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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 25.04.2008

Auch 2008 ist Hedwig-Dohm-Jahr
Isabel Rohner+Anna-L.Berscheid

Nach 2006 jährt sich in diesem Jahr der 175. Geburtstag der Schriftstellerin Hedwig Dohm zum zweiten Mal. Ein Irrtum, der Hedwig Dohm noch zu Lebzeiten amüsierte und von ihr nie aufgeklärt wurde.



Wenn an den 175. Geburtstag von jemandem erinnert wird, muss dies schon eine außergewöhnliche Persönlichkeit gewesen sein. Wenn dies innerhalb von 3 Jahren gleich zweimal geschieht, umso mehr. Doch wie kommt es dazu, dass für den Geburtstag Hedwig Dohms zwei unterschiedliche Daten vorliegen?

In den intellektuellen und politischen Kreisen im Berlin des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts war Hedwig Dohm eine feste Größe. Als Bühnenautorin feierte sie Erfolge, ihre Romane und Novellen wurden gern und viel gelesen. Mit ihren gesellschaftspolitischen Essays und ihren Feuilletons in Zeitungen und Zeitschriften – von der Tageszeitung bis zu sozialistischen Blättern – erregte sie zugleich Begeisterungsstürme und Skandale. Denn Hedwig Dohm war eine der radikalsten Stimmen der Frauenbewegung – und eine der brillantesten noch dazu. Dies zeigt sich insbesondere in ihren Polemiken, in denen sie mit der für sie so typischen Ironie die antifeministischen Aussprüche von angesehenen Namen aus Philosophie, Medizin und Politik zerpflückte und sie ad absurdum führte. Die Recht- und Chancenlosigkeit der Frauen war Zeit ihres Lebens Dohms großes Thema.

Die Menschenrechte haben kein Geschlecht!
Bereits 1873 forderte die Berlinerin das Stimmrecht für Frauen und gehörte damit zu den ersten in Deutschland. In ihrer Argumentation stellte sie sich dabei in eine für Deutschland durchaus unübliche Tradition: Sie berief sich auf den Liberalismus. Frauen, so Dohm, stünde das Stimmrecht zu, weil sie Menschen sind – und nicht etwa, weil sie aufgrund irgendwelcher Umstände wie Ehe, Witwenschaft oder Bildungstests dazu befähigt wären, wie dies in anderen Ländern durchaus bei der Einführung des Wahlrechts der Fall war. Genauso steht es Frauen aufgrund ihres Menschseins zu, selber über ihr Leben zu entscheiden, berufstätig und finanziell unabhängig zu sein. Diese Ansichten Dohms waren in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts selbst den Akteurinnen der bürgerlichen Frauenbewegung viel zu radikal: Ihre Forderungen beschränkten sich lediglich auf eine Verbesserung des Schulsystems für Mädchen und die Öffnung einiger weniger Berufe für diejenigen Frauen, die nicht durch eine Ehe versorgt waren. Das Stimmrecht oder die Möglichkeit zu finanzieller Unabhängigkeit zu fordern, lag ihnen fern. Erst ab den späten 1890er Jahren fand Dohm auch innerhalb der Frauenbewegung "Schwestern im Geiste".

Hedwig Dohm ist also eine für die deutsche Geschichte und Literatur gleichermaßen wichtige Persönlichkeit. Warum aber kursiert dann noch heute neben dem richtigen Geburtsjahr, 1831, mit 1833 ein weiteres?

Karriere trotz Mädchenbildung
Dohm kommt am 20.9.1831 als drittes uneheliches Kind und erste Tochter des Tabakfabrikanten Adolph Schlesingers und der Hausfrau Wilhelmine Henriette Jülich in Berlin zur Welt. Die Familie lässt 1851 den jüdisch klingenden Namen Schlesinger in Schleh ändern. Ihr Vater ist bereits 1817 zum Christentum konvertiert.

