Die AVIVA-Filmauswahl f√ľr die 67. Berlinale vom 9.-19. Februar 2017 - Wissenswertes zu Regisseur_innen, Filmen aus Israel sowie Queer Cinema und Teddy Award - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
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20.06.2018

Die AVIVA-Filmauswahl zur 67. Berlinale vom 9.-19. Februar 2017 - Wissenswertes zu den Regisseurinnen, Filmen aus Israel, Queer Cinema und Teddy Award
Helga Egetenmeier,Sharon Adler

Wie die magere Quote im Wettbewerb zeigt - hier konkurrieren um die goldenen und silbernen B√§r*innen vier Regisseurinnen gegen 14 Regisseure - ist die Geschlechtergerechtigkeit im Filmbusiness noch l√§ngst nicht erreicht. das zeigt auch Pro Quote Regie mit dem "PQR - BERLINALE ‚Äď PANEL - Reality Check". AVIVA liefert allen Film-Addicts eine feine, kleine aber detaillierte √úbersicht zu Filmen von Regisseurinnen, den Teddy-Anw√§rter*nnen und den Places To Be w√§hrend der Berlinale 2017...



... √ľber das √ľppige Berlinale-Angebot.

Pro Quote Regie (PQR)

Zwischen dem 10. und 13.2. trifft sich PQR zum täglichen Bubbletalk an der Potsdamer Straße neben dem Filmmuseum. Als Ehrengäst*innen diskutieren Autorenfilmer*innen des Neuen Deutschen Films und abends erwartet die Besucher*innen ein get together mit Musik verschiedener DJanes.
Unter dem Motto "Mehr Frauen - vor und hinter der Kamera" werden √ľber drei√üig Spots mit Ausschnitten aus Filmen von Regie-Stars wie Maren Ade und Monika Treut, Helke Sander, Sonja Heiss, Marita Neher und vielen weiteren namhaften Filmemacherinnen gezeigt.

Zum ersten Mal ausgeschrieben hat PQR einen Handyfilmwettbewerb. Das Thema: Diskriminierung im Alltag. Die besten drei Clips werden im PQR-Mediabubble w√§hrend der Berlinale mit 500 ‚ā¨ pr√§miert.

Am 12.2.2017 l√§dt PQR zum "Reality Check" in Kooperation mit der Akademie der K√ľnste und dem Maxim Gorki Theater um 14 Uhr zu einer Veranstaltung mit Wissenschaftlerinnen und K√ľnstlerinnen. Anmeldung f√ľr dieses "Stereotypen Happening" unter: info@proquote-regie.de.
Der aktuelle Reality Check: auch im "Kinojahr der Frauen 2016" entstanden nur 15% der Kinofilme unter weiblicher Regie und nur 10% der Fördergelder wurden an Regisseurinnen vergeben.

Die Berlinale 2017

Mit der Weltpremiere von "Django", einem Film √ľber den Gitarristen und Komponisten Django Reinhardt und seine Flucht aus dem von Deutschland besetzten Paris 1943, wird die Berlinale er√∂ffnet. Als Sinti wurde seine Familie von den Nazis verfolgt und schikaniert. F√ľr das Regiedeb√ľt von Etienne Comar spielte die Jazzband Rosenberg Trio die Musik von Django Reinhardts neu ein.

Erstmals vergeben wird dieses Jahr ein Dokumentarfilmpreis, mit einem Preisgeld von 50.000 ‚ā¨, um den Filme aus den meisten Sektionen konkurrieren. In der dreik√∂pfigen Jury sitzt neben Samir die aus "Citizenfour" bekannte Laura Poitras und die Filmkritikerin Daniela Michel.

Wettbewerb

Um einen Goldenen und sieben Silberne B√§ren konkurrieren 18 der 24 ausgew√§hlten Filme, √ľber die die parit√§tisch besetzte sechsk√∂pfige Jury unter dem Vorsitz des niederl√§ndischen Filmemachers Paul Verhoeven entscheidet.

Die Frauen in der Jury

Die tunesische Produzentin Dora Bouchoucha Fourati setzt sich f√ľr arabische und afrikanische Drehbuchentwicklungen ein und produzierte das im letztj√§hrigen Wettbewerb gezeigte "Hedis Hochzeit".
Die amerikanische Schauspielerin Maggie Gyllenhaal, hatte mit "Secretary" ihren Durchbruch und wurde f√ľr ihre Nebenrolle in "Crazy Heart" f√ľr einen Oscar nominiert.
Julia Jentsch begann als Theaterschauspielerin und hatte ihren Kinodurchbruch mit "Die fetten Jahre sind vorbei", gefolgt von "Sophie Scholl - Die letzten Tage", letztes Jahr war sie mit "24 Wochen" auf der Berlinale.

