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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 17.05.2002

Fortsetzung des Interviews - Kim will kiffen
K. B├Âttcher + S. Adler

Musik, Mauerfall und die Waffen der Frauen



AVIVA-BERLIN: Du arbeitest ja in verschiedenen Musikbereichen. Jobst Du noch im Matrix?
KIM: Ja, da arbeite ich seit f├╝nf Jahren an der Bar. Und ich arbeite noch in einer K├╝nstleragentur, wo man Dj"s bucht und so. Momentan haben wir viel mit Ru├čland zu tun, weil da die Techno Szene unglaublich w├Ąchst. Da hat man das Gef├╝hl, in der Zeit zur├╝ckzureisen: da ist es momentan so wie es vielleicht "94 in Berlin gewesen ist.

AVIVA-BERLIN: Gibt es denn auch einige Frauen - Techno Bands?
KIM: Die meist gebuchte Techno - Djane ist ja eine deutsche. Was ich bei Djanes bem├Ąngele, ist deren Einstellung, dass die M├Ąnner sie nur wegen ihrer Titten akzeptieren w├╝rden. Die erz├Ąhlen dir dann, dass sie in extra dicken Kapuzenpullis auflegen wollen. Das finde ich albern. Ich wei├č nicht, was dagegen spricht, mit der einen oder anderen weiblichen Waffe zuzuschlagen, wenn es keinem weh tut und wenn es dich weiterbringt.

AVIVA-BERLIN: Hast du denn einen Lieblingsclub in Berlin?
KIM: Ja, doch. Wo ich privat noch zum Feiern hingehe, das ist das SO 36 am Montag, zum ÔÇÜelectric ballroom". Da sind extrem viele DJ"s, Booker, Agenturen, Tresenleute, also fast famili├Ąre Stimmung. Man erz├Ąhlt sich das Neueste vom letzten Wochenende und kann Spa├č haben.

AVIVA-BERLIN: Deine Eltern kommen ja aus Korea. Wie eng sind Deine Bindungen an das Land? Du hast ja Dein Leben lang in Deutschland gewohnt...
KIM: Ich werde immer etwas mit S├╝dkorea zu tun haben, weil dort meine Wurzeln liegen.

AVIVA-BERLIN: Warst du schon mal da?
KIM: Ich war schon zu Besuch dort, aber es ist einfach nicht das Land, wo ich leben m├Âchte, aber da komme ich her und dar├╝ber mu├č man sich klar sein. Bei ausl├Ąndischen Kindern, die in Deutschland aufgewachsen sind, ist es so, dass sie irgendwann eine Identit├Ątskrise kriegen. Denn entweder leben die Eltern in ihrer Enklave und die Kids werden in der Schule mit ganz anderen Sachen konfrontiert oder sie unterdr├╝cken ihre Herkunft oder dr├Ąngen sie zumindest in den Hintergrund, so dass die Kids gar keinen Bezug haben, wo sie herkommen, wie die dort sprechen, wer sind ihre Gro├čeltern und wie die Menschen heute dort leben. Die gucken dann irgendwann in den Spiegel mit der Frage: wer bist du eigentlich?

Koreanischer Kulturschock und Muttertr├Ąume

AVIVA-BERLIN: Wenn Du ├Âfter zu Besuch in Korea bist und aus dem Flugzeug steigst, gibt es denn eine schnelle Identifikation mit der koreanischen Kultur oder blickst Du eher distanziert auf dieses Land vor Dir?
KIM: Na ja, ich steige erst mal aus dem Flugzeug und denke: krass viele Koreaner hier! Wenn man dauernd von Europ├Ąern umgeben ist und dort nur noch Asiaten sieht, ist das schon eine andere Optik...ich spreche zwar die Sprache, aber ich kann sie nicht lesen, das ist schon eigenartig, sich dort zu bewegen, aber analphabetisch die Buchstaben nicht zu kennen. Und was auch aufregend ist, ist durch die Stra├čen zu fahren und bei jeder Fre├čbude anzuhalten und sich was Neues zu essen zu holen. Ansonsten schlafe ich, wenn ich meine Mutter besuche, auf dem Fu├čboden. In Korea haben alle Wohnungen Fu├čbodenheizungen! In alten H├Ąusern ist es ja so gewesen, dass die B├Âden befeuert wurden mit so einer Art Ofen...

