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AVIVA-BERLIN.de im September 2016 - Beitrag vom 01.06.2006

Interview mit MIA.
Sharon Adler, Silvy Pommerenke

Die Szenerie für das Interview ist mit Bedacht ausgewählt worden: Passend zum Album-Titel "Zirkus" treffen die AVIVA-Berlin-Redakteurinnen die fünf Bandmitglieder von MIA in einem kleinen,...



...super gemütlichen Zirkuswagen an der Wiener Straße mitten in Kreuzberg. Die Sonne scheint, was fast ein Wunder ist in diesem nie enden wollenden Winter, und man wird in eine andere Zeit versetzt - hier, unweit des Görlitzer Parks. Zu Beginn des Interviews soll jedes der Bandmitglieder seine Assoziation zum Thema Zirkus abgeben. Vorher jedoch ist Mieze, die sympathische Sängerin der Band, glücklich darüber, die Redakteurinnen von AVIVA-Berlin mit der Auswahl der Location überrascht zu haben:

Mieze: Die Überraschung ist eindeutig gelungen, eure Augen glitzern. Das ging uns auch so, als wir das erste Mal hier lang gegangen sind. Gunnar kennt den Zirkus schon seit Jahren vom Vorbeifahren, und auch diesen Wagen hier. Das ist wie ein kleiner Traum, der in Erfüllung geht, dass ausgerechnet dieser schöne Zirkuswagen mit dem runden Fenster der Ort für die Interviews geworden ist! Die generelle Idee zum Thema Zirkus kam uns gemeinsam in einem Gespräch. Wir haben ja zur dritten Platte bei Null angefangen. Und das Thema Zirkus war etwas, wo wir allen begonnen haben zu diskutieren. Da ist plötzlich die Luft heiß gewesen! Einer sagte: „Mir taten die Tiere immer leid, das kann man nicht machen.“ Oder jemand anderes sagte: „Stimmt, das was wir machen ist ein einziger Zirkus, dieses auf Tour sein, dieses sich zurecht machen und dieses sich präsentieren." Das ist wie ein saftiger Pfirsich, an dem so viel für einen Künstler und Musiker dran ist, das er nicht aufhört. Es ist auf der Platte, es ist auf den Fotos - es ist unmittelbar jetzt, hier und auf der Tour.

Gunnar: Ich war auch schon Mal im Zirkus, allerdings ist das ein bisschen länger her, und woran ich mich sehr konkret erinnern kann ist, dass ich nicht viel gesehen habe, weil derjenige, der vor mir saß, wahrscheinlich sechs Jahre älter und dreißig Zentimeter größer war...

AVIVA-Berlin: : Wie alt warst du?

Gunnar: Ich denke so fünf oder sechs, das ist also echt schon lange her! Ich war auf jeden Fall einer von der Fraktion, der beim Thema Zirkus nicht spontan Hurra geschrieen hat, sondern ich dachte eher: "Aha, o.k, na lass mal gucken was da noch kommt.

Andy: Ich war irgendwann 1984 das letzte mal im Zirkus. Das war in Moskau. Mit diesem ganz bekannten Clown Popow, und das hat dort natürlich eine ganz andere Qualität, das ist echt Hollywoodmäßig, Klassik halt... Ich mochte den Clown immer deshalb, weil jeder über ihn lacht, er aber dennoch ganz traurig aussieht. Das ist eigentlich ein schöner und total realistischer Dualismus, wie er natürlich im Zirkus viel überspitzter ist, als in der Realität. Und genau deswegen hat es auch eine ziemlich große Parallele zum Theater! Ich fand diese Idee übrigens ganz gut.

Ingo: Ich fand Zirkus schon immer richtig gut! Das war für mich so etwas wie Ostern und Weihnachten! Da hat man sich als kleines Kind ewig lange vorher drauf gefreut. Und was ich so toll daran fand war, dass es so lebendig wirkte! Dass da etwas passierte und dass einem da auch wirklich was geboten wurde für sein Geld, beziehungsweise für das Geld der Eltern.

Bob: Es gibt Aspekte am Zirkus, die mich sehr interessieren. Allerdings bin ich eher ein Akrobatik-Fan. Das letzte Mal, dass ich im Zirkus war, war beim Chinesischen National Zirkus, wo viel Artistik, Akrobatik und Show geboten wird. Magie finde ich auch toll. Ich lasse mich gerne von Zauberei verführen! Aber diese ganz Clown- und Tier-Show-Nummer hat mich nie wirklich tangiert. Ich finde, das stinkt! Das ist das, was man als Kind für Assoziationen damit hat. Naja, ich und der Zirkus...

