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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 17.02.2010

Erster Berliner Gender Datenreport 2009 geht online
Nadja Grintzewitsch

Endlich ist statistisch bewiesen, was frau schon lange im Bewusstsein brodelt und eigentlich als Allgemeinplatz gilt: Berliner Mädchen und Frauen, obgleich in der schulischen Laufbahn erfolgreicher...



...als ihre männlichen Kollegen, sind in Führungspositionen noch immer unterrepräsentiert und auch einkommenstechnisch nicht nur in Berlin, sondern in allen Bundesländern benachteiligt.

Prof. Dr. Ulrike Rockmann, Präsidentin des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg und Harald Wolf, Senator für Wirtschaft, Technologie und Frauen, stellten am 17. Februar 2010 den Berliner Gender Datenreport 2009 vor. Der Bericht enthält Grundlagendaten zu den Themen Demografie, Bildung, Erwerbstätigkeit, Einkommen, Gesundheit und politische Partizipation, also den Anteil der Politikerinnen in den einzelnen Parlamenten. Damit stellt er die Basis dar für eine erste Auswertung und eine intensive Auseinandersetzung mit den teilweise alarmierenden Fakten. Harald Wolf, Mitglied der Partei Die Linke, betonte die Bedeutsamkeit des Reports und seine Auswirkungen auf zielgerichtete Politik. Bereits 2006 sei ein umfassender Bericht zur Situation von Frauen in Berlin veröffentlicht worden, hätte jedoch nicht auf empirische Daten aufbauen können, da diese noch nicht vorhanden waren. Somit sei der Genderreport ein Fortschritt für alle, die sich für Gleichstellungspolitik interessierten.

Frauen in wissenschaftlichen Berufen

Anhand des "Berliner Gender Datenreports 2009" lässt sich beispielsweise nachvollziehen, wie die Entwicklung des Frauenanteils an den Professuren der Berliner Hochschulen voranschreitet. Die positive Bilanz ist, dass die Bemühungen des Senats um Chancengleichheit in der akademischen Qualifizierung allmählich von Erfolg gekrönt sind. Neben Maßnahmen zur individuellen Förderung von Wissenschaftlerinnen wurden Gleichstellungsaspekte in den Hochschulverträgen verankert. Der Frauenanteil bei den Promotionen erhöhte sich von 38,2 % im Jahr 2000 auf 46 % im Jahr 2008 und erreicht somit fast ein ausgeglichenes Niveau im Vergleich zum Männeranteil. Im gleichen Zeitraum stieg die Anzahl der Professorinnen von 13,5 % auf 25,6 %. Das bedeutet immerhin einen Zuwachs von 339 Frauen in Forschung und Lehre. Damit ist in Berlin fast jede vierte Professur mit einer Frau besetzt, im bundesweiten Vergleich ist es nur gut jede sechste. Nur: Als wirklich zufrieden stellend kann frau diesen Umstand wohl nicht erachten. Von Gleichstellung kann in diesem Zusammenhang noch lange nicht die Rede sein, zumal seit über 15 Jahren über 50 % der Erstimmatrikulierten weiblich sind. Auch was die politische Partizipation anbelangt, steht Berlin zwar an der Spitze der Bundesländer, jedoch sind Frauen nur zu 38 % in den Bezirksparlamenten und zu 39,6 % im Landesparlament vertreten.