AVIVA-BERLIN: Herrlich...(wir drei schwelgen kurz in einer Ofenphantasie)
KIM: Und wenn ich dort bin, ist Kiffen ├╝brigens kein Thema. Das geh├Ârt da nicht hin. Es ist so, dass ich noch nicht mal vor meiner Mutter Zigaretten rauche, weil ich wei├č, dass es ihr Kummer macht. Sie wei├č zwar, dass ich rauche, aber wenn sie das sieht, macht ihr das noch mehr Kummer und noch mehr will ich ihr gar nicht machen.

AVIVA-BERLIN: Was h├Ątte denn aus der Sicht Deiner Mama aus Dir werden sollen?
KIM: Am liebsten w├Ąre es ihr sicherlich, wenn ich ein abgeschlossenes Jura - Studium h├Ątte, mit einem Arzt, Richter, Rechtsanwalt, Notar verheiratet w├Ąre, inzwischen schon zwei Kinder h├Ątte und in einem h├╝bschen Reihenhaus in Rhein - Main Gebiet wohnte. Das w├╝rde sie dufte finden. Wenn der Typ dann auch noch Koreaner w├Ąre, das w├Ąre der Himmel auf Erden f├╝r sie.

AVIVA-BERLIN: Hat sie denn auch eine Haltung zu deiner Vorliebe zum Cannabis - Rauchen oder wei├č sie das gar nicht so genau?
KIM: Meine Mutter fragte mich einmal, ob ich Haschisch spritze.

AVIVA-BERLIN: Haschisch spritzen?
KIM: Ja! Also, meine Mutter ist konservative Koreanerin und 66 Jahre alt, man m├Âge ihr diesen faux pas nachsehen...was ich hinterher ganz lustig fand, war, dass ich sie nicht anl├╝gen mu├čte, denn ich konnte ganz leicht sagen, nein, Mama, das mache ich nicht. Okay, die Fortf├╝hrung w├Ąre gewesen: das macht aber auch keiner...

AVIVA-BERLIN: Wird denn in Korea auch gekifft?
KIM: Ich meine, Opium kommt aus Asien, und wo kifft man nicht auf der Erde? Ich sage, Kiffen ist Lifestyle! Die meisten Kiffer tragen auch kein Hanfblatt mit sich herum, sondern eher eine Gucci - Brille ...

Zukunftsmusik? Legaler Genu├č von Cannabis und andere Tr├Ąume von Mun-ju Kim.
Auf der Homepage von Kim gibt es ausf├╝hrliche Statements von ihr ├╝ber ihre Beweggr├╝nde f├╝r die Initiative, Infoangebote und eine Auswahl an anderen Medienberichten ├╝ber die Genu├čkifferin. Vielen AsiatInnen fehlt ein Enzym zum Abbau von Alkohol: als Kim zum erstem Mal einen Schluck trank, ging es ihr so schlecht, dass sie nie wieder Alkohol anger├╝hrt hat. Wie andere sich auf das allabendliche Glas Bier freuen, baut sie sich gern einen Joint zur Entspannung.

AVIVA-BERLIN: Was w├Ąre f├╝r Dich ein vern├╝nftiger Umgang mit Cannabis?
KIM: F├╝r mich ist das Rauchen, damit meine ich Cannabis rauchen, eine Form des Genusses, nicht des Konsums. Ich baue auch supergerne. Das geh├Ârt als Vorbereitung einfach dazu: es hat so was von bewu├čt kiffen. Wenn ich dann e-mails oder G├Ąstebucheintr├Ąge von unserer Homepage lese in dem Ton: hey, gestern wieder 5 Gramm weg geraucht, da denke ich mir, f├╝r f├╝nf Gramm brauchst du doch mindestens drei Wochen!