Obwohl uns die Juryauswahl mit einer parit√§tischen Besetzung begl√ľckt, gelingt dies noch nicht in der Auswahl der Wettbewerbsfilme. Unter den achtzehn um einen B√§ren konkurrierenden Filmen, sind nur vier unter der Regie von Frauen entstanden. In unsere nachfolgende Vorstellung aufgenommen haben wir einen weiteren unter weiblicher Regie entstandenen, der jedoch Au√üer Konkurrenz l√§uft. Dazu kommen drei Filme, deren Themen sich Frauen und Weiblichkeiten widmen:

Eine als harmlose Feier unter Freund*innen beginnende Party dramatisiert Regisseurin Sally Potter in "The Party" hin zu den Abgr√ľnden einer als sicher geglaubten b√ľrgerlich-intellektuellen Existenz.

Regisseurin Agnieszka Holland zeigt in "Pokot" die pensionierte Ingenieurin Duszejko, die vermutet, dass sich die Tierwelt rächt, als in einem Bergdorf mehrere Jäger eines mysteriösen Todes sterben.

In "Testr√∂l √©s l√©lekr√∂l" l√§sst die ungarische Regisseurin Ildik√≥ Enyedi zwei zur√ľckhaltende Menschen in einem Budapester Schlachthaus die Angst vor der Zweisamkeit √ľberwinden und in die Welt der Gef√ľhle, des Begehrens und des Gl√ľcks einsteigen.

Die Regisseurin Teresa Villaverde erzählt in "Colo", wie sich eine kleine Familie in Portugal trotz der Wirtschaftskrise zaghaft vorwärts bewegt und neu erfindet.

Au√üer Konkurrenz l√§uft "Viceroy¬īs House" von Gurinder Chadha, die mit "Bend it like Beckham" weltweit bekannt wurde. Hier beleuchtet sie das Ende des British Empire um Lord und Lady Mountbatten im Indien von 1947, in dessen tragische Ereignisse auch die Familie der Regisseurin verstrickt war.

"Sage femme" mit Catherine Deneuve und Catherine Frot l√§uft Au√üer Konkurrenz und erz√§hlt durch diese Grandes Dames des franz√∂sischen Kinos die Geschichte von zwei emotional v√∂llig verschiedenen Frauen. Die Hebamme Claire muss sich gerade in ihrem Beruf neu orientieren, als sich nach 30 Jahren Beatrice, die fr√ľhere Geliebte ihres verstorbenen Vaters, mit ihr treffen will. Sie blockt erst einmal ab, doch dann nimmt dieses kom√∂diantische Drama um die beiden Frauen seinen Lauf. (Regie: Martin Provost)

Die Bars√§ngerin "F√©licit√©" ist eine stolze und unabh√§ngige Frau im turbulenten Kinshasa. Nach dem schweren Unfall ihres Sohnes muss sie Geld f√ľr eine Operation auftreiben und ein atemloser Streifzug durch die Stadt beginnt. (Regie: Alain Gomis)

Marina ist "Una mujer fantástica", eine Transgender-Frau, die nach dem Tod ihres Geliebten mit den Vorurteilen und der Wut seiner Familie konfrontiert wird und um ihr Recht auf Trauer kämpft. Regie Sebastián Lelio.

Berlinale Special

Außergewöhnliche Neuproduktionen und Filme, die aus zeitgeschichtlicher Sicht eine besondere Aufmerksamkeit verdienen, finden ihren Rahmen in dieser Sektion. Seit 2015 gehören die neu entstandenen Berlinale Special Series dazu, die in diesem Jahr keine Regie-Frau eingeladen haben.
Jedoch zeichnet Paula Milne f√ľr das Drehbuch von der in den 1970er Jahren in Westberlin spielenden Agentenserie."Der gleiche Himmel" verantwortlich, an der Kamera stand Judith Kaufmann.

Mit "Maudie" zeigt die Berlinale Special Gala die Lebensgeschichte der kanadischen Malerin Maud Lewis (1903 - 1970), Regie Aisling Walsh (Fingersmith). Die K√ľnstlerin, die seit ihrer Kindheit an einer schweren und qualvollen Form von Arthritis litt und unter √§rmlichen Verh√§ltnissen lebte, fand ihr Gl√ľck in der Malerei, die sie trotz ihrer Behinderung bis zu ihrem Tod ausge√ľbt hat Gro√üartig besetzt mit Sally Hawkins und Ethan Hawke.

Die Dokumentation der Regisseurin Ulrike Pfeiffer gewährt mit "Werner Nekes - Das Leben zwischen den Bildern" gleichzeitig einen Einblick in die Geschichte des Experimentalfilms in Deutschland, wie auch in das Leben des Experimentalfilmers und Forschers um die Film- und Mediengeschichte, der im Januar 2017 starb.

Panorama

Aus den 51 ausgewählten Filmen aus 43 Ländern folgen einige AVIVA-Empfehlungen zu den 21 Panorama Dokumente-Filmen, wie auch zu den 30 Spielfilmen.
Und als Zuschauer*innen nicht vergessen: der Panorama Publikumspreis wird zum 19. Mal f√ľr den besten Spiel- und Dokumentarfilm vergeben und √ľber die von uns abgegebenen Abstimmungskarten gew√§hlt.

