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AVIVA-BERLIN.de im Juli 2016 - Beitrag vom 01.06.2014

Tove Jansson - ein Portrait der Erfinderin der Mumins und Gründerin von Oy Moomin Characters Ltd
Susann S. Reck

Am 9. August 2014 Jahr wäre die finnische Comic-Ikone Tove Jansson 100 Jahre alt geworden. In einem Interview mit AVIVA erklärt die Presseagentin und Ausstellungsmacherin Jutta Harms, warum die...



... Künstlerin in Deutschland noch immer kaum bekannt ist, und was ihre "Mumins" weltweit so unglaublich beliebt macht.



Tove Jansson gehört zu den anerkanntesten finnischen KünstlerInnen weltweit. Berühmt geworden ist die am 9. August 1914 in Helsinki geborene Comic-Zeichnerin, Malerin und Schriftstellerin durch ihre Comic-Strips, in denen die Mumins aus dem Mumintal die Welt erobern. Ihr eigenes Leben diente in vieler Hinsicht als Vorlage für ihr Werk, ihre Familie, die Insel auf der sie als Kind die Sommer verbrachte, ihre langjährige Lebensgefährtin, der 2. Weltkrieg. Bislang haben sich ihre Bücher an die 15 Millionen Mal verkauft und wurden in 44 Sprachen übersetzt, was sicherlich auch der Tatsache geschuldet ist, dass die Mumins Kinder und Erwachsene begeistern.

Das Unternehmen Oy Moomin Characters Ltd, das Tove Jansson mit ihrem Bruder Lasse Ende der 1950er Jahre gründete, gehört zu den lukrativsten Finnlands. Das Familienunternehmen ist inzwischen eine globale Marke, die auf den Verkauf von Lizenzen spezialisiert ist. Das Merchandising der Mumins - von Geschirr über Puppen bis hin zu Tapeten, Möbeln und Kleidung - haben ihren Bekanntheitsgrad noch gesteigert, ebenso wie die TV-Serien und Filme, die in den letzten Jahrzehnten produziert worden sind.



Tove Jansson entstammte einer KünstlerInnenfamilie, die früh ihr Talent erkannte und förderte. Von den vielen Arbeiten, Graphiken, Bildern und Geschichten ihrer sich rasch entwickelnden künstlerischen Laufbahn fallen die Illustrationen für das finnische Satiremagazin GARM besonders auf. Über einen Zeitraum von fast 25 Jahren zeichnete sie für GARM über 500 Karikaturen und einige hundert Titelblätter. Mit dem Beginn der 1940er Jahre äußerte sich Tove Jansson in GARM vermehrt auch politisch. Ihre furchtlosen Kommentare gegen Faschismus und Kommunismus wurden mehr als einmal zensiert. Während des 2. Weltkriegs hatte sich Finnland, das sich von Stalins Russland bedroht fühlte, mit Deutschland verbündet. Der Herausgeber von GARM, Henry Rein, vertrat jedoch weiterhin eine freiheitlich-demokratische Position, für die er sich, ebenso wie seine Chefillustratorin Jansson, auf einer schwarzen Liste wiederfand. Ihrer Biographin Boel Westin gegenüber äußerte sich Jansson später:
I enjoyed working for GARM, and what I liked best was being beastly to Hitler and Stalin..

1945 erschien, von der Presse so gut wie unbemerkt, der erste Band über die Mumins,
Moomin and the Great Flood. In Schweden kam zeitgleich Pippi Langstrumpf von Astrid Lindgren auf den Markt. Auch der zweite Band Comet in Moominland war zunächst ein Flop, möglicherweise weil beide Bücher noch vor dem Hintergrund des Krieges entstanden waren und atmosphärisch Angst und Düsterkeit widerspiegelten. Erst das dritte Buch, The Finn Family Moomintroll wurde ein Erfolg und ins Englische übersetzt, was für den Aufstieg der Mumins entscheidend werden sollte. Vier Jahre nach dem Erscheinen in England begann die London Evening News mit der täglichen Veröffentlichung eines Comic-Strips über die Mumins und innerhalb von zwei Jahren wurden diese in rund zwanzig Ländern und 120 Zeitungen abgedruckt.
Mehr als 10.000 Panels zeichnete Jansson in den kommenden Jahren für die Zeitung. Es war ihr Durchbruch, sie aber fühlte sich zunehmend ausgebrannt - was sich daran erkennen ließ, dass sie die Mumins im Laufe der Jahre immer dicker und größer zeichnete, so daß sie alles andere zu verdrängen schienen.



Tove Janssons Bruder Lasse, mit dem sie die Moomin Characters Ltd gegründet hatte, übernahm die Arbeit bei der London Evening News. Die Strips aus jenen arbeitsintensiven Jahren jedoch gehören zum Besten, was Tove Jansson produziert hat, und so erscheint es als Glücksfall, dass sie die Grundlage für bislang sieben Bände bilden, die der kanadische Verlag Drawn & Quarterly seit dem Jahr 2006 herausgebracht hat. Pünktlich zum einhundertjährigen Geburtstag erscheinen sie bei Reprodukt nun auch auf Deutsch. In einem Gespräch mit der Kuratorin der Tove Jansson-Ausstellung des Comic-Salons Erlangen, Jutta Harms, gestand diese, sie selbst sei erst durch die kanadischen Bände auf die finnische Künstlerin aufmerksam geworden.

