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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 01.11.2005

Luzia Braun, Kulturjournalistin
Rukshana Adrus-Wenner

Im Gespräch mit der TV-Redakteurin der Sendung "aspekte" über Kultur und Karriere im Fernsehen, Feiern in Frankfurt, Frauen mit Stil und Freizeit mit Freundinnen



Die Journalistin, Filmemacherin, TV-Redakteurin moderiert seit 1993 das Kulturmagazin "aspekte" auf ZDF. Die 51-jährige Süddeutsche lebt gerne in Berlin und fliegt regelmäßig in die Mode-Metropole Mailand.

AVIVA-Berlin: Frau Braun, Sie waren auf der diesjährigen Buchmesse. Von welchen Büchern haben Sie sich auf dem Blauen Sofa inspirieren lassen?
Luzia Braun: Sehr gut gefallen hat mir "Menschenflug" von Hans-Ulrich Treichel, die Geschichte einer Vertriebenfamilie mit autobiografischem Hintergrund. Ein 40 Jähriger findet im Nachlass seiner Mutter eine Akte und erfährt, dass er einen verlorenen Bruder hat...spannend erzählt mit einem ganz neuen Blick auf die deutsche Vergangenheit.
Immer wieder ein Höhepunkt ist Mario Adorf. Dieses Jahr hat er ein schmales Bändchen mitgebracht über seine Mutter. Der Titel heisst "Mit einer Nadel bloß", eine Zeile aus Shakespeares "Hamlet". Auf Nachfrage hin hat Mario Adorf minutenlang zunächst auf Englisch und dann auf Deutsch auswendig aus diesem Monolog rezitiert. Das war großartig. Die Leute waren richtig ergriffen, es gab standing ovations, für mich der berührendste Moment auf dem "Blauen Sofa"

AVIVA-Berlin: Das ZDF-Kulturmagazin "aspekte" hat in Frankfurt auch das 40. Jubiläum gefeiert. Diese Kontinuität zeugt von Beharrlichkeit.
Luzia Braun: Und wie! Aspekte ist das erste Kulturmagazin des Fernsehens überhaupt. Die ersten drei Ausgaben 1965 hießen noch "Kulturbericht", ab 1. 1. 1966 hieß es dann "aspekte". 40 Jahre sind wirklich lang für ein Kulturmagazin, wir sind fast so alt wie das ZDF, das 1963 zum ersten Mal auf Sendung ging. Dass es uns immer noch gibt ist schon ein Grund zu feiern...
Inzwischen hat "aspekte" einen sehr weiten Kulturbegriff. Wir wollen nicht nur für Insider Programm machen, sondern die Brücke schlagen zu Leuten, die sich nicht täglich mit Kultur beschäftigen. Wir wollen ein Millionenpublikum, ohne uns dem Massengeschmack anzubiedern.
Durch Wolfgang Herles, seit sechs Jahren "aspekte"- Leiter und Moderator, hat eindeutig eine Politisierung stattgefunden und eine noch größere Öffnung des Kulturbegriffs in Richtung Abenteuer, Wissenschaft, Archäologie, Politik, Wirtschaft - uns interessieren die Schnittstellen mit anderen Bereichen.

AVIVA-Berlin: Vor fünf Jahren ist die Redaktion von Mainz nach Berlin umgezogen. Die Sendung wird seit kurzem mit dem futuristischen Hintergrund des Pei-Bau des Deutschen Historischen Museum ausgestrahlt.
Luzia Braun: Ja weil dieser Bau eine moderne, urbane Ästhetik hat , minimalistisch und elegant wirkt und weil er Stil hat ohne Pathos.
Wir gehen aber auch gerne raus, sind viel unterwegs und berichten über die großen Filmfestivals und Kunstausstellungen. Oder über Sportkultur haben wir von den olympischen Spielen aus Sydney und Athen berichtet. Immer wieder machen wir bei gegebenem Anlass auch Schwerpunkt-Sendungen.

AVIVA-Berlin: Sie sind seit über 20 Jahren für unterschiedliche Medien und Formate tätig. Seit 12 Jahren sind Sie Redakteurin und Moderatorin von "aspekte". Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?
Luzia Braun: Eigentlich bin ich ein Dino. In dieser schnelllebigen Zeit ist es selten, dass eine Sendung über 10 Jahre dasselbe Gesicht hat. Aber genau deswegen bin ich sehr verwachsen mit diesem Magazin. Aspekte ist wie eine gute alte Freundin, die mir sehr am Herzen liegt und die mich immer wieder überrascht. Außerdem arbeite ich auch als Autorin von Beiträgen und da wird man immer wieder vor neue Aufgaben gestellt. Die Form, die Ästhetik, Dreh und Schnitt alles hat sich in den letzten Jahren verändert.
Was die Moderation betrifft, habe ich lange gebraucht, bis ich mich auf dem Schirm "erkannt" habe, so fremd war mir die virtuelle Braun. Anfangs habe ich einfach nicht begriffen, wie dich Fernsehen verändert, was Maske heißt, was Licht anrichten kann, wie groß Bewegungen vor der Kamera werden. Da ich beim Reden viel herumfuchtle, musste ich mich extrem zurücknehmen und das wirkte angestrengt. Aber inzwischen kann ich mich anschauen, ohne hysterische Anfälle zu bekommen.

