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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 16.04.2007

Vom Mythos der Karrierefrau als Superfrau
Clarissa Lempp

Eine Studie des nordrhein-westfälische Ministeriums für Generationen, Familie, Frauen und Integration hat das Bild von Unternehmerinnen in den Medien untersucht: Süßes Leben mit bitteren Noten...



Die öffentliche Wahrnehmung von Unternehmerinnen hat mit der Realität kaum etwas zu tun. Zu diesem Ergebnis kommt die Untersuchung "Süßes Leben mit bitteren Noten", die das nordrhein-westfälische Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration (MGFFI) Ende 2006 vorgestellt hat. Trotz positiver Entwicklungen des institutionellen und gesellschaftspolitischen Umfelds in Deutschland werden Gründerinnen und Unternehmerinnen oft noch skeptisch betrachtet oder als "Superfrauen" verherrlicht. Als hart arbeitende Powerfrauen, sehen sie dazu blendend aus und kümmern sich gleichermaßen um Job, Familie und Haushalt. "Kurz gesagt, Unternehmerinnen sind wahre Superfrauen, die ihre "Frau" in einem männerdominierten Bereich stehen" so der zuständige Landesminister Armin Laschet. In diesem Zusammenhang untersuchte die Universität Siegen, im Auftrag des MGFFI, das von Medien transportierte Bild deutscher Unternehmerinnen und Gründerinnen. Der Fokus lag auf der Zeitungsberichterstattung und bezog sich im speziellen auf die großen Tageszeitungen Berliner Zeitung, Bild-Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), Das Neue Deutschland (ND), Die Süddeutsche Zeitung (SZ), Die Tageszeitung (TAZ) und Die Welt. Insbesondere Zeitungen vermitteln schließlich, auch in Zeiten der zunehmenden Internetnutzung, akzeptierte Wertvorstellungen einer Gesellschaft und tragen im öffentlichen Diskurs dazu bei, die Tätigkeit von Unternehmerinnen positiv zu besetzen.

Sprachlich wurde bei der geschäftsbezogenen Berichterstattung über Gründerinnen insgesamt auf einen sachlich und neutralen Gebrauch geachtet, während beim Unternehmerinnenbegriff vor allem Bilder verwendet werden und insbesondere in Porträts, eine emotionalisierte Beschreibung auftritt. Vor allem das Aussehen und Verhalten der betreffenden Frauen wird betont und "typisch weibliche" Merkmale (z.B. ihre "weiche Stimme") hervorgehoben. Auch die Einbettung in unterschiedliche Dossiers spielt eine erhebliche Rolle. Artikel im Kulturbereich verwenden eher eine anschauliche, bebilderte Sprache, Artikel im Wirtschaftsteil zeichnen sich durch neutralere, sachlichere Beschreibungen aus. Bei ausführlichen Porträts von Unternehmerinnen oder Gründerinnen wird auch ihre Herkunft betont, die auf eine Notwendigkeit später selbst erfolgreich zu sein hinweisen soll. Dabei wird impliziert, dass der Erfolg für Frauen sich in "etwas leisten zu können", kostspieligen Hobbys und dem Gefühl sich aus einer Notlage befreit zu haben, ausdrückt. Gleichzeitig werden durch implizite Hinweise auf die Rolle des Ehemannes beim Unternehmensaufbau oder auf das Aussehen der Unternehmerinnen, die Selbstständigkeit in der Erreichung ihrer Ziele abgesprochen.

Geschlechtstypische Bilder werden auch durch Beispiele konstatiert, wenn z.B. betont wird, dass Frauen nicht mit Geld umgehen könnten oder eher für das Kreative zuständig seien. Das Unternehmerinnen-Dasein ist im Vergleich zum Unternehmerdasein immer noch etwas Besonderes, was im 21. Jahrhundert überraschen dürfte. Das traditionelle Rollenbild, das sich dahinter verbirgt wird nur von wenigen der untersuchten Zeitungen aufgebrochen. Nicht überraschend ist deshalb, dass Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein beliebtes Thema in der Unternehmerinnendiskussion ist. Der Unternehmenserfolg wird häufig als negativ für das Familienleben dargestellt und explizit mit Statussymbolen verknüpft. So erwähnt die Welt in einem 2004 veröffentlichten Porträt einer jungen chinesischen Unternehmerin, den Zusammenbruch der Ehe als "Preis für den Erfolg", während auf der anderen Seite betont wird, welche Statussymbole sie sich mittlerweile leisten kann. Zudem werden Unternehmerinnen an einer männlich-orientierten Norm gemessen. Sie sind hart arbeitende Power-Frauen, die Enthusiasmus, Energie und Härte zeigen, schlau sind und eben auch noch gut aussehen. Kurz: Sie sind Superfrauen in einer männer-dominierten Welt. Gleichzeitig finden sich gerade in der Berichterstattung über Gründerinnen vor allem Porträts aus dem Kulturbereich (Tanztheater, Museen, Galerien, freischaffende Künstlerinnen usw.), aber auch im Sozialbereich, beides Gebiete die im allgemeinen eher Frauen zu gesprochen werden.

JournalistInnen sollten sich der Macht von Bildern und Sprache bei der Konstruktion von veralteten Rollenzuschreibungen bewusst sein. Die Gendertrainings des Journalistinnenbunds bieten hier einen guten Anknüpfungspunkt, um auf gendersensible Themen aufmerksam zu machen und die Geschlechterperspektive, wie auch eine geschlechtsneutrale Sprache als Selbstverständlichkeiten in die Berichterstattung einzubeziehen. Das sich dabei auch das Geschlecht der Berichterstatter auf die verwendete Sprache auswirkt liegt auf der Hand. Interessanterweise sind aber die beiden sachlichsten Porträts von Männern, die drei emotionalisierten dagegen von Frauen verfasst.

"Süßes Leben mit bitteren Noten". Unternehmerinnen und Gründerinnen in der deutschen Presse - eine diskursanalytische Betrachtung.
Herausgegeben vom Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen, 2006.

Über die Internetseite des MGFFI ist die Publikation als PDF-Download erhältlich.
www.mgffi.nrw.de

Women + Work Beitrag vom 16.04.2007 Clarissa Lempp 

   




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