AVIVA-Berlin: Wie erklärst du dir das? Tove Jansson gehört doch zu den Exportschlagern Finnlands...?

Jutta Harms: Auf jeden Fall. Aber Deutschland ist nun mal keine Comic-Nation und es braucht auch immer jemanden, der so ein Werk gut herausgibt. Das war im Fall von Tove Jansson Drawn & Quarterly.

AVIVA-Berlin: Und was hat dir, als Erwachsener, daran so gut gefallen?

Jutta Harms: Die Mumin-Familie aus dem Mumintal hat ein offenes Haus, aber - auch Muminmama und Muminpapa gehen ihrer Abenteuerlust nach. Schmutziges Geschirr zum Beispiel wird unter das Bett geschoben bis es regnet, und alle feiern lieber als zu arbeiten. Sehr sympathisch. Die Mumins nehmen jeden vorurteilsfrei auf und werten ihre Gäste nicht. Sie versuchen mit allen klar zu kommen, sind aber trotzdem Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten. Stinky zum Beispiel riecht katastrophal, und für Schnüferl geht es immer um den eigenen Vorteil. Trotzdem werden sie von den anderen weder verurteilt noch ausgegrenzt.

AVIVA-Berlin: Und gibt es keine Ereignisse, die die Mumins verändern und böse werden lassen?

Jutta Harms: Nein. Die Mumins kommen mit ihrer Freundlichkeit und ihrem Wagemut eigentlich immer gut raus.

AVIVA-Berlin: Was gibt ihnen Aktualität?

Jutta Harms: Tove Janssons Botschaft von Offenheit, Toleranz und Bürgersinn ist zeitlos. Ihre Geschichten aus dem Mumintal fordern uns dazu auf, das Leben zu genießen und andere ihre Leben genießen zu lassen. Diese Botschaft ist prima und vor allem nicht aufdringlich. Auch die Ästhetik der Strips ist zeitlos. Die Zeichnungen sind wunderschön, elegant, lustig, im Design aktuell. Wir finden uns heute darin genauso wieder, wie die Menschen vor mehr als 60 Jahren.

AVIVA-Berlin: Die erste Mumin-Geschichte, The Moomin and the Great Flood, entstand während des 2. Weltkriegs. Wie lässt sich das vor dem Hintergrund von Janssons politischer Arbeit bei GARM erklären?

Jutta Harms: Tove Jansson liebte die Natur. Sie hatte schon sehr früh das Bedürfnis nach einer paradiesischen Welt, in der die Wesen die dort leben, ungestört sein können. Und wahrscheinlich kann man die Schattenseiten der Zivilisation nur dann so mutig und rückhaltlos anprangern, wenn man auf der anderen Seite ein großes Bedürfnis nach Harmonie hat. Sie war ja entschieden gegen die Faschisten, die sich während des Krieges mit Finnland verbunden hatten. Und ja, vielleicht sind die Mumins auch ein Ausdruck von Eskapismus.

AVIVA-Berlin: Erklärt das den kometenhaften Aufstieg der Trolls?

Jutta Harms: Weiß ich nicht. Es gab auch andere Klassiker wie die Peanuts, das ganze Disney Imperium... ein Angebot von Walt Disney hat Tove Jansson übrigens ausgeschlagen...

AVIVA-Berlin: Haben diese friedlichen Wesen nach dem 2. Weltkrieg vielleicht einen ganz bestimmten Nerv getroffen, eine Sehnsucht erfüllt? Sowie 1945 die schwedische Pippi Langstrumpf aus der Villa Kunterbunt?

Jutta Harms: Mit Sicherheit. Und natürlich hatten damals, ohne das Internet, Zeitungsstrips eine unglaubliche Verbreitung und konnten den Erfolg schnell multiplizieren.

AVIVA-Berlin: Ist eine solche Karriere heute überhaupt noch möglich?

Jutta Harms: Klar. Allerdings bleibt sie eine Ausnahme. Die Situation für ZeichnerInnen ist in Deutschland heute besser als noch von vor zehn Jahren. Die meisten können davon leben, dass sie ein bisschen veröffentlichen, Workshops geben, illustrieren. Es gibt inzwischen sogar Stipendien für ZeichnerInnen, die längere Projekte vorhaben, aber klar bleibt es mühsam. So eine Karriere wie die von Tove Jansson war zu keiner Zeit die Regel.

AVIVA-Berlin: Weil sie eine Ausnahmebegabung war?

