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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 28.09.2003

Brigitte Geier, Gründerin der ersten Detektei für Frauen in Berlin.
Sharon Adler

Mit dem Berufsbild Detektiv/in verbinden wir allzu oft Jerry Cotton, Philipp Marlowe, Miss Marple. Wie sieht die Realität heute aus....



und wie kommt jemand dazu, Detektiv/in zu werden?




[Copyright: Sandra Truté]

Brigitte Geier

die Gründerin der ersten Detektei für Frauen in Berlin im Interview mit AVIVA-BERLIN

Mit dem Berufsbild Detektiv/in verbinden wir allzu oft Jerry Cotton, Philipp Marlowe, Miss Marple. Wie sieht die Realität heute aus und wie kommt jemand dazu, Detektiv/in zu werden?

Detektei für Frauen
Brigitte Geier
Paul-Lincke-Ufer 7a, 10999 Berlin
Termine & Informationen unter: 030-440 52 610


AVIVA-BERLIN: Frau Geier, seit wann gibt es die Detektei?
Brigitte Geier: Meine Detektei für Frauen habe ich nach einer zweijährigen Vorlaufzeit 1999 gegründet.

AVIVA-BERLIN: Wie kamen Sie darauf, eine Detektei für Frauen zu gründen und was haben Sie vorher gemacht?
Brigitte Geier: Der Grund dafür war, dass ich seit über 20 Jahren mit und für Frauen gearbeitet habe, hauptsächlich im Antigewaltbereich. Seit Jahren ärgert es mich, dass viele Väter sich um die Unterhaltszahlungen für ihre Kinder drücken. Sie sagen, sie hätten kein Geld, stünden finanziell schwach da und so weiter. Oft handelt es sich dabei aber um erfolgreiche Männer, Unternehmer, Manager, die behaupten, sie hätten das Geld nicht. Kurzum: Ich möchte den Frauen helfen, die säumigen Väter zu überführen.
Sie müssen sich vorstellen, ca. 800 000 Elternteile zahlen keinen Unterhalt, dabei sind die Hälfte dazu in der Lage. Es ist für mich eine Herausforderung und eine Herzensangelegenheit, den Frauen bzw. dann auch den Kindern zu ihrem Recht zu verhelfen. Ein Schwerpunkt meiner Arbeit sind also Unterhalts- und Sorgerechtsfragen.
Ich finde diese Dienstleistung besonders spannend, denn damit kann ich auf eine bestimmte Weise helfen und meine Ausbildung als Diplom-Sozialpädagogin in vielfältiger Weise nutzen. Außerdem war und bin ich immer sehr neugierig, möchte auch gerne Hintergründe aufdecken.
Ich habe einfach nach einem mir entsprechenden neuen Arbeitsschwerpunkt gesucht und irgendwann im Sommer 1977 ist mir die Idee zu der Detektei auf einer Autofahrt von München nach Berlin gekommen, als ich im Radio gerade etwas über Detektive hörte.
Genau, dachte ich mir, ich gründe eine Detektei. Denn bevor die Frauen zu irgendeinem Detektiv gehen, können sie auch zu mir kommen.


AVIVA-BERLIN: Welche Aufträge bearbeiten Sie am häufigsten und warum?
Brigitte Geier: Am häufigsten bearbeite ich Aufträge von Frauen, die Auskünfte über ihre Männer benötigen. Die Frauen wollen oder brauchen Gewissheit darüber, ob ihr Ehemann oder Freund sie betrügt, bevor sie sich entscheiden können, sich zu trennen. Oft haben sie bereits so ein Gefühl, wissen es aber nicht genau und wollen es überprüfen. Viele Frauen - und natürlich auch Männer - sind misstrauisch und eifersüchtig. Bevor ich solch einen Auftrag annehme, spreche ich ausführlich mit der Frau.
Ich glaube nämlich, dass ganz andere Probleme dahinter stecken. Oft wollen die Frauen ihre Ehe oder Beziehung aufrechterhalten und können oder wollen nicht sehen, dass sie bereits gestört, wenn nicht gar zerbrochen ist. Sie brauchen einen "Beweis", um sich trennen zu können. Ich biete Ihnen zunächst eine Beratung an, bevor sie viel Geld für eine Observation ausgeben, denn der Beweis kann sehr teuer werden. Einige Frauen nehmen dieses Angebot gerne wahr und sind nach dem Beratungsgespräch sehr erleichtert, wenn sie feststellen, dass sie sich auch ohne den Beweis trennen können.


AVIVA-BERLIN: Gibt es Situationen, in denen Sie von einer Observation abraten?
Brigitte Geier: Ja, zum Beispiel wenn ich mir sicher bin, dass es sich um einen gefährlichen Auftrag handelt. Das betrifft unter anderem Aufträge, bei denen es um Frauenhandel geht. Manchmal lehne ich auch Aufträge ab, weil kein berechtigtes Interesse der Mandantin vorliegt. Das ist für mich eine der wichtigsten Bedingungen für eine Auftragsannahme. Ein weiterer Grund für eine Ablehnung wäre auch, wenn nach meiner Einschätzung die Persönlichkeitsrechte der zu beschattenden Person verletzt würden. Ich könnte jetzt noch einige weitere Beispiele nennen.


