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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 05.03.2005

World Women Work 2005 - Dr. Katrin Pickenhan
AVIVA-Redaktion

Interview mit Dr. Katrin Pickenhan, Mitglied der Geschäftsleitung, Maleki Group.



AVIVA-Berlin: Das Motto der WWW 2005: "Wandel als Chance". Zwischen Work-Life-Balance und Netzwerk-Ökonomie: Herausforderungen und Perspektiven in einem zunehmend globalisierten Lebensumfeld. Wo sehen Sie persönlich diese Herausforderungen und Perspektiven?
Dr. Katrin Pickenhan: Lebens- und Arbeitsbiographien sind heute brüchiger als vor zwanzig Jahren. Das traditionelle Lebensmuster, das einen jahrezehntelang an einem Ort mit sicherem Arbeitsplatz wusste, wird immer mehr zur Ausnahme – und das gilt für Männer wie für Frauen. Die Zeiten, da man sich - fast gemütlich – an einem Ort mit einem Beruf und womöglich Partner niederlassen konnte, sind eindeutig vorbei. In den Köpfen vieler Menschen schwirrt diese Idylle in romantischer Verklärung gleichwohl weiter. Dabei hat die oftmals erzwungene, nicht selbst gesuchte Dynamik und Flexibilität auch große Chancen. Persönliche Entwicklungsmöglichkeiten, gerade auch für Frauen, sind durch den größer gewordenen Radius an Arbeits- und Lebensumfeldern natürlich auch gestiegen. Auf der Konferenz haben wir einige Rednerinnen, deren eigene Biographien dies hervorragend widerspiegeln.

AVIVA-Berlin: Wo die Risiken?
Dr. Katrin Pickenhan: Wo Biographien weniger geradlinig verlaufen, gestückelter sind, besteht auch immer das Risiko – um im Bild zu bleiben - dass gefährliche Risse entstehen. Ich habe noch nie geglaubt, dass man dynamisch, kosmopolitisch und erfolgreich lebt und arbeitet, ohne dafür auch einen entsprechenden Preis zu zahlen. Geographische oder auch persönliche Entwurzelung, erhöhter Arbeitsdruck im Wettbewerb, phasenweise sinkende Lebensqualität bei steigendem Lebensstandard - all das sind Begleiterscheinungen, die nicht einfach verschwinden, wenn wir sie nur zu ignorieren versuchen. Aber die Frage ist ja immer, was denn die Alternative sein kann. Ein Zurück zur vermeintlichen Idylle der vergangenen Jahrzehnte kann es ja sowieso nicht geben, und offen gesagt, ich wünsche es mir auch nicht.

AVIVA-Berlin: Wie beurteilen Sie den Trend bezügl. der Debatte um Work-Life-Balance, die in Deutschland zunehmend auf die Work-Family-Debatte reduziert wurde?
Dr. Katrin Pickenhan: Das mag in einigen Kreisen frauenbewegter Aktivistinnen natürlich eine Verkürzung des Themas sein. Die Diskussion zeigt aber immer wieder – das entspricht auch meiner Einschätzung - dass die wirklichen Probleme für Frauen erst mit dem Balanceakt zwischen Beruf und Familie entstehen. Da wir in Deutschland in mancher Hinsicht eben doch noch Strukturen haben, die von der "Rama-Familie" als dem Regelfall ausgehen, ist es nur verständlich, dass die Debatte über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für die überwiegende Zahl der Frauen das Thema Nr. 1 ist.

AVIVA-Berlin: Warum sind Sie hier? Welche Erwartungen haben Sie?
Dr. Katrin Pickenhan: Als Veranstalter hoffe ich natürlich, dass die Konferenz die Möglichkeit bietet, wesentliche Fragen hinsichtlich einer größeren Gleichberechtigung der Geschlechter zu diskutieren und dass es genügend Gelegenheit für den persönlichen Austausch gibt.. Wir haben interessante Rednerinnen, die ich vielleicht weniger als Vorbilder, sondern eher als gute Beispiele einer gelungenen Verkörperung dieser Lebensentwürfe bezeichnen möchte – und das gibt Mut. Und ich wünsche mir, dass die Teilnehmerinnen – aber auch die Teilnehmer – neue Ideen und neue Kontakte mit nach Hause nehmen werden.

AVIVA-Berlin: Welche Topics und Workshops interessieren Sie hier am stärksten?
Dr. Katrin Pickenhan: Meine Rolle als Gastgeber verpflichtet mich zu einer gewissen Neutralität… Nein, Spaß bei Seite, ich persönlich freue mich auf den Mix der Rednerinnen, gerade auch den internationalen Mix. Von anderen lernen und auch mal den Außenblick anderer auf uns zu erfahren, das finde ich spannend. Da hat der Eröffnungsvortrag und das anschließende Podium schon einen Auftakt gegeben, der ganz nach meinem Geschmack war.

AVIVA-Berlin: Was tun Sie in Ihrem Unternehmen/Ressort für den Bereich Frauenförderung?
Dr. Katrin Pickenhan: Wir haben bei uns ein deutliches Übergewicht an weiblichen Mitarbeiterinnen. Wenn es eine Quote gäbe, lägen wir deutlich darüber! Bislang ist es uns zudem gelungen, den Wünschen nach Wiedereingliederung von Mitarbeiterinnen nach der Geburt ihrer Kinder zu entsprechen. Das ist nicht selbstverständlich und auch nicht immer einfach, aber es hat bislang geklappt. Da haben Sie es übrigens wieder – work-family-balance.

