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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 01.05.2006

Ute Wieland im Interview
Tatjana Zilg

Mit FC Venus schickt die Regisseurin eine provokante Komödie über Fußball und Beziehungskonflikte in die deutschen Kinos. Mit AVIVA-Berlin sprach sie über Hintergründe und neue Projekte.



Beim Filmfestival in Cannes 2004 bekam der Produzent Ralph Schwingel ein Drehbuch vorgelegt, dessen Plot ihn sofort neugierig machte. Ursprünglich wollte sein finnischer Kollege Jarkko Hentula ihn für eine Co-Produktion gewinnen, aber der WÜSTE Film-Mitbegründer zog eine eigene Adaption des Drehbuchs vor: So wurde "FC Venus" zum ersten und bisher einzigen "Instant Remake" der Filmgeschichte.

Als Regisseurin gewann er Ute Wieland. Sie studierte an der Ludwig-Maximilians-Universität in München Germanistik, Theater- und Kommunikationswissenschaften, und absolvierte anschließend ein Regiestudium an der HFF München. Seit 1986 ist sie als Regisseurin und Autorin tätig. Für ihr Kinodebüt "Im Jahr der Schildkröte" wurde sie 1989 für den Bundesfilmpreis nominiert.

AVIVA-Berlin: Was waren Ihre Gedanken, als Sie das Drehbuch zu FC Venus zum ersten Mal in den Händen hielten? Hat Sie die Story sofort gepackt?
Ute Wieland: Ich fand die Story sofort ganz toll. Ich bin selbst ein Fußballfan und habe mir schon lange gewünscht, dass ich darüber einen Film machen darf. Ich finde, dass jeder gute Sportfilm nicht nur über den Sport erzählt, sondern ein Ausdruck für einen anderen menschlichen Konflikt ist. Bei uns ist es der Kampf der Geschlechter übertragen auf das Fußballfeld.

AVIVA-Berlin: Wie würden Sie die Beziehung zwischen Anna und Paul beschreiben? Sie wirken ja einerseits sehr modern, als gäbe es keine Schwierigkeiten mehr wegen der Geschlechterrollen und dann überrumpelt Paul Anna mit seiner Rückkehr zu Eintracht Imma 95.
Ute Wieland: Am Anfang scheint es eine typische Beziehung zwischen einem jungen Paar zu sein. Beide haben einen Beruf, in dem sie zufrieden sind: Er ist Steuerberater, sie angehende Bauingenieurin. Aber dann lockt er sie auf das Land in die Kleinstadt, aus der er ursprünglich stammt. Sie tut das ihm zuliebe, in der Hoffnung, dass sie dort auch als Bauingenieurin arbeiten kann. Dann stellt sich heraus, dass sein Grund kein beruflicher war: Er hat nur vorgetäuscht, dass er eine einmalige Chance darin sah, sich mit seinem Freund als Steuerberaterbüro selbstständig zu machen. In Wirklichkeit wollte er der Fußball-Amateurmannschaft zur Hilfe eilen, weil dort ein Mann ausgefallen ist. Das ist der Grundkonflikt, der in der Beziehung aufbricht, die am Anfang so glücklich und harmonisch schien, die aber auf Illusion und Lügen aufgebaut ist. Jeder zeigte sich dem Partner so, wie er gesehen werden wollte. Ganz wichtige Dinge wurden verschwiegen. Als er sie kennen lernte, spielte Fußball eine große Rolle in seinem Leben. Er hat es ihr verheimlicht, weil er mitbekommen hat, dass sie Fußball hasst. Und sie hat ihn verschwiegen, welche große Rolle Fußball in ihrer Kindheit und Jugend gespielt hat. Sie hat ihm nie erzählt, warum sie Fußball so hasst, hat ihm Lügen über ihre Eltern erzählt. Das bricht alles hervor. Am Ende des Filmes finden sie einen Weg, ehrlicher miteinander umzugehen.

AVIVA-Berlin: Die Beziehungen der Frauen, die schon lange in Imma leben, sind weniger gleichberechtigt. Erst durch die Eroberung des Lieblingssports der Männer gelingt ihnen ein selbstbewussteres Auftreten. Besonders Steffen fällt es schwer, die Veränderung von Katja zu akzeptieren.
Ute Wieland: Katja und Steffen sind ein klassisches Pärchen, geprägt von ihrer ländlichen Umgebung. Er ist Steuerberater, sie ist sehr schüchtern. Er möchte nicht, dass sie arbeitet, denn er findet, sie haben das nicht nötig. Im Laufe der Geschichte bekommt sie immer mehr Selbstbewusstsein und findet einen Weg aus ihrer Schüchternheit.

AVIVA-Berlin: Wie verändert der Fußball das Alltagsleben der Frauen im Film?
Ute Wieland: Am Anfang haben die Frauen nicht viel gemeinsam. Einmal die Woche treffen sie sich mehr oder weniger gezwungenermaßen, wenn die Männer ein Spiel mit einer anderen Mannschaft austragen. In dem Moment, wo die Frauen die Wette eingehen, dass sie ein Spiel gegen die Männer gewinnen werden, wachsen sie selbst als Mannschaft zusammen. Es entstehen Freundschaften und sie finden zu Inhalten, die nicht nur über die Männer definiert werden. Sie entdecken nicht nur das Spiel für sich, sondern auch die Freundschaft und den Teamgeist.