Spielfilme im Panorama

In "Tiger Girl", einer der Er√∂ffnungsfilme des "Panorama Specials", (Regie Jakob Lass, Produzentin und Autorin Ines Schiller) ziehen zwei junge Frauen (gespielt von Maria Dragus und Ella Rumpf) schlagkr√§ftig durch Berlin. Temporeich geschnitten, halten sie zuerst nur aufdringliche M√§nner in Schach, doch dann geraten die Schl√§gereien in moralisch fragliche Bahnen. Aus der gegenseitigen Unterst√ľtzung wird Machtgebaren, das die aufkeimende Freundschaft in Frage stellt.

Der weitere Er√∂ffnungsfilm des Panorama Special, "Vazante" von Regisseurin Daniela Thomas, zeigt das Brasilien von 1821, ein Jahr vor der Unabh√§ngigkeit von Portugal. Vor dem Hintergrund des √úbergangs von der Minenausbeutung zur Viehwirtschaft ergr√ľndet der Film den Wandel von Rassen- und Geschlechterverh√§ltnissen 60 Jahre vor dem offiziellen Ende der Sklaverei. Daniela Thomas, Co-Regisseurin vieler Produktionen mit Walter Salles, zeigt damit ihren ersten Film in Eigenregie.

Mit Crowdfunding finanziert, zeigt der f√ľr den Besten Erstlingsfilm nominierte "Kaygi" der Regisseurin Ceylan √Ėzg√ľn √Ėzcelik, das Leben der studierten Soziologin Hasret. Sie arbeitet bei einem t√ľrkischen Nachrichtensender als Journalistin und gelangt in die M√ľhlen der schrittweise voranschreitenden Zensur. Zunehmend leidet sie an Wahnvorstellungen, in denen der Film die politischen Traumata der t√ľrkischen Gesellschaft spiegelt und damit zu einer hochaktuellen Paranoiastudie wird.

Zusammen mit der gefragten Kamerafrau Agnès Godard hat die 1974 in Mazedonien geborene Regisseurin Teona Strugar Mitevska in atmosphärischen Bildern mit "When the Day Had no Name" die Geschichte einer Generation ohne Zukunftsperspektive eingefangen. Anhand der unaufgeklärten Morde an mazedonischen Teenagern zur Zeit des Balkan-Umbruchs, nähert sie sich diesen unsicheren Zeiten, in denen es keine Gerechtigkeit zu geben scheint.

Der serbische Film "Rekvijem za gospodju J.", Regie Bojan Vuletic, folgt der depressiven und in Armut lebenden Jelena, die ihr Leben nicht mehr interessiert, seit ihr Mann vor einem Jahr gestorben ist. Sie bereitet sie ihren Selbstmord vor, doch wie ihr Leben gestaltet sich auch die Organisation ihres Todes schwierig. Weder lässt sich in Serbien eine Waffe mit Munition besorgen, noch kommt sie an ihre ehemaligen Arbeitspapiere, um ihre Töchter finanziell etwas abzusichern.

"Honeygiver Among the Dogs", das Deb√ľt der Regisseurin Dechen Roder, ist ein buddhistischer Film Noir. Sie war bereits 2015 mit dem Kurzfilm "3 Year 3 Month Retreat" auf der Berlinale vertreten.

Rosa, Ende 30, verbringt ihre Zeit damit, ihre Familie finanziell und emotional zu versorgen, anstatt sich ihrem Beruf als Theaterautorin zu widmen. "Como Nossos Pais" der 1969 in São Paulo geborenen, international ausgezeichneten Regisseurin Lais Bodanzky, zeigt eine unter permanentem Erwartungsdruck in die Enge getriebene Frau, die sich auf die Suche nach sich selbst begibt und beschließt, aus ihren gewohnten Verpflichtungen auszubrechen.

Die australische Film- und Fernsehregisseurin Cate Shortland (Somersault, Lore) hat mit "Berlin Syndrome" einen Psychothriller inszeniert, in dem eine junge australische Touristin in einem wie ausgestorben wirkenden Ostberliner Mietshaus um ihr Leben kämpft. Nach dem Roman Berlin Syndrome, den die australische Autorin Melanie Joosten 2012 veröffentlichte. Joosten wurde im Erscheinungsjahr des Buches mit dem Kathleen Mitchell Award als beste Nachwuchsautorin ausgezeichnet.

In "Pendular" legt die 1979 in Rio de Janeiro geborene Regisseurin Julia Murat die Sehnsucht zweier Liebender nach Zugeh√∂rigkeit offen, indem sie die Beziehung einer Tanzk√ľnstlerin und eines Bildhauers mit den Mitteln derer K√ľnste erforscht und daraus eine philosophisch-origin√§re Genderbetrachtung gestaltet.

