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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 05.12.2012

Respektpreis 2012 für Seyran Ates
Anke Gimbal

Das "Bündnis gegen Homophobie" würdigte am 4. Dezember 2012 in Berlin das Engagement der Anwältin und Autorin für eine "sexuelle Revolution" in muslimischen Communities. Die Auszeichnung wurde...



... zum dritten Mal verliehen: 2010 ging er an die Moabiter Dohm-Schule, 2011 an die Kreuzberger Einrichtung "Pflegekinder im Kiez".

Nominiert waren 2012 neben Seyran Ates die Kabarettistin Gabi Decker, der Buchautor David Berger sowie der Berliner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki. Letzterer hatte die Nominierung abgelehnt, verschaffte dem Respektpreis auf diese Weise jedoch ein großes Medienecho.

Der Regierende Bürgermeister Berlins Klaus Wowereit, unter dessen Schirmherrschaft das Bündnis steht, und die Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen Dilek Kolat wurden durch die Staatssekretärin der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen, Barbara Loth, vertreten. Neben Loth begrüßte auch Jürgen W. Gangl, Hotel-Manager Grand Hotel Esplanade als Gastgeber die Teilnehmer_innen. Die Laudatio bei der Preisverleihung hielt die Vorsitzende von Terre des Femmes, Irmingard Schewe-Gerigk. Seyran Ates zitierte in ihrer Dankesrede aus ihrem Buch "Der Islam braucht eine sexuelle Revolution. Eine Streitschrift" (Ullstein, Berlin 2009).

Katayun Pirdawari, Vorstandsmitglied des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg (LSVD) erklärte anlässlich der Preisvergabe:

"Seyran Ateº kämpft seit Jahren engagiert gegen überholte Traditionen, die der Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen und der Akzeptanz von Lesben und Schwulen zuwider laufen. Für ihr Engagement für eine ´sexuelle Revolution´ in muslimischen Communities hat sie immer wieder Anfeindungen und Gefahren auf sich nehmen müssen. Doch sie hat sich nie einschüchtern lassen. Insbesondere wir Lesben und Schwulen mit Migrationshintergrund sind Seyran Ateº zu großem Dank verpflichtet."

Die Preisverleihung fand im Rahmen der Jahresabschlusstagung des Bündnisses gegen Homophobie statt und wurde von Danilo Höpfner vom Bündnis gegen Homophobie, moderiert. In weiteren Redebeiträgen stellte Tanja Knapp, die Landespräventionsbeauftragte der Polizei Berlin, die aktuelle Kriminalitätsstatistik homophober Übergriffe im Jahr 2012 vor. Ralf Ostendorf von VisitBerlin präsentierte das neue Antidiskriminierungskonzept "Pink Pillow" aus dem Berliner Hotelleriebereich.

Das Bündnis gegen Homophobie ist ein Zusammenschluss von Organisationen und Institutionen aus den Bereichen Sport, Kultur und Wirtschaft. Sein Ziel ist es, gemeinsam jeglicher Form von Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung entgegenzutreten und ein Zeichen zu setzen für Anerkennung und Respekt gegenüber Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender.

Seyran Ates, geboren 1963 in Istanbul, lebt seit 1969 in Deutschland. Nach dem Abitur immatrikulierte sie sich an der juristischen Fakultät der Freien Universität und war im "Treff- und Informationsort für türkische Frauen" (TIO) als Beraterin tätig. Während eines Beratungsgespräches mit einer jungen Türkin betrat ein Mann den Raum, zog eine Pistole, feuerte drei Schüsse ab und flüchtete. Die Ratsuchende starb. Seyran Ates überlebte nur knapp und konnte ihr Jurastudium erst Jahre später fortsetzen. Der Täter wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Nach ihrem zweiten Staatsexamen 1997 eröffnete Seyran Ates zusammen mit zwei Kolleginnen eine Anwaltskanzlei in der Nähe des Hackeschen Marktes in Berlin. Sie vertrat insbesondere auch Frauen mit Migrationshintergrund gegen ihre Familien und/oder Ehemänner. Ihre Erlebnisse verarbeitete sie in ihrem ersten Buch "Große Reise ins Feuer. Die Geschichte einer deutschen Türkin" (2003).

2006 begleitete sie nach einem Scheidungstermin eine Mandantin und deren Freundin zur U-Bahn-Haltestelle. Dort tauchte der türkische Ehemann der Mandantin auf, beschimpfte sie und schlug auf seine Noch-Ehefrau ein. Nach diesem Ereignis und weiteren Drohungen gegen sie und ihre Tochter gab sie ihre Zulassung als Rechtsanwältin zurück. 2007 beantragte sie die erneute Anwaltszulassung, allerdings ohne die Adresse ihrer Kanzlei zu veröffentlichen. Sie zog sich für einige Zeit aus der Öffentlichkeit zurück, ist aber inzwischen wieder verstärkt als Rednerin und Autorin tätig. Ihre Arbeit als Anwältin wird sie ab Januar 2013 von neuem und in vollem Umfang aufnehmen.

Seyran Ates © Anke Gimbal


Bisherige Auszeichnungen:

Für ihr Engagement für türkische Frauen und Mädchen sowie für Integration und Gleichberechtigung erhielt Seyran Ates 2004 den Berliner Frauenpreis und wurde 2007 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Weitere Informationen finden Sie unter:

Bündnis gegen Homophobie

Seyran Ateº mit RESPEKTPREIS 2012 ausgezeichnet

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Seyran Ates ist Preisträgerin des Berliner Frauenpreises 2004

Der Multikulti-Irrtum

Große Reise ins Feuer

Der Islam braucht eine sexuelle Revolution



Women + Work Beitrag vom 05.12.2012 AVIVA-Redaktion 

   




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