Mieze: Genau, das Titelstück und damit auch Titelgeber für die CD, heißt sogar "Zirkus". Es ist kein Konzept-Album, und deswegen ist es auch schön, dass es bei euch nicht gleich so angekommen ist. Es geht nämlich um das Leben, um den aktuellen Stand der Dinge. Und zum Thema Zirkus würde ich die Friedrichstraße erwähnen: da kann man Zirkus ganz wunderbar erleben, besonders am Samstag von 12-16 Uhr! Man muss sich einfach nur mal an den S-Bahnhof Friedrichstraße stellen. Was da los ist, ist der totale Wahnsinn! Das ist mein Zirkusbezug. Zirkus wie im wahren Leben. Das ist der Zirkus, der hier in dieser Welt stattfindet, und Liebe ist ein ganz großer Teil davon, und auch Leidenschaft! Dieser ganze emotionale Zirkus, dieses Auf und Ab, ist das geile an Zirkus. Er lebt von der Dualität, und davon zwiespältig zu sein. Er lebt davon, dass es die Realität gibt, und dass man mit der Fantasie spielen kann.

Andi: Das interessante am Zirkus ist vor allem auch, dass innerhalb einer Zirkusvorstellung nie direkt von Zirkus gesprochen wird. Dort ist der Zirkus die Realität, und genau so ist das auch bei uns! Letzten Endes ist das Stück "Zirkus" nur das einzige Mal, wo das Titelthema ganz konkret auftaucht. Ansonsten geht es nur um die Realität. Und das ist im Zirkus ganz genau so. Eine Facette der Zirkus-Idee ist die, damit zu spielen, und das ist das, was uns daran besonderen Spaß macht. Gerade mit den typischen Figuren, die in einem Zirkus vorkommen. Das sind zum Beispiel der Dompteur, das Dressierte – oftmals die Tiere – und das dies so verschiedene Rollen sind, in die ein jeder hineinschlüpft. In die verschiedensten Rollen, auf die man sich nicht festlegt. Und gerade in der Liebe ist es, jedenfalls bezogen auf Dompteur und Dressur, ganz genau so! Dabei schwankt es ganz viel hin und her, wer die Zügel übernimmt. Gerade in den Texten auf unserem Album werden verschiedene Perspektiven angesprochen. Beziehungsweise stellt sich uns die Frage: Wenn jemandem etwas gerade nicht gefällt, wie denkt dann der andere darüber? Und deswegen finde ich, passt das Thema Zirkus ganz wunderbar zu diesem Überbau.

Mieze: Wir lassen uns das nicht aufoktroyieren, wir lassen uns von dem Thema nicht bestimmen, sondern benutzen es als Ideenvorlage. Ob es die Fotos sind, die komplette Tournee, oder eine Form von bzw. der Mut zur Fantasie: Das ist das Interessante daran!

Andi: Und die Instrumente!

Mieze: Genau, wir benutzten neue Instrumente wie das Vibraphon, das Glockenspiel, die Trompete, das Akkordeon oder die Triangel.

AVIVA-Berlin: Das stimmt! Diese ganzen Instrumente habt ihr ja vorher noch nicht eingesetzt. Allerdings wollte ich noch einmal auf das Thema Zirkus zurück kommen. Denn das bedeutet ja immer auch Reisen für die Zirkustruppe. Die Crew bleibt nicht an einem Ort und erlebt das Leben als Reise! Bei eurer Tournee reist ihr ja auch und ihr seid schon lange zusammen. Was für Konstellationen entstehen wenn ihr unterwegs seid – was passiert dann?

Gunnar: Es fühlt sich natürlich schon zum großen Teil nach Reise an. Man zieht um, so ein Zirkus zieht auch um! Und ein Zirkus besteht, wie auch wir, aus Individuen! Diese entstehen aus unterschiedlichen Befindlichkeiten, die aber alle an der gleichen Sache arbeiten. Ein Zirkus braucht diesen Austausch, diese unterschiedlichen Perspektiven und unterschiedlichen Ausgangspunkte, um das zu werden was er ist. Und das ist bei uns genau das Gleiche. Man gibt das, was einem ganz wichtig ist: Das Große, was man von sich preisgibt, das passiert auf der Bühne. Ansonsten ist man ein Kollektiv und muss versuchen, sich so zu organisieren, dass man niemandem auf die Füße tritt. Und man muss sich gegenseitig auch Platz lassen! Es gibt extreme Parallelen zum Thema Zirkus, logisch!