Panorama-Dokumente

Der Er√∂ffnungsfilm "Belinda", Regie Marie Dumora, nominiert f√ľr den Dokumentarfilmpreis, folgt einem M√§dchen √ľber einen Zeitraum vom 9. bis zum 23. Lebensjahr. In Pflege und im Kinderheim, w√§chst sie, teilweise zusammen mit ihrer Schwester, in prek√§ren Verh√§ltnissen auf. Ihre Gro√üeltern, als Angeh√∂rige der Jenischen Minderheit, von den Nazis verfolgt, hatten sich in einem Konzentrationslager kennengelernt‚Ķ Ein ersch√ľtterndes Dokument einer Lebenswirklichkeit am Rande, der den Jenischen noch immer keinen Platz im europ√§ischen Nationalgef√ľge zugesteht.

Mit Tilda Swinton als Erz√§hlerin, dokumentiert Regisseurin und K√ľnstlerin Lynn Hershman Leeson in "Tania Libre" die kubanische K√ľnstlerin Tania Bruguera und deren Umgang mit ihrer Inhaftierung in Kuba als Dissidentin. Beim Gespr√§ch mit ihrem Therapeuten analysiert sie das revolution√§re Potential von Kunst, w√§hrend er ihrem Trauma durch die Haft nachsp√ľrt. Tania Bruguera, Gr√ľnderin des "Instituto de Artivismo Hannah Arendt" in Havanna plant, bei den Pr√§sidentschaftswahlen 2018 in Kuba zu kandidieren.

In "Tahqiq fel djenna" schickt der Regisseur Merzak Allouache die junge algerische Journalistin Nedjma los zur Recherche √ľber das Bild vom Paradies im Islam. Sie befragt Jugendliche, Religi√∂se, K√ľnstler*innen, Theoretiker*innen und Feministinnen und erh√§lt ein weites Bild von plastischen Schilderungen bis hin zu theoretischen Erl√§uterungen. Eine vielschichtige Analyse der Gefahren, die vom Salafismus und seinem Koranverst√§ndnis ausgehen.

Die Lieblingstante der Regisseurin Lissette Orozco wird bei einem Familienbesuch in Chile 2007 verhaftet und flieht 2011 vor ihrem Prozess. "El Pacto De Adriana", nominiert f√ľr den Dokumentarfilmpreis, zeigt, wie sich die Nichte Schicht f√ľr Schicht hinein arbeitet in die Zeiten der Pinochet-Diktatur, in der ihre einstige Lieblingstante f√ľr den Geheimdienst t√§tig war. Ihre Nachforschungen ergeben ein Bild, das sich in allen Diktaturen finden l√§sst: Jene, denen es gut ging im Terrorregime, leugnen in der Folgezeit ihre Mitschuld.

Den seit 20 Jahren ungeklärten Mord an der sechsjährigen Schönheitskönigin und Kinder-Starlet JonBenet Ramsey aus Colorado versucht Regisseurin Kitty Green in "Casting JonBenet" in einem dokumentarischen und fiktionalen Ansatz zu erfassen. Dazu suchte sie 15 Monate in deren Heimatstadt nach Antworten, Reflexionen und den entstandenen Mythen, indem sie die Einwohner*innen zur Inszenierung der damaligen Ereignisse aus deren Sicht castete und spielen ließ.

√úber zehn Jahre lang hat die f√ľr den Dokumentarfilmpreis nominierte Regisseurin und K√ľnstlerin Andrea Luka Zimmermann einen der h√∂chstdekorierten Vietnam-Veteranen der USA, James Gordon "Bo" Gritz, f√ľr "Erase and Forget" filmisch begleitet. Sie erforscht, wie Machtstrukturen, Militarismus und strukturelle Gewalt den ber√ľhmten US-Veteranen selbst, als auch die politischen Verh√§ltnisse in den USA, gepr√§gt haben.

"F√ľnf Sterne", ebenfalls nominiert f√ľr den Dokumentarfilmpreis, hat das Hotel, in dem die Regisseurin Annekatrin Hendel vier Wochen mit ihrer besten, an Krebs erkrankten Freundin Ines Rastig verbringt. Sie kennen sich seit 33 Jahren und bald wird die Freundin aus dieser Freundschaft und einem Leben wegsterben, das fr√ľher mit Familie, Freundschaften und einem ausreichenden Einkommen gef√ľllt war und jetzt von Krankheit, Einsamkeit und Geldknappheit gepr√§gt ist.

Forum

Das 47. Forum zeigt dieses Jahr 43 Filme im Hauptprogramm und legt das Augenmerk auf den Formenreichtum des Dokumentarfilms zwischen Inszenierung, Beobachtung und phantastischer Dokumentation psychischer Empfindungen. F√ľr viele Filmfreund*innen ist das sich zwischen Kunst und Kino bewegende Forum die gro√üe Chance, neue internationale Produktionen aller Formate zu sehen, die es meist nicht ins nationale Kino schaffen.

