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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 26.08.2003

Carola von Braun
R. Adrus-Wenner, S. Adler

Die Mitbegründerin und Vorstandsprecherin der überparteilichen Fraueninitiative Berlin - Stadt der Frauen (üPFI) im Interview mit AVIVA-BERLIN



[Foto: Carola v. Braun- © Sharon Adler]

Interview mit Carola v. Braun

Mitbegründerin und Vorstandsprecherin der überparteilichen Fraueninitiative Berlin - Stadt der Frauen (üPFI)


  • AVIVA-BERLIN: Die überparteiliche Fraueninitiative Berlin - Stadt der Frauen (üPFI) besteht seit 10 Jahren. Mit welchen Zielen und mit welchem Anspruch wurde sie seinerzeit gegründet?
  • Carola v. Braun: Die überparteiliche Fraueninitiative Berlin - Stadt der Frauen ist ein Zusammenschluss von politisch engagierten Frauen aller Parteien und Projekte.
    Die üPFI wurde 1992 von den frauenpolitischen Sprecherinnen des Abgeordnetenhauses und Vertreterinnen diverser Institutionen, Fraueneinrichtungen und -gruppen außerhalb des Parlaments beschlossen.

    Gründungsmitglieder waren:
    • Prof. Dr.Jutta Limbach, Präsidentin des Goethe-Instituts, Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts a.D., Justizsenatorin a.D.
    • Dr. Christine Bergmann, Bundesministerin für Jugend und Familien, Senatorin für Arbeit und Frauen a.D.
    • Sibyll Klotz, MdA Bündnis 90/Die Grünen
    • Carola v. Braun, Referatsleiterin Berufliche Bildung bei der Senatsverwaltung für Arbeit, Berufliche Bildung und Frauen, Landes- und Fraktionsvorsitzende der FDP a.D.

    Unser Ziel war immer ein effektives politisches Netzwerk von und für Frauen zu gestalten, Öffentlichkeit herzustellen für frauenpolitisch bedeutsame Themen,, die nicht oder nur einseitig behandelt werden und jüngere Frauen mehr für das Anliegen der Frauenpolitischen Themen zu sensibilisieren. Wir wollen so auch dazu beitragen, dass die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Frauen in der Gesellschaft gleichberechtigt sind.

  • [Foto: Carola v. Braun- © Sharon Adler]
  • AVIVA-BERLIN: Was konnte bisher verwirklicht werden?
  • Carola v. Braun: Wir sind stolz auf ein 10 jähriges erfolgreiches Arbeiten. Durch unsere Veranstaltungen und Aktivitäten haben wir in der Vergangenheit eine breite Fachöffentlichkeit erreicht.

    Aus den letzten beiden Jahren hervorheben möchte ich die Podiumsdiskussion im Jahre 2001 zum Thema "Frauenrechte in Afghanistan - was kann deutsche Politik tun?" Die Debatte wurde in den deutschen Bundestag eingebracht und ein Antrag zur Teilnahme von Frauen im Friedensprozess in Afghanistan verabschiedet.

    Auch haben wir intensivst an der Erstellung von Wahlprüfsteinen mit Forderungen zur Frauen- und Gender-Mainstreaming-Politik gearbeitet. Außer der überparteilichen Fraueninitiative unterzeichneten drei weitere große Berliner Frauennetzwerke bzw. -Verbände diese Prüfsteine. Die so gebündelte Frauen-Power bewirkte, dass die fünf Spitzenkandidat/innen und deren Parteien schriftlich zu unseren Fragen Stellung nahmen. Die von uns eingebrachten Themen wurden schließlich zu einer der Grundlagen der Koalitionsverhandlungen. Sie sind heute Bestandteil der geltenden Koalitionsvereinbarungen des Berliner Senats.

    Last not least: Die Frauenpolitischen Sprecherinnen aller Parteien haben durchgesetzt, dass die Haushaltsmittel für die Fraueninfrastruktur und Frauenprojekte weit weniger gekürzt wurden als in anderen Sparten.

  • AVIVA-BERLIN: Der Kongress 2002 steht unter dem Motto: "Gleichberechtigung - Verfassungswirklichkeit, Verfassungsrealität in Deutschland". Wie sehen Sie als Vorstandssprecherin diese Themen in der Praxis umgesetzt?
  • Carola v. Braun: Es steht ein Generationenwechsel in der Frauenbewegung bevor. Und deshalb ist es Zeit, so etwas wie eine Bilanz zu ziehen, festzuhalten, welche "Bauwerke" der Gleichberechtigung von den jetzt agierenden Frauengenerationen aufgebaut wurden und auf welchen die Nachfolgerinnen weiterbauen können.
    Die Bilanz sieht stattlich aus: Immerhin - und das ist das entscheidende Thema des Kongresses - hat sich das Staatsverständnis dank dem engagierten Einsatz der Frauenbewegung weiterentwickelt. Früher war der Staat derjenige, der nur Diskriminierung verhindern sollte. Heute hat der Staat ganz klar auch den Auftrag, Gleichberechtigung u m z u s e t z e n.

