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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 03.03.2005

World Women Work 2005 - Matthias Horx
AVIVA-Redaktion

Interview mit Matthias Horx, Zukunftsinstitut Horx GmbH



AVIVA-Berlin: Das Motto der WWW 2005: "Wandel als Chance". Zwischen Work-Life-Balance und Netzwerk-├ľkonomie: Herausforderungen und Perspektiven in einem zunehmend globalisierten Lebensumfeld. Wo sehen Sie pers├Ânlich diese Herausforderungen und Perspektiven?
Matthias Horx: Also, wenn wir uns auf das Thema des Kongresses beziehen, stellt sich nat├╝rlich die Frage, wie M├Ąnner und Frauen miteinander weitermachen werden. Wir haben ja eine relativ lange Geschichte auf diesem Planeten gemeinsam hinter uns gebracht und die Frage ist: "What┬┤s next". Wir haben jetzt 150 Jahre industrielle Kultur hinter uns, in der die Rollenverteilungen sehr starr geworden sind. Wir sp├╝ren aber alle, da├č sich die urspr├╝nglichen Bedingungen f├╝r diese Rollenverteilungen immer weiter aufl├Âsen. Die industrielle Produktion mit ihrer K├Ârperkraftbetonung l├Âst sich auf, die Bildungsverteilung zwischen den Geschlechtern gleicht sich aus und jetzt gilt es gewisserma├čen "New Deals" zwischen Mann und Frau zu schaffen, und zwar auf den verschiedensten Ebenen.
Auf der einen Seite geht es um institutionelle Ver├Ąnderungen unserer Gesellschaft, auf der anderen Seite um sozialtechnische Kompetenzen im Umgang miteinander, die beide Geschlechter erlernen m├╝ssen. Das ist ein weites Feld, die Frage ist eben: "Wo f├Ąngt man an?"

AVIVA-Berlin: Wo die Risiken?
Matthias Horx: Also ich sehe da eigentlich keine Risiken. Nat├╝rlich ist dieser Proze├č ein einzige Risiko, weil M├Ąnner, Frauen und Sex ist immer gef├Ąhrlich. Das war in der Evolutionsgeschichte immer schon so. Aber ich glaube, da├č wir uns zusammenraufen werden. Es gibt auch gen├╝gend Gr├╝nde daf├╝r, eine Kultur des Unterschieds zu entwickeln. Man sieht ja auch, da├č das in vielen anderen L├Ąndern gelingt. Wenn man sich Frankreich, die Benelux-, skandinavischen oder angels├Ąchsischen L├Ąnder anschaut, erkennt man heute schon einen anderen Einflu├č der Frauen. Das hat zu einem Reichtum an Lebensqualit├Ąt gef├╝hrt - f├╝r M├Ąnner und f├╝r Frauen. F├╝r mich selber kann ich sagen, in der Welt der 60er Jahre, wo die Frau Hausfrau und der Mann nie zu Hause ist, w├╝rde ich mich nicht wohl f├╝hlen. Strikte Rollen bringen zwar Sicherheit, aber auch Langeweile mit sich.

AVIVA-Berlin: Welche Erwartungen haben Sie hinsichtlich Ihres Vortrags heute hier gehabt?
Matthias Horx: Ich wollte mal ausprobieren, ob so ein ironisch-provokativer Vortrag eines Mannes auf einer Frauenkonferenz auch funktioniert. Ich habe ja versucht, auch ein paar Tabus anzusprechen, z.B. die Geschichte des Opfer-Daseins: Wenn sich Frauen immer als Opfer wahrnehmen, stimmt das oft nicht mehr mit der Wirklichkeit ├╝berein. Ich glaube schon, da├č man dar├╝ber nachdenken mu├č, wie sich Opfer-Konstruktionen auch verselbstst├Ąndigen bzw. wie Frauen sich selber als Opfer konstruieren, um sich damit einen Vorteil zu verschaffen. In der Medizin gibt es den Begriff des Krankheitsvorteils, aber ich glaube wir sind heute einen Schritt weiter, wo ein Gro├čteil der M├Ąnner auch andere Formen ausprobiert im Umgang mit dem anderen Geschlecht, wo wir aber auch mit alten Formeln der Emanzipationsdebatte, z.B. Gleichheit nicht mehr weiterkommen. Gesellschaftliche Debatten sind auch oft in den 60er und 70er Jahren h├Ąngengeblieben und das versuche ich hier ein bi├čchen zu provozieren. Letzten Endes ist es aber doch ein Kongress der Frauen und ich habe hier nicht allzu viel verloren.