"Maman Colonelle", nominiert f√ľr den Dokumentarfilmpreis, Regie Dieudo Hamadi, folgt der Arbeit von Honorine, die bei der kongolesischen Polizei einer Einheit zum Schutz von Frauen und Kindern vor Gewalt und Missbrauch vorsteht. Eine vielschichtige Dokumentation mit einer charismatisch-leidenschaftlichen Polizistin, die zeigt, wie die von ihr initiierten kleine Schritte individuell helfen und gesellschaftlich wirken k√∂nnen.

"Chemi Bednieri Ojakhi", Regie Nana Ekvtimishvili und Simon Gross, zeigt dicht dran an den Figuren die Emanzipation einer zweiundf√ľnfzigj√§hrigen Lehrerin, Ehefrau, Mutter und Tochter von ihren engen Familienbanden. Mit humorvollem Anklang wird die Dramatik von Ver√§nderungen klar, die nur bei der j√ľngeren Generation auf Verst√§ndnis sto√üen.

In "House in the Fields", nominiert f√ľr den Dokumentarfilmpreis, zeigt Regisseurin Tala Hadid das Leben zweier junger Frauen einer Berber-Gemeinschaft im marokkanischen Hohen Atlas. Die 16-j√§hrige Khadija muss sich von ihrer Schwester trennen, als diese heiratet und in die Stadt zieht. Doch auch sie tr√§umt von einem Leben au√üerhalb ihrer traditionellen Gesellschaft.

Die Regisseurin Filipa César macht in "Spell Reel" die Spuren eines militanten Kinos während des Befreiungskampfes und der ersten Jahre der Unabhängigkeit in Guinea-Bissau sichtbar und zeigt diese Filme vor Ort als eine Form der Zeitzeug*innenschaft.

"Dr√īles d¬īoiseaux", Regie Elise Girard, sind die junge Mavie und der alte Buchh√§ndler Georges, zwei Einzelg√§nger*innen und B√ľcherliebhaber*innen, die sich ihres Altersunterschieds, wie auch ihres erotischen Interesses aneinander bewusst sind. Eine z√§rtliche Geschichte voller Geheimnisse um zwei einsame Menschen.

Regisseurin Laura Schroeder l√§sst in "Barrage" Catherine nach zehn Jahren zu ihrer Tochter zur√ľckkehren. Doch nach dieser langen Abwesenheit wird aus dieser entfremdeten Bindung keine einfache Beziehung.

Eine konzentrierte Studie in einer der größten Geburtsstationen der Welt in Manila zeigt Regisseurin Ramona S. Diaz mit "Bayang Ina Mo". Das bloße Geschehen beobachtend, folgt die Kamera drei Protagonistinnen während ihres Aufenthalts an diesem Ort, an dem täglich bis zu 100 Babys geboren werden.

"Shu¬īour akbar min el hob", Regie Mary Jirmanus Saba, f√ľhrt anhand der Erinnerung an die Fabrikproteste im Beirut Anfang der 1970er Jahre zur Frage der M√∂glichkeit von Militanz in Kino und Gesellschaft.

Regisseurin Ashley McKenzie zeigt in "Werewolf" ein prekär lebendes Paar, das an einem Methadonprogramm teilnimmt. Die sich während des Entzugs entwickelnden persönlichen Veränderungen stellen auch ihre bisherige Beziehung in Frage.

"Jassad Gharig": In eine komplizierte Ménage-à-trois verwickelt Regisseurin Raja Amari zwei Illegale und eine ehemalige Einwanderin, die nun eine vermögende Witwe ist. Nah an der Figur Samia ist es das Portrait einer entschlossenen jungen Frau auf der Suche nach einem freien Leben.

"Tinselwood", Regie Marie Voignier, ist eine filmische Ann√§herung an den S√ľdosten Kameruns und ihrer Bewohner*innen. Als historische Skizze komponiert, √ľberlagert die Regisseurin die brutale Kolonialvergangenheit mit einer Gegenwart im Stillstand.

"For Ahkeem", Regie Jeremy S. Levine und Landon Van Soest: Daje ist 17 Jahre alt und lebt als junge Woman of Colour in St. Louis, Missouri, unweit von Ferguson, wo im August 2014 Michael Brown erschossen wurde. Das komplizierte Leben der Protagonistin erscheint eher als Spielfilm denn als Dokumentarfilm und Sozialreportage.

Eine sch√∂ne Tradition sind Langzeitdokumentationen, wie die der Regisseurin Ma Li, die f√ľr ihren f√ľnfst√ľndigen "Qui" √ľber ein Jahr Patient*innen in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik im Norden Chinas beobachtet hat. Dabei stellte sie die Frage nach der durchl√§ssigen Grenze zwischen Normalit√§t und Wahn.

