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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 19.01.2011

Sibylle Tiedemann erhält den Obermayer German-Jewish History Award
Marie Heidingsfelder

Am 24. Januar 2011 wird die Regisseurin, Autorin und Produzentin die Auszeichnung für ihren Dokumentarfilm "Briefe aus Chicago - Bilder aus dem Exil" im Berliner Abgeordnetenhaus entgegennehmen



...ab dem 20. Januar 2011 hat das Lichthauskino in Berlin aus diesem Anlass den Film ins Programm aufgenommen.

Sibylle Tiedemann

wurde 1951 in Ulm geboren und machte an der Hochschule für Bildende Künste in Kassel ihren Abschluss in Freie Kunst und Kunstpädagogik. Nach einer Ausstellung über das "Türkengetto" in Kassel und einem Buch über Photographie wechselte sie 1980 das Genre und schrieb sich in Berlin an der Film- und Fernsehakademie ein. Nach ihrem Abschluss führten sie ihre Projekte um die ganze Welt: Sie filmte in China, Osttibet, Chicago und Estland, inszenierte Kurzopern in Trento und lehrte Bolzano und Los Angeles.

Einfühlsame Portraits von Menschen und Orten - Das ist der rote Faden, der sich durch die Photographien und Filme von Sibylle Tiedemann zieht und sie als Künstlerin auszeichnet. Für ihre Arbeiten wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Künstlerinnenstipendium und dem Filmstipendium der Stadt Berlin, dem europäischen Filmstipendium, der Mitgliedschaft in der deutschen Filmakademie und dem Kunstpreis der Stadt Neu-Ulm.

Briefe aus Chicago - Bilder aus dem Exil



Ein Zug fährt durch die Vorstadt von Chicago: Flache Industriebauten, Einfamilienhäuser - ohne den Filmtitel könnte sich das Exil von Lore und Gustav Frank überall befinden. 1939 sind die beiden aus Ulm emigriert um dem Holocaust zu entkommen, haben geheiratet und im Exil ein neues Leben begonnen - und doch stehen nach 60 Jahren Amerika schwäbische Dampfnudeln und Grießsuppe auf dem Tisch, als Sibylle Tiedemann die beiden besucht. Die Erinnerung an Süddeutschland, an das erste Drittel ihres Lebens, ist wie ein Schatten ständig präsent: Noch immer stehen Bildbände über Ulm im Regal, noch immer hängt ein Bild des Münsters an der Wand, und noch immer sprechen die beiden Deutsch - nicht mehr das regelmäßig erprobte der Alltagsgespräche, sondern eines, das wie sorgfältig abgelesen klingt. Doch der größte Erinnerungsschatz befindet sich im Keller, dessen steile Treppe "Gus" mit über 90 Jahren vorsichtig rückwärts hinab geht: Das Archiv des leidenschaftlichen Photographen. Seine ersten Portraits der in Süddeutschland weit verzweigten jüdischen Familie und die Stadtlandschaften aus dem "alten" Ulm entstanden bereits 1925 mit einer Plattenkamera. Als amerikanischer Soldat kehrt er 1945 auf der Suche nach seinen Eltern nach Deutschland zurück und fotografiert die völlig zerstörte Heimatstadt. Seine Suche ist vergebens, die ganze Familie ist im Holocaust ermordet worden. Mit dem filmischen Portrait der beiden zeigt Sibylle Tiedemann eindrucksvoll und einfühlsam, was es heißt, weiter zu leben. Was es bedeutet, in der Emigration alt zu werden, einen neuen Alltag zu führen und nicht den Humor zu verlieren.

AVIVA-Veranstaltungs-Tipp

Sibylle Tiedemann wird ihren Film am Donnerstag, dem 20. und am Dienstag, dem 25. Januar - im Rahmen der Reihe "AG DOK im Lichtblick-Kino"- jeweils um 18.00 Uhr persönlich im Berliner Kino Lichtblick vorstellen. (Kastanienenallee 77, Prenzlauer Berg) www.lichtblick-kino.org

Weitere Informationen zur Filmemacherin Sibylle Tiedemann finden Sie unter:
www.sibylletiedemann.de

Neben Sibylle Tiedemann werden im Jahr 2011 mit dem Obermayer German-Jewish History Award ausgezeichnet:

  • Michael Heitz (Eppingen)
  • Peter Körner (Johannesberg)
  • Brigitta Stammer (Goettingen)
  • Barbara Staudacher und Heinz Högerle (Horb/Rexingen)

    Weitere Informationen zum Obermayer German-Jewish History Award und zur Obermayer Foundation finden Sie unter: www.obermayer.us und www.obermayer.us/award

    Briefe aus Chicago – Bilder aus dem Exil
    D 2008, 71 min, Regie: Sibylle Tiedemann

  • Women + Work Beitrag vom 19.01.2011 Marie Heidingsfelder 

       




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