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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 19.06.2003

Interview mit Birgit Urmson, Teil 2
Kirsten Eisenberg

AVIVA befragte die Autorin von "Germaine" auch zu ihren Erfahrungen im beruflichen und privaten Alltag, ihrer Arbeitsweise und ihren weiteren Plänen



AVIVA: Sie haben in den verschiedensten Bereichen gearbeitet, jetzt als Autorin, waren aber auch als Regisseurin und Journalistin tätig. Nebenbei sind Sie noch Mutter von drei Kindern und setzen sich obendrein für behinderte Menschen ein - Gibt es da nicht große Parallelen zum ausgefüllten Leben der Protagonistin? Sehen Sie sich selbst in ihr wieder?
Birgit Urmson:
Ja bestimmt. Ein Freund sagt, beide Frauen würden in mir stecken. Die Caroline in mir bewirkt, dass ich mich zurückziehe und verstecke, die Germaine bringt mich nach außen und zum Kämpfen. Ich sehe alles, was in meinem Leben passiert, als Möglichkeit, zu lernen und fürs Leben zu erfahren.

AVIVA: Sie sind beruflich sehr aktiv, aber eben auch Mutter. Ihre Kinder sind nun erwachsen, doch wie war das früher? Wie gingen Sie mit schwierigen Momenten, mit Burn-Out um?
Birgit Urmson:
Ich tendiere dann mehr zu meiner Familie. Deshalb kommt das Buch auch jetzt erst raus. Vor sechs Jahren zog ich mich ganz bewusst zurück, legte einen Garten an, widmete mich meinen Kindern. Einer meiner Söhne ist autistisch, der brauchte mich einfach. Damals habe ich immer in Ansätzen gearbeitet. Sechs Wochen ganz intensiv, dann gab es aber wieder ganz lange Perioden dazwischen. Ich habe mich nicht anstellen lassen. Dieses ständige "Von 8 bis 5" jeden Tag, und dann immer vorankommen, gab es bei mir nicht. Ich habe insofern ein ganz altmodisches Leben und bin keine "Karrierefrau".

AVIVA: Trotzdem haben Sie es geschafft. Das ist bewundernswert: Sie haben sich immer wieder kleine Inselchen geschaffen, die Sie intensiv genutzt haben.
Birgit Urmson:
Ja, und dann zusammen verbunden. Bei vielem, was im Roman auftaucht, frage ich mich selbst, wo das herkommt. Es sind persönliche Erlebnisse und Eindrücke von Menschen. Und die habe ich einfach gesammelt.

AVIVA: Wie haben Sie gearbeitet, als Sie das Buch geschrieben haben, hatten Sie einen festen Rhythmus, setzten Sie sich um 8 an den Schreibtisch?
Birgit Urmson:
Ja, ich brauchte das, obwohl es manchmal auch Chaos war. Das erste Mal richtig schreiben konnte ich eigentlich, als mein jüngster Sohn aus dem Haus war. Ich hatte nicht mehr im Hinterkopf "Jetzt muss ich ihn abholen." Oft kam er auch morgens um 7 an mein Bett und fragte: "Mum, can you help me?". Ich musste ihm dann mit seinem Aufsatz helfen, schimpfte und schrieb dann doch bis acht noch unglaublich.
Plötzlich war es still, es gab nur noch meinen Mann, den Hund und die Katze. Mein Mann hatte zu der Zeit gerade seinen Betrieb abgestoßen und war ein bisschen verloren. Als ich schrieb, kam er alle Stunde und fragte "Wie geht´s denn?". Ich konnte das Zimmer meines Sohnes in mein Schreibzimmer umwandeln. Ich liebte es, ein Zimmer nur für mich zu haben, wo ich Bücher auf dem Boden aufgeschlagen einfach liegen lassen konnte.
Einmal hatte ich Gäste aus Frankreich, und die gingen auf ein Weingut. Ich konnte einfach nicht mitgehen, ich war gerade richtig drin. Kurze Zeit später fragte ich mich "Sag mal, sind die schon wieder zurück?" - und da war es schon 5 Uhr nachmittags! Tage schmolzen dahin, ich war in einer anderen Welt, das war so schön! Ich musste mich ja vorher immer teilen.
Ich glaube, diese Ruhe braucht man, um wirklich kreativ zu sein.

AVIVA: Andere Schriftsteller wiederum setzen sich auf die Parkbank und schreiben drauf los. Der Schreibprozess ist dann vielleicht auch länger. Wie lange haben Sie an Ihrem Buch geschrieben?
Birgit Urmson: Das Schreiben selber war gar nicht schlimm, ich hatte ja alles schon im Kopf. Und ich hörte die Personen dann sprechen. Ich musste einfach nur hinschreiben, was ich da hörte, ich bin manchmal kaum nachgekommen!
Mit einer kleinen Unterbrechung waren es wohl sechs Monate.

AVIVA: Sie haben Kunstgeschichte und Archäologie studiert, Filme gemacht, ein Buch geschrieben - welcher Bereich ist Ihr Lieblingskind?
Birgit Urmson:
Musik!