Perspektive Deutsches Kino

Die 14 eingeladenen Filme sind geprägt von der Generation Millennials, zu der auch die größtenteils Anfang 30 jährigen Regisseur*innen, gehören, die um die Jahrtausendwende erwachsen wurden.

Exemplarisch daf√ľr steht der Spielfilm "Millennials" von Jana B√ľrgelin, ein dokumentarisch anmutendes, bedr√ľckendes Gro√üstadtm√§rchen. Nominiert als Bester Erstlingsfilm √ľber eine Generation, die nach dem Sinn sucht und ihn auch nicht in der Technik findet, die sie beherrschen, folgt er ein paar Freund*innen bei ihrer Suche.

"Back for Good", ist das Langfilmdebut der Regisseurin Mia Spengler, wie auch Eröffnungsfilm der Perspektive 2017 und nominiert als Bester Erstlingsfilm. Drei Frauen aus drei Familiengenerationen werden durch Drogenentzug, Geldnot und Zusammenbruch vereint. Aus diesen zusammenfallenden Katastrophen ergibt sich die Chance, sich zu verändern.

Nominiert als Bester Erstlingsfilm, zeigt Regisseurin Mascha Schilinski, in "Die Tochter" die Probleme von Trennungskindern. Die siebenj√§hrige Luca muss ungewollt mit der Ver√§nderung ihrer Position gegen√ľber den getrennten Eltern umgehen, Abstand und N√§he definieren sich neu. Als die Erwachsenen dann wieder Ver√§nderungen vorgeben, kommt die Welt des Kindes erneut durcheinander.

Am Berlinale Publikumstag pr√§sentiert die Perspektive die Preistr√§gerin des diesj√§hrigen Spielfilmwettbewerbs "Max Oph√ľls-Preis 2017" Monja Art mit "Siebzehn", √ľber die junge Internatssch√ľlerin Paula, die heimlich in ihre beste Freundin verliebt ist. Am gleichen Tag zu sehen gibt es die letztj√§hrige Dokumentarfilm-Gewinnerin Susanne Regina Meuers des "First Steps Award 2016" mit "Raving Iran" √ľber zwei Techno-DJs in Teheran.

Queer Cinema und Teddy Award

Der diesj√§hrige Special Teddy Award geht an die Regisseurin, Produzentin und Autorin Monika Treut, die das feministische und lesbische Kino und die unabh√§ngige Filmszene seit den 80er Jahren pr√§gte. Ihre Dokumentation "Gendernauts" gewann 1999 den Teddy Award als bester Dokumentarfilm. Auf der Berlinale wurden seit ihrem Spielfilmdeb√ľt 1985 mit Elfi Mikesch, "Verf√ľhrung: Die grausame Frau", mehr als zw√∂lf ihrer Filme pr√§sentiert. Aus Anlass der Preisvergabe am 17. Februar zeigt das Panorama ihren zweiten Spielfilm, den Klassiker "Die Jungfrauenmaschine", aus dem Jahr 1989.

Der diesj√§hrige Teddy Award wird zum 31. Mal im Rahmen der Berlinale am 17.2.2017 im Haus der Berliner Festspiele verliehen. Damit werden Filme und Filmschaffende ausgezeichnet, die mit queeren Themen und filmischem Engagement einen Beitrag f√ľr mehr Toleranz, Gleichstellung, Akzeptanz und Vielfalt in der Gesellschaft leisten.

Der bedeutendste queere Filmpreis der Welt, der Teddy Award, wird in den Kategorien bester Spielfilm, bester Dokumentar-/Essayfilm und bester Kurzfilm, sowie als Publikumspreis vergeben, dabei konkurrieren Filme aus allen Sektionen die hier kurz vorgestellt werden.

In "Ri Chang Dui Hua" geht die taiwanesische Regisseurin Hui-chen Huang ihrer Familiengeschichte nach. Doch oft schweigt ihre Mutter und geht der Kamera in der gemeinsamen Wohnung aus dem Weg. Von den Eltern auf dem Land verheiratet, lie√ü sie sich sp√§ter scheiden, um in der Stadt das Leben eines Tomboys zu f√ľhren.

Die zeitlebens offen lesbisch lebende Ausnahmek√ľnstlerin und S√§ngerin "Chavela" Vargas (1919 - 2012), portr√§tieren Catherine Gund und Daresha Kyi. Sie verkehrte in den 1960er Jahren mit der amerikanischen High Society in Acapulco, hatte unz√§hlige Aff√§ren und wurde Alkoholikerin. Das letzte Konzert der Geliebten von Frida Kahlo, organisiert von Pedro Almod√≥var - in dessen Filmen sie immer zu h√∂ren sein wird - fand kurz vor ihrem Tod in Madrid als eine Hommage an den von ihr und Almod√≥var verehrten Federico Garc√≠a Lorca statt, dessen Poesie sie mit ihrer unvergleichlichen Stimme interpretierte.

