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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 14.06.2016

Herzlichen Glückwunsch zum 93. Geburtstag, Judith Kerr
Yvonne de Andrés

Am 14. Juni ist der Geburtstag von "the tigermother". Unter diesem Namen kennt sie in Großbritannien jedes Kind. "The Tiger who came to Tea" ist ihr bekanntestes Kinderbuch. Die Flucht vor den Nazis prägte die Bestseller-Autorin Judith Kerr ("Als Hitler das rosa Kaninchen stahl").



Im April diesen Jahres habe ich Judith Kerr auf der London Bookfair getroffen und war beeindruckt, wie viele kleine und große Freundinnen, Leserinnen und Fans sie in Großbritannien besitzt. Sie war an diesem Tag Ehrengast, "The Autor oft he Day", und erhielt viele Aufmerksamkeit. Nicolette Jones, Autorin und Kinderbuchkritikerin für die "Sunday Times" und Herausgeberin von Kinderbüchern stellte Frau Kerr vor. Interessant war für mich, welche Buchtitel Kerrs in England im Fokus stehen. Auf zwei kleinen Sesseln nahmen die beiden Damen im English PEN Literary Salon Platz. Ich wollte unbedingt rechtzeitig einen guten Platz ergattern. Doch umsonst. Trotz rechtzeitigem Eintreffen, 45 Minuten vor Veranstaltungsbeginn, waren bereits alle Sitzplätze belegt. An den mitgebrachten Büchern konnte ich erkennen, dass "The Tiger who came to Tea" und die Bücher über den Kater Mog hier die absoluten Favoriten sind.



Meine Beschäftigung mit Judith Kerr begann spät. Ich las "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" erst, als ich zu Beginn der 90er Jahre nach Berlin zog und im Zuge der Vorbereitung eines Literaturspaziergangs, die Villenkolonie im Grunewald besuchte.

Alles begann ganz harmlos mit den Hitler-Plakaten, die Anna (Judith Kerr) und ihre Freundin Elsbeth in der Villenkolonie Grunewald im Winter 1932/33 sehen. Während die Mädchen nach Hause laufen unterhalten sie sich. Elsbeth: "Ich dachte, Juden hätten krumme Nasen, aber deine Nase ist ganz normal. Hat dein Bruder eine krumme Nase?"
Darauf Anna: "Nein", der einzige Mensch in unserem Haus mit einer krumme Nase ist unser Mädchen Bertha, und deren Nase ist krumm, weil sie aus der Straßenbahn gestürzt ist und sie sich gebrochen hat." Elsbeth wurde ärgerlich. "Aber dann ", sagte sie, "wenn du wie alle anderen aussiehst und nicht in eine besondere Kirche gehst, wie kannst du dann wissen, daß du wirklich jüdisch bist? Wie kannst du sicher sein?"

Die berühmte Kinderbuchautorin und Illustratorin Judith Kerr beschreibt in diesem Buch, wie Hitler im Grunewald ihr rosa Kaninchen stahl, weil sie und ihre jüdische Familie 1933 aus Deutschland fliehen mussten. Mich beeindruckte damals (und heute immer noch) die sprachliche Klarheit und die Plastizität mit der Judith Kerr schreibt.

Die Schriftstellerin erzählt in dem Buch ihre Lebensgeschichte. Sehr freundlich, mit deutlicher Aussprache, berichtet sie, wie die Familie des Theaterkritikers Alfred Kerr über die Schweiz und Frankreich nach Großbritannien emigriert. Dabei fallen ihr viele kleine Alltagsanekdoten ein, die sie uns mit einem leichten Blick aus Kinderaugen vorstellt. Sie war zehn Jahre alt und erzählt, dass für sie als Kind diese Zeit aufregend war. Neue Eindrücke, neue Sprachen. Flucht und Emigration erscheinen als ein Abenteuer. Erst im Rückblick, als Erwachsene hat sie verstanden, welche Ängste und welche Bedrohungen dies für die Familie bedeutete.

Alfred Kerr, ihr Vater, hat für seine Tochter ein Gedicht geschrieben "Das Glück tritt in mein Zimmer" und es bedeutete: "Solange wir uns nicht trennen mussten, würde das Glück bleiben. Nur der Verlust der Familie, den hätten wir als Bedrohung empfunden: Wir gehören zusammen, waren eine Insel."

London ist der Ort, an dem Kerr angekommen ist, seit vielen Jahren. Hier endlich war ihre Familie in Sicherheit, nach einer langen Odysee über die Schweiz, Paris und schließlich London. Berlin ist nicht mehr ihr Zuhause, in dem bestürzten Aufbruch vergaß sie ihr rosa Kaninchen, ihr Lieblingskuscheltier.