AVIVA-Berlin: Sie haben einmal in einem Interview gesagt: "Ich hatte nie Lust auf Macht - auf Einfluss schon eher...". - "aspekte" hatte bislang keine Leiterin.
Luzia Braun: Es muss der Wille zur Karriere da sein und es müssen äußere Bedingungen dazu kommen. Mit beidem haperte es in meinem Fall.
Mein Lebenszweck war nie, nach oben zu kommen, sondern gut zu leben.
Der Preis für Leitungsfunktionen ist hoch. Männer zahlen ihn lieber als Frauen, weil Frauen oft andere Kriterien haben für Lebensqualität, beispielsweise sich ungemein quälen in stundenlangen Sitzungen mit wichtigtuerischen Männern.
Außerdem hat mich Macht nie fasziniert, eher gelangweilt.
Ich glaube, es ist das Problem vieler Frauen, auf der einen Seite zu beklagen, gar nicht in den Machtbereichen vorzukommen, auf der anderen Seite keine Lust zu haben, oder auch Angst davor, verantwortungsvolle Stellen zu übernehmen.

AVIVA-Berlin: Wie empfinden Sie das Frauenbild im Fernsehen?
Luzia Braun: Ziemlich eintönig. Wir sehen uns alle ähnlich. Das nervt, ist aber schwer zu durchbrechen. Ich mag keine neutralisierten Frauen in grauen Anzügen. Ich bin gerne Frau und zeige das, was oft falsch verstanden wird, als würden sich Stil, Eleganz, Weiblichkeit und Kompetenz nicht vertragen. Ich finde das Äußere wichtig, ärgere mich aber, wenn ich nur über die Optik beurteilt werde. Was man bei einem Mann nie tun würde, bei ihm zählen die Inhalte, die Genauigkeit der Sprache, der Moderationsstil, Klarheit im Urteil etc.....
Kürzlich beschrieb mich eine Kritikerin als "schönes, zerbrechliches Kunstwerk", in dieser Beschreibung habe ich mich so überhaupt nicht wiedergefunden. Da wird Schönheit zum Kampfbegriff, der disqualifiziert, nach dem Motto: Männer sind gut, Frauen sehen gut aus...

AVIVA-Berlin: Sie waren auch als Dozentin für Kulturjournalismus in Weimar und in Berlin tätig...
Luzia Braun: In Mailand habe ich fünf Jahre Deutsche Sprache und Literatur an der Uni unterrichtet, in Weimar und Berlin dann Kulturjournalismus. Ich unterrichte ausgesprochen gerne, weil mich interessiert, wie Studentinnen und Studenten "ticken", was die gut oder schlecht finden, womit sie sich beschäftigen.
Bemerkenswert fand ich, dass Leute das Seminar "Kultur im Fernsehen" belegen und gar keinen Fernseher haben, dieses Medium gar nicht zu ihrem Alltag gehört und sie es auch nicht beobachten, was die jungen Leute aber nicht mal als Widerspruch empfinden.
Meistens kennen meine Studenten "aspekte" nicht, weil sie Freitagabends auf der Piste sind. Studenten sind nicht unser Publikum. Das war bei mir früher anders, da war "aspekte" mein "Fenster zur Welt", weil ich auf dem Land groß geworden bin.

AVIVA-BERLIN: Hat Kultur im Fernsehen eine Chance, auch in der Zukunft?
Luzia Braun: Diese Diskussion über die Notwendigkeit der Kultur im Fernsehen ist müßig. Was soll ich dazu sagen? Ich kann gebetsmühlenhaft wiederholen: Klar gehört ein Kulturmagazin im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ins Hauptprogramm, und zwar in die Prime Time - also vor 23 Uhr. Klar muss es neben dem Auslandsjournal, dem Wirtschafts- - und Politikmagazin auch ein Kulturmagazin geben. Klar ist Kultur wichtig. Aber für wen? Für die Zuschauer? Für die Macher?
Für die Quote jedenfalls nicht. Und die zählt nun mal.
Für mich gibt es darüber gar keine Diskussion, aber mich fragt auch keiner, deshalb sind diese good-will Erklärungen von Leuten wie mir, die gar nicht zählen in der Entscheidung, nur bedingt relevant.
In Zukunft wird die Kultur wahrscheinlich sowieso nur noch in Spartenkanäle zu sehen sein - das ist wahrscheinlich der Trend in den nächsten Jahren

AVIVA-Berlin: Kultur ist für viele Menschen Unterhaltung, Entspannung... - Wie verbringen Menschen, die im Kulturbetrieb tätig sind, ihre Freizeit?
Luzia Braun: Auch mit Kultur, aber nicht nur. Das Schöne an unserem Beruf ist ja, dass private Interessen mit den beruflichen zusammenfallen.
Natürlich gehe ich in meiner Freizeit gerne ins Kino, ins Theater, in Ausstellungen, lese Bücher. Aber vor allem treffe ich mich gerne mit meinen Freundinnen und Freunden, gehe oft in Kneipen, tanze gern.
Und ich bin gerne draußen, in der Natur. Ich liebe das Meer über alles und fahre hin, wann immer ich kann. Und ich wandere sehr gerne, Wandern hab ich den letzten Jahren entdeckt, das ist beruhigend, hat so etwas Meditatives.

AVIVA-Berlin: Welche Pläne und Wünsche haben Sie?
Luzia Braun: Ich bin offen für alles. Ich kann mir vorstellen, wieder längere Filme zu machen oder ein Drehbuch zu schreiben, oder etwas völlig anderes zu machen. Ich lasse es auf mich zukommen. Vielleicht schreibe ich irgendwann ein Buch... nein nein, keine Angst, es gibt sowieso viel zu viele Bücher, die die Welt nicht braucht!
"aspekte" wird immer freitags um 22:15 auf ZDF gesendet

Am Freitag, 4.11.2005 um 0.55 Uhr wird die Sondersendung "aspekte" - die ersten 40 Jahre. Lange Nacht der Erinnerungen - ausgestrahlt.
Mehr Infos im Netz: www.aspekte.de

Women + Work Beitrag vom 01.11.2005 AVIVA-Redaktion 

   




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