Drei Frauen erhalten den Friedensnobelpreis 2011 - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
Aviva-Berlin .
.
P
R
.
.

Gr├╝nderinnenzentrale Finanzkontor_Banner Weiberwirtschaft
Aviva-Berlin > Women + Work AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Infos
   WorldWideWomen
   Wettbewerbe
   Lokale Geschichte_n
   Schalom Aleikum
   Veranstaltungen in Berlin
   Public Affairs
   Kultur
   J├╝disches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Chanukka 5778




Gleichstellung weiter denken. Ein Leitbild f├╝r das Land Berlin

Gleichstellung weiter denken
Mehr Infos unter:
www.gleichstellung-weiter-
denken.de



Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 12.10.2011

Drei Frauen erhalten den Friedensnobelpreis 2011
Nina Breher

Drei auf einen Streich! Mit Ellen Johnson Sirleaf, Leymah Gbowee und Tawakkul Karman werden gleich drei Frauen mit der hochrenommierten Auszeichnung geehrt. Doch es gibt auch kritische Stimmen.



In der Begr├╝ndung des Kommittees hei├čt es, die Frauen haben den Preis "for their non-violent struggle for the safety of women and for women┬┤s rights to full participation in peace-building work" erhalten. AVIVA-Berlin gibt einen ├ťberblick ├╝ber die drei Preistr├Ągerinnen.

Eine falsche Entscheidung?

Insbesondere um die Vergabe an die Journalistin und Menschenrechtsaktivistin Tawakkul Karman entbrennen derzeit Kontroversen. In einem Beitrag des "Tagesspiegel" vom 08. Oktober 2011 wird ihr vorgeworfen, eine radikale Islamistin und Aktivistin im jemenitischen Zweig der Muslimbr├╝derschaft zu sein. Es ist wichtig, Entscheidungen des Komitees zu hinterfragen, und tats├Ąchlich scheint der Vorwurf vorerst berechtigt. Karman ist eine prominente Angeh├Ârige der Al-Islah-Partei (oder: Yemeni Congregation for Reform), zu denen auch die in der Kritik stehenden Muslimbr├╝der geh├Âren.

Diese Darstellung greift jedoch zu kurz. Die Muslimbr├╝der sind nur einer von drei Teilen, aus denen sich die Al-Islah-Partei zusammensetzt. So bildet die Partei keine homogene Einheit, und einem Bericht des US-amerikanischen Portals stratfor.com zufolge gibt es zwischen den Fl├╝geln der Partei massive Differenzen. Es ist vereinfachend, Karman zu unterstellen, sie konterkariere die Gleichberechtigung von Frauen, anstatt diese zu f├Ârdern. Hier helfen Fakten: 2005 gr├╝ndete sie die Gruppe "Journalistinnen ohne Ketten", die sich f├╝r Pressefreiheit und Frauenrechte engagiert. Innerhalb Jemens gilt sie als die "Mutter der Revolution" und als sie festgenommen wurde, war dies Katalysator f├╝r die Massendemonstrationen in der Hauptstadt Sanaa. Anfang des Jahres nahm sie ihren Niquab ab und ersetzte ihn ÔÇô f├╝r jemenitische Verh├Ąltnisse provokant ÔÇô durch ein rosafarbenes Kopftuch (Quelle: forbes.com).

Wo die Proteste im Jemen hinf├╝hren und was die politischen Ver├Ąnderungen f├╝r die arabischen Gesellschaften bedeuten werden, ist derzeit nicht absehbar. Fakt ist, dass das Regime, das Karman bek├Ąmpft, auf Oppositionelle schie├čen l├Ąsst (Quelle: zeit.de). Auch konservativen Parteimitgliedern ist sie ein Dorn im Auge. Diese beschimpfen sie und verteilen Flugbl├Ątter, die sie als "unislamisch" verurteilen (Quelle: sueddeutsche.de).

