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AVIVA-BERLIN.de im Juli 2016 - Beitrag vom 11.11.2015

Integrität vs. Solidarität – Die Darstellung weiblicher Führungskräfte in Film und Fernsehen. Ein Gastbeitrag von Antonia Roeller
Antonia Roeller

"Karrieresüchtig, machtversessen, einsam? Die Darstellung weiblicher Führungskräfte in Film und Fernsehen", so der Titel ihres in der Master School Drehbuch EDITION erschienenen eEssays.



Die Quote kommt. Frauen soll dadurch ab 2016 der Aufstieg in die Führungsetagen geebnet werden...

Film und Fernsehen spiegeln schon lange die gesellschaftlichen Veränderungen in Sachen Frau und Karriere wider und so sind weibliche Vorgesetzte heute auf der Leinwand und dem Fernsehschirm im Gegensatz zu noch vor dreißig Jahren keine Seltenheit mehr. Doch ist deren Darstellung immer noch veralteten Stereotypen verhaftet oder zeichnet sie ein realistisches, facettenreiches Bild von Frauen in Führungspositionen?

In meinem eEssay "Karrieresüchtig, machtversessen, einsam? Die Darstellung weiblicher Führungskräfte in Film und Fernsehen" untersuche ich anhand von Beispielen wie "DER TEUFEL TRÄGT PRADA", "DAMAGES" und "BORGEN", welchen Führungsstil und welches Wertesystem diese Frauenfiguren transportieren und ob sie ihrer Vorbildfunktion für die Zuschauerinnen gerecht werden. Solidarität spielt hier eine große Rolle, denn trotz Quote werden Frauen die gläserne Decke in der Berufswelt nur dann durchbrechen, wenn sie Netzwerke wie das Bündnis Pro Quote Medien bilden und weibliche Vorgesetzte als Mentorinnen agieren.

Dies zeigt auch die dänische Serie BORGEN, in der die Premierministerin Birgitte Nyborg zusammen mit der Wirtschaftsministerin Henriette Klitgaard eine Frauenquote von 50% in Aufsichtsräten durchsetzen möchte. Schon bald sehen sie sich jedoch mit dem Widerstand ihrer Umwelt konfrontiert. So weist Birgittes Ehemann sie darauf hin, dass zwei Frauen, die Seite an Seite für die Belange von Frauen kämpfen, von der Öffentlichkeit nicht ernstgenommen werden. Doch Birgitte zeigt ihre Solidarität mit Henriette, auch als die von den Großunternehmen kontrollierte Presse über deren Vergangenheit als Fotomodell herfällt.

Trotz der erfolgreichen Durchsetzung der Quotenregelung beendet schließlich ein Konflikt aufgrund unterschiedlicher Wertesysteme die Partnerinnenschaft. Es stellt sich heraus, dass Henriettes Vita gefälschte Universitätsabschlüsse enthält und die Medien bereits am nächsten Tag darüber berichten wollen. Unter Zugdruck lässt Birgitte die Ministerin zu sich rufen und gibt ihr die Chance, sich zu erklären. Als Henriette ihr Fehlverhalten nicht zugeben will, bittet Birgitte sie um ihren Rücktritt vom Amt der Wirtschaftsministerin und konfrontiert sie mit den gefälschten Papieren.
Sie erlaubt Henriette jedoch, ihren Rücktritt mit dem Presserummel um ihre Person zu begründen. So gelingt es Birgitte nicht nur Henriette vor erneuter Medienkritik zu schützen, sondern auch ihr eigenes Gesicht sowie ihre politische Macht zu bewahren.

Persönliche Integrität hat für Birgitte somit eine noch größere Bedeutung als Solidarität unter Frauen. Denn Birgitte ist zumindest zu Beginn ihrer Amtszeit auch eine Idealistin, die ihren Regierungsauftrag in erster Linie als Verantwortung versteht, die Gesellschaft zum Positiven zu verändern. Ehrlichkeit dem Volk, den Regierungsmitgliedern und auch sich selbst gegenüber besitzt somit einen großen Stellenwert für sie.

Für Henriette dagegen rechtfertigt der Erfolg die Mittel und sie betrachtet es als notwendig, an ihrem Lebenslauf herumzudoktern, um mit der männlichen Konkurrenz mithalten zu können:

"Aber das musste ich am Anfang so machen, damit ich überhaupt in Betracht komme für die richtigen Jobs. ... Was ich hier getan habe, haben viele talentlose Männer schon immer getan."

Doch Birgitte lässt dies nicht gelten:

"Ja, aber ich brauche keinen talentlosen Mann. Ich brauche eine kompetente Frau."

Sie ist sich bewusst, dass Frauen in Machtpositionen eine besondere Verantwortung
tragen, es besser als ihre männlichen Pendants zu machen und sich gegebenenfalls auch gegenseitig Rechenschaft abzuverlangen. Auch ist sie nicht bereit, ihre persönliche Integrität um jeden Preis der Solidarität zu opfern. Ihr Bündnis mit Henriette zerbricht zwar, doch wird Birgitte letztendlich ihrer Vorbildrolle gerecht.


Über die Autorin:

Geboren in der Nähe von Saarbrücken, absolvierte Antonia Roeller ein Drehbuch- und Regiestudium an der UCLA in Los Angeles, wo sie nebenbei auch als Lektorin für Produktionsfirmen und bei der Organisation des AFI Filmfests tätig war.
Seit ihrem Umzug nach Berlin arbeitet sie in verschiedenen Bereichen des Filmgeschäfts mit einem Fokus auf Dramaturgie & Drehbuchübersetzungen.
Anfang 2014 entwickelte sie das Seminar "Starke Frauen – starker Film. Die Erschaffung komplexer Leinwandheldinnen", das sie seither an der Master School Drehbuch unterrichtet.

Im Sommer 2015 veröffentlichte sie durch den Verlag Master School Drehbuch EDITION ein eEssay mit dem Titel "Karrieresüchtig, machtversessen, einsam? Die Darstellung weiblicher Führungskräfte in Film und Fernsehen".

Mehr dazu unter:
www.masterschool.de


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Women + Work > WorldWideWomen Beitrag vom 11.11.2015 AVIVA-Redaktion 

   




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