"Karera ga Honki de Amu toki wa" der japanischen Regisseurin Naoko Ogigami geht der m√∂glichen Selbstverst√§ndlichkeit nicht-normativer Sexualit√§ten und dem Wert von Familie nach, die sich durch F√ľrsorge und Liebe definiert. Es ist die Geschichte der 11-j√§hrigen Tomo, verlassen von ihrer √ľberforderten, alleinerziehenden Mutter, die von ihrem Onkel und dessen Freundin, der Transfrau Rinko, aufgenommen wird.

"Casa Roshell", Regie Camila Jos√© Donoso, nominiert f√ľr den Besten Erstlingsfilm, ist eine ungew√∂hnliche Einrichtung in der mexikanischen Hauptstadt. Dort lernen M√§nner tags√ľber, wie sie f√ľr die n√§chtliche Party zur Frau werden und beim anschlie√üenden Feiern jegliche Grenzen zwischen Geschlechtern und Realit√§ten verschwimmen.

"Fluido", das parapornografische Science-Fiction-Undergroundwerk der Filmemacherin und Multimediak√ľnstlerin Shu Lea Cheang, gedreht in Berlin, verbindet die Macht um die K√∂rperfl√ľssigkeiten mit der √ľbergeordneten √Ėkonomie zu einem experimentellen Drama.

Mit beeindruckendem Archivmaterial verschafft Regisseurin Andrea Weiss in "Bones Of Contention" Francos Opfern aus der LGBTIQ*-Community Gehör, wie dem spanischen Schriftsteller Federico García Lorca. Obwohl Spanien heute im Umgang mit Homosexualität zu den fortschrittlicheren Ländern Europas gehört, verweigert es nach wie vor eine umfassende strafrechtliche Aufarbeitung seiner dunklen Vergangenheit.

Das feministische M√§rchen "The Misandrists" von Bruce LaBruce begleitet die weiblich-radikale "Army of Lovers" bei ihrer Revolution f√ľr eine m√§nnerlose Welt - sarkastisch, komisch und "so queer wie m√∂glich".

J√ľdisches Leben und Filme aus Israel

Der bei der Berlinale 2016 mit dem Publikumspreis ausgezeichnete "Junction 48" von Regisseur Udi Aloni läuft seit 19. Januar 2017 regulär in den deutschen Kinos. Er thematisiert die persönlichen Lebensereignisse von Tamer Nafar, Frontmann der ersten palästinensischen Rap-Gruppe DAM in einem Film der Hoffnung auf ein gleichberechtigtes Zusammenleben.

Der israelische Filmklassiker "Avanti Popolo" von Regisseur Rafi Bukaee feiert in seiner digital restaurierten 2k-Fassung der Jerusalem Cinematheque ‚Äď Israel Film Archive im Rahmen von Berlinale Classics seine Internationale Premiere. Die schwarze Tragikom√∂die √ľber die Absurdit√§t des Krieges von 1986 erz√§hlt die Geschichte zweier versprengter √§gyptischer Soldaten, die im Juni 1967 am Ende des Sechstagekrieges durch die Sinai-W√ľste irren. Bukaee spielt mit den stereotypen Vorstellungen von Israelis und Arabern √ľbereinander und ist ein Appell gegen den Krieg an sich. Der Film war 1987 Israels Oscar-Kandidat. Heute z√§hlt er zu den bedeutendsten und popul√§rsten Filmen der israelischen Filmgeschichte. Der Film wird in Arabisch, Hebr√§isch, Englisch mit engl. Untertiteln gezeigt.

"1945" von Ferenc T√∂r√∂k, basiert auf der Kurzgeschichte "Homecoming" von G√°bor T. Sz√°nt√≥, und gewann auf dem 20. Miami Jewish Filmfestival den Publikumspreis. Als zwei orthodoxe Juden, Vater und Sohn, √úberlebende des Holocaust, im August 1945 auf dem Bahnhof eines Dorfes ankommen, ist die einzige Sorge der die Dorfbewohner*innen, dass diese ihren zu Unrecht enteigneten Besitz zur√ľckhaben wollen.
Antisemitismus in Ungarn ‚Äď gestern und heute.

In Daniel Manns "Motza el hayam" meldet sich ein Geschichtslehrer nach Scheidung und Jobverlust als Reservesoldat. Er verzögert jedoch den Antritt und trifft auf eine ausländische Journalistin, die einen Weg nach Gaza sucht, gemeinsam driften sie durch ein Land im andauernden Kriegszustand.

"Menashe", Regie Joshua Z. Weinstein, möchte nach dem Tod seiner Frau das Sorgerecht seines Sohnes behalten, aber die chassidische Gemeinde Brooklyns verlangt ein geordnetes Leben und eine neue Ehefrau, doch der Einzelgänger tut sich mit beidem schwer.