    Einen ganz wichtigen Schritt auf diesem Weg haben die damalige Justizsenatorin Prof. Limbach und manche ihre Länderkolleginnen im Bundesrat dafür durchgesetzt. Jutta Limbach hat auf unserem Kongress eindrücklich beschrieben, wie unsäglich mühselig dieser Prozess war und wie viele Steine bis zuletzt in den Weg gelegt wurden. Also dies ist schon einmal ein Riesenerfolg.

    Den zweiten großen Erfolg haben die Frauen für sich selbst erreicht. Dank der hohen Bildungsbeteiligung von Frauen, die dank des Einsatzes der Frauenbewegung in den 70er Jahren startete, sind Frauen heute inzwischen durchschnittlich sogar höher qualifiziert als Männer. Frauen haben ganze Berufssparten für sich erobert.
    Das Fernsehen - noch Anfang der 60er Jahre war eine Nachrichtensprecherin im Fernsehen völlig undenkbar - Frauen haben das Kreditwesen der Banken erobert, sie sind gestandene Unternehmerinnen, 30% aller neu gegründeten Unternehmen werden von Frauen gegründet. Die Aufzählung ließe sich lange fortsetzen.

    [Foto: Carola v. Braun- © Sharon Adler] Gleichzeitig sind aber auch Rollback-Gefahren zu beobachten. Der Konkurrenzkampf auf dem Arbeitsmarkt ist enorm gewachsen, Frauen sind schneller arbeitslos und bleiben länger arbeitslos als Männer, auch in hochqualifizierten Bereichen. Frauen sind in Führungspositionen der Wirtschaft noch immer eine verschwindend geringe Minderheit, anders als in allen anderen europäischen Ländern. Selbst in der Türkei gibt es mehr Professorinnen als in Deutschland.
    Also die Hürden sind nach wie vor hoch. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Deutschland ist immer noch ein Trauerthema, absolut rückständig.

    Die Gefahr ist jetzt, dass die junge Generation diese diskriminierenden Strukturen nicht erkennt und deshalb auch nichts gegen die Rolback-Gefahren unternimmt.
    Der Kongress soll auch dazu beitragen, die junge Frauengeneration auf diese Gefahrenhinzuweisen und sie dazu zu motivieren, in ihrem eigenen Interesse "am Ball" zu bleiben.

  • AVIVA-BERLIN: Wie realisieren Sie das parteiübergreifende Konzept der überparteilichen Fraueninitiative?
  • Carola v. Braun: Wir kommen aus allen politischen Lagern. Das trägt zu einer breit abgesicherten Grundsatzarbeit bei. Unser wichtigster Grundsatz ist, dass keine Frau überstimmt werden darf. Es kommen nur solche Vorgänge und Stellungnahmen zur Abstimmung, über die wir uns über alle politischen Grenzen hinweg einig sind. Die Einübung dieses Vorgehens ist mühsam, - insbesondere in Wahlkampfzeiten - aber sie fördert die Effektivität von Frauenpolitik und das Netzwerken zum einen und intensiviert außerdem das Demokratieverständnis und die Sachbezogenheit von Politik. Das Vorgehen hilft auch den frauenpolitischen Sprecherinnen der Fraktionen. Sie können sich innerhalb ihrer Fraktionen mehr aus dem Fenster lehnen, mehr riskieren, wenn sie sich auf eine überparteilich abgestimmte Forderung der üPFI berufen können.

  • AVIVA-BERLIN: Wo wird die überparteiliche Fraueninitiative Berlin - Stadt der Frauen (üPFI) aktiv und wo kann sie sich direkt einmischen?
  • Carola v. Braun: Während der rot-roten Koalitionsverhandlungen setzte sich die überparteiliche Fraueninitiative mit einem Offenen Brief an die Delegationen der Koalitionsverhandlungen dafür ein, dass Frauen als Senatorinnen und Staatssekretärinnen berufen werden. Ohne den öffentlichen Druck wäre die Zahl der Frauen in der Senatsregierung mit Sicherheit noch geringer gewesen, zufriedenstellend war unser Erfolg bei Frauen in Führungspositionen dennoch nicht. Da gibt es noch viel zu tun.
    Wir konnten erreichen, dass die Sparzwänge auf die Budgets der Frauenprojekte gemindert werden konnten. Dies war dank der überparteilichen frauenpolitischen Vernetzung möglich, die bis in den Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses hinein Einfluss nahm.
    Die nächste große Aufgabe ist die Umsetzung des Gendermainstreaming in der Verwaltung. Ich weiß aus eigenem Eindruck, wie weit weg das Denken der Verwaltung noch ist, wenn es um Gendermainstreaming geht, also um die Grossaufgabe der Umstrukturierung von Verwaltungshandeln in Richtung eines geschlechtergerechten Verwaltungshandelns. Die Kollegen und Kolleginnen, die diese Aufgabe schultern sollen, können Unterstützung von außen sicher gut gebrauchen.