Hedwig Dohms Schulbildung ist mager, die typische Ausbildung für Mädchen des Bürgertums ist Mitte des 19. Jahrhunderts mit 14 Jahren zu Ende. Die Zeit bis zur Ehe verbringt sie mit Hausarbeit und einem einjährigen Besuch auf einem sogenannten "Lehrerinnenseminar", in welchem sich die Ausbildung jedoch hauptsächlich auf das Auswendiglernen von Bibelsprüchen und Liedern beschränkt – Tatsachen, die sie später immer wieder anprangern wird. Erst die Ehe mit dem 12 Jahre älteren, liberalen jüdischen (assimilierten) Schriftsteller und Journalisten Ernst Dohm (1819-1883), Redakteur der Satirezeitschrift Kladderadatsch, öffnet ihr die Türen zur intellektuellen Elite Berlins, die fortan in ihrem gemeinsamen Salon verkehrt.

Keine Autobiografie
1914, also noch zu ihren Lebzeiten, erscheint eine erste Biografie, geschrieben von der Journalistin und späteren Politikerin Adele Schreiber. Schon beim ersten Lesen fallen die vielen inhaltlichen Parallelen zu Dohms 1899 erschienenem Roman "Schicksale einer Seele" auf. Besonders die Szenen aus der Kindheit scheinen direkt dem Roman entnommen. Und Schreiber ist nicht die einzige, die den Roman als Autobiografie der Autorin liest. Zwar kursiert schon vor der Veröffentlichung des Romans vereinzelt 1833 als Geburtsjahr, ab dem Erscheinen von "Schicksale einer Seele" wird das Geburtsjahr der Protagonistin Marlene in der öffentlichen Meinung jedoch vollends zu demjenigen der Autorin Dohm. So wird 1913 in Berlin denn auch öffentlich der vermeintlich 80. Geburtstag der berühmten Tochter der Stadt gefeiert, in mehreren Zeitungen erscheinen Portraits der Autorin und Gratulationsschreiben. Und wieder schweigt Dohm, amüsiert sich vielleicht sogar über die Feierlichkeiten, die allesamt zwei Jahre zu spät kommen. Auf diesen Irrtum hat sie jedoch nie hingewiesen.

Erst über 60 Jahre später wurde der Fehler korrigiert und das Geburtsjahr richtig gestellt. Wie? Die Antwort ist erschreckend einfach: Die Schweizerin Berta Rahm warf in Berlin schlicht einen Blick auf Dohms Geburtsurkunde. Dass trotzdem noch heute immer wieder zu lesen ist, Dohm sei 1833 geboren, liegt zum einen an einer Biografieforschung, die, geht es um Schriftstellerinnen, immer noch gerne in Romanen nach dem "wirklichen" Leben sucht – und an einer Öffentlichkeit, die die großen Frauen neben den großen Männern gerne vergisst.
Hedwig Dohm aber verdient durchaus, dass auch 2008 zum Hedwig-Dohm-Jahr ernannt wird. Denn auch 177 ist eine schöne Zahl.

Dr. Isabel Rohner ist Literatur- und Kulturwissenschaftlerin und Mit-Herausgeberin der Edition Hedwig Dohm (erscheint bei Trafo Berlin).

Weitere Infos und Veranstaltungen zum Jubiläum unter www.hedwigdohm.de

In der Edition Hedwig Dohm sind bisher erschienen:
Nikola Müller & Isabel Rohner (Hg.): Hedwig Dohm – Ausgewählte Texte. Berlin 2006.
Nikola Müller & Isabel Rohner (Hg.): Hedwig Dohm – Sibilla Dalmar (Roman). Berlin 2006.
Nikola Müller & Isabel Rohner (Hg.): Hedwig Dohm – Schicksale einer Seele (Roman). Berlin 2007.

Der nächste Band "Hedwig Dohm: Christa Ruland (Roman)" erscheint im Juni 2008.

Lesen Sie mehr zur Hedwig Dohm auf AVIVA-Berlin:
Ganz im Zeichen von Hedwig Dohm.

Hedwig Dohm im Gespräch.


Women + Work Beitrag vom 25.04.2008 AVIVA-Redaktion 

   




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