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25.06.2018

Interview mit den Kuratorinnen Katharina Koch und Dorothea Nold
Sharon Adler

Anl√§sslich des drei√üigj√§hrigen Jubil√§ums der alpha nova-kulturwerkstatt & galerie futura sprach AVIVA mit den Kuratorinnen √ľber die Herausforderungen, der geringeren Pr√§senz von Frauen im Kulturbetrieb entgegenzuwirken, die gegenw√§rtige Arbeit, und dar√ľber, was ...



... alpha nova-kulturwerkstatt & galerie futura sich f√ľr die Zukunft vorgenommen hat.


Die Berliner alpha nova & galerie futura versteht sich als Ort von und f√ľr K√ľnstlerinnen und zielt auf die F√∂rderung von Frauen im Kunst- und Kulturbereich.

Das Projekt FUTURA ‚Äď Weibliche Visionen in Kultur, Politik und Kunst wurde 1986 in einer politischen Umbruchsituation, dem Jahr der Umweltkatastrophe von Tschernobyl, als experimenteller Ort f√ľr gesellschaftliche Gegenentw√ľrfe gegr√ľndet.



Im Rahmen des Projektes FUTURA bildete die galerie futura einen besonderen Schwerpunkt. Sie wurde zum Laboratorium, um herrschenden Kunstbetriebslogiken eigene Strukturen, R√§ume und (Re)Pr√§sentationsm√∂glichkeiten explizit f√ľr K√ľnstlerinnen entgegenzusetzen. Die Gr√ľnderinnen geh√∂rten vorwiegend der 68er Generation an. Sie waren Repr√§sentantinnen der zweiten Frauenbewegung und ihrem internationalen Engagement im Kontext der Frauen-Friedens-Bewegung. Zum Symbol f√ľr den Widerstand der Frauen nach Tschernobyl in Berlin wurde die Dr√§chin FUTURA, die als Kunstobjekt vielen Demonstrationen vorangetragen und zur Namensgeberin des Projektes und der Galerie gew√§hlt wurde. Das Motto des Jubil√§umsjahrs greift unter dem Titel "Welcome to Futuristan" dieses Thema wieder auf, schl√§gt den Bogen zu heute und verweist implizit auf die Zukunft.

2016 wird das Projekt drei√üig Jahre alt. Anlass genug, sich den vergangenen wie gegenw√§rtigen Positionen, Perspektiven und Utopien der Akteurinnen zu widmen, Dialoge zu initiieren, B√∂gen zu schlagen, sowie nach Kontinuit√§ten und Br√ľchen zu fragen.
Das Jubil√§umsprogramm umfasst die Pr√§sentation des 30j√§hrigen Archivs der alpha nova & galerie futura von Mai-August 2016, begleitet von Veranstaltungen mit Vortr√§gen, Gespr√§chen, Filmpr√§sentationen, Lesungen und Workshops, sowie eine intergenerative Gruppenausstellung im Kunstquartier Bethanien im August 2016. Im Rahmen dieser finden eine Podiumsdiskussion, Performances, Workshops sowie eine F√ľhrung durch die Ausstellung statt.



Die Ausstellung bringt K√ľnstlerinnen verschiedener Generationen zusammen und befragt sie nach ihren einstigen wie gegenw√§rtigen Verst√§ndnissen und W√ľnschen eines selbstbestimmten k√ľnstlerischen Schaffens. Dabei werden ihre Vorstellungen von Arbeits- und Lebensbedingungen jenseits von Ungleichheit, Diskriminierung und Prekarit√§t sowie von gesellschaftlichen (Gegen)Entw√ľrfen thematisiert ‚Äď letztendlich ihre Visionen vom "idealen Leben". In der Auseinandersetzung mit emanzipativen Utopien, die von Feminist_innen und K√ľnstler_innen in den letzten Jahrzehnten entwickelt wurden, zielt die Ausstellung auch darauf zu ergr√ľnden, welche unterschiedlichen Verst√§ndnisse der Begriff "Utopie" im Rahmen k√ľnstlerischen Produzierens heutzutage ‚Äď noch ‚Äď erf√§hrt und was eventuell an seine Stelle tritt. Mit den Medien Video, Sound, Installation, Objektkunst, Fotografie und Performance entwerfen die K√ľnstlerinnen ihre jeweiligen Perspektiven auf Futuristan.

