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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 08.10.2014

Kampagne #HeforShe - Emma Watson im Kampf für Geschlechtergleicheit
Chaleena Bienecke

Die kleine Zauberin aus der Harry Potter-Filmreihe ist nun groß geworden. Oft spielte die Britin starke und unabhängige Rollen. Nun fungiert sie auch im realen Leben als Vorbild für junge Frauen.



Im April 2014 wurde die Schauspielerin aufgrund ihres Engagements für Mädchen in Bangladesh und Sambia zur UN-Sonderbotschafterin für Frauen ernannt. Sie engagiert sich seitdem verstärkt für Gleichberechtigung in aller Welt. Die frischgebackene Absolventin in Englischer Literatur und Liebling der Medien ist für diese Aufgabe prädestiniert. Gerade Sympathie ist eine gute Voraussetzung, um sich in der Welt Gehör zu verschaffen. Und genau das hat Watson vor – als Gesicht der Kampagne "#HeforShe" appelliert sie an die Männer dieser Welt, sie in ihrem Einsatz gegen Geschlechterdiskriminierung zu unterstützen. Und dieser Apell erreichte auch uns in Deutschland. Am 7. Oktober rief die Organisation UN Women Internationales Komitee Deutschland e.V. Männer dazu auf, sich der Kampagne anzuschließen und so auch dem Kampf gegen Diskriminierung. Prominente Unterstützer der Kampagne sind unter anderem Generalsekretär Ban Ki Moon und Will Smith sowie von deutscher Seite Schauspieler Dirk Moritz und Moderator Jaafar Abdul Karim.

Ihre Rede, die die Schauspielerin am 20. September vor den Vereinten Nationen in New York hielt, ging um die ganze Welt und wurde allein auf Youtube bereits knapp sechs Millionen mal aufgerufen. Die Aufnahme zeigt eine sichtlich nervöse Emma Watson, die im strenggeschnittenen Dior-Kleid vor den UN-Abgeordneten über die Gleichstellung der Geschlechter spricht. Zu Anfang begründet sie ihre Einsatzbereitschaft mit persönlichen Erfahrungen als Frau und liefert zugleich Beispiele für die immer noch währende Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern.

"Als ich 8 war, nannten mich die Leute herrisch, weil ich genauso wie die Jungs über unser Theaterstück mitbestimmen wollte. Als ich 14 war, begannen die Medien, mich zu sexualisieren. Als ich 15 war, stiegen meine Freundinnen aus ihren Sportteams aus, weil sie nicht zu muskulös werden wollten. Als ich 18 war, konnten meine männlichen Freunde nicht mehr über ihre Gefühle sprechen. Ich entschied, dass ich eine Feministin bin."

Die Feministin

Im Anschluss beleuchtet Emma Watson den Begriff "Feministin" und wie häufig dieser heutzutage negativ bewertet oder mit Männerhass verbunden wird. Das Bild, das dieser Begriff in den Köpfen hervorruft, sei das einer aggressiven, unattraktiven Frau, die alle Männer verachtet und verabscheut. Mit diesem Vorurteil müsse aufgeräumt werden, denn Feminismus beschreibe lediglich die Überzeugung von "politischer, ökonomischer und sozialer Gleichheit der Geschlechter" zu teilen. Zudem betont sie, dass es eben nicht das Wort sei, das zählen sollte, sondern der Gedanke, der dahinter stecke. Emma Watson hat mit dieser Rede augenscheinlich einen wunden Punkt getroffen, wie in den Kommentaren im Internet zu lesen ist. In sozialen Netzwerken lästern frauenfeindliche Kritiker über ihren Auftritt und eine Marketing-Firma leistet sich den geschmacklosen PR-Gag, auf der Homepage von Watson damit zu drohen, Nacktbilder von ihr zu veröffentlichen, sollte sie nicht den Mund halten. Es ist offenbar tatsächlich so, dass Feminismus "Out" ist. Die Vorstellung der männerhassenden Feministin hat sich eingebrannt, und trägt dazu bei, dass Männer sich im Feminismus nicht toleriert fühlen und Frauen sich oft davon distanzieren. Die Reaktionen zeigen deutlich, wie sehr der Feminismus Frauen wie Emma Watson braucht.

#HeforShe

Emma Watson spricht in ihrer Rede jedoch nicht nur von den Ungerechtigkeiten gegenüber Frauen, sondern auch von dem Recht der Männer auf Gleichberechtigung und Toleranz. Dies unterstützt die Authentizität der Kampagne "HEFORSHE", die sich immerhin vorrangig an Männer richtet und die soziale Ungleichheit beenden will. Ihre Hoffnung, sagt Emma Watson, sei es, den Männern, genauso wie den Frauen die Last zu nehmen, ständig Rollenklischees erfüllen zu müssen. Sie meint, Männer leiden an den überholten Bildern von männlich und weiblich genauso wie Frauen, wenn nicht sogar noch mehr:

"Ich habe junge Männer gesehen, die an psychischen Krankheiten leiden, die sich keine Hilfe suchen konnten aus Angst, sie wären dadurch weniger Mann. Tatsächlich ist Suizid in Großbritannien die häufigste Todesursache von Männern zwischen 20 und 49 und übertreffen damit Verkehrsunfälle, Krebs und Herzinfarkte. Ich habe Männer erlebt, die durch eine verzerrte Vorstellung davon, was männlichen Erfolg ausmacht, zerbrechlich und unsicher waren. Auch Männer genießen nicht die Vorteile der Gleichberechtigung."

