegenden Zweifeln, wurde auch in der jüngsten Veranstaltung Kritik an Aussagekraft und Bedeutung der Testkriterien laut. Zu viele schwer messbare Faktoren - wie pädagogische Qualität und Persönlichkeitsbildung - würden zugunsten leichter evaluierbarer Kriterien - wie Ausstattung und Gruppengröße - ausgeklammert. Bei der Definition der Testkriterien würden demnach fachliche Kriterien ausgespart, die für die Beurteilung von Bildungsqualität maßgeblich wären. In Konsequenz sei zwar eine Anpassung des Marktes auf die Testkriterien zu erwarten, aber u.U. kaum eine qualitative Verbesserung unter fachlichen Gesichtspunkten.

Finale Nachfrage aus dem Auditorium: Könnte man die Arbeit der BildungstesterInnen mit einem Waschmaschinentest vergleichen, bei dem nur die Qualität der technischen Vorrichtungen wie Trommel und Schalter beurteilt würden, nicht aber die Sauberkeit der Wäsche? Ohne Zögern gesteht Herr Töpper eine gewisse Vergleichbarkeit ein, relativiert aber insofern, als dass zumindest eine "Schmuddeligkeit" der Wäsche nachgewiesen werden könne...



Women + Work Beitrag vom 05.11.2002 Ilka Fleischer 

   




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