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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 08.03.2005

World Women Work 2005 - Marietta Thien
AVIVA-Redaktion

Interview mit Marietta Thien, Verlags- und Geschäftsleitung,
Velbrück Wissenschaft / Velbrück GmbH Bücher & Medien.



AVIVA-Berlin: Das Motto der WWW 2005: "Wandel als Chance". Zwischen Work-Life-Balance und Netzwerk-Ökonomie: Herausforderungen und Perspektiven in einem zunehmend globalisierten Lebensumfeld. Wo sehen Sie persönlich diese Herausforderungen und Perspektiven?

Marietta Thien: "Das "globalisierte Umfeld" kann dem nationalen nur gut tun – zumindest wenn man die Situation der berufstätigen Frau in Deutschland anschaut. In anderen Ländern wie Skandinavien ist offenbar die sog. Doppel-"belastung" nicht so ein angestrengtes Thema wie hier, vielleicht weil der gesellschaftliche Druck auf die Frau ("Supermami, Superfrau, Superarbeitnehmerin, superdraufsein") nicht so groß ist wie hier.
Arbeiten ist nie nur cool oder macht nie nur Spaß, natürlich muss man etwas dafür tun, einen möglichst spannenden Beruf zu haben, und ganz nebenbei auch ein ausgefülltes Privatleben. Allerdings erscheint die gelungene "Work-life-balance" im deutschen Ohr fast wie ein zusätzlicher Job – etwas, das man als Frau eben auch noch souverän meistern muss. Die Gelassenheit müssen wir lernen. Von denen, die es gut hinkriegen.

AVIVA-Berlin: Wo die Risiken?

Marietta Thien: In Deutschland hinken wir bei einigen Fragestellungen unseren Nachbarn arg hinterher – in der Politik wie auch in der Wirtschaft. Wir sollten die für uns typischen Implikationen bei der globalen Diskussion nicht aus den Augen verlieren. So ist die gesellschaftliche Akzeptanz bei der Diskussion um Berufstätigkeit bei Frauen oder Müttern ein deutlicher Bremser und wirkt auch negativ auf die/den Einzelne/n zurück.

Wir müssen erst einmal akzeptieren und tolerieren, dass Frauen aus unterschiedlichsten Gründen nicht arbeiten bzw. wenn Sie arbeiten, dass unter verschiedenen Maßgaben tun. Es kann doch wohl nicht angehen, dass nicht berufstätige Mütter erst bei dem 4. Kind das Gefühl haben, sich nicht mehr rechtfertigen zu müssen, warum sie nicht arbeiten. Genauso absurd ist die Ansicht vieler, dass nur die von der eigenen Mutter zu 100% betreuten Kinder auch die besser Erzogenenen sind. Oder dass kinderlose Frauen doch irgendwie defizitär sind. Die sog. Mitverdiener sehen Beruf bzw. Arbeit/Job anders als diejenigen, die auch noch ihre Neigungen und Interessen im Beruf verwirklichen wollen oder jene, die einfach nur durch eine Spitzenposition ein gefälliges Einkommen anstreben.
Wenn die Infrastruktur – und hier ist auch die mentale gemeint – offener und flexibler wird, und gewisse Voraussetzungen geschaffen sind, die es jedem "Typ" ermöglichen, das jeweilige oder auch zeitweilige Lebens- und Arbeitmodell zu realisieren, sind wir ein gutes Stück weiter. Das tut dann auch der Volkswirtschaft gut. So oder so.


AVIVA-Berlin: Wie beurteilen Sie den Trend bezügl. der Debatte um Work-Life-Balance, die in Deutschland zunehmend auf die Work-Family-Debatte reduziert wurde?

Marietta Thien: In der Tat ist die Diskussion um "Work-Life-Balance" in weiten Teilen gerade durch die ungünstige Infrastruktur für berufstätige Mutter reduziert: und das ist in der Tat ein Klotz am Bein für weitreichendere Diskussion um die "Work-Life-Balance".

Hier müssen Politik und Tarifpartner Hand in Hand arbeiten: ausreichende Betreuung für Kleinkinder, Ganztagskindergärten und -schulen, flexible Arbeitszeitmodelle und Telearbeitsplätze – um nur einige Klassiker zu nennen. Die Rahmenbedingungen müssen sich schlichtweg verbessern – für die berufstätigen Frau und Mutter wie auch für den (Haus-) mann.
Dann gewinnt die Debatte wieder den angemessenen Diskurs.

AVIVA-Berlin: Warum sind Sie hier? Welche Erwartungen haben Sie?

