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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 03.03.2005

World Women Work 2005 - Barbara Oladeji
AVIVA-Redaktion

Interview mit Barbara Oladeji, Vize President und Revisionsleiterin, Citigroup Global Markets, Frankfurt.



AVIVA-Berlin: Das Motto der WWW 2005: "Wandel als Chance". Zwischen Work-Life-Balanceund Netzwerk-├ľkonomie: Herausforderungen und Perspektiven ineine zunehmend globalisierten Lebensumfeld. Wo sehen Sie pers├Ânlich diese Herausforderungen und Perspektiven?

Barbar Oladeji: Die Herausforderung ist f├╝r uns Frauen im Unternehmenssektor, darauf aufmerksam zu machen, was es f├╝r das Unternehmen bringt, Diversity zu unterst├╝tzen. Das erfordert auch durchaus auf unserer Seite eine Kosten-Nutzen-Analyse, mit der wir zeigen k├Ânnen, dass dabei danach f├╝r das Unternehmen auch was rausspringt. Herausforderung f├╝r uns Frauen ist es, umzudenken. Herausforderung ist es, Beispiel zu sein, dass es auch anders geht. Das wurde ja hier auch vielfach genannt. Dass ich z.B. keine sozialen Zombies als Kinder habe, wenn ich nach acht Wochen wieder anfange zu arbeiten, sondern dass dieser Weg, den ja andere Nationen auch gehen, ein guter Weg ist.

AVIVA-Berlin: Und wo sehen Sie die Risiken?

Barabara Oladeji: Risiken sehe ich darin, uns wieder in politischen Diskussionen zu verzetteln. Dieses typische deutsche Klein-klein-problematisieren und es nicht einfach mal anpacken. Nat├╝rlich brauche ich politische Rahmenbedingungen, aber ich muss dann auch ins kalte Wasser springen und es einfach tun.

AVIVA-Berlin: Wie bewerten Sie die Podiumsfrage 2 - Gleichstellung auch ohne Quote und Gesetz?

Barabara Oladeji: Ich denke, eine Quotenregelung bringt nichts, denn ich kann Unternehmen nicht dazu zwingen, etwas zu tun, was auf dem Markt vielleicht gar nicht da ist. Das w├╝rde ja bedeuten, dass ich nachher, weil ich die Quote einf├╝hren muss, schlechtere Leistungstr├Ąger habe, als ich sie ohne Quotenregelung haben w├╝rde. Das kann nicht das Ziel sein, sondern ich m├Âchte ja ein gutes Team haben, wenn ich Unternehmerin bin. Dennoch denke ich, dass es vereinzelt Unterst├╝tzung bedarf. Ob da eine Quotenregelung oder andere Anreize passend sein k├Ânnen, ist noch zu ├╝berlegen. Gerade in den ingenieurwissenschaftlichen Berufen, der naturwissenschaftlichen Forschung und im Investment-Bereich ist tats├Ąchlich mehr zu tun. Die Frage ist nur, ob die Quote das richtige Mittel ist. Ich bezweifle das.

AVIVA-Berlin: Was tun Sie in Ihrem Unternehmen f├╝r den Bereich Frauenf├Ârderung?

Barabara Oladeji: Unser Unternehmen macht da sehr viel. Unter dem Mantel von "Diversity" werden verschiedene Arbeitsgruppen gebildet, die sich zum Ziel machen, spezielle Gruppen zu f├Ârdern. Das k├Ânnen Frauen sein oder auch Eltern, ethnische oder religi├Âse Minderheiten oder auch Gruppen mit anderen sexuellen Neigungen. Ich selbst bin in dem Frankfurter Kommittee f├╝r Citigroup Women. Dort erarbeiten wir Programme und Initiativen, um Frauen zu f├Ârdern: Mentoring Programme, Coaching, Netzwerke, mit denen Hilfestellung geleistet wird, um weiterzukommen. Wir betreuen auch Frauen, die im Mutterschutz sind oder danach in der verl├Ąngerten Elternzeit, damit sie den Kontakt nicht verlieren, den Wiedereinstieg schaffen und solche Dinge.

AVIVA-Berlin: W├╝rde ein Gesetz Ihnen f├╝r die Frauenf├Ârderung in Ihrem Unternehmen noch weiterhelfen oder w├Ąre das eher hinderlich?

Barabara Oladeji: Ich w├╝rde nicht sagen, dass es die Arbeit wirklich erleichtert. Wenn vom Management etwas gewollt ist, wenn die sehen, dass es sinnvoll ist, dann wird es auch umgesetzt. Das Gesetz w├╝rde das nicht unbedingt erleichtern. Das sieht man ja auch am Beispiel Teilzeitbesch├Ąftigung. Nat├╝rlich erleichtert es auf die Weise, dass dann die Leute gezwungen werden, dar├╝ber nachzudenken. Aber das sollte nicht nachher zu einer Prozesslawine f├╝hren, in der die Leute dann die Teilzeitstellen einklagen. Genausowenig soll es dann eine Prozesslawine geben, in der Frauen die Quote einklagen, denn das kann nicht unser Ziel sein.

AVIVA-Berlin: Mit welchen Erwartungen sind sie hergekommen? Sind die erf├╝llt worden?

Barabara Oladeji: Meine Erwartungen waren, Frauen kennenzulernen und zu h├Âren, was in anderen Unternehmen l├Ąuft, wie weit da die Initiativen sind, wie weit schon gedacht wird und was auf politischer Ebene machbar ist. Auf politischer Ebene bin ich eher entt├Ąuscht. Da muss noch viel mehr angepackt werden. Sonst finde ich es hier ganz interessant. Meine Erwartungen, Frauen kennenzulernen, Kontakte zu kn├╝pfen und zu h├Âren, wie ihre Arbeit in den Unternehmen aussieht, haben sich hier auf jeden Fall erf├╝llt.

AVIVA-Berlin: Was w├╝rden Sie sich f├╝r die WWW 2006 w├╝nschen, was m├Âchten Sie diskutiert wissen?

Barabara Oladeji: Ich w├╝rde es begr├╝ssen, den Schwerpunkt global zu setzen, wie es ja auch gestern in der Eingangsrede von Christine Lagarde der Fall war, und dementsprechend auch das Podium w├Ąhlt. Wenn man den Wunsch hat, lokal zu diskutieren, w├╝rde ich mir w├╝nschen, dass man den lokalen Fokus dann getrennt h├Ąlt und das nicht vermischt, wie es in diesem Jahr geschehen ist. Da war auf der einen Seite Irene Natividad voller Esprit und Flamme und auf der anderen verzetteln wir uns dann wieder in diesen Quotenregelungen. Das passt einfach nicht zusammen. Da sollte man die Themen einfach klarer trennen, damit man nachher auch zu einem Ergebnis kommt.

AVIVA-Berlin: Was nehmen Sie mit? Ihr Fazit?

Barabara Oladeji: Es gibt noch viel zu tun, packen wir┬┤s an!

AVIVA-Berlin: Ein treffendes Schlu├čwort - vielen Dank

Women + Work Beitrag vom 03.03.2005 AVIVA-Redaktion 

   




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