Jutta Harms: Absolut. Was man schon daran erkennen kann, dass bereits die ersten Mumin-Bücher sehr gut sind. Als Geschichtenerzählerin war sie gut, aber wir wissen doch alle, dass das noch nicht heißt, dass einer auch Comics draus machen kann. Das hat sie sich selbst beigebracht. Das alles hätte aber nichts genützt, wenn nicht auch ein Zufall dafür gesorgt hätte, dass das, was sie gemacht hat, dem Zeitgeist entsprach und entscheidende Leute genau das erkannten. Sonst würde es ja heißen, dass wenn du ein großes Talent hast, du auch erfolgreich sein wirst. Aber wie wir wissen, ist das nicht so. Abgesehen davon bin ich mir sicher, dass ihr ein Spannungsfeld geholfen hat: zum einen diese niedlichen Wesen und die liebevolle Gestaltung ihrer Comics. Zum anderen ein sehr gut durchdachtes Beziehungsgeflecht, das den Geschichten zugrunde liegt. Auch dass die Comics Kinder und Erwachsene mochten, war erfolgversprechend.

Danke für das Gespräch, Jutta Harms!



Nachdem die letzten Mumin-Geschichten in den 1970er Jahren erschienen waren, wandte sich Tove Jansson vermehrt dem Verfassen von Kurzgeschichten und Romanen zu. In der Einleitung zu ihrem vorletzten Werk Fair Play (1989) bemerkt die Schriftstellerin Ali Smith, Jansson sei auch als Schriftstellerin auf unaufdringliche Art und Weise radikal gewesen. Ihre Bücher erzählten von Menschen, die normalerweise in der Literatur nicht vorkämen.
Radikal ist an dem Kurzroman bereits der autobiografische Ansatz, erzählt er doch unverkennbar, so Tove Janssons Biografin Boel Westin, Episoden aus dem gemeinsamen Leben mit deren Partnerin Tuulikki Pietilä. Der Umstand, dass in Finnland Homosexualität bis 1971 als illegal und bis 1981 als Geisteskrankheit gegolten hatte, ließ die Gefahr, ins Gefängnis oder in eine psychiatrische Klinik eingeliefert zu werden, für eine weite Strecke ihres Zusammenlebens durchaus realistisch erscheinen. Seit 1956 fast 50 Jahre lang ein Paar, war die lesbische Beziehung ein offenes Geheimnis, von dem zwar viele wussten, aber niemand sprach. Einmal mehr gilt die Verschwiegenheit nicht für das Werk dieser mutigen Künstlerin. Laut Tove Jansson haben zwei Charaktere der Mumin-Welt Entsprechungen in der Realen:
zum einen ihre Mutter Ham als Muminmama, zum anderen Tuulikki in der Figur von Too-Tikki.



Ehrungen:
1953 Nils- Holgersson- Plakette
1958 Elsa Beskoe- Plakette
1966 Hans-Christian Andersen- Preis für Kinder- und Jugendliteratur
1971 Tolladerska priset
1972 Svenska Akademiens Finlandpris
2004 Gedenkmünze

Veröffentlichungen

Auf Deutsch erschienen bislang folgende Mumin-Bücher:
Mumins lange Reise, 1945, Komet im Mumintal, 1946, Eine drollige Gesellschaft, 1948, Muminvaters wildbewegte Jugend, 1950, Mumien, wie wird´s weiter gehen? 1952, Sturm im Mumintal, 1954, Winter im Mumintal,1957, Wer tröstet Toffel?, 1960
Geschichten aus dem Mumintal, 1963, Mumien wundersame Reise, 1965, Herbst im Mumintal, 1970, Die gefährliche Reise, 1977, Der Schurke im Muminhaus, 1980

Die Mumin-Comic-Strips erschienen im Jahr 2014 bei Reprodukt
Mehr Infos unter: www.reprodukt.com

Auf Deutsch gibt es bislang vier ihrer zwölf Romane:
Die Tochter des Bildhauers, 1968, Sommerbuch, 1972, Die Puppenstube, 1978, Die ehrliche Betrügerin, 1982

Literatur über Tove Jansson
Boel Westin, Life Art, Words. The authorised Biography, Penguin 2012

Ausstellungen anlässlich des 100. Geburtstags von Tove Jansson:

Das Ateneum in Helsinki zeigt vom 14. März – 7. September 2014 Tove Janssons Lebensweg als Künstlerin, Illustratorin, politische Karikaturistin und Autorin.
Mehr Infos unter: www.ateneum.fi

Der Comic-Salon Erlangen zeigt vom 19.-22. Juni 2014 einen Ausschnitt ihres Werkes.
Mehr Infos unter: www.comic-salon.de

Alle weiteren Ausstellungen sowie Veranstaltungen, Filmvorführungen, Konzerte, Lesungen und Biographisches finden sich unter www.tove100.com

Das Unternehmen Oy Moomin Characters Ltd, das Tove Jansson mit ihrem Bruder Lasse Ende der 1950er Jahre gründete ist im Netz unter: www.moomin.com



© Alle Fotos von Tove Jansson: © Moomin Characters™
© Abbildungen Illustrationen: Reprodukt


Women + Work > WorldWideWomen Beitrag vom 01.06.2014 Susann S. Reck 

   




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