AVIVA-Berlin: Wie bewerten Sie die Podiumsfrage 2 – Gleichstellung auch ohne Quote und Gesetz?
Dr. Katrin Pickenhan: Vom Prinzip her bin ich immer gegen starre Vorgaben gewesen und glaube eigentlich immer noch, dass sich gute Frauen auch so durchsetzten. Ich habe in meinem persönlichen Werdegang bislang keinerlei Nachteile als Frau erfahren, aber ich weiss auch, dass ich meine individuelle Erfahrung nicht verallgemeinern kann.
Gesetzte oder Regelungen können - wie die "affirmative action" in den USA - Standards setzen und eine „diversity“ erreichen, die auch einen Bewusstseinwandel in der Gesellschaft herbeiführen. Das ist absolut legitim und auch politisch erstrebenswert, gleichwohl muss man dann als Befürworter einer solchen Regelung eine mögliche Ungerechtigkeit im Einzelfall als notwendigen Preis in Kauf nehmen. Wenn ich nur starr nach einer Quote gehe und – zugespitzt – eine gut ausgebildete, aus sozial privilegierten Verhältnissen stammende Frau beispielsweise einem gleich qualifizierten Mann aus deutlich sozial benachteiligten Verhältnissen kommend vorgezogen wird, wirft sich vielleicht doch auch die Frage nach sozialer Diskriminierung auf, oder? Das sind keine konstruierten Fälle, sondern in den USA sind dies immer wieder auftretende Grenzfälle, die zeigen, dass die Dinge nicht so einfach zu handhaben sind, wie sie auf den ersten Blick erscheinen.
Insgesamt aber glaube ich, dass die "affirmative action", die ja in den USA ursprünglich gegen die Diskriminierung von Afro-Amerikanern gerichtet war, eine größere gesellschaftspolitische Berechtigung hatte als dies im Deutschland von heute eine Quotenregelung für Frauen hätte.
Ob für eine gewisse Zeit dennoch eine gesetzliche Regelung zur Erreichung von mehr Chancengleichheit von Frauen erstrebenswert bzw. notwendig ist ? Da ich von Natur aus ein ungeduldiger Mensch bin, spricht schon einiges dafür, aber letztlich bleiben mir doch zu viele Zweifel, um das bejahen zu können.

AVIVA-Berlin: Würden Ihnen bei Ihrer Arbeit in Ihrem Unternehmen gesetzliche Richtlinien hinsichtlich der Gleichstellung helfen?
Dr. Katrin Pickenhan: Wir müssten dann eher eine Quote für die Männer einführen, denn der Frauenanteil liegt bei uns bei ca. 70%.

AVIVA-Berlin: Wie oder Wo sehen Sie die Zukunft von world women work?
Dr. Katrin Pickenhan: Zunächst einmal würde ich mich freuen, wenn sich die Konferenz als eine Art Institution dauerhaft etablieren kann, als einem Treffpunkt, den man sich fest im Terminkalender notíert, Uns geht es darum, ein Forum zu schaffen, das Themen auf die Bühne bringt, die bei anderen Konferenzen oftmals ausgeblendet werden. Daher ist WWW bewusst auch nicht als Frauenkongress angelegt, wir haben immer auch den Dialog mit Männern gesucht und sie für unsere Themen gewinnen können. Darüber hinaus wünsche ich mir, dass wir den Mix aus deutschen und internationalen Sprechern und damit den interkulturellen Dialog noch stärker in die Konferenz einbauen, auch wenn uns das bislang schon gut gelungen ist. Die Erfahrung hat gezeigt, dass es fast immer die internationalen Diskussionsrunden gewesen sind, die auch das Publikum besonders fasziniert.

AVIVA-Berlin: Was würden Sie sich für die WWW 2006 wünschen, was möchten Sie diskutiert wissen?
Dr. Katrin Pickenhan: Dies ist eigentlich eine Frage an die TeilnehmerInnen, die wir ihnen auch im Evaluierungsbogen gestellt haben. Themenwünsche und Verbesserungsvorschläge, das möchten wir aufgreifen und damit dem Wunsch der TeilnehmerInnen entsprechen. Ach, ja, ich persönlich würde mir noch mehr Männer auf der Konferenz wünschen. WWW ist ja kein Frauenkongress, sondern ein "gender" Kongress, und da gehören Männer mit ins Bild. Dass sich fast nur Frauen von unseren Themen angesprochen fühlen, zeigt auch, es bleibt noch viel zu tun. Vielleicht sollten wir über eine Männer-Quote auf dem Kongress nachdenken?....

AVIVA-Berlin: Was nehmen Sie mit? Ihr Fazit?
Dr. Katrin Pickenhan: Ich nehme den Eindruck einer gelungenen Konferenz und einer sehr angenehmen Atmosphäre mit nach Hause. Auch habe ich schon viele Ideen für WWW 2006, die ich gerne umgesetzt sehen möchte – in diesem Sinne: Nach der Konferenz ist vor der Konferenz!

Women + Work Beitrag vom 05.03.2005 AVIVA-Redaktion 

   




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