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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 27.11.2007

28. Geschwister-Scholl-Preis posthum für Anna Politkovskaja
Franziska Eva-Maria Steier

Das "Russische Tagebuch" von Anna Politkovskaja (1958 – 2006) erhält den Geschwister-Scholl-Preis 2007 von der Stadt München und dem Landesverband Bayern des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.



Ziel des Geschwister-Scholl-Preises ist es, jährlich ein Buch auszuzeichnen, das von geistiger Unabhängigkeit zeugt, das geeignet ist, bürgerliche Freiheit, moralischen, intellektuellen und ästhetischen Mut zu fördern und dem verantwortlichen Gegenwartsbewusstsein wichtige Impulse zu geben. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird in diesem Jahr zum 28. Mal vergeben.

Die Begründung der Jury:
Anna Politkovskaja, die am 7. Oktober 2006 in ihrem Haus in Moskau erschossen wurde (AVIVA-Berlin berichtete), hat in diesem Buch von 2003 bis 2005 die politische Szenerie ihres Landes minutiös beschrieben. In Reportagen, Medienanalysen, Interviews, Wahlobservationen, Kriegsberichten, Greueltaten in Tschetschenien und Prozessbeobachtungen zeigte die Journalistin der Zeitung "Nowaja gaseta" einen Machtmissbrauch in allen Bereichen der Öffentlichkeit, von der Manipulation politischer Prozesse über Verfehlungen der Justiz bis zur Beeinträchtigung der Pressefreiheit. Mit analytischer Schärfe benannte sie Verletzungen fundamentaler Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit und deren Auswirkungen auf eine Bevölkerung, die sich resigniert aus der politischen Verantwortung verabschiedet hat.

In ihren Recherchen zu den Hintergründen und Alltäglichkeiten des Krieges in Tschetschenien geht sie Menschenrechtsverletzungen nach, kompromisslos konfrontierte sie in ihren Interviews die Verantwortlichen. Voller Mitgefühl schilderte Anna Politkovskaja die Situation von Menschen, die ohne eigene Schuld in ein Räderwerk von Willkür und Terror gerieten – Soldaten, versehrte Veteranen, Angehörige von Verschleppten, Gefolterten und Gefallenen sowie Überlebende des Anschlages auf die Schule in Beslan. Unnachgiebig appelliert Politkovskaja an die Mitverantwortung der westlichen Welt für die Demokratisierungsprozesse auch in ihrem Land.

Anna Politkovskaja war eine unbestechliche Journalistin, deren moralische Ansprüche es ihr nicht erlaubten, sich zurückzunehmen, selbst wo sie Gefahr für ihr Leben sah. Es ist nicht zu viel gesagt, dass sie bereit war, für Texte wie das "Russische Tagebuch" zu sterben. Ihren Tod hat sie in Kauf genommen, aus Solidarität mit den Menschen, für die sie schrieb, in Verteidigung des Rechtes auf freie Information und aus Hingabe an das Prinzip demokratischer Rechtsstaatlichkeit. Ihr Engagement galt nicht zuletzt denen, die nach uns kommen, den Kindern und EnkelInnen. Ihr unbeugsamer Mut, gerade im Angesicht ihrer berechtigten Ängste in einer immer bedrohlicher werdenden Situation, gibt ein Beispiel für Zivilcourage und moralische Integrität weit über ihren Berufsstand und ihr eigenes Land hinaus.
Besetzung der Jury

Der Jury unter dem Vorsitz von Dr. Hans-Georg Küppers, Kulturreferent der Landeshauptstadt München, und Wolf Dieter Eggert, Vorsitzender des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels – Landesverband Bayern e.V., gehörten an:

  • Christoph Buchwald (Verleger)
  • Sabine Dultz (Münchner Merkur)
  • Dr. Ingeborg Harms (Publizistin und Literaturkritikerin)
  • Dr. Dieter Heß (Bayerischer Rundfunk)
  • Prof. Dr. Hans Günter Hockerts (Lehrstuhl für Zeitgeschichte, Universität München)
  • Dr. Susanne Mayer (Die Zeit)
  • Dr. Gustav Seibt (Historiker und Publizist)
  • Gitta Severloh (Hessischer Rundfunk)
  • Sabine Zaplin (Schriftstellerin)

    Bisherige PreisträgerInnen waren unter anderem: Soazig Aaron, Saul Friedländer, Peter Gay, Georges-Arthur Goldschmidt, Arno Gruen, Jürgen Habermas, Raul Hilberg, Rolf Hochhuth, Victor Klemperer, Necla Kelek, Heribert Prantl, Mark Roseman, Lea Rosh, Mihail Sebastian, Helmuth James von Moltke, Grete Weil und Christa Wolf.

    Der Preis wurde bei einem Festakt am 26. November 2007 in der Ludwig-Maximilians-Universität, Geschwister-Scholl-Platz 1, in München von Oberbürgermeisterin Christian Ude verliehen. Entgegengenommen haben ihn Yuri Safronov, stellvertretender Chefredakteur der Zeitung "Nowaja gaseta", und Ilya Politkovsky, der Sohn von Anna Politkovskaja. Ein Teil des Preisgeldes geht nach dem Willen ihrer Familie an die russische Stiftung "Pravo Materi", die sich für die Rechte von Eltern einsetzt, deren Kinder in der russischen Armee umgekommen sind.
    Auch heute noch zeigen Übergriffe russischer Behörden auf VertreterInnen der Presse und der Oppositionsparteien, dass die Grundrechte in Russland weiterhin stark eingeschränkt sind. Der Mord an Anna Politkovskaja hatte den erschreckenden Zustand der Pressefreiheit in Russland über Nacht der Welt vor Augen geführt.

    Weitere Infos zum Geschwister-Scholl-Preis unter: www.buchhandel-bayern.de

    (Quelle: Börsenverein des Deutschen Buchhandels)

    Anna Politkovskaja
    Russisches Tagebuch

    Aus dem Russischen von Hannelore Umbreit und Alfred Frank
    DuMont Literatur- und Kunstverlag, Köln 2007
    458 Seiten
    ISBN: 978-3-8321-8022-5
    24,90 Euro

  • Women + Work Beitrag vom 27.11.2007 AVIVA-Redaktion 

       




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