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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 04.03.2005

World Women Work 2005 - Birgit Gantz-Rathmann
AVIVA-Redaktion

Interview mit Birgit Gantz-Rathmann, Leiterin Soziales, Gesundheit, Chancengleichheit bei der Deutschen Bahn AG, Berlin.



AVIVA-Berlin: Wie bewerten Sie die Podiumsfrage 2 ÔÇô Gleichstellung auch ohne Quote und Gesetz?

Birgit Gantz-Rathmann: Also ich war sehr, sehr erstaunt, dass aus dem Auditorium ÔÇô es waren dort ja haupts├Ąchlich junge Frauen - sehr eindeutig der Wunsch nach einem Gleichstellungsgesetz, nach einer Quotierung ge├Ąu├čert wurde.
Das habe ich bisher auf ├Ąhnlichen Veranstaltungen, und auch in meinen Gespr├Ąchen mit jungen Frauen im Unternehmen noch nicht erlebt. Ich bin sehr ├╝berrascht.

AVIVA-Berlin: Woran k├Ânnte das liegen?

Birgit Gantz-Rathmann: Das kann ich nicht sagen. Ich bin, wie gesagt, im Moment sehr ├╝berrascht. Es gibt zurzeit bei uns im Unternehmen drei Mentorinnenprogramme, bei denen ich junge Frauen auf ihrem Karriereweg begleite.
Da nehme ich eine andere Haltung wahr. Ich wei├č nicht, wie das hier zusammengesetzt ist, wie die Lebenssituationen sind, wie die pers├Ânlichen Erfahrungen sind, usw., das m├╝sste man nat├╝rlich wissen, um es beurteilen zu k├Ânnen.

AVIVA-Berlin: Das Motto der WWW 2005: "Wandel als Chance". Zwischen Work-Life-Balance und Netzwerk-├ľkonomie: Herausforderungen und Perspektiven in einem zunehmend globalisierten Lebensumfeld. Wo sehen Sie pers├Ânlich diese Herausforderungen und Perspektiven?

Birgit Gantz-Rathmann: Ich sehe die Herausforderungen darin, in einem immer st├Ąrker werdenden Konkurrenzkampf, Frauen zu ermuntern, sich diesem Konkurrenzkampf zu stellen. Frauen haben eben eine Alternative, die gesellschaftlich akzeptiert ist: sich in die Familie zur├╝ckzuziehen.
Der Konkurrenzkampf wird immer h├Ąrter und es w├Ąre wirklich schade f├╝r die Frauen, aber auch f├╝r die Unternehmen, wenn diese Kompetenz von Frauen verloren ginge. Wir k├Ânnen uns ja wirtschaftlich nur behauten, wenn wir uns viel st├Ąrker dienstleistungsorientiert aufstellen. Wenn wir da nur die m├Ąnnliche Sichtweise im Unternehmen haben, fehlt uns etwas

AVIVA-Berlin: Welche Risiken sehen Sie?

Birgit Gantz-Rathmann: Das Risiko f├╝r die Frauen, habe ich ja eben bereits geschildert: sie laufen Gefahr zuviel aufzugeben.
Was die Unternehmen angeht, besteht die Gefahr dass solche Kulturver├Ąnderungsprozesse auf der Strecke bleiben angesichts des Rationalisierungsdrucks, des Zwangs, wirtschaftlich zu bestehen. Das ist vielleicht das Risiko f├╝r die Unternehmen, die dann sagen, es geht doch auch so und dabei verkennen, dass wir da uns selbst arbeiten m├╝ssen.
Deswegen fand ich die Idee aus dem Auditorium sehr gut, die nicht auf ein Gesetz abzielte, sondern auf bestimmte Kennziffern, die sich jedes Unternehmen selbst geben sollte und die individuell anzupassen w├Ąren.

AVIVA-Berlin: W├╝rden Ihnen bei Ihrer Arbeit in Ihrem Unternehmen gesetzliche Richtlinien hinsichtlich der Gleichstellung helfen?

Birgit Gantz-Rathmann: Ich bin selbst Juristin und w├╝rde zus├Ątzliche, gesetzliche H├╝rden, die die Unternehmen dann versuchen zu umgehen, eher f├╝r hinderlich halten. Ich bin tats├Ąchlich daf├╝r, dass man sich klare Selbstverpflichtungen auferlegt und im zweiten Schritt Zielvorgaben formuliert, die dokumentiert und ├╝berpr├╝ft werden. Das w├╝rde ich sehr viel besser finden.

AVIVA-Berlin: Wie beurteilen Sie den Trend bez├╝gl. der Debatte um Work-Life-Balance, die in Deutschland zunehmend auf die Work-Family-Debatte reduziert wurde?

Birgit Gantz-Rathmann: Also Work-Life-Balance ist ja mehr, und ich glaube, wenn man an Leistungstr├Ąger heran will, muss man das auch so sehen. Das ist eben tats├Ąchlich nicht nur Family, sondern das ist auch mal eine Auszeit nehmen, sich einen Sprachkurs leisten oder einfach wieder kreativ werden.
Ich glaube eine Ver├Ąnderung in dieser Richtung wird nicht ganz so schnell gehen, aber wenn ich mit jungen Leuten spreche, dann merke ich schon, dass es diese vollkommen leistungsorientierte Haltung der Elterngeneration gar nicht mehr in dem Ma├če gibt.
Sie sind zwar leistungsorientiert, ganz sicher, sie sind auch flei├čig, und interessiert, sonst k├Ânnten wir sie auch nicht gebrauchen, aber sie sagen schon, es gibt noch ein bisschen mehr im Leben und ich muss ihnen auch Recht geben.

AVIVA-Berlin: Mit welchen Erwartungen sind Sie nach Berlin gekommen?

Birgit Gantz-Rathmann: Ich war ja nun Referentin auf dem Podium und ich habe schon eine Vielzahl von solchen Veranstaltungen erlebt.
Ich hatte keine gro├čen Erwartungen und ich nehme jetzt doch mit, dass es zunehmend offensichtlich einen Wunsch nach gesetzlicher Regelung gibt. Das hat mich sehr erstaunt und dar├╝ber muss ich erst einmal nachdenken. Ob sich das durch die Zusammensetzung des Auditoriums so ergeben hat oder ob es da Ver├Ąnderungen gibt, das besch├Ąftigt mich im Moment sehr.

AVIVA-Berlin: Vielen Dank Frau Gantz-Rathmann!

Women + Work Beitrag vom 04.03.2005 AVIVA-Redaktion 

   




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