AVIVA-BERLIN: Welche zum Beispiel?
Brigitte Geier: Wenn es sich um reine Neugierde handelt. Eine Mandantin möchte wissen, ob die Nachbarin (bei der viele Männer ein- und ausgehen) der Prostitution nachgeht, weil sie befürchtet, dass ihr Freund auch zu der Frau gehen könnte bzw. geht. Wo liegt hier das berechtigte Interesse? Nein, diesen Auftrag würde ich ablehnen. Schwierig wird es für mich auch, wenn Eltern wissen wollen, in welcher männlichen Gesellschaft sich ihre volljährige Tochter aufhält. Also, die Frau ist für sich selbst verantwortlich und es handelt sich hier nicht um eine Gefahr an Leib und Leben.
Wenn allerdings Mütter befürchten, dass ihre Töchter möglicherweise in Gefahr sind, z. B. Drogenmissbrauch etc. würde ich den Auftrag annehmen. Die Detektivin, der Detektiv muss sehr sorgsam mit den Persönlichkeitsrechten umgehen. Diese sind im Gesetz verankert und zählen zu den Grundrechten, die ja auch in den letzten Jahren insbesondere im Rahmen von Verbrechensbekämpfung geändert wurden (Videoüberwachung ist z.Zt. ein Stichwort, dann das Recht am eigenen Bild, das Recht auf informelle Selbstbestimmung). Das Recht am vertraulich gesprochenen Wort findet sich im StGB §201 wieder. Dort wird das Aufnehmen, Mitschneiden und Verbreiten bestraft. Dies gilt für Privatpersonen und damit auch für DetektivInnen. Aber zu diesem Thema könnten wir Seiten füllen.


AVIVA-BERLIN: Eine Detektei zu führen ist ja eher ein ungewöhnliches Unternehmen. Wie wird man denn eigentlich Detektivin?
Brigitte Geier: Zunächst einmal kann jede Frau und jeder Mann Detektiv werden. Wer Detektiv werden will, geht einfach zum Gewerbeamt und meldet eine Detektei an. Der Beruf ist nicht geschützt. Ich allerdings habe eine Ausbildung gemacht und das rate ich jeder "neuen" Detektivin. Ein Fernstudiengang mit 2-wöchigen Kompaktseminaren wird von der Zentralstelle für die Ausbildung im Detektivgewerbe (ZAD) in Braunschweig angeboten und kostet zur Zeit etwa 6.000 Mark. Sie dauert zwei Jahre und ist wirklich zu empfehlen.
Außerdem bin ich Mitglied im Bund der Deutschen Detektive und kann alle Vorteile nutzen. Von der Fortbildung über verschiedene Detektivtreffen und natürlich ist diese Mitgliedschaft auch gut für die Zusammenarbeit unter Kollegen. Bei schwierigen Fragen kann ich dann auch jederzeit andere Detektive anrufen. Frauen sind in dieser Branche leider noch zu selten anzutreffen - sie ist fest in Männerhand.
Genauere Informationen bekommt man unter der Telefonnummer (0531) 744 44.


AVIVA-BERLIN: Erleben Sie immer nur traurige Fälle oder gibt es auch Happy Ends? Was war Ihr witzigster oder kuriosester Fall? Gibt es so etwas?
Brigitte Geier: Ja, es gibt auch Happy Ends, wenn man es so nennen will. Wenn es mir zum Beispiel gelungen ist, die leibliche Mutter oder den leiblichen Vater einer Mandantin nach einer Adoption zu finden und sich die beiden in die Arme schließen können, das nenne ich Happy End. Schön ist es auch, wenn ich einen Erben ausfindig gemacht habe und er oder sie sich über eine große Erbschaft freuen kann.
Und kann ich wiederum eine Frau durch meine Recherche davon abbringen, viel Geld in den Kauf einer Immobilie zu stecken, neben der in den nächsten Monaten eine Tankstelle mit einer Autowaschanlage gebaut werden soll, dann ist auch das ein Happy End.


AVIVA-BERLIN: Was raten Sie einer Freundin, die sich selbständig machen und ein Unternehmen gründen will?
Brigitte Geier: Zunächst einmal eine gute Geschäftsidee, die sie gut vertreten kann. Ein tragfähiges Konzept. Sie sollte auf jeden Fall eine gute Existenzgründungsberatung in Anspruch nehmen. Eine genaue Marktanalyse ist sehr sinnvoll, die Standortbestimmung ebenso und die Erstellung eines Finanzplanes.
Sie sollte möglichst Eigenkapital (etwas jedenfalls) als Rücklage haben, des Weiteren gute Bankkontakte, Durchhaltevermögen und Selbstbewusstsein. Sie sollte gut netzwerken können. Sie sollte prüfen, ob sie ein Existenzgründungsdarlehen bekommen kann. Aber das lernt bzw. erfährt frau alles in einem Existenzgründungskurs oder in einer Beratung. Da gibt es einige in Berlin, auch explizit für Frauen.


AVIVA-BERLIN: Ist es gut(?), Ihre eigene Chefin zu sein?
Brigitte Geier: Ich finde ja. Selbstbestimmt zu arbeiten ist einfach toll. Natürlich ist es auch nicht immer ganz einfach, denn die Verantwortung liegt ja letztendlich ausschließlich bei mir. Der Umgang mit Mitarbeiterinnen muss auch immer wieder neu geübt und reflektiert werden. Dennoch bin ich überaus froh und zufrieden, dass ich den Schritt gewagt habe.


AVIVA-BERLIN: Würden Sie es wieder tun?
Brigitte Geier: Ich würde es jederzeit wieder tun.


AVIVA-BERLIN: Was würden Sie heute anders machen?
Brigitte Geier: Ich würde nicht mein ganzes Kapital in meinen Betrieb stecken, sondern lieber zunächst einen Bankkredit aufnehmen. Ansonsten würde ich mich von Anfang an noch mehr vernetzen. Das tue ich jetzt sehr intensiv, weil es auch Spaß macht, mit vielen verschiedenen Frauen zusammen etwas zu bewegen in dieser Gesellschaft.

Women + Work Beitrag vom 28.09.2003 Sharon Adler 

   




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