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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 15.05.2006

WomenPower 2006
Yvonne de Andres

Der Fachkongress diskutierte am 28.04.2006 in Hannover über Chancengleichheit, Erfolgsstrategien und Karriereperspektiven für Frauen.



Zum dritten Mal fand im Rahmen der Hannover Messe der Fachkongress WomenPower statt. Die Tagung stand unter dem Motto "Neue Arbeitsformen für die Zukunft". Über 550 Teilnehmerinnen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verbänden waren nach Hannover gekommen. WomenPower war auch in diesem Jahr eine Veranstaltung, die den Teilnehmerlnnen Impulse und Denkanstöße für die Frau im Beruf, ihrer Freizeit und zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie lieferte.
Besonders zwei Vorträge verdienen es hervorgehoben zu werden. Der Vortrag von Prof. Dr. Stefan Seil "Von der Problemgruppe zum Megatrend - Frauen in der zukünftigen Arbeitsgesellschaft" von der FH Koblenz vermittelte einen interessanten Blick auf die demografische Entwicklung und deren Auswirkung auf die Arbeitsgesellschaft.

Heute gibt es in Deutschland hervorragend ausgebildete Generation junger Frauen, die nach Erfolg im Beruf streben. In der Altergruppe der unter 30-Jährigen sind sie mit 43 Prozent fast genau so stark in Führungspositionen vertreten wie Männer. Mit Beginn der Familiengründungsphase sinkt ihr Anteil jedoch kontinuierlich auf nur noch knapp über 20 Prozent In Deutschland gibt es viele Faktoren für dies Defizit: Überkommene Rollenvorstellungen, der Mangel an Vorbildern, innere Barrieren bei den Frauen selbst sowie die Probleme der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Der Karriereknick Kinder ist bei uns besonders stark. Völlig unzureichende Kinderkrippen, sowie Angebote der öffentlichen Kinderbetreuung erschweren es den Frauen, schnell wieder berufstätig zu werden. Dies sieht bei unseren Nachbarinnen in Frankreich ganz anders aus. Auch beteiligen sich bei uns die Männer nicht wie in Skandinavien an der Elternzeit. Die Frauen werden hier mit der Vereinbarkeit von Beruf und Kindern allein gelassen und müssen dies meist privat und sehr schwer regeln. Dies sind Gründe, warum sich in Deutschland viele Frauen entweder für Kinder oder für Karriere entscheiden.

Sehr interessant war auch das Impulsreferat von Gabriele Hantschel (Engagement Manager Microsoft Deutschland) zum Thema: "best practice/ lessons learned". Sie hob hervor:

  • In Zukunft wird es zwei Typen von Unternehmen geben - diejenigen die Frauen unterstützen und diejenigen, die es nicht tun.

  • Nur wenn die Führungsetagen eines Unternehmens Gender Diversity fördern, wird sie sich im Unternehmen auch durchsetzen.

  • Die Förderung von karriereorienterten Frauen muss bewusst in die Unternehmensstrategie aufgenommen werden.

  • Klassische Instrumente der Förderung karriereorientierter Frauen sind: Netzwerkbildung, Coaching-Programme, Mentoring und frauenspezifische Führungstrainings.

  • Da es zu viel kostet Frauen nach der Schwangerschaft zu verlieren, sollten Unternehmen auch an ein Business Gase Gender Diversity denken, Programme zu Reintegration von Frauen nach Geburt und Schwangerschaft.

  • Um ihre eigene Unternehmenskultur zu fördern, sollten Unternehmen einen regelmäßigen Austausch mit anderen Unternehmen suchen.


  • Die Referentin forderte darüber hinaus verlässliche staatliche Rahmenbedingungen. Als besonders wichtig erachtete sie: (1) Kindergärten/krippen, (2) Ganztagsschulen, (3) steuerlicher Abzugsfähigkeit von Kinderbetreuungsaufgaben, (4) Elternzeit, (5) Umsetzung der Antidiskriminierungsrichtlinie, (6) staatliche Unterstützung von Projekten, die eine Gleichstellung von Frauen und Männern fördern (z. B: Total Equality, www.genderdax.de).
    An dem Vortrag war klar zu erkennen, dass Unternehmen mit einem angelsächsischen Hintergrund die Lektion Diversity schon besser gelernt haben als deutsche Unternehmen.

    Neben diesen beiden Vorträgen gab es auch noch einige andere interessante Beiträge. Angela Josephs-Olesch (Leiterin der PR-und ÖA-Abteilung bei PHOENIX CONTACT), beschrieb, wie sich aus einer Unternehmenskultur und flexiblen Arbeitsstrukturen, die eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie zulassen, auch und vor allem wirtschaftliche Vorteile für Unternehmen ergeben. Die Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann hielt eine schwungvoll bilderreiche Rede über "Weibsbilder heute" in der sie beschrieb, wie "Weibs-Bilder" über Jahrtausende entstanden und welche neuen Bilder und Vorstellungen von Frauen heute bestehen und entstehen sollen. Sabine Asgodom ging in der Podiumsdiskussion der Frage nach, wie sich "Work hard vs. Work-Life-Balance" miteinander in Einklang bringen lassen. An die Vorträge schloss sich ein umfangreiches Workshop-Programm an. Das abschließende get-together räumte die Möglichkeit für Austausch und weitere Gespräche ein.

    WomanPower ist ein interessantes Forum und hat sich in kurzer Zeit zu einer wichtigen Diskussionsplattform etabliert. Klar wurde, dass der kulturelle Wandel in Unternehmen immer Chefinnensache ist, ein Top-Down Prozess, der von staatlichen Rahmenbedingungen mitflankiert werden muss. Mütter in Führungspositionen sind ein Gewinn für Unternehmen. Die Ergebnisse umfangreicher deutscher Studien über Frauen mit Kindern in Führungsverantwortung belegen, dass Mütter in Führungspositionen hoch engagierte und motivierte Führungskräfte sind. Auf das Thema und die Referentinnen von WomanPower 2007 (20. April 2007) darf frau bereits gespannt sein.

    Weitere Infos: www.hannovermesse.de/womenpower

    Women + Work Beitrag vom 15.05.2006 Yvonne de Andrés 

       




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