"Call Me by Your Name" von Luca Guadagnino ist ein z√§rtlicher Film √ľber die gro√üe Liebe und ein unerwartetes Coming-out im sonnigen Norditalien nach dem Roman des j√ľdisch-amerikanischen Schriftstellers und Literaturwissenschaftlers Andr√© Aciman. Im Sommer 1983 lernen sich der charmante Amerikaner Oliver, wie der 17-j√§hrige Elio Jude, kennen. Langsam gelingt ihnen eine Ann√§herung. Ein Film, der auch zu den Teddy-Anw√§rter*innen geh√∂rt.

"Bickels" von Heinz Emigholz, beschäftigt sich mit der Architektur Samuel Bickels, der von den 1950er bis in die 1970er Jahre zahlreiche Kibbutzbauten und Museen in Israel realisierte.

Im Frankfurt des Jahres 1946 spielt "Es war einmal in Deutschland..." Regie Sam Garbarski, nach der Teilacher-Trilogie von Michel Bergmann, der auf humorvolle Art die Nachkriegsgeschichte der Frankfurter Juden thematisiert und scheinbar beiläufig große Fragen behandelt.

Amos Gitai nimmt in der Essay-Ausstellung "The Law of the Pursuer" die Themen und Fragestellungen seines Film "Rabin, the Last Day" (2015) wieder auf, der sich mit der Ermordung des israelischen Premierministers Yitzhak Rabin am 4. November 1995 beschäftigt.

Books at Berlinale

Am 14. Februar gibt es bei "Books at Berlinale" f√ľr Filmproduzent*innen zw√∂lf neue Stoffe f√ľr Literaturverfilmungen zu entdecken. Die ausgew√§hlten Romane werden bei einem Pitching im Rahmen des Berlinale Co-Production Market vorgestellt. Beim anschlie√üenden Get-Together k√∂nnen die geladenen Produzent*innen direkt nach der Pr√§sentation der B√ľcher mit den renommierten, international aktiven Verlagsvertreter*innen und Literaturagent*innen, die die Filmrechte besitzen, ins Gespr√§ch kommen. Sie k√∂nnen Kontakte zur internationalen Buchwelt aufbauen und pflegen oder m√∂glicherweise sogar gleich √ľber Optionen f√ľr Filmrechte der ausgew√§hlten B√ľcher verhandeln.

Die zw√∂lf B√ľcher der diesj√§hrigen "Books at Berlinale"-Auswahl kommen von Verlagen und Agenturen aus Belgien, Brasilien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Gro√übritannien, den Niederlanden, Norwegen und der Schweiz. Es wurden rund 130 Stoffe aus √ľber 30 L√§ndern f√ľr das Programm eingereicht.
Darunter erz√§hlen gro√üe historische Stoffe, die auf tats√§chlichen Ereignissen und Personen basieren u.a. von der Biographie des Bankiers Hugo Simon, Wegbegleiter von Thomas Mann und vielen anderen K√ľnstler*innen, der mit seiner Familie aus Berlin ins brasilianische Exil fl√ľchten musste und von der Tochter von James Joyce, die als Verlobte von Samuel Beckett als T√§nzerin im Paris der 1920er Jahre ihre Bestimmung suchte. Unter diesen zw√∂lf ausgew√§hlten Romanen sind zwei von Frauen, Maja Lunde mit "The History of Bees" und Annabel Abbs mit "The Joyce Girl".

Generation

Seit 40 Jahren gibt es auf der Berlinale die Sektion Generation, in der ein internationales Programm f√ľr Kinder und Jugendliche zusammengestellt wird, das auch viele Erwachsene anzieht. Diese engagierte Sektion thematisiert neben coming-of-age-Filmen auch gesellschaftliche Umbr√ľche und geschlechtliche Identit√§tsfindungen.

"Estiu 1993" von Carla Sim√≥n, nominiert als Bester Erstlingsfilm, f√ľhrt einf√ľhlsam in den Sommer 1993 der sechsj√§hrigen Frida, deren Mutter gerade an AIDS gestorben ist. Von ihrem Onkel und seiner Familie aufgenommen, zeigt der Film ihren schweren √úbergang in ihr neues Leben und die Verarbeitung des Todes ihrer Mutter.

Gleichfalls nominiert als Bester Erstlingsfilm ist "Freak Show" von Trudie Styler. Als High-School-Komödie verkleidet, folgt der Film dem zwischen Lady Gaga und Oscar Wilde angesiedelten Protagonisten Billy Bloom und zeigt an ihm die Gewalt des Konformismus und die Kraft des Selbstentwurfs.

"Almost Heaven" von der preisgekr√∂nten Regisseurin und Cutterin Carol Salter, ist f√ľr deren Portrait eines jungen M√§dchen auf ihrem Weg ins Erwachsenenleben f√ľr den Dokumentarfilmpreis nominiert. Weit weg von zu Hause macht die 17-j√§hrige Ying Ling eine Ausbildung als Leichenbestatterin in Chinas gr