Marietta Thien: Mich interessiert, wie der Stand der Diskussion und die Entwicklung nicht nur in Deutschland aussieht. Was hat sich verbessert in den letzten Jahren, an welcher Stelle kommen wir nicht vom Fleck, wie sehen uns unsere Nachbarn, was haben wir für Möglichkeiten – jenseits der Klötze am Bein.

AVIVA-Berlin: Was tun Sie in Ihrem Unternehmen/Ressort für den Bereich Frauenförderung?

Marietta Thien: So viel es geht. Als Leiterin eines kleinen Unternehmens habe ich sehr gute Möglichkeiten, die Bedürfnisse meiner Mitarbeiterinnen zunächst einmal wahrzunehmen und auch auf sie einzugehen: flexible Arbeitszeiten sind zumeist kein Problem, sondern eine Frage der Organisation. Wenn Kinder krank sind, haben Mütter keine Chance: sie müssen nach Hause, ihre Arbeit muss sich in dieser Situation kurzfristig zeitlich anders regeln. Ausfallzeiten können ohne große Probleme abends kompensiert werden oder Arbeit kann in einigen Fällen auch mit nach Hause genommen werden: da brauche ich nicht auf die Zustimmung eines Betriebsrates oder der Personalabteilung zu warten, die mit Regelungen den Spielraum, den ich meinen Mitarbeitern einräumen kann, einengen. So eine Arbeitszeit auf Vertrauen fördert die Motivation, zusätzliche oder "nachgeholte" Arbeit wird nicht als Belastung, sondern bestenfalls als Selbstverständlichkeit gesehen und ermöglicht Weiterbildung.

AVIVA-Berlin: Wie bewerten Sie die Podiumsfrage 2 – Gleichstellung auch ohne Quote und Gesetz?

Marietta Thien: Geregelt wird immer da, wo Dinge nicht selbstverständlich sind. Offenbar kann man vieles bei uns nicht alleine laufen lassen. Da es nicht selbstverständlich ist, dass Frauen und Männer in gleichen Bildungssituationen vom Arbeitgeber gleich behandelt werden, werden hierzulande Gesetze schaffen, die die Gleichbehandlung garantieren: gleiches Geld bei gleicher Leistung, gleiche Jobchancen ohne Rücksicht auf Alter oder Geschlecht, ...
Dass es so ist und dass diese Dinge sich nicht – wie oft in der freien Marktwirtschaft – von alleine regeln, ist bedauerlich. Zu viele Regeln bedeuten zuviel Bürokratismus, der kostet Geld, Nerven und Zeit. In vielen Köpfen muss sich einfach noch viel tun – auch ein kulturelles Problem. Eine Quotenregelung kann zuweilen auch das Gegenteil bewirken: die "Quotenfrau" hat’s da nicht immer einfach. Manchmal ist sie auch der uns einzig mögliche Weg, etwas zu erreichen, so war die Frauenquote ja trotz aller Unkenrufe insgesamt ganz erfolgreich.
Absurd wird es dann – und zwar für alle Beteiligten – wenn solche Gesetze es ermöglichen, dass notwendige Reformen verhindert und die Intention des Gesetzgebers geradezu umgekehrt wird.
Kollektive Bewußtseinsveränderung, die wir diesbezüglich dringend benötigen, ist nun mal mit per Gesetz nicht zu erreichen.

AVIVA-Berlin: Würden Ihnen bei Ihrer Arbeit in Ihrem Unternehmen gesetzliche Richtlinien hinsichtlich der Gleichstellung helfen?

Marietta Thien: Nein.

AVIVA-Berlin: Wie oder Wo sehen Sie die Zukunft von world woman work?

Marietta Thien: Hier können Vorbilder und Beispiele gegeben werden - von Frauen für Frauen. Hier geht es nicht um Ideologie, die vertreten werden, sondern um Maßnahmen und Maßgaben, die das Selbstbewusstsein von Frauen fördert und fordert. Wir müssen eben bei uns anfangen.

AVIVA-Berlin: Was würden Sie sich für die WWW 2006 wünschen, was möchten Sie diskutiert wissen?

Marietta Thien: Strategien, um o.g. Punkte als Selbstverständlichkeit in Untenehmen und Gesellschaft zu verankern – in möglichst weiter Entfernung vom Ruf nach dem Gesetzgeber.

AVIVA-Berlin: Was nehmen Sie mit? Ihr Fazit?

Marietta Thien: Ich habe viele selbstbewusste und erfolgreiche Frauen gehört und kennen gelernt, die ihren Weg gemacht haben bzw. ihren Weg gehen, den offenbar nicht Gesetze bereitet haben, sondern eher die persönliche Zielsetzung, ein starker Wille, und hier und da das Glück, Förderer zu finden.
AVIVA-Berlin: Vielen Dank für’s Interview

Women + Work Beitrag vom 08.03.2005 AVIVA-Redaktion 

   




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