Sie plädiert dafür anzuerkennen, dass auch Männer sensibel und hilflos sein dürfen, ohne Angst haben zu müssen, nur als "halber Mann" zu gelten. Genauso, wie Frauen sich trauen sollten, stark und unabhängig zu sein, ohne zu befürchten, nicht mehr als "ganze Frau" gesehen zu werden. Eine freiere Entfaltung der eigenen Persönlichkeit ohne diese Mauern würde allen dazu verhelfen, im Kern vollständiger zu sein und dem eigenen "Selbst" näher zu kommen.

Gleichheit aller Geschlechter

Emma Watson bringt mit ihrer Rede einen zunehmend öfter geäußerten Wunsch nach einem Leben ohne aufgezwungene Rollenklischees zum Ausdruck. Viele Menschen unterstützen die Idee von einem universellen Geschlecht für alle, um die vielfältigen Formen von Geschlechter-Ungerechtigkeit aus der Welt zu schaffen. Als junge Frau aus der Generation "Y" oder sogenannte Millennials habe ich – die Verfasserin - in den letzten Jahren immer öfter Menschen getroffen, die aus ihrer Rolle "weiblich"/"männlich" vollständig ausgebrochen sind und sich jenseits der gesellschaftlichen Erwartungen neu erfunden haben. Diese Menschen sind mutig genug, sich selbst zu verwirklichen und nehmen dafür viele Schwierigkeiten in Kauf. Dass sie sich nicht vorrangig über Mann oder Frau definieren, macht sie zu wirklich interessanten, starken Persönlichkeiten. Die meisten kämpfen dabei immer wieder damit, nicht akzeptiert zu werden oder besser gesagt, nicht in Ruhe gelassen zu werden. Schon ein Abend in einem Restaurant ist nicht wie sonst, wenn mir am Tisch gegenüber meine Bekannte sitzt, eine Frau, die einmal ein Mann war. Die Menschen gucken, der Kellner ist noch viel netter als zu den anderen Gästen, wahrscheinlich um auf gar keinen Fall den Eindruck zu erwecken, dass es ihn peinlich berührt oder ähnliches. Wir wissen, dass ein paar Leute im Raum ihrer Begleitung schon zugeflüstert haben, er oder sie solle doch mal hinter sich den lustigen Paradiesvogel angucken. Damit meine Bekannte die sein kann, die sie ist und sein will, müssen solche Schwierigkeiten gemeistert werden. Sie und viele andere Menschen, mit einem freigewählten Geschlecht brauchen Toleranz und Akzeptanz auch seitens ihrer Familie, ArbeitskollegInnen und der Öffentlichkeit um sich nur als Mensch definieren zu können und nicht als Ausstellungsstück.

Zeit und Erfolge

Die Stereotypen haben sich so eingebrannt in unsere Köpfe, dass alles, was von dem bekannten Bild abweicht, sofort mit krankhafter Neugierde oder im schlechten Fall mit Argwohn betrachtet wird. Diese festgefahrenen Vorstellungen sind schwer zu überwinden, doch glaube ich, dass wir auf einem guten Weg sind. Im Laufe eines Jahrhunderts hat sich das Rollenbild der Frau verändert. Frauen dürfen seit 1919 in Deutschland wählen, nachdem vor rund 200 Jahren eine der ersten Kämpferinnen der Frauenbewegung, Olympe de Gouges, für ihre Veröffentlichungen der "Rechte der Frau" noch öffentlich hingerichtet wurde. So dramatisch sich die Zwischenzeit gestaltet haben mag, so ist doch festzustellen, dass die Frauen in so kurzer Zeit recht weit gekommen sind. Das bedeutet nicht, dass wir uns zurücklehnen sollten. Frauen wie Emma Watson und neue Ideen zur Geschlechtergerechtigkeit werden gebraucht. Denn die Idee der Gleichberechtigung der Frau ist geschichtlich betrachtet noch in den Kinderschuhen. Im Kontext des Feminismus und der Frauenbewegung ist zur Frage der Gleichstellung der Geschlechter der Gedanke einer grundsätzlichen Toleranz gegenüber allen Geschlechtern und Geschlechtsidentitäten hinzugekommen. Dies ist ein noch sehr kontrovers diskutiertes Thema. Doch es bietet die Chance, den Feminismus zu erweitern und sich als Frau der Generation Y zu ihm zu bekennen. Unsere Vorgängerinnen haben schon einige Probleme aus dem Weg geräumt, gleichwohl scheint weltweite Gleichberechtigung noch eine Utopie. Die gute Nachricht ist: Der Weg ist das Ziel und wir haben schon einige Meilen zurückgelegt.

LINKS

Das Video zur Rede:
www.youtube.de

Die #HeforShe-Kampagne:
www.heforshe.org

UN Women ruft zur Teilnahme auf:
www.unwomen.de

Quellen

Emma Watson: Gender equality is your issue too (ein Beitrag auf der Seite von UN Women):
www.unwomen.org

UN Women ruft zur Teilnahme auf:
www.unwomen.org

Emma Watsons UN-Rede. Feminismus darf ruhig auch mal nett sein (Ein Beitrag in der FAZ vom 23.09.2014):

www.faz.net

Emma Watson: Game changing speech on Feminism

www.vanityfair.com

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Die Schauspielerin und UN Women Sonderbotschafterin Nicole Kidman nimmt Auszeichnung für ihr Engagement für Frauenrechte entgegen


Trans*_Homo. Differenzen, Allianzen, Widersprüche. Herausgegeben von Justin Time und Jannik Franzen

Women + Work Beitrag vom 08.10.2014 AVIVA-Redaktion 

   




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