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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 10.06.2013

Mehr Stolz ihr Frauen - Berliner Gedenktafel zu Ehren von Hedwig Dohm
Erica Fischer

Vom vermuteten einstigen Glanz des Geb├Ąudes ist wenig geblieben. Tr├╝bselig schaut die mausgraue Stahlverkleidung des Hauses Nummer 235 auf die Friedrichstra├če in Berlin-Kreuzberg. In diesem...



... Haus kam im Jahre 1831 Hedwig Dohm, geborene Schlesinger, zur Welt, und in diesem Haus hat auch der Dichter Adalbert von Chamisso gewohnt.

Immerhin scheint am Vormittag des 5. Juni 2013 die Sonne, als die Beauftragte f├╝r das B├╝rgerschaftliche Engagement, Staatssekret├Ąrin Hella Dunger-L├Âper, mit einem Zug an der Kordel den Vorhang von der Gedenktafel fallen l├Ąsst, finanziell erm├Âglicht durch die Stiftung Preu├čische Seehandlung.

Es sind nicht viele, denen der Name Hedwig Dohm (1831-1919) gel├Ąufig ist. Dabei geh├Ârt sie zu den wichtigsten politischen Autorinnen des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Als einer der ersten forderte sie bereits 1873 das Stimmrecht f├╝r Frauen und k├Ąmpfte f├╝r die v├Âllige rechtliche, soziale und ├Âkonomische Gleichstellung der Geschlechter. Sie gilt als Pionierin der Frauenemanzipation und war zweifelsfrei auch eine der witzigsten und ironischsten Stimmen der Wende zum 20. Jahrhundert.

Doch Hedwig Dohm geriet nach ihrem Tod schnell in Vergessenheit, ein Schicksal, das sie mit vielen Frauen teilt, die sich f├╝r ihr eigenes Geschlecht einsetzen. Erst die Feministinnen der 70er Jahre holten sie als eine ihrer Vork├Ąmpferinnen zur├╝ck ins kollektive Ged├Ąchtnis der Frauenbewegung. Seit 1991 ehrt der Journalistinnenbund j├Ąhrlich eine Kollegin f├╝r ihre journalistische Lebensleistung und ihr frauenpolitisches Engagement mit der Hedwig-Dohm-Urkunde und errichtete 2007 eine Gedenkst├Ątte auf dem Matth├Ąus-Friedhof in Berlin-Sch├Âneberg, wo die fr├╝he Feministin ÔÇô unerkannt und vergessen - begraben liegt. Aus ihrer j├╝dischen Familie gab es nach der Nazizeit keine Nachfahren, die sich um Dohms Grab und ihr literarisches Andenken k├╝mmern h├Ątten k├Ânnen.

Als n├Ąchsten Schritt wird es nun darum gehen, das Land Berlin zu bewegen, Hedwig Dohm ein Ehrengrab zu g├Ânnen, ein "Ewiges Grab", um zu verhindern, dass die Gedenkst├Ątte nach den nunmehr gesicherten zwanzig Jahren verschwindet und eine n├Ąchste Generation Feministinnen wieder von vorne anfangen muss.

Am 5. Juni sprach nach der Staatssekret├Ąrin Dr. Isabel Rohner, die sich in besonderer Weise um Hedwig Dohm verdient gemacht hat. Sie ist Autorin der im Ulrike-Helmer-Verlag erschienen Biographie von Hedwig Dohm und zusammen mit der Historikerin Nikola M├╝ller Mitherausgeberin der ersten kommentierten Gesamtausgabe von Dohms Werk. Sie war es auch, die sich seit 2010 f├╝r die Anbringung der Gedenkplakette in der Friedrichstra├če 235 stark gemacht hat. In ihrer Rede wies Rohner auf das beeindruckende Gesamtwerk Hedwig Dohms hin, das scharfz├╝ngige gesellschaftskritische Essays, Feuilletons, Theaterst├╝cke, Romane und Novellen umfasst. Die beiden Herausgeberinnen der Hedwig-Dohm-Edition haben 2006 mit der Ver├Âffentlichung dieser Texte begonnen und bislang f├╝nf B├╝cher im Berliner Trafo Verlag publiziert. Insgesamt werden es wohl f├╝nfzehn B├╝cher werden ÔÇô "f├╝r uns ist es ein Herzensprojekt", betonte Isabel Rohner. "Wenn wir uns nicht darum k├╝mmern, tut es niemand, denn f├╝r solche Projekte gibt es kein Geld."




Isabel Rohner

Rohner und M├╝ller haben auch eine "Femmage" mit klugen, witzigen, ironischen ÔÇô und auch heute noch aktuellen ÔÇô Textstellen von Hedwig Dohm zusammengestellt, die sie zusammen mit dem Schauspieler Gerd Buurmann in inzwischen ├╝ber achtzig Veranstaltungen als eine Mischung aus Lesung und literarischem Kabarett vortragen.

"Wir m├╝ssen die Vergangenheit kennen, um unsere Gegenwart zu verstehen und um in Zukunft etwas ├Ąndern zu k├Ânnen", sagte Rohner abschlie├čend. "Gedenkplaketten wie diese weisen uns auf die Vergangenheit hin und sind darum sehr, sehr wichtig."

Den Kampf, den es gekostet hat, der Senatsverwaltung abzuringen, Hedwig Dohm auf der Tafel "Feministin" (und eben nicht "Frauenrechtlerin") zu nennen, erw├Ąhnte sie in der ├ľffentlichkeit nicht. Aber, so viel sei gesagt, es war nicht einfach.
Das Wort provoziert immer noch. Vielleicht ist das auch gut so.




Erica Fischer
(Hedwig-Dohm-Urkunde 2009)



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Gedanken zum Gedenken. Von Erica Fischer

1.000 Frauen der Gegenwart ehren 1.000 Frauen der Vergangenheit




┬ę Text und alle Fotos: Erica Fischer

Women + Work Beitrag vom 10.06.2013 AVIVA-Redaktion 

   




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