Schalom Aleikum. Yasmin Kassar - In der U–Bahn mit Lea Feynberg auf dem Schoß - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 21.09.2014

Yasmin Kassar - In der U–Bahn mit Lea Feynberg auf dem Schoß
Yasmin Kassar

"Zuuuurückbleiben bitte." Die dumpfe Stimme des U-Bahnsprechers und das laute Geräusch der Warnsignale vertreiben abrupt meine Träume und katapultieren mich zurück in die Realität: Auf einem Sitz..



... der U Bahnlinie 7, von der AVIVA-Redaktion kommend – Station Südstern – zurück nach Neukölln, meinem Zuhause.

Der Auftrag an mich ist klar formuliert: Das Medien- und Dialogprojekt mit dem witzigen Namen "Schalom Aleikum" bringt junge muslimische und jüdische Frauen dazu, miteinander in Kontakt zu kommen, sich auszutauschen und über ihre Erfahrungen zu schreiben. Der muslimische Part, das bin ich: Yasmin Kassar, 33 Jahre alt, Islamwissenschaftlerin, derzeit als Lern Coach in einer Berliner Sekundarschule tätig.

Meine mir bis dato noch unbekannte jüdische Gesprächspartnerin liegt erst einmal nur auf meinem Schoß, in Form eines Buches. "Ich werd´ sowieso Rapper. Erfahrungen einer gut gelaunten Lehrerin", ist auf dem Cover zu lesen. Unweigerlich muss ich grinsen. Hätte auch ein Spruch von meinen Schüler/innen sein können. Meine Schüler/innen….was die wohl dazu sagen werden, dass ihr Lern- Coach gleich bewusst mit einer jüdischen Lehrerin in Kontakt treten wird? Erinnerungen an das Bildungs- und Begegnungsprojekt: "Was geht mich Palästina an?" der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA e.V.) sprudeln zurück in mein Gedächtnis. Damals, 2010, als wir mit sechzehn muslimisch geprägten 9. und 10. Klässler/innen, mehrheitlich mit palästinensischem Hintergrund, zwei Wochen durch Israel und die palästinensischen Gebiete reisten.



Dank des Journalisten Markus Reichert ist ein unglaublich intensiver Dokumentarfilm über die Entwicklungen der Schüler/innen während der Reise und die Ereignisse vor Ort entstanden. In diesem Film gibt es eine Szene, die ich in meinem Leben nicht mehr vergessen werde, und die wohl auch mein Engagement, sich gegen Vorurteile jeglicher Art einzusetzen, besonders angetrieben hat. Nach knapp einer Woche von Besichtigungen in Jerusalem, Haifa, Tel Aviv und Bethlehem, bei denen die TeilnehmerInnen auch arabische und jüdische Israelis kennen lernen konnten, fragte Reichert die Projektteilnehmer/innen, was sie denn bisher am meisten überraschte. Sofort meldete sich ein 17- jähriger kurdischer Schüler zu Wort und betonte, wie sehr er sich über das friedliche Zusammenleben von Muslimen und Juden in Israel wunderte. Weiter machte er deutlich: "In Deutschland ist es ja ganz anders. Ein Muslim und ein Jude könnten niemals klarkommen. Allgemein nicht mal ein Gespräch führen…" Bis heute fährt es mir kalt den Rücken herunter, wenn ich sehe, wie der Schüler in Tel Aviv steht, im schönsten Sonnenschein, voller neuer Eindrücke und Erfahrungen und diesen Satz direkt und klar – ohne groß zu überlegen - in die Kamera spricht.



Und nun Lea Feynberg, meine jüdische Gesprächspartnerin und ich. Was heißt hier "jüdische Gesprächspartnerin"? Lea´ Leas jüdische Religionszugehörigkeit ist ja nur ein Teil ihrer Identität. Sie ist viel mehr als das. Sie ist Tochter, große Schwester, Skorpion (als Sternzeichen), Ehefrau und Autorin. Sie ist geborene Russin, Migrantin und Lehrerin an einer Sekundarschule (dank Mr. Google weiß ich das bereits). Sie ist witzig und schreibt mit viel Liebe über die Erlebnisse mit ihren Schülern/innen. Umso mehr ich über sie erfahre, umso neugieriger werde ich. Genau von derselben Neugierde wurden die Projektteilnehmer/innen damals gepackt. Damals, 2010, als wir ihnen eröffneten, dass es da eine Möglichkeit gäbe, Israel und die palästinensischen Gebiete zu bereisen. Es ist eine gesunde Neugierde. Sie ebnet den Weg für völlig neue Erfahrungen, Bekanntschaften und Perspektiven. Ich wünschte mir, es hätten viel mehr Jugendliche die Chance, ihre Neugierde auf diese Art und Weise auszuleben.

"Eiiiiinsteigen bitte", ruft der U-Bahnsprecher. Überrascht gucke ich auf. Wir sind schon am Rathaus Neukölln. Lea, noch 2 Stationen…ich freue mich auf Dich.



Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Lea Feynberg. Es war quasi ein Blind Date. Wir wurden so etwas wie verkuppelt.

Mehr Infos unter:

Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus
www.kiga-berlin.org



Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KigA e. V.) (Hg.),
Israel, Palästina und der Nahostkonflikt - Ein Bildungs- und Begegnungsprojekt mit muslimischen Jugendlichen im Spannungsfeld von Anerkennung und Konfrontation



migration-online.de

Copyright Text: Yasmin Kassar
Copyright Foto von Yasmin Kassar im Studio: Sharon Adler
Copyright Fotos des Bildungs- und Begegnungsprojekts mit muslimischen Jugendlichen: Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KigA e. V.)

Women + Work Beitrag vom 21.09.2014 AVIVA-Redaktion 

   




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