AVIVA-BERLIN: In vielen Studien oder Publikationen wird die Wirkung von Alkoholkonsum gern mit der von Cannabis verglichen. Wie findest Du diese Vergleiche?
KIM: Das Problem ist, dass Alkohol der einzige Vergleichswert ist, den man im Zusammenhang mit illegalen Rauschmitteln hat. Es wird erwartet, dass der B├╝rger erwachsen genug ist, mit einem Stoff wie Alkohol klug umzugehen. Na ja, wir kennen alle die Risiken, die Alkohol in sich birgt: die Leute saufen sich tot, die Leber ist kaputt, Gehirnzellen gehen drauf. Kiffen ist einfach ungef├Ąhrlicher, das einzige, was durch den Vorgang des Inhalierens in Mitleidenschaft gezogen wird, ist die Lunge. Beim Joint ist einfach Tabak mit dabei.

Cannabis wird in China seit 5000 Jahren und in Europa seit 3000 Jahren angebaut. Haschisch ist also eines der ├Ąltesten Genussmittel in fast alle Kulturen dieser Erde. Neue Studien belegen, dass THC weder physisch noch psychisch abh├Ąngig macht und auch unter gesundheitlichen Aspekten Cannabis "eher unsch├Ądlich" sei. Dies ist jedoch nur die medizinische Sichtweise. Vom psychologischen Standpunkt aus k├Ânnte man bei Konsum von Haschisch in die "Gew├Âhnungsfalle" tappen. Das soll so verstanden werden, dass die Gewohnheit, zu kiffen, ├Ąhnlich gro├č sein kann wie die, abends den Fernseher anzuschalten. Viele Effekte eines Joints (z.B. auch das Abh├Ąngigkeitspotential) sind auf das Nikotin des Tabaks zur├╝ckzuf├╝hren. Chronische Konsumenten berichten auch, dass das Kurzzeit -Ged├Ąchtnis nachl├Ą├čt. Quelle: www.drogen-aufklaerung.de

AVIVA-BERLIN: Jetzt mal theoretisch: man m├╝├čte doch bei einer Legalisierung Kiffen f├╝r Autofahrer verbieten, null Alkohol und null Cannabis. Es beeintr├Ąchtigt einfach die Reaktionsf├Ąhigkeit...
KIM: Ich bin auch durchaus daf├╝r, dass die Abgabe kontrolliert wird. Es sollte schon lizensierte Abgabestellen geben, die gegen Ausweiskontrolle Gras verkaufen k├Ânnen. In Verbindung mit Cannabis d├╝rfte auch kein Alkohol ausgeschenkt werden. Nichts ist schlimmer als Jugendliche, die mit Cannabis und Alkohol experimentieren!

AVIVA-BERLIN: Sollte nicht 1999 eine ├ťberpr├╝fung der Verankerung von Cannabis im Bet├Ąubungsmittelgesetz vorgelegt werden, die h├Âchst selbst vom Bundesverfassungsgericht 1994 angefordert wurde?
KIM: Ja, das ist auch einer der Punkte, die in der Klageschrift enthalten sind, n├Ąmlich dass die Bundesregierung in diesem Aspekt ihre Hausaufgaben nicht gemacht hat. Die haben diese angeordnete Untersuchung, ob das Verbot von Cannabis gerechtfertigt und zeitgem├Ą├č ist, einfach unter den Tisch fallen lassen. Inzwischen sagen die wissenschaftlichen Studien was anderes. Vor allem, wenn man sich ├╝berlegt, dass Hanf erst Ende der 60er verboten wurde, inklusive Nutzhanf. Ich tr├Ąume ja von Markenjoints! Sch├Âne Packungen, verschiedene Sorten, in light, medium und normal. Da k├Ânnen sich mal die Designer was einfallen lassen.

Women + Work Beitrag vom 17.05.2002 AVIVA-Redaktion 

   




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