Bob: Trotz unterschiedlicher Städte oder sogar Länder, die wir bereisten, tragen wir immer ein Stück zu Hause mit uns herum! Das ist das, was auf der Bühne bleibt, weil es sich nicht verändert!

Gunnar: Auf jeden Fall stellt das alten Album das neue nicht in Frage! Es gesellt sich dazu, als wäre es ein Eindruck von uns. Und es ist ganz natürlich und absolut erforderlich, dass sich eine Band verändert, andere Ausdrucksweisen sucht und findet. Und es auch lernt, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie man noch Intensität erzeugen kann. Ich glaube, das ist das, was die Alben miteinander verbindet, das sie intensiv sind, also intensiv gemacht sind und sich auch intensiv anhören. Auch wenn es nicht scheppert und kracht wie vielleicht am Anfang. Sicherlich gibt es auch Stücke auf dem neuen Album, die so sind. Wir sind in den letzten Zügen, und es wird noch ein paar Überraschungen geben! Insofern nordet sich das, oder es relativiert sich in dem Gesamtschaffen der Band. Robert hat vorhin in einem anderen Interview bereits gesagt, dass die große Chance die wir haben, mit so einem Konzertabend eine Zeitreise zu erzeugen. Wir können einen Abend gestalten, auch alte Sachen von uns so aufzugreifen und dort einsetzen, wie wir es gerne hätten. Da wird es auf jeden Fall zur Sache gehen, das ist mal keine Frage.

AVIVA-Berlin: Die alten Sachen wollt ihr dann in einem neuen Gewand bringen?

Gunnar: Es wird im Laufe einer solchen Show auch gute Momente geben, es mal richtig derbe krachen zu lassen. Das findet sicherlich weiterhin statt.

Mieze: Vor allem möchte ich mal meinen inneren Aufstand erleben, wenn wir beschließen würden, immer nur noch die Sachen von der neuen Platte zu spielen. "Hungriges Herz" zum Beispiel nicht mehr zu spielen, wäre ein echter Verlust. Ich finde auch, dass das zusammen gehört. Diese drei Platten sind ein Gesicht. Und das mit der Intensität finde ich super, das kann ich alles nur unterschreiben.

AVIVA-Berlin: Ich finde auch, dass diese drei Platten ein Gesicht haben. Nicht jede Band verändert sich, sondern viele haben eher einen strikten roten Faden, der so bleibt. Jedes Album von euch ist sehr stimmig. Auch wenn es immer eine Veränderung gibt, so klingen sie wirklich wie aus einem Guss.

Bob: Vor allen Dingen nimmt man sich beim Musik machen nichts vor oder sagt "Jetzt Mal einen Gang zurück." Manchmal denke ich über solche Sachen auch selber nach. Weshalb ist das jetzt anders, als die andere? Wenn so eine Platte fertig ist, ist ja bei uns auch viel los. Wir spielen auf Festivals, wir haben eine eigene Tour, und wir beschäftigen uns sehr viel mit dieser Musik. Danach ist wieder die Kreativ-Phase, manchmal überschneidet sich das auch. Dann ist da so eine Lust etwas anderes zu machen. Nicht komplett anders, aber ich hätte jetzt auch gern mal diese oder jene Facette. Und gerade wenn man frisch ans Werk geht, hat man oft so ein Gefühl von: "Jetzt lass uns mal das ausprobieren." Und gerade dieses viele Ausprobieren führt zu unterschiedlichen Sachen.

Mieze: Wir haben zu diesem Album mit nichts angefangen. Und es ist auch für uns erstaunlich, wenn wir nach drei oder vier Songs hören, was für Dinge passieren, denn wir geben uns keine Vorgaben. Dann ist es so, dass ich sage: "Ich kann es sehen, ich kann es hören, ich kann es fühlen, es ist der Mia-Sound." Was sicherlich nicht zuletzt an Noah liegt, der während der Aufnahmen immer zu einem sechsten Band-Mitglied wird. Und sicherlich liegt es auch daran, dass wir diese feste Studio-Einrichtung haben und immer ein reger Austausch zwischen Proberaum und Studio herrscht. So homogen, wie es in der Zeit ist, fühlt es sich auch an. Das finde ich so schön! Es würde mir zum Beispiel als Schauspieler schwer fallen, einen Film zu promoten, den ich vor zwei Jahren gedreht habe. Das besondere an unserer Arbeitsweise ist, dass es eben noch eingesungen wurde, und bereits eine Woche später haben wir die Platte noch warm in der Hand. Das ist das Schöne, gerade auch beim Live-Spielen, das man noch mittendrin ist in diesem Gefühl.