Sharon Adler, AVIVA-Berlin, hat sich mit den Kuratorinnen Katharina Koch und Dorothea Nold zum Gespräch getroffen.



Katharina Koch (*1977), seit 2012 Co-Leiterin der alpha nova-kulturwerkstatt & galerie futura in Berlin. Studium (M.A.) der Europ√§ischen Ethnologie und der Gender Studies in Berlin, Promotion zum Thema "Herstellung und Verhandlung von Raum und √Ėffentlichkeiten durch Kunstprojekte in Rum√§nien" am Institut f√ľr Europ√§ische Ethnologie der Humboldt-Universit√§t zu Berlin. Ihre T√§tigkeitsfelder umfassen sowohl kuratorische als auch wissenschaftliche Arbeitsans√§tze. Ferner hat sie als Filmemacherin diverse Dokumentarfilme realisiert.

Dorothea Nold (*1981), seit Oktober 2015 Co-Leiterin der alpha nova-kulturwerkstatt & galerie futura in Berlin. Sie studierte Bildhauerei an der √Čcole nationale sup√©rieure des beaux-arts Paris bei Vincent Barr√© und Richard Deacon. Als freischaffende K√ľnstlerin promoviert sie an der HfbK Hamburg. In ihrer k√ľnstlerischen Arbeit besch√§ftigt sie sich mit Fragen nach der Repr√§sentierbarkeit von physischen und sozialen R√§umen, deren Aneignungen und Transformationen, ihren Grenzen und Grenzlinien, Zwischenr√§umen und Schnittstellen.

AVIVA-Berlin: "Welcome to Futuristan" stellt die Präsentation des 30jährigen Archivs der alpha nova & galerie futura in den Fokus. Was war die größte Herausforderung bei der Sichtung des Archivs, was die größte Überraschung?

Katharina und Dorothea: Eine gro√üe Herausforderung war es die Vielfalt des Projekts und seine Entwicklung an den verschiedenen Orten innerhalb Berlins √ľber die vielen Jahre hinweg nachvollziehbar zu machen. Denn die jeweiligen Orte haben wechselseitig auch die Anliegen, Inhalte und Formate von alpha nova & galerie futura bestimmt. Aus der F√ľlle an Material wie Fotos, Texten, Plakaten, Video- und Audioaufnahmen und Objekten mussten wir eine Auswahl treffen, die nat√ľrlich in erster Linie unsere subjektive Wahrnehmung der Projektgeschichte widerspiegelt.
Weiterhin war es herausfordernd, hinter den Dokumenten und Materialien die Arbeitsprozesse nachzuvollziehen und vor allem diese sichtbar zu machen. Dokumentiert wurde ja, wie wir das heute auch tun, haupts√§chlich das Ergebnis, in den meisten F√§llen also eine konkrete Ausstellung mit ihrer Szenographie ‚Äď manchmal haben wir zu diesen Gesichter, also Fotografien der K√ľnstlerinnen, bekommen. Erg√§nzt haben wir die Materialien mit Ausstellungskatalogen der K√ľnstlerinnen. Aber nachvollziehbar zu machen, welche zeitgeschichtlichen Momente zu diesen Arbeiten gef√ľhrt haben und wie die kuratorische Auswahl getroffen wurde ist sehr komplex geblieben.
Die Arbeit am und mit dem Archiv hat uns auch nochmal grunds√§tzlich fragen lassen, wie man √ľberhaupt mit einem Archiv umgeht, wie man es f√ľr zukunftsgewandte Fragestellungen produktiv machen kann ‚Äď es also in einer Form lebendig werden l√§sst, so dass damit als einem kontextbasierten, wandelbaren, interaktiven und unabgeschlossenen Format weitergearbeitet werden kann.
√úberraschend war die Vielzahl an k√ľnstlerischen Formaten und unterschiedlichen Herangehensweisen, die in den letzten 30 Jahren im Rahmen von alpha nova & galerie futura entwickelt und erprobt wurden. Gleichzeitig zeigte sich, dass bestimmte Themenkomplexe, wie z. B. die Auseinandersetzung mit Identit√§ten, Lebensl√§ufen und gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen wiederkehren, also aktuell bleiben, wenn auch mit immer wieder anderen k√ľnstlerischen Ans√§tzen umgesetzt.