Gef├Ąhrlich ist die Vergabe des Preises an eine Frau wie sie deshalb, weil es nur wenige fundierte Informationen gibt, die eine radikale islamistische Einstellung ÔÇô die in der Partei, der sie angeh├Ârt, durchaus zu finden ist ÔÇô entweder be- oder widerlegen. Allerdings antwortete sie im Interview mit dem Spiegel auf die Frage, wie sie das Problem der Pr├Ąsenz von al-Qaida im Jemen l├Âsen will mit: "Once Saleh [der amtierende Pr├Ąsident Jemens, Anm.d. Red.] has lost power, they will disappear." Ferner auf die Frage, welche Rolle der Islam im k├╝nftigen Jemen spielen soll: "We envision a system similar to that in Turkey." Aussagen Karmans, welche Selbstmordattentate bef├╝rworten, sind der AVIVA-Redaktion trotz eingehender Recherche nicht bekannt. JedeR muss selbst entscheiden, ob das System, das Karman bef├╝rwortet, w├╝nschenswert ist und ob die Mittel, mit denen sie k├Ąmpft, die richtigen sind. Einen ┬┤Gottesstaat┬┤ hat sie offenbar nicht im Visier.

Die Vergabe des Preises an Tawakkul Karman ist mit Vorsicht zu genie├čen, doch muss beachtet werden, dass die M├Âglichkeiten der Partizipation f├╝r Frauen im Jemen andere sind als im Westen. Die Entscheidung des Nobelpreiskomitees dr├╝ckt die Hoffnung auf eine arabische Revolution aus, die Frauen mit einbezieht und die sich, wie Karman, mit friedlichen Mitteln f├╝r den Frieden engagiert. Sie insistiert: "Wir lehnen jede Gewalt ab." (Quelle: zeit.de)

Zwei Drittel des Preises gehen an Liberia

Ellen Johnson Sirleaf ist das erste weibliche Staatsoberhaupt Liberias und Afrikas insgesamt, das demokratisch gew├Ąhlt wurde. Abgesehen von dieser symbolischen Dimension hat sie entscheidend dazu beigetragen, Liberia nach Jahren des B├╝rgerkriegs wieder aufzubauen. An der Entscheidung des Nobelpreiskomitees wird kritisiert, dass der Wahl ein politisches Kalk├╝l zugrunde liege: Diesen Dienstag stellte sich Johnson Sirleaf der Wiederwahl. Das Ergebnis steht derzeit noch aus. Zudem setze sie sich nur mangelhaft f├╝r die Bek├Ąmpfung der Korruption ein und verf├╝ge zudem ├╝ber fragw├╝rdige Kontakte (Quelle: spiegel.de).

Das unbekannteste Gesicht in der Riege der Friedensnobelpreistr├Ągerinnen 2011 ist Leymah Gbowee. Die B├╝rgerrechtlerin und Politikerin, ebenfalls aus Liberia, ist Mitbegr├╝nderin und seit 2007 Gesch├Ąftsf├╝hrerin des "Women Peace and Security Network Africa". In den Jahren des B├╝rgerkriegs arbeitete sie in der Hauptstadt Monrovia als Traumatherapeutin und setzte sich f├╝r ein Ende der Unruhen ein.


Weitere Informationen finden Sie unter:

www.nobelpeaceprize.org, die offizielle Webseite des Friedensnobelpreises.

www.watch-salon.blogspot.com, Diskussion zum Thema auf dem Blog des Journalistinnenbundes.

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Ohne Frauen ist kein Staat zu machen, ein ┬┤kleines Lexikon der m├Ąchtigen Frauen┬┤, in dem auch Ellen Johnson Sirleaf vertreten ist.

Peace Women - Frauen mit dem Friedensnobelpreis, von Angelika U. Reuter und Anne R├╝ffer.

1000 Frauen f├╝r den Friedensnobelpreis, eine Initiative mit dem Ziel, weltweit auf die verschiedenartige Friedensarbeit von Frauen aufmerksam zu machen.

Kerstin Plehwe - Female Leadership. Die Macht der Frauen. Von den Erfolgreichsten der Welt lernen, Vorstellung eines Buches ├╝ber einflussreiche Frauen inklusive Interview mit Suraya Pakzad, einer afghanischen Frauenrechtsaktivistin.

Women + Work Beitrag vom 12.10.2011 AVIVA-Redaktion 

   




   © AVIVA-Berlin 2017  
zum Seitenanfang suche sitemap impressum home Seite weiterempfehlenSeite drucken