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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 07.01.2011

Die Schriftstellerin Eva Strittmatter ist tot
Anna Hohle

Die Lyrikerin und Ehefrau des wegen seiner NS-Vergangenheit umstrittenen Schriftstellers Erwin Strittmatter ist am 03.01.2011 im Alter von 80 Jahren in Berlin gestorben. Bekannt wurde sie...



... vor allem durch ihre zahlreichen Gedichtbände. Daneben veröffentlichte sie Prosa für Erwachsene und Kinder. "Die Ausnahmepoetin vermochte den Reigen des Lebens in Verse zu kleiden, in denen die Menschen Halt finden" heißt es im Nachruf des Verlages.

1930 in Neuruppin geboren, studierte Strittmatter Germanistik und Romanistik in Ostberlin. Anschließend war sie als Lektorin beim Deutschen Schriftstellerverband und beim Kinderbuchverlag der DDR tätig. Seit 1954 arbeitete sie als freie Schriftstellerin.
Durch ihre literaturkritischen Veröffentlichungen in der "Neueren Deutschen Literatur" wurde Strittmatter in der DDR der siebziger Jahre erstmals einem breiten Publikum bekannt. Seit 1956 war sie mit dem 18 Jahre älteren Schriftsteller Erwin Strittmatter verheiratet.

Eine zweite Haut – Poesie als Rückzugs-Raum

Strittmatters Gedichte zeichnen sich durch eine große Schlichtheit der Sprache und eine präsente Naturmetaphorik aus. "Von Anfang an hat mir alles Hohe widerstanden. Jeder Anspruch auf Pathos", zitiert ihre Biographin Irmtraud Gutschke die Lyrikerin in einem Interview. Kompliziert gestaltete sich Strittmatters Verhältnis zu ihrem vielmals als stur und selbstbezogen beschriebenen Ehemann und Schriftstellerkollegen, den sie – oft bis zur Selbstaufgabe – unterstütze. "Pflicht und Übung und wenig gelebt aus Freude am Leben" heißt es denn auch resignativ in ihrem Gedichtband "Poesie und andre Nebendinge".

Die Rettung vor der Selbstaufgabe bedeutete einzig das Schreiben, "dieses Gefühl, sich eine Haut aus Worten zu machen, dass man sich sozusagen eine zweite Haut schafft, um sich herum etwas schafft, was einen schützt, oder in dem man lebt...". Ihre Gedichte stellen in diesem Sinne einen poetischen Gegenentwurf zu den Widrigkeiten des Alltags dar. In Vorwendezeiten habe Strittmatter mit dieser Methode ihren "Lesern Mut gemacht", schrieb der Autor Marko Martin zu Strittmatters 80. Geburtstag: "In einem Staat der institutionalisierten Hässlichkeit und Niedertracht hatte sie die höhere Naivität bewahrt, der Schönheit und der Poesie einen Raum zu verteidigen".

Reaktion der Schriftstellerin auf Erwin Strittmatters NS-Vergangenheit

2008 deckte der Literaturwissenschaftler Werner Liersch erstmals Details der NS-Vergangenheit des 1994 verstorbenen Erwin Strittmatter auf, der von 1958 bis 1964 auch als Informeller Mitarbeiter (IM) für das Ministerium für Staatssicherheit gearbeitet hatte. Strittmatter war ab 1941 in dem der SS unterstellten "Polizei-Gebirgsjäger-Regiment 18" tätig gewesen. Jenes Regiment war Lierschs Recherchen zufolge an Massakern an der Zivilbevölkerung auf dem Balkan und der Deportation von griechischen Juden in Vernichtungslager beteiligt. Strittmatter gab stets an, trotz absolvierter Spezialausbildungen zur Partisanenbekämpfung nicht an Gewaltakten beteiligt und lediglich als Schreiber tätig gewesen zu sein.

Eva Strittmatter beauftragte nach der Aufdeckung Strittmatters Mitgliedschaft beim Gebirgsjäger-Regiment den Historiker Bernd-Rainer Barth mit einer detaillierten Recherche zu den Hintergründen der NS-Geschichte ihres verstorbenen Mannes. Dennoch verweigerte sie Einsichten in dessen Feldpostbriefe und verteidigte seine Person am 02.03.2009 in einem Radiointerview des RBB-Studios Cottbus: "Die einzelnen Mitglieder dieser Truppe waren nicht SS-Mitglieder. Hier hat eine Verabsolutierung stattgefunden". Die Information über Strittmatters Tätigkeit bei der Ordnungspolizei besäße für sie darüber hinaus "keinen Neuigkeitswert".

Bemerkenswerterweise hatte Eva Strittmatter schon 1996 in einem Gespräch mit Klaus Trende zum allgemeinen Werk ihres Mannes angegeben, dieser habe "nie die reine oder platte Wahrheit gesagt, hat seinen Lebensstoff in seinen Arbeiten stets verändert und sich kaschiert". Im Interview mit Irmtraud Gutschke vergleicht sie Strittmatter mit seinen Romanfiguren, in die seine "eigenen Erfahrungen eingeflossen" wären. Esau Matt aus dem Roman "Ochsenkutscher" sei "eine reine Seele, ein naiver Mensch, der in die Welt verwickelt wird. Und ich habe ihn doch genau so gesehen". Ihr Mann wurde ihren Worten zufolge "in etwas reingerissen". Auf seine Briefe angesprochen, räumt die Autorin jedoch ein: "Er schreibt in einem Ton, der ihn mir völlig fremd erscheinen lässt. Feind und Vaterland – solche Worte habe ich ihm nicht zugetraut".

Im selben Gespräch gab Eva Strittmatter an, ihre Kindheit im Nationalsozialismus überwiegend als harmonisch empfunden zu haben: "Ich habe mich mein Leben lang nicht im Einverständnis mit meiner Umwelt befunden. Die einzige Zeit, in der ich mich in Harmonie fühlte, ist ausgerechnet die Nazizeit gewesen, in der es nicht hätte sein dürfen".

Bis heute ist Strittmatter die auflagenstärkste Lyrikerin im deutschsprachigen Raum – ihre Gedichtbände verkauften sich über zwei Millionen mal. Ungeachtet ihrer relativierenden Aussagen zur Historie Erwin Strittmatters wurde sie 2010 mit dem Verdienstorden des Landes Brandenburg geehrt.

Eva Strittmatters zahlreiche Lyrikbände sind überwiegend im Aufbau-Verlag erschienen. Zuletzt veröffentlichte sie im Oktober 2010 gemeinsam mit der Fotografin, Malerin und Tänzerin Rengha Rodewill im Plöttner Verlag den Bild- und Gedichtband "Zwischenspiel". Weitere Infos: www.ploettner-verlag.de


Quellen und weitere Informationen finden Sie unter:

Irmtraud Gutschke: Eva Strittmatter. Leib und Leben. Verlag Das Neue Berlin 2008
Ralph Klein: Das Polizei-Gebirgsjäger-Regiment 18: Massaker, Deportation, Traditionspflege; in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft Nr. 1/2007
Eva Strittmatter: In einer anderen Dämmerung: Gedichte und Selbstauskünfte (Audiobook), Eulenspiegel Verlag 2009

"Focus"

"Frankfurter Allgemeine Zeitung"

"Potsdamer Neueste Nachrichten"

"Der Spiegel"

"Der Tagesspiegel"

"Die Welt"

"Homepage des Eulenspiegel-Verlags"

www.rengha-rodewill.com

Women + Work Beitrag vom 07.01.2011 AVIVA-Redaktion 

   




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