AVIVA: Sie treten als Gesangssolistin auf?
Birgit Urmson:
Ja. Musik ist meine erste Liebe. Ich habe Privatunterricht genommen, habe es nicht studiert. Ich habe neue Ansätze gemacht. Auch jetzt. Ich werde die Musik auf jeden Fall weiterbetreiben, weil sich noch etwas entwickelt und weil sie mir Aufschluss über mich selbst gibt. Ich muss aus mir herausgehen, wenn sich die Caroline in mir zurückzieht. Die de Staël in mir will sich ausdrücken!
Ich liebe eigentlich alles wahnsinnig, was mit Kunst zu tun hat. Ich fühle mich da begünstigt vom Schicksal. Ich liebe Kunstgeschichte, ich reise viel und betrachte gerne Kirchen, Schlösser, moderne Kunst. Ich komme gerade von der Biennale. Die moderne Kunst ist einfach so interessant!

AVIVA: Was ist Ihr nächstes Projekt, werden Sie noch ein weiteres Buch schreiben?
Birgit Urmson:
Ja, ich habe schon Pläne. Aber darüber spreche ich noch nicht so gerne. Ich muss erst recherchieren.

AVIVA: Es wird also wieder etwas Historisches werden?
Birgit Urmson:
Es wird dieses Mal das 20. Jahrhundert betreffen.

AVIVA: Sie kommen ursprünglich aus Windsbach in Franken. Danach studierten sie in München, Paris und Wien, gingen dann nach Kalifornien, um an der Universität von Berkeley ihren Abschluss zu machen und dort auch zu lehren. Heute leben Sie in Kalifornien, reisen aber regelmäßig nach Europa. Wo liegt Ihr zu Hause?
Birgit Urmson:
Ich lebte lange Zeit zwischen zwei Welten. Durch die Kunstgeschichte war ich in Europa stark verwurzelt, hatte in den USA oft Heimweh. Ich verklärte Europa auch, gab ihm zu viel Macht in meinem Leben. Ich habe dabei gar nicht gemerkt, dass meine ganze Art und mein Auftreten schon nicht mehr europäisch waren. Ich möchte fast sagen, in Amerika ist man manchen Dingen gegenüber einfach aufgeschlossener, man ruft sich z.B. einfach an. In Europa ist das nicht so einfach für manche Leute. Ich habe gemerkt, dass meine amerikanische Art in den USA einfach besser ankommt, so dass ich mein Interesse nun doch mehr auf die Staaten richte. Ich habe das Gefühl, dass es durch den Roman nach einer Zeit des Sammelns und Suchens zu einem Abschluss gekommen ist.
Was mich in Europa stört, ist diese Vetternwirtschaft. Das kann ich nicht verstehen. Denn: wenn jemand eine gute Idee hat, begeistert von etwas ist, dann müssen doch die Leute aufgeschlossen sein!

AVIVA: Sind Sie zum Studium in die Staaten gegangen mit dem Vorsatz, zu bleiben?
Birgit Urmson:
Nein, das hat sich so ergeben. Ich habe meinen Mann in Paris kennen gelernt, als ich dort studierte. Ich wollte eigentlich meine Doktorarbeit noch in München fertig machen, und dann ging das nicht, die Geschichte, der Vietnamkrieg und so weiter - eine schwierige Zeit. So bin ich dann mitgegangen und habe in Berkeley weitergemacht. Das war eine sehr interessante Erfahrung.

AVIVA: Hat der Prozess, über Germaine zu schreiben, Sie in irgendeiner Form transformiert?
Birgit Urmson:
Ich glaube schon. Ich bin sicherer in mir geworden, ruhiger. Irgendetwas kam zur Ruhe, indem es Gestalt annahm. Es gab Momente, in denen plötzlich alles vor mir stand. Ich musste nur noch schreiben. Etwas ganz Magisches passierte da. Zugleich konnte ich mich dann davon lösen, und das war ein sehr, sehr schönes Gefühl.

AVIVA: Könnte man sagen, dass in ihrem Kopf eine Art Film ablief?
Birgit Urmson:
Ja, und die Gestalten redeten. Ich bin oft aufgewacht, weil ich ihre Stimmen in meinem Kopf hörte.

AVIVA: Was würde Germaine machen, wenn sie heute leben würde, wäre sie Politikerin oder Diplomatin?
Birgit Urmson:
Zur Diplomatin wäre sie zu undiplomatisch. Sicher wäre sie Politikerin, aber sie war andererseits um einiges vielseitiger als heutige Politiker. Sie war so breit angelegt, heute wäre es ihr womöglich zu wenig, auf ein Fachgebiet beschränkt zu sein. Sie hatte eine ungeheure Kraft und den Willen zur Einflussnahme, ähnlich wie eine Margaret Thatcher.



Lesen Sie auch die Rezension zu Birgit Urmsons Roman "Germaine. Leidenschaft und Macht."!

Women + Work Beitrag vom 19.06.2003 AVIVA-Redaktion 

   




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