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AVIVA-BERLIN.de im November 2017 - Beitrag vom 10.12.2009

Regimekritikerin Parastou Forouhar fordert Aufklärung der politischen Morde im Iran
Sunna Krause-Leipoldt

Seit dem 5.12.2009 wird die in Deutschland lebende iranische Künstlerin im Iran festgehalten. Das SWR-Kulturmagazin "Nachtkultur" widmete der Regimekritikerin am 11.12.2009 ab 23.30 Uhr einen ...



...Beitrag und berichtete über ihre Situation in Teheran.

Wie jeden Winter in den vergangen elf Jahren, war Parastou Forouhar auch im Dezember 2009 nach Teheran gereist, um dort eine private Gedenkfeier für ihre ermordeten Eltern zu organisieren. Das Ehepaar Darius und Parwaneh Forouhar wurde im November 1998 vom iranischen Geheimdienst umgebracht, weil es sich gegen die Todesstrafe und für eine Demokratie im Iran eingesetzt hatten.

Bisher hatten die iranischen Behörden die jährliche Trauerfeier ebenso stillschweigend hingenommen wie Forouhars Hauptanliegen: die Ermordung ihrer Eltern aufzuklären und die Namen der Täter zu erfahren. Doch als die Künstlerin am 5. Dezember 2009 Teheran wieder verlassen wollte, wurde ihr der Reisepass am Flughafen abgenommen und seitdem wird sie dort festgehalten.

Auf Nachfragen hin wurde ihr mitgeteilt, dass das Geheimdienstministerium sie wegen ihrer zahlreichen Medienauftritte angezeigt hätte. Forouhar hatte sich in mehreren internationalen Interviews für die Aufklärung der politischen Morde im Iran eingesetzt.

In einem aktuellen Telefoninterview, das Teil des SWR-Fernsehbeitrags am 11. Dezember 2009 ist, gibt Forouhar sich kämpferisch: "Ich sehe es als meine Pflicht an, die tragische Ermordung meiner Eltern zur Sprache zu bringen und in diesem Zusammenhang das Recht zur Aufklärung der politischen Morde einzufordern."

Während die Regimekritikerin im Iran fest gehalten wird, demonstrieren die BürgerInnen Teherans gegen ihre Regierung.

Bereits 1999, zum ersten Jahrestag der Ermordung des Ehepaares Forouhar, hatten Zehntausende an einer Massenkundgebung gegen die Willkür der Staatsmacht teilgenommen. Mohammad Chatami, der zu der Zeit Präsident war, ließ auf den Druck der Öffentlichkeit Recherchen innerhalb verschiedener Organisationen zu. Der Geheimdienst verkündete in einer offiziellen Stellungnahme, dass eine "selbständige Gruppe" innerhalb ihrer Ränge für die Morde verantwortlich sei. Ihr Anführer soll Said Emami gewesen sein, gegen den die Berliner Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit den Mykonos-Morden ermittelt hatte und der 1999 im Gefängnis Selbstmord begangen haben soll.

Die Auftraggeber der Morde bekleiden hohe Positionen innerhalb der Regierung, so dass Nachforschungen über ihre Identität verboten sind oder ins Leere laufen. Der Fall ist von offizieller Seite als abgeschlossen erklärt worden und jedes offenkundige Gedenken der Ermordeten seit dem verboten.

Parastou Forouhar hat besonders 2009 mit der öffentlichen Trauerfeier für ihre Eltern viel riskiert, denn die Situation in Teheran ist nach den gefälschten Präsidentenwahlen angespannt. Mit ihrem Ausreiseverbot will die Regierung anscheinend ein Exempel statuieren. Es ist noch ungewiss, wie lange die Regimekritikerin, die im März 2009 in einem Interview mit dem SWR sagte: "Nach Teheran gehen, bedeutet für mich, zu einem Friedhof zu gehen", noch dort bleiben muss.

Weitere Infos zu Parastou Forouhar finden Sie unter: www.parastou-forouhar.de/portfolio

Den vollständigen Beitrag des SWR-Kulturmagazins finden Sie unter:

www.swr.de/nachtkultur
und unter:
www.swr.de/mediathek

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"Solidaritätskundgebung mit den DemonstrantInnen im Iran 2009".

"Mein Iran" von Shirin Ebadi.

"Die Stellung der Frau im Gottesstaat Iran", ein Beitrag der Publizistin Nasrin Amirsedghi.

Women + Work Beitrag vom 10.12.2009 AVIVA-Redaktion 

   




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