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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 30.10.2010

Loki Schmidt - Angeheiratete der Politik mit Eigenständigkeit
AVIVA-Redaktion

Trotz ihrer 91 Lebensjahre kam ihr Tod in der Nacht zum 21. Oktober 2010 für viele überraschend. Als Lehrerin, Naturschützerin, Autorin und Mutter bewahrte Loki stets ihr eigenes Profil und ...



... bezeichnete sich selbst einmal als "Angeheiratete der Politik", die "ein etwas seltsames anderes Leben" führe.

Im Licht dieses Lebens als Minister-, (Alt-)Bundeskanzler-, Politikergattin wurde sie der Öffentlichkeit bekannt. Fast 70 Jahre lang währte ihre Ehe mit Helmut Schmidt. Sie blieb sich selbst dabei treu, ihre gesellschaftliche Rolle wurde nicht zum Lebensinhalt. Ihr Traum, Biologin zu werden, war nach dem Abitur an den Studiengebühren gescheitert – später machte sie ihn wahr. Im Jahr 1976 gründete Loki über ihre Schirmherrschaften als Kanzlergattin hinaus das "Kuratorium zum Schutze gefährdeter Pflanzen", das später in die noch heute bestehende Stiftung überging. Sie unternahm auf eigene Kosten zahlreiche Forschungsreisen mit jungen WissenschaftlerInnen, die sich über verschiedene Kontinente erstreckten. Dabei entdeckte sie zuvor unbekannte Pflanzen, die heute ihren Namen tragen, wie die "Pitcairnia loki-schmidtiae", eine Bromelie.

Schmidts Buch "Die Botanischen Gärten in Deutschland" wurde zum grundlegenden Standardwerk. Für ihre leidenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der Botanik und des Naturschutzes erhielt Loki viele Auszeichnungen, darunter eine Ehrenprofessur, Ehrendoktorwürde und der Ehrensenatorinnen-Titel der Hamburger Universität sowie die Ehrendoktorwürde der Russischen Akademie der Wissenschaften Sankt Petersburg. Die Autorin veröffentlichte erfolgreich Bücher über Pflanzen, Erziehung, ihr Leben an der Seite von Helmut Schmidt, ihre Erinnerungen. Vor Kurzem äußerte sie zum Erscheinen ihres neuen Buches "Auf dem roten Teppich und fest auf der Erde" noch den großen Wunsch, ihren 70. Hochzeitstag mit Helmut Schmidt im Juni 2012 erleben zu können.

Loki Schmidt wurde 1919 unter dem Namen Hannelore Glaser als Tochter eines Betriebselektrikers in Hamburg geboren. Gemeinsam mit zwei Geschwistern wuchs sie in bescheidenen Verhältnissen im Stadtteil Barmbek auf. Ihr Vater wurde 1931 arbeitslos, die Mutter arbeitete daraufhin als Näherin. Helmut Schmidt, der dieselbe Schulklasse besuchte wie Loki, lernte sie bereits mit zehn Jahren kennen. Es war der Anfang einer "verlässlichen Freundschaft", so ihr Mann, aus der später eine tiefe Liebe wurde. 1942 heiratete sie den ein Jahr jüngeren Offizier. Nach dem Zweiten Weltkrieg finanzierte sie ihm durch ihre Arbeit als Volks- und Realschullehrerin sein Studium in Hamburg – sie selbst hatte nach dem Abitur ein pädagogisches Studium absolviert. 1947 kam Tochter Susanne zur Welt, die heute als Bankerin, Journalistin und Autorin ("Markt ohne Moral") bei London lebt. 1944 war Sohn Helmut Walter geboren worden, den das Paar nach nur sieben Monaten auf tragische Weise verlor. Er starb vermutlich an Meningitis. In ihren Memoiren schreibt Loki auch von mehreren erlittenen Fehlgeburten.

30 Jahre lang arbeitete Loki Schmidt als passionierte Lehrerin. Ihr Verleger Günter Berg verriet in seinem Nachruf, sie sei die Lehrerin gewesen, die er sich für seine Kinder und sich selbst gewünscht hätte. Ihren Beruf gab Loki erst 1972 auf, als ihr Mann zum zweiten Mal Bundesminister wurde. 2005 äußerte sie sich in "Mein Leben für die Schule" zur Bildungspolitik. Den gesellschaftlichen Verpflichtungen ihres "etwas seltsamen", angeheirateten Lebens kam Loki Schmidt selbst- und pflichtbewusst nach, auch wenn sie in ihrem jüngsten Buch zugibt, dass es sie nervös gemacht habe. "Man wollte sich passend benehmen und sich nicht blamieren", schrieb sie. Sie ließ sich dennoch nicht verbiegen und vergaß nie, wer sie war. "Mit Knicksen konnte ich nicht dienen", hält sie im Buch fest. Diese Geste habe völlig ihrer "persönlichen Grundhaltung" widersprochen.
Untrennbar war sie bis zu ihrem Tod mit Helmut Schmidt verbunden, in der Liebe und dem Beruf. Weder der Glanz noch die Härten eines Lebens in der Öffentlichkeit konnten Loki Schmidt jedoch davon abbringen "fest auf der Erde" und fest bei sich selbst zu bleiben.

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.hoffmann-und-campe.de

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Quellen: Die essenzielle Frauenchronik (hg. v. Sharon Adler, Stefanie Denkert, Claire Horst), faz.net, ftd.de, spiegel.de, sueddeutsche.de, tagesspiegel.de

Women + Work Beitrag vom 30.10.2010 AVIVA-Redaktion 

   




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