AVIVA-Berlin: Die Br√ľcke vom Gestern zum Heute schl√§gt die intergenerative Gruppenausstellung "Welcome to Futuristan" im Kunstquartier Bethanien im August 2016. Im Rahmen dieser finden eine Podiumsdiskussion, Performances, Workshops sowie eine F√ľhrung durch die Ausstellung statt. Inwieweit unterscheiden sich die gro√üen Themen, was sind die Gemeinsamkeiten in den Arbeiten und Ans√§tzen der K√ľnstlerinnen?

Katharina und Dorothea: Wir haben f√ľr die Ausstellung "Welcome to Futuristan" bewusst K√ľnstlerinnen verschiedener Generationen eingeladen. Mit fast allen hat alpha nova & galerie futura bereits in den letzten vielen Jahren zusammengearbeitet. In der Ausstellung verdichtet sich unser Anliegen, dass jede dieser K√ľnstlerinnen aus ihrer Zeit, aus ihrem Kontext und aus ihrer Erfahrungswelt sprechend, ihre Perspektiven auf Zukunft entwickelt oder das, was sie ausmachen k√∂nnte.
So divers die Inhalte, Formate und Perspektiven der Positionen auch sein m√∂gen, so gibt es auch das was sie miteinander verbindet und uns als Kuratorinnen besonderes interessiert hat. Auff√§llig ist, und das generationen√ľbergreifend, dass viele K√ľnstlerinnen sich mit biografischen Aspekten besch√§ftigen. In manchen Werken bildet sogar ihre Person bzw. ihre unmittelbare Lebens- und Erfahrungswelt den Ausgangspunkt, um sich in der Auseinandersetzung mit Geschichte(n) und Gegenwart schlie√ülich dem Vision√§ren zu n√§hern. Dabei spielt der Blick zur√ľck in die (eigene) Geschichte eine entscheidende Rolle. Die Bedeutung von weiblichen Pers√∂nlichkeiten und Identifikationsfiguren ist sehr pr√§sent in vielen der Werke. Dabei geht es sowohl darum, in den offiziellen Geschichtsschreibungen bislang marginalisierte weibliche Biographien sichtbar zu machen und auf Auslassungen in der Geschichtsschreibung hinzuweisen, als auch darum Bewunderung f√ľr diese Frauen auszusprechen, sie (nachtr√§glich) zu w√ľrdigen. Dahinter stehen auch vielfach der Wunsch und das Anliegen zu empowern sowie zukunftsgewandte Ideen f√ľr andere, z.B. dekolonisierende Formen der Wissensproduktion zu entwickeln.
Gemeinsam haben die Arbeiten auch, dass sie konkret sind, thematisch arbeiten und benennen. Somit wird der k√ľnstlerischen Arbeit auch eine Vermittlungsrolle zugesprochen, jedoch ohne einfach Mittel zum Zweck zu sein. Denn nat√ľrlich bleibt trotzdem noch viel Raum f√ľr die eigene Imagination. Auch medial stehen sich die K√ľnstlerinnen nahe. Viele der Arbeiten sind Rauminstallationen bzw. arbeiten mit dem Raum. Das Medium Video ist dabei zentral.

Da jede der K√ľnstlerinnen einen anderen Erfahrungshintergrund hat, sind die konkreten Inhalte ihrer Positionen und letztendlich ihre Visionen selbstverst√§ndlich sehr verschieden. Hier zeigen sich auch generationsspezifische Unterschiede, wenn z. B. Gisela Weimann, noch im 2. Weltkrieg geboren und im Nachkriegsdeutschland aufgewachsen, sich in ihrer Arbeit mit Kriegstraumata besch√§ftigt.