Alarmierende Bilanz

Besonderes Augenmerk richtete Ulrike Rockmann auf die zunehmende Anzahl der Alleinerziehenden in der Hauptstadt. Unterschieden nach Familientypen müssten bereits ein Drittel der BerlinerInnen Kinder auf sich allein gestellt aufziehen. Zu 90 % seien dies Frauen, die durch die Doppelbelastung von Beruf und Kindererziehung von Arbeitslosigkeit und somit einem hohen Armutsrisiko bedroht seien. Nach Einschätzung Harald Wolfs stellt dies eine Realität dar, die zunehmend in den großen Ballungszentren anzutreffen ist. Hier erfordere die Situation dringenden Handlungsbedarf, um die Alleinerziehenden zu unterstützen.
Insgesamt besuchten im Schuljahr 2008 / 2009 etwa 78.000 Schülerinnen und Schüler Berliner Gymnasien, gemessen an der GesamtschülerInnenzahl waren das 24,1 %. Der weibliche Anteil lag hierbei mit 41.885 Schülerinnen leicht höher als der männliche. Ulrike Rockmann betonte, dass diese Überrepräsentierung auch für Schülerinnen mit Migrationshintergrund gelte. Allerdings gelte nach wie vor die Regel, dass Kinder aus sozial benachteiligten Schichten – und somit nicht zuletzt Kinder allein erziehender Eltern – eher seltener das Gymnasium besuchten als Kinder aus intakten Familien. Ein weiterer alarmierender Faktor ist, dass zwar mehr junge Frauen als Männer die allgemeine Hochschulreife erwerben, diese jedoch deutlich seltener für ein Studium nutzen. Von den Frauen, die 2007 die Schule mit einer Studienberechtigung verließen, nahmen nur 61 % ein Studium auf. Bei den Männern waren es 70 Prozent.

Gravierende Lohndifferenzen

Auf die Frage, ob er von irgendeinem Detail des Berichtes überrascht sei, antwortete Wolf aufrichtig, es gäbe nichts, was ihn "vor Erstaunen umgeworfen" hätte. Allerdings räumte er ein, dass ihm gewisse Umstände in den Einkommensunterschieden "neu waren" und durch das konkrete Beispiel an Brisanz zugenommen hätten.
Allgemein bekannt sei, dass Frauen in den höheren Gehaltsstufen seltener vertreten seien. Doch je höher der Verdienst, desto höher auch die so genannte "pay gap", die Einkommenslücke zwischen männlichen und weiblichen Berufstätigen. Konkret bedeute dies einen Unterschied von etwa 17 Cent pro Stunde bei NiedrigverdienerInnen, jedoch über 8 Euro in den höheren Gehaltsklassen. In Berlin sei die Einkommenssituation für Männer deutlich besser als für Frauen. Der durchschnittliche Bruttoverdienst für sozialversicherungspflichtige Beschäftigte liege für Männer bei 18,80 Euro, für Frauen jedoch nur bei 15,50 Euro.

Wegweisend, aber (noch) nicht zielorientiert

Der Gender Datenreport 2009 stellt in erster Linie eine Basis für ergebnisorientierte Politik dar. Ein konkretes Konzept zur Bekämpfung von genderspezifischen Ungerechtigkeiten liegt jedoch noch nicht vor. Auch wurden von Seiten der DatenerheberInnen keine Empfehlungen an Senator Harald Wolf gerichtet. Letzterer betonte jedoch, dass von 2008 – 2011 insgesamt 22,8 Millionen Euro zur Förderung von Chancengleichheit zur Verfügung gestellt wurden.
An dem Bericht wird deutlich, dass die gemeinsamen Anstrengungen des Berliner Senats und der Hochschulen zwar erste Früchte tragen - in Sachen Gleichstellungspolitik jedoch noch lange nicht das Optimum erreicht ist.

Den vollständigen Gender Datenreport 2009 finden Sie unter:
www.statistik-berlin-brandenburg.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Gender Pay Gap in Führungspositionen der Privatwirtschaft (2009)

Masterplan zum Gleichstellungspolitischen Rahmenprogramm 2008–2011 beschlossen

Lohnungleichheit als Dauerskandal (2008)

Jutta Allmendinger - Frauen auf dem Sprung. Wie Junge Frauen heute leben wollen. Die BRIGITTE-Studie (2009)

Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung - Studium zahlt sich für Frauen weniger aus (2009)

Frauenanteil bei Habilitationen erneut gestiegen (2008)

Globalisierung und Frauenrechte. Publikationen 2009

"Equal Pay Day" (2009)

"CEDAW Alternativbericht" (2008)

"EU-Gleichstellungsbericht" (2008)

"Weißbuch Frauen - Schwarzbuch Männer" (2008)

"Das Schwarzbuch zur Lage der Frauen" (2007)

Zur Lage von Frauen in Berlin:

"Frauenbericht des Berliner Senats" (2006)


"Studie selbstständige Frauen in Berlin" (2008)



Women + Work Beitrag vom 17.02.2010 AVIVA-Redaktion 

   




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