AVIVA-Berlin: Das hat das Publikum ja auch gemerkt, bei dem Show-Case am 11. Mai im Salonost.

Mieze: Das war so schön! Das war, wie ein Geheimnis zu teilen! Am liebsten hätte ich gar nichts gesungen, sondern den Text nur immer auf la, la, la. Ich will immer noch gar nichts verraten, das ist alles noch so frisch.

AVIVA-Berlin: Wenn das alles so ein Prozess im Entstehen ist, wie seid ihr dann auf das gecoverte Lied von den Gipsy Kings gekommen? Gab es da eine Abstimmung bei euch?

Mieze: Das ist geil, oder?! Das ist ein Lied, das uns immer schon gerockt hat. Die Faszination in diesem Lied liegt darin - und das liebe ich überhaupt an fremdsprachiger Musik - dass man sich oft zum mitsingen mitreißen lässt, auch wenn man nichts versteht Weil mein Spanisch mehr als schlecht ist, ging es beim übersetzen darum, dieses Lied wirklich zu entdecken. Und dann hat das so viel Potenzial und ist so traurig. Oh Gott, war das schön, das war echt schön!

AVIVA-Berlin: Goethe hat den Roman Die Wahlverwandtschaften geschrieben. Dabei geht es darum, dass er die Liebe gleichsetzt mit naturwissenschaftlichen Phänomenen. Da kam mir der Gedanke, ob ihr vielleicht früher im Deutsch-Unterricht die "Wahlverwandtschaften" gelesen und gedacht habt, das bauen wir jetzt zu einem Lied um, nämlich zu "Tanz der Moleküle"...

Gunnar: "Nein, das kam nicht von den "Wahlverwandtschaften", das müssen wir verneinen. Aber in jedem Fall hat uns dieser naturwissenschaftliche Bezug gefallen, und sei es auch nur im Titel des Songs oder vielleicht ein bisschen im Video. Man kann es zurückstufen auf den Text, weil es um Teilchen in Bewegung geht. Zum Beispiel, was passiert dir, wenn du im Club jemanden siehst, der dich aufregt oder der dich anregt oder der dich erregt, dann passiert da irgendetwas. So etwas wie Biochemie, da geht irgendwas los. Und diesen Moment sozusagen zu übersetzen und zu präsentieren war auf jeden Fall der Plan bei der Sache.

Mieze: Ich finde überhaupt die Vorstellung lustig, dass wir immer denken, wir sind eigenbestimmt. Manchmal hat man echt das Gefühl, dass alles ein einziger Chemie-Korb ist. Das heißt, wenn die Hormone angehen, kann man sich nicht aussuchen, ob man jetzt verliebt ist oder nicht. Das passiert! Und das finde ich auch verrückt. Das macht es auch zum Thema dessen, wie viel ich selbst bestimme und wie stark bin ich das Opfer meiner Hormone, was wird davon dirigiert. Außerdem ist dieses Lied gut dazu da, sich dieses wunderbare Gefühl auf den Leib zu schreiben. Übrigens spielen wir dieses Jahr wieder zum CSD an der Siegessäule.

AVIVA-Berlin: Was sollen wir den Leserinnen noch speziell ausrichten?

Mieze: Dass das ein ganz wunderbarer Sommer wird, der letzte, bevor uns dann die globale Klimaerwärmung hinwegschwemmt. Und dass man den noch nutzen sollte, um so ein Live-Konzert zu erleben. Weil es darum geht, sich dem Zauber der Magie und der Dramatik des Lebens hinzugeben, es zu genießen, und dann kann der Orkan kommen!

Gunnar: Und wenn man nur ein paar Sachen in seinem Leben anders macht, dann kann man das mit dem zu warmen Sommer auch ein paar Jahrzehnte und ein paar Jahrhunderte sogar rausschieben. So schwer ist das nämlich gar nicht.

Mieze: (Singt wieder) "Ich bin grad aufgewacht, ich hab' jetzt Ökostrom!"

Music > backstage Beitrag vom 01.06.2006 AVIVA-Redaktion 

   




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