Lange Zeit arbeitete sie als Drehbuchautorin und Lektorin für die BBC in London, wo ihre Sprachkenntnisse für sie von Vorteil waren. Hier lernte sie ihren späteren Ehemann, den britischen Drehbuchautoren Nigel Kneale, kennen. Auf die Hochzeit im Jahr 1954 folgten 1958 und 1960 die Geburten der Kinder Matthew und Tacy.

1970 begann Judith Kerr als freischaffende Künstlerin zu arbeiten, und während ihre Kinder in der Schule waren, mit dem Schreiben und Illustrieren von Kinderbüchern. Es bot ihr eine Möglichkeit über ihre eigenen Erfahrungen sowie die ihrer Eltern nachzudenken. Es war nicht nur für sie wichtig, sondern auch für ihre Familie und als Konfrontation der Öffentlichkeit.
Nachdem 2002 erst ihr Bruder Michael und 2006 ihr Mann Nigel starb, wurde die Zeit danach einsam und schwierig. Es hat eine ganze Weile gebraucht, bis sie wieder arbeiten konnte. Judith Kerr wollte neue Charaktere beschreiben: "Twinkles, Artur and Puss", "My Henry" und "The Great Granny Gang" sind in den letzten Jahren in ihr Leben getreten. Der Theaterproduzent Nick Brooke hat "The Tiger who came for Tea" als Kindermusical auf die Bühne gebracht und so die Popularität der Autorin enorm gesteigert. Gerne hätte sie diese Eindrücke mit ihrem Bruder und Mann geteilt.

Am Ende des Gesprächs im English PEN Literary Salon schaut Judith Kerr nochmals zurück in die Vergangenheit, in den Augenblick, in dem sie ihrem Vater vortrug, dass sie Illustratorin werden wollte. Alfred Kerr muss sinngemäß geantwortet haben, dass sie dafür hart arbeiten müsse, da man in England sehr gut sei. Frau Kerr stellt fest, dass ihr Vater Recht hatte und dass sie sehr glücklich sei, diese Wahl getroffen zu haben. Sie lächelt, aber nur kurz. Dann wird ihr Gesicht ernst. Sie hatte das Glück - im Gegensatz zu einer halben Million jüdischer Kinder - zu überleben und uns all diese Geschichten und Zeichnungen schenken zu können.



Im Dezember 2015 erklommen gleich zwei Titel von Judith Kerr die Kinderbuch-Bestsellerliste: "Mister Cleghorn´s Seal" und "Mog´s Christmas Calamity". Von ihren Bücher wurden mehrere Millionen Exemplaren verkauft. Kerr ist in den UK eine Ikone. Der Haper Collins Verlag hat zu ihrem 90. Geburtstag ihre Kindheits- und Lebenserinnerungen in einem opulenten Bildband veröffentlicht: "Judith Kerr´s Creatures – A celebration of her life and work". Ein sehr schöner Band. Es wäre eine große Freude, wenn dieses Buch auch demnächst in deutscher Sprache veröffentlicht würde. Kerr hat zahlreiche Literaturpreise erhalten, unter anderem 1974 den Deutschen Jugendliteraturpreis für ihr Buch "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl".



Zur Autorin: Judith Kerr geboren 1923 in Berlin, war die Tochter des Schriftstellers und Theaterkritikers Alfred Kerr und dessen Frau Julia Weissmann. In Folge des Machtantritts des Naziregimes 1933 floh die jüdische Familie vor ihren nationalsozialistischen Verfolgern über Zürich und Paris nach London, wo die Schriftstellerin und Illustratorin Judith Kerr bis heute lebt. Ihre Flucht, sowie das Leben als Emigrantin hat sie in ihren autobiographischen Jugendbüchern verarbeitet und wiedergegeben, durch die sie zu großer Bekanntheit gelangt hat. Ihre erste Veröffentlichung war "The Tiger who came to Tea" (1968) danach folgten 18 Titel der Serie um Mog. Ihr halbbiografisches Buch "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" erschien 1971 wurde 1974 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Die Romane "Warten bis der Frieden kommt" und "Eine Art Familientreffen" setzen sich mit dem Thema der eigenen Flucht vor den Nationalsozialisten und dem Leben in Emigration auseinander. Judith Kerr wurde für ihre zahlreichen Bilderbücher mit diversen Preisen ausgezeichnet.

AVIVA-Tipp: Die AVIVA-Redaktion wünscht Judith Kerr einen wunderbaren 93. Geburtstag im Kreis ihrer Familie!

Copyright Fotos: Yvonne de Andrés


Women + Work Beitrag vom 14.06.2016 Yvonne de Andrés 

   




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