AVIVA-Berlin: Im Rahmen der Ausstellung habt ihr Wikipedia-Seminare f√ľr Frauen* in Kunst und Kultur// Art and Feminism initiiert. Ziel der Workshops ist es, den Frauenanteil in Wikipedia zu erh√∂hen um so den Anteil von Autor*innen sowie die Sichtbarkeit von K√ľnstler*innen, Institutionen, Theoretiker*innen und feministischer Perspektiven in der Kunst zu st√§rken. Was kann eurer Meinung nach noch getan werden, um der geringeren Sichtbarkeit und geringeren Pr√§senz von Frauen insbesondere im Kulturbetrieb entgegen zu wirken?

Katharina und Dorothea: Durch kontinuierliches politisches Engagement, diese Unterrepr√§sentation (immer wieder) aufzuzeigen und √∂ffentlich zu diskutieren, kann ein Verst√§ndnis und eine erh√∂hte Sensibilit√§t innerhalb von Institutionen, Orten und Kollektiven entstehen. Im besten Fall hat das Einfluss auf die Selbstverst√§ndnisse von Ausstellungsorten, die dann bewusster damit umgehen, wen sie einladen und wo sie ihre Schwerpunkte setzen. Durch das Engagement von Frauenrechtler*innen, K√ľnstler*innen und Kulturarbeiter*innen in den letzten vier Jahrzehnten ist ja auch schon einiges bewegt und ver√§ndert worden. Wichtig ist, weiterhin Druck zu machen und eine √Ėffentlichkeit daf√ľr herzustellen, dass einfach immer noch geschlechtliche Ungleichheitsstrukturen im Kunstfeld ‚Äď wie auch in allen anderen gesellschaftlichen Feldern ‚Äď bestehen und sich fortsetzen. Dazu muss man sich nur mal die Zahlen ansehen, mit denen Frauen in gro√üen Kunstinstitutionen und Museen als K√ľnstlerinnen vertreten sind oder welche Preise sie auf dem Kunstmarkt erzielen: Das ist ein Bruchteil von dem, was ihre m√§nnlichen Kollegen verdienen. Es muss politisch noch st√§rker daran gearbeitet werden, normative (Frauen-)Bilder, Rollen und Strukturen aufzul√∂sen und zu diversifizieren. Schlussendlich f√ľhrt das dann auch zu einer anderen Art der Besprechung von Kunst. Denn es geht ja nicht nur um frauenpolitische Positionen in Kunst und Kultur, sondern um eine generelle Diversifizierung, die das m√§nnliche K√ľnstlergenie als Norm obsolet werden l√§sst.

Angebote wie Wikipedia-Seminare f√ľr Kulturarbeiter*innen tragen zum Beispiel nicht nur dazu bei, K√ľnstlerinnen, Aktivistinnen oder feministischen Orte eine gr√∂√üere Sichtbarkeit und Anerkennung zu verschaffen durch einen Wikipedia-Eintrag. Sie r√ľtteln an den Grundfesten, an den auch in der Wikimedia m√§nnlich dominierten Strukturen, wenn sie versuchen, mehr Frauen und feministisch Akteur*innen als Autor*innen in der Wikimedia zu etablieren.

Nur wenn sich an den Strukturen und an den Selbstverst√§ndnissen etwas ver√§ndert, ver√§ndern sich auch die Inhalte, Schwerpunkte und damit auch ungleiche Bedingungen. Die Aufgabe ist es also auf m√∂glichst vielen Ebenen zu versuchen, strukturell etwas zu bewegen ‚Äď sei es durch das Herstellen von materiellen oder virtuellen (Kunst)R√§umen, in den Medien oder in Institutionen. Hier kann durch kontinuierliche Workshops, Empowerment-Seminare, Austausch- und Vernetzungsangebote interveniert werden. Best√§ndige Vernetzung und Austausch von Akteur*innen, Gruppen und Orten, die an √§hnlichen (Gleichstellungs-)Zielen arbeiten ist nat√ľrlich sowieso unabdingbar. Zusammen ist man einfach sehr viel st√§rker, sichtbarer und durchsetzungsf√§higer.
Wichtig ist es aber auch, das Bewusstsein von K√ľnstlerinnen f√ľr die eigene Position zu st√§rken, also auch individuell zu empowern. So kann in einem konkreten Kontext viel besser agiert, gefordert, gek√§mpft und ver√§ndert werden.

