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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 15.05.2003

Eine Unternehmerin stellt sich vor
Sharon Adler

AVIVA sprach mit der Gründerin und Inhaberin des Instituts für angewandte Ergonomie und Kommunikationsdesign - Ergolog, der Diplomkulturwissenschaftlerin Birgitt Wählisch



AVIVA-Berlin: Sie waren bereits vor der Gründung von Ergolog im Kultur-, Weiterbildungs- und Beratungsbereich tätig. Was genau hat Sie veranlasst, das Institut mit Schwerpunkt auf Gender Mainstreaming zu gründen? Welche Erfahrungen haben Sie dabei inspiriert?
B.Wählisch: Ich habe bereits vorher in verschiedenen Projekten relativ selbständig gearbeitet. So war die Entwicklung hin zu einem eigenen Unternehmen aus meiner Sicht eher folgerichtig.
Gegründet wurde das Institut nicht mit dem Schwerpunkt Gender Mainstreaming. Dieses Thema hat sich explizit erst später ergeben. Allerdings war der Ansatz von vorneherein, mit Blick auf Frauen und Männer zu arbeiten, das heißt bei Entwicklungen im Medienbereich die geschlechtsspezifischen Besonderheiten mit im Blick zu haben. Diesen spezifischen Blick können wir inzwischen auch in speziellen Forschungsprojekten einbringen.

AVIVA-Berlin: Ergolog - was möchten Sie mit dieser Bezeichnung Ihren (potentiellen) KundInnen vermitteln?
B.Wählisch: Ergolog ist aus den Begriffen "Ergonomie" und "Logik" zusammengesetzt. Bei uns steht in allen Bereichen die Nutzungsfreundlichkeit von IT für Frauen und Männern im Vordergrund.

AVIVA-Berlin: Ergolog bietet unter anderem Seminare und Veranstaltungen zur Förderung von Chancengleichheit für Frauen besonders im IT Bereich an. Welche Resonanz erhalten Sie von Seiten der Frauen? Sollten Frauen in diesem Bereich offensiver, selbstbewusster werden?
B.Wählisch: Natürlich wünsche ich mir eine größere Zahl von Frauen auch in den harten technischen Bereichen - aber die Zeiten sind nicht so. Ich kann manche Zurückhaltung gut nachvollziehen, das ist auch mit größerem Selbstbewusstsein nicht ohne weiteres lösbar. In manchen Bereichen ist ein Einstieg ohne ein einschlägiges Studium (z.B. Informatik oder Elektrotechnik) so gut wie unmöglich. Da sollten keine falschen Illusionen geweckt werden. Deshalb versuchen wir besonders mögliche Lücken für Quereinsteigerinnen aufzudecken. Dort, wo fachliche Vorkenntnisse, Berufserfahrung gepaart mit technischem Know how gefragt sind, können auch Frauen ihre Lücke finden.
Wichtig finde ich, mehr junge Mädchen für diese Bereiche zu begeistern, zu ermutigen und zu unterstützen, denn nur so kann sich langfristig etwas entwickeln.

AVIVA-Berlin: Stichwort Existenzgründung (wozu Ergolog ja auch Seminare anbietet) - hat sich in den letzten Jahren ein Richtungswechsel im Bereich Gründungen von Frauen vollzogen?
B.Wählisch: Nein, nicht dass ich wüsste.

AVIVA-Berlin: Vor kurzem fand der Girls´ Day statt. Er will Mädchen an Berufsfelder, die bisher eher von Männern dominiert sind, heranführen. Was raten Sie jungen Frauen in der Berufsorientierungsphase?
B.Wählisch: Alle Chancen nutzen, um in die Praxis schauen zu können. Der Girls Day ist dafür eine gute Möglichkeit. Wir beraten Unternehmen innerhalb eines Projektes zu der Gestaltung von Websites im Bereich der Nachwuchskräftegewinnung. Hier ist immer wieder Thema, wie können gerade technische Berufe, anschaulich und attraktiv beschrieben werden. Oft sind Mädchen bei Praktika in den Unternehmen erstaunt, wie viel Spaß die Arbeit an der Werkbank oder machen kann. Sicher sollte der Blick auf die Berufswelt sowohl bei Mädchen als auch bei Jungen erweitert werden. Ich würde mir auch mehr Männer in Frauenberufen wünschen, wie z. B. mehr Erzieher in Kindertagesstätten.

AVIVA-Berlin: Ergolog ist aktiv in der Konzeptentwicklung im Bereich Webmarketing und Content-Management. Wo liegt in dem Bereich die Zukunft und wo geht der Trend hin?
B.Wählisch: Die Zeit technischer Spielerei ist vorbei. Wir liegen mit unserer Konzentration auf Usability voll im Trend.

AVIVA-Berlin: Wie gehen Sie mit Rückschlägen oder Burnout um?
B.Wählisch: Unter Burnout leide ich nicht, dazu macht mir meine Arbeit viel zuviel Spaß. Rückschläge gehören dazu, allerdings muss ich mir selbst das manchmal sehr deutlich und laut sagen. Außerdem habe ich eine verständnisvolle und aufbauende Familie, Super Kollegen/innen und einen Freundeskreis, der mich immer wieder aufbaut.

AVIVA-Berlin: Das Institut existiert jetzt seit drei Jahren. Was beflügelt, was motiviert Sie immer wieder in ihrem Beruf?
B.Wählisch: Ich bin mit Leib und Seele Unternehmerin, etwas anderes kann ich mir inzwischen nicht mehr vorstellen. Meinen Traumjob habe ich gefunden. Ich liebe die Vielseitigkeit und die Herausforderungen. Es macht mir Spaß, Entscheidungen treffen zu können. Durch unser Nischendasein haben wir die Möglichkeit, manches auszuprobieren. Eigentlich haben wir in den drei Jahren immer wieder Neuland betreten. Die Routine hält sich in Grenzen und Erfolge sind in Form von Produkten oder gelungenen Veranstaltungen direkt messbar. Bei so einer Arbeit gibt es eigentlich keine Motivationsprobleme.

Mehr Infos zu Ergolog:
www.ergolog.de



Women + Work Beitrag vom 15.05.2003 Sharon Adler 

   




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