AVIVA-Berlin: Nun sind die meisten Rednerinnen ja F├╝hrungspers├Ânlichkeiten. Sind Sie denn der Meinung, da├č man das Modell der Professionalisierung des Haushaltes anwenden kann auf den Durchschnitt der deutschen Bev├Âlkerung?
Matthias Horx: Aber warum denn nicht? Das erinnert mich an meinen Urgro├čvater, der immer gesagt hat: "Es werden nie mehr als 10% der Bev├Âlkerung Auto fahren".

AVIVA-Berlin: Ich frage, da Ihnen die Statistiken dar├╝ber, wieviele Menschen sich tats├Ąchliche Hausangestellte leisten k├Ânnen, ja sicherlich bekannt sind?
Matthias Horx: Ich kann Ihnen sagen, in einer Stadt wie Berlin haben 45% der Mittel- und Oberschicht eine - wenn auch meist schwarz arbeitende - Putzfrau. Das ist deutlich mehr als eine kleine Minderheit und es werden jedes Jahr mehr. Die Frage ist doch, ob man ├Âkonomische Entwicklungen langfristig nicht auch als eine Verf├╝gbarmachung von Dienstleistungen betrachten kann. Das hat nat├╝rlich mit Kaufkraft zu tun und h├Ąngt an der zentralen Frage, ob unser Wohlstand weiter w├Ąchst. Nat├╝rlich auch an der Frage, wer es macht und damit an der Immigration. Aber ich glaube schon, da├č es in einer Wohlstandskultur ein gesellschaftlich sehr viel breiteres Modell werden kann. Au├čerdem ist es ja nur der eine Weg. Der andere Weg ist ja der, da├č man den Haushalt reduziert. Wir habe ja heute auch eine viel gr├Â├čere Variationsbreite, so da├č wir nicht mehr in diese Rollen rein m├╝ssen. Die Vollzeit-Hausfrau stirbt ja auch von der Nachfrageseite her aus.

AVIVA-Berlin: Was tun Sie in Ihrem Unternehmen/Ressort f├╝r den Bereich Frauenf├Ârderung?
Matthias Horx: Nichts. Ich bin in einem Frauen-Unternehmen und die Frauen haben da das Sagen und die sollen das machen. Ich bin froh, je mehr sie da auch machtm├Ą├čig entscheiden. F├Ârdern mu├č man da glaube ich, gar nicht mehr, man mu├č zulassen.

AVIVA-Berlin: Was halten sie von gesetzlichen Richtlinien hinsichtlich der Gleichstellung?
Matthias Horx: Gleichstellung kann man gesetzlich, glaube ich, nicht garantieren. Was man nat├╝rlich machen kann, ist, da├č man faire Grundregeln schafft. Es ist ganz einfach: Wenn Sie eine Ganztagsschule einf├╝hren, haben sie sofort die ganze Debatte vom Hals. Dann haben Sie Wahlfreiheit. Wenn Sie ein gutes Ganztags-Schulsystem haben, dann haben Sie schon etwa 70% der Vergleichung von Lebensverh├Ąltnissen, dann kann man sich immer noch individuell entscheiden. Alles darunter w├╝rde ich f├╝r unzureichend halten. Ich halte es auch f├╝r fraglich, ob die Kinder wirklich so viel wie m├Âglich mit ihren Eltern zusammen sein wollen. Das haben wir als Eltern zwar so auf der Agenda, aber ich erlebe bei Kindern was ganz anderes. Sp├Ątestens wenn die 11 sind, verabschieden sie sich in ihre Cliquen und wenn dann nur die Cliquen sind - ohne das Elternhaus - ist das auch bl├Âd. Also die Schule als dritter Ort erzeugt eine andere gesellschaftliche Kultur, die ich sehr gut finde. In Skandinavien wird soziales Leben und Lernen miteinander verbunden und wenn die Kinder nach Hause kommen, sind sie dann auch pr├Ąsent. Oder in Frankreich verbringen die M├╝tter zwar nur drei, vier Stunden mit ihren Kindern, dann aber richtig. Dann sind die M├╝tter auch selbst sehr viel relaxter, weil ihre Arbeit sie auch befriedigt. Ich sitze auch manchmal mit meinem Sohn zusammen, er spielt am Computer, ich lese ein Buch oder bereite ein Projekt vor, diese fliessenden ├ťberg├Ąnge von Arbeit und Freizeit werden in Zukunft ja auch viel mehr zunehmen.

AVIVA-Berlin: Vielen Dank F├╝r┬┤s Interview

Women + Work Beitrag vom 03.03.2005 AVIVA-Redaktion 

   




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