  • [Foto: Carola v. Braun- © Sharon Adler]
  • AVIVA-BERLIN: Agiert die Initiative europaweitweit?
  • Carola v. Braun: Wir haben von Anfang an über die Landesgrenze hinausgewirkt.
    Unser größtes Projekt war 1998 der internationale Kongress "Europa - Union der Bürgerinnen", die vom Bundesministerium für Frauen, der Berliner Senatsfrauenverwaltung und der Europäischen Union finanziert wurde. über 300 politisch aktive Frauen aus 26 Ländern nahmen daran teil.
    Wir haben uns auf eingesetzt für Leila Zana, die kurdische Abgeordnete des türkischen Parlaments, die dort seit langem einsitzt für Dinge, die nach unserer Auffassung demokratisches Grundrecht sind, nämlich für die Verbesserung der Situation der kurdischen Minderheit. Auf unserem Kongress haben wir eine Entschließung unterstützt, die gegen die Steinigung der Nigerianerin protestiert, der Ehebruch vorgeworfen wird.

  • AVIVA-BERLIN: Was sind Ihre Erfahrungen aus der Praxis als Referatsleiterin bei der Senatsverwaltung für Arbeit, Berufliche Bildung und Frauen?
  • Carola v. Braun: Wir befassen uns hier damit, dass eine ausreichende Zahl von Ausbildungsplätzen angeboten wird für alle Jugendlichen, die eine Ausbildung anstreben und dafür geeignet sind. Wir sind gleichzeitig Kammer für die Berufe im Garten- und Landschaftsbau, für die Hauswirtschaft. Und wir befassen uns mit den grundsätzlichen Fragen der Beruflichen Weiterbildung, die immer mehr in Bewegung gerät und politisch vor großen Veränderungen steht. Wir sind - wenn Sie so wollen - gleichzeitig ein bewahrendes, eher konservatives Aufgabengebiet, wenn es um die Qualitätssicherung in der Beruflichen Bildung geht, aber auch ein progressives Themengebiet, wenn Sie an die explosionsartigen Veränderungen in der Beruflichen Weiterbildung denken, die von der Europäischen Ebene her kommen. Eine insgesamt sehr spannende und befriedigende Aufgabe, und das sehen alle Kolleginnen und Kollegen genauso.

  • AVIVA-BERLIN: Bitte beschreiben Sie für unsere Leserinnen die Rolle der Medien bei der Realisierung von Gender Mainstreaming und Gleichberechtigung.
  • Carola v. Braun: Gerade die Präsenz der Frauen in den Medien ist wichtig.
    Frauen werden öfter als Objekt/e dargestellt, sie sind leider nicht Thema.
    Es ist oft nicht einfach für die Journalistinnen, bestimmte Themen in ihrer Redaktion durchzusetzen. Ich habe den Eindruck, dass das Wort "Frauenpolitik" oder "Frauenprojekte" in den Medien nicht vorkommen dürfen. Medien können in Zukunft erheblich dazu beitragen, das Ziel von Gendermainstreaming in der öffentlichkeit bekannter zu machen und dafür zu werben. Bei der Zielsetzung des Gendermain-Streaming geht es schließlich um nichts Geringeres als um eine völlige Neuausrichtung von Sichtweisen und Prioritäten im Verwaltungshandeln.

  • [Foto: Carola v. Braun- © Sharon Adler]
  • AVIVA-BERLIN: Was ist für die Zukunft geplant?
  • Carola v. Braun: Unser wichtigstes Projekt für die Zukunft wird ab Oktober 2002 realisiert: ein erstes Seminar der interreligiösen und interkulturellen Veranstaltungsreihe unter dem Motto: "Sarah-Hagar", Religion - Politik - Gender. Sarah und Hagar sind die Gründungsmütter der abrahamitischen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam. Das Ziel der Veranstaltungsreihe ist es, Frauen aus Politik, Kirchen und Religionsgemeinschaften zusammenzubringen, uns über unsere gemeinsamen Wurzeln und unterschiedlichen gesellschaftlichen Sichtweisen zu informieren und so zu einem gefestigten Netzwerk zwischen allen diesen Frauen beizutragen. Die Veranstaltungsreihe wird sich auf zwei Jahre von 2002 bis 2004 erstrecken. Wir sind dankbar, dass die Finanzierung dieses umfangreichen Vorhabens durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend übernommen wurde.

  • AVIVA-BERLIN: Frau von Braun, Sie feiern in diesem Jahr nicht nur das 10 jährige Jubiläum der üPFI, sondern blicken zurück auf ein erfolgsreiches und herausforderndes politisches Leben. Welche Wünsche haben Sie zu Ihrem 60. Geburtstag?
  • Carola v. Braun: Ich wünsche mir mehr Zeit für meine Familie und meine Enkel.
    Als Politikerin fühle ich mich in der Rolle der Elder Stateswoman wohl und werde auch weiterhin regen Anteil am politisch-gesellschaftlichen Leben in Berlin nehmen.
    Vor allem wünsche ich mir, dass dem Fest zum zehnjährigen Bestehen der üPFI ein weiteres Fest zum 20-jährigen Bestehen folgen wird und freue mich, wenn jüngere Frauen in diese Aufgabe hineinwachsen wollen.

Women + Work Beitrag vom 26.08.2003 AVIVA-Redaktion 

   




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