AVIVA-Berlin: Die alpha nova-kulturwerkstatt & galerie futura versteht sich bis heute als Ort von und f√ľr K√ľnstlerinnen und zielt auf die F√∂rderung von Frauen im Kunst- und Kulturbereich ab. Die aktuelle Studie "Frauen in Kultur und Medien" des Deutschen Kulturrates fragt u.a. danach, wie Geschlechtergerechtigkeit im Kultur- und Medienbetrieb erreichbar ist.
Welche Erfahrungen macht ihr in eurer Arbeit als Kuratorinnen und welche Empfehlungen w√ľrdet ihr aussprechen?

Katharina und Dorothea: alpha nova & galerie futura zielt mit ihrem feministischen und antirassistischen Ansatz darauf, √Ėffentlichkeiten zu schaffen f√ľr bestimmte geschlechter- und identit√§tspolitische Themen, f√ľr postkoloniale Perspektiven und marginalisierte Positionen ‚Äď generell in der Gesellschaft und speziell im Feld der Kunst sowie die jeweiligen Produktionsbedingungen und Kontexte mitzudenken, mit denen sich die K√ľnstler*innen konfrontiert sehen. Gleichzeitig m√∂chten wir einen Raum f√ľr Reflexion dar√ľber herzustellen, wie kollektiv und nicht-hierarchisch zusammengearbeitet werden kann, wie Inklusion funktionieren kann und welche solidarischen Praxen daf√ľr notwendig und voraussetzend sind. Das hei√üt auch, die eigenen, auch privilegierten Positionen zu reflektieren sowie die unterschiedlichen Ressourcen- und Machtverteilungen, in die wir als Kunstraumleiterinnen eingebunden sind und die wir, wenn auch ungewollt, immer mitproduzieren.

Neben Ausstellungsformaten, in denen K√ľnstler*innen die M√∂glichkeit erhalten sich, ihre Werke und Themen zu erarbeiten und zu pr√§sentieren, versuchen wir vor allem performative, kollaborative, prozess- und gespr√§chsbasierte Formate sowie Workshops anzubieten bzw. in Zusammenarbeit mit anderen zu entwickeln. In den letzten Jahren l√§sst sich beobachten, wie sehr Vernetzung, Austausch und Gespr√§che nachgefragt sind, da es immer schwieriger wird, sich als Individuum eine Sichtbarkeit im Feld der Kunst zu verschaffen, es scheint auch gar nicht mehr so gew√ľnscht zu sein. Vielmehr scheint Solidarit√§t wieder einen h√∂heren Stellenwert zu bekommen.
Wir versuchen aber auch den unterschiedlichen Bed√ľrfnissen der K√ľnstler*innen und Akteur*innen mit denen wir zusammenarbeiten entgegenzukommen, indem wir einen Raum anbieten, der sowohl zu einem gegen√∂ffentlichen werden kann, je nach thematischen Schwerpunkten und Formen der Kollaboration als auch Sprungbrett sein darf f√ľr eine kunstmarktorientierte Karriere.

Kuration ist sowohl eine Arbeit mit Menschen als auch mit deren Arbeiten. Es sind sozusagen Mikrokollaborationen. Biographien sind immer verschieden und somit auch die Erfahrungen vielf√§ltig und unterschiedlich. Eine spannende Erfahrungen f√ľr uns ist sicherlich der jeweilige Prozess vom Ungef√§hren, vom Hauch der Idee, hin zur finalen, konkreten Realisierung ‚Äď meistens ja eine Ausstellungssituation.

Generell ist uns ist wichtig, offen zu bleiben und verschiedene Ankn√ľpfungsm√∂glichkeiten f√ľr K√ľnstler*innen und Kulturarbeiter*innen anzubieten. Idealerweise ergibt sich aus den k√ľrzeren tempor√§ren Kooperationen eine l√§ngerfristige Zusammenarbeit rund um grunds√§tzlichere Fragen und Strategien nach M√∂glichkeiten struktureller Ver√§nderungen im Kunstfeld hin zu gerechterer Verteilung und Inklusion. Das braucht aber kontinuierliches Engagement, Selbstreflexion und prozessbasiertes Arbeiten bei dem nicht zwingend ein "Endprodukt" entsteht.
Oft fehlen jedoch gerade f√ľr diese sehr wichtige langfristige Arbeit die zeitlichen und finanziellen Ressourcen.

AVIVA-Berlin: K√∂nnt ihr uns bitte schon einen kleinen Ausblick geben auf das was alpha nova & galerie sich f√ľr die Zukunft vorgenommen hat? Welche Projekte und Schwerpunkte stehen an im n√§chsten Jahr?

Katharina und Dorothea: Derzeit entwickeln wir das Jahresprogramm f√ľr 2017. Vieles ist und soll nat√ľrlich noch offen bleiben, um auch spontaner auf bestimmte Anfragen, Ereignisse oder Begegnungen reagieren zu k√∂nnen. In jedem Fall werden wir den Schwerpunkt fortsetzen, den wir mit einem Workshop 2014 sowie dem Ausstellungs- und Veranstaltungsprojekt "Prek√§re Kunst: Protest & Widerstand" 2015 begonnen haben: Der Auseinandersetzung mit Fragen von Intersektionalit√§t, konkret mit Alltagsrassismus und strukturellem Rassismus sowie Sexismus im Kunstbetrieb und Strategien, insbesondere Schwarzer K√ľnstlerinnen und K√ľnstlerinnen of Color, diesen entgegenzuwirken. Dazu werden wir wie auch 2014 und 2015 mit der Kuratorin Stacie CC Graham sowie verschiedenen Gruppen und Einzelpersonen zusammenarbeiten. Des Weiteren m√∂chten wir den intergenerativen Aspekt, der im Fokus des diesj√§hrigen Jubil√§umsjahres stand weiter intensivieren. L√§ngerfristig planen wir zusammen mit dem Berliner Kunstraum District und anderen Interessierten eine Diskussions- und Performancereihe rund um die Frage, was feministisches Kuratieren bedeuten kann und was das konkret f√ľr die kuratorische Praxis hei√üt.

Noch im Oktober diesen Jahres wird es eine multimediale Ausstellung von Christa Joo Hyun D` √Ängelo geben, die sich mit Pferdewettsport auseinandersetzt. Hierbei beleuchtet die K√ľnstlerin Facetten von body politics, K√∂rperkult und den Auswirkungen √∂konomischer Macht sowie die Verschr√§nkung von race, class und gender in diesem Feld.
Generell wird alpha nova & galerie futura nat√ľrlich weiterhin Stachel im Berliner Kunstbetrieb sein.

Veranstaltungshinweis:
Feministische R√§ume in Kunst und Politik. Ein generations√ľbergreifendes Gespr√§ch
25. August 2016, 19:00 Uhr

Podiumsdiskussion mit:
Madeleine Bernstorff, Filmkuratorin, Filmemacherin, Autorin, Dozentin
Teena Lange, Projektraumleiterin Gr√ľntaler9, Berlin
Sandrine Micoss√©-Aikins, Kuratorin, Kunstwissenschaftlerin, Aktivistin, Gesch√§ftsleitung Kubinaut ‚Äď Berliner Projektfonds kulturelle Bildung
Sharon Adler, Gr√ľnderin und Herausgeberin von AVIVA-Berlin ‚Äď Online Magazin f√ľr Frauen, Fotografin, Vorstandsvorsitzende der Stiftung ZUR√úCKGEBEN ‚Äď F√∂rderung j√ľdischer Frauen in Kunst und Wissenschaft

Moderatorin: Dr. Marie-Anne Kohl (Gesch√§ftsf√ľhrerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut f√ľr Musik- und Theaterwissenschaften, Universit√§t Bayreuth, Co-Leiterin alpha nova & galerie futura 2012-2015)

In Kooperation mit dem Kunstraum Kreuzberg/Bethanien

Das vollständige Programm ist online unter: www.alpha-nova-kulturwerkstatt.de/projekte

Kontakt
alpha nova & galerie futura
Am Flutgraben 3, 12435 Berlin
mail@alpha-nova-kulturwerkstatt.de
Tel: 030 ‚Äď 370 05 547
www.alpha-nova-kulturwerkstatt.de



Fotos: Sharon Adler