AVIVA-Berlin: Haben Sie den finnischen "FC Venus" bereits gesehen? Was haben die Finnen anders gemacht?
Ute Wieland: Der finnische Film ist fertig, ich habe ihn noch nicht gesehen, weil ich bis vor zwei Wochen in der Produktion von meinen Film steckte. Ich wollte gedanklich frei sein und mich nicht vergleichen. Ich werde ihn mir aber sicher anschauen. Ich kenne das Drehbuch. Die Finnen haben mehr Gewicht auf die romantische Liebesgeschichte gelegt, weil sie gesagt haben, Fußball ist bei uns nicht Volkssport Nummer Eins. Es geht dort mehr um eine Dreiecksbeziehung, eine Frau zwischen zwei Männern.
Unser Ansatz war zu erzählen, wie die Frauen gemeinsam ein Begeisterung für das Spiel entwickeln und dadurch zu einer Freundschaft finden. Daneben gibt es auch die romantische Liebesgeschichte zwischen den beiden HauptprotagonistInnen, die aber nicht im Mittelpunkt steht.

AVIVA-Berlin: Der Film ist geprägt von einem sehr lebendigen Humor und messerscharfen Pointen. Was hat Sie besonders am Komödien-Genre gereizt?
Ute Wieland: Ich finde, in der Komödie kann man sich viel mehr trauen als in Dramen, wenn man an die Grenzen gehen möchte. Billy Wilder hat gesagt, wenn du den Leuten die Wahrheit sagen willst, musst du sie zum Lachen bringen.
Der Film konfrontiert Frauen und Männer mit den eigenen Schwächen. Das wird besser angenommen, wenn es mit einer komischen Situation verbunden ist.
Wenn das in einem Drama oder in einem anderen Genre passiert, fühlen sich die Zuschauer leicht belehrt. Wenn über den eigenen Konflikt oder ein Verhalten, in dem man sich wiedererkennt, gelacht werden kann, wirkt das viel charmanter.

AVIVA-Berlin: Sind Sie selbst ein sportlicher Typ? Würden Sie privat ins Fußballstadion gehen?
Ute Wieland: Ich habe mich schon immer für Fußball interessiert. Mit den Jahren ist das weiter gewachsen. Ähnlich wie mit Filmen habe ich mich auch mit Fußball beschäftigt: Fußball ist auch immer ein Ensemble-Stück. Manchmal ist er sogar spannender als ein Spielfilm, dessen Ende oft erahnbar ist, aber beim Sport ist alles möglich. Es gibt so viele Fußballspiele, bei denen sich in der 90. Minute alles noch mal dreht, weil die Spieler über sich hinauswachsen. Unter diesem Aspekt wurde mein Interesse für Fußball immer größer und je mehr ich darüber erfuhr, um so interessanter wurde es. Ich komme aus Schwaben und habe von daher immer den VFB beobachtet. In Berlin hat mich ein Freund zu einem Spiel von FC Union mitgenommen und der kleine Verein aus Köpenick eroberte mein Herz. Seitdem bin ich Union Fan.

AVIVA-Berlin: Freuen Sie sich auf die WM?
Ute Wieland: Ja, ich habe auch kein Filmprojekt in der Zeit. Natürlich werde ich das alles verfolgen, mit Freunden gemeinsam ansehen und auch das eine oder andere Fußballfest veranstalten. Ich freue mich schon sehr darauf.

AVIVA-Berlin: Haben Sie schon ein nächstes Projekt ins Auge gefasst?
Ute Wieland: Mit der selben Produktionsfirma wie bei "FC Venus", WüSTE Film, habe ich ein Projekt in Entwicklung. Etwas ganz anderes, einen Psychothriller. Da geht es um die Psychose einer Frau, die in eine Krimi-Handlung verstrickt wird.

AVIVA-Berlin: Gibt es ein Wunschprojekt, welches Sie irgendwann gern umsetzen würden?
Ute Wieland: Ja, es gibt ein Projekt, das ich vielleicht als übernächsten Film verwirklichen kann. Es ist ein relativ teures Projekt, da es historisch angelegt ist. Das Drehbuch ist angelehnt an die Lebensgeschichte meiner Mutter. Sie stammt von einem ehemals deutschen Ort am schwarzen Meer. Wenn das gelingen würde, könnte es ein europäisches "Vom Winde verweht" werden: Es werden Kriegswirren, politische Hintergründe und eine Liebesgeschichte erzählt.

AVIVA-Berlin: Was schauen Sie sich zur Zeit im Kino an? Gibt es einen Lieblingsfilm?
Ute Wieland: Ich sehe mir die meisten deutschen Filme an. Ich finde, dass sie beim Publikum absolut unterschätzt werden. In den letzten Jahren sind sie sehr interessant geworden. Ich bin ein großer Fan von Andreas Dresen`s "Sommer vorm Balkon" und von Marc Rothemund`s "Sophie Scholl". Es gibt sehr viele gute Regisseure.
Aber ich gehe auch gerne in Filme wie "Ice Age 2", das habe ich mir neulich mit meiner Nichte angesehen. Da hatten wir sehr viel Spaß.

AVIVA-Berlin: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für alle zukünftigen Projekte!

Lesen Sie auch die Filmrezension zu "FC Venus".

Women + Work Beitrag vom 01.05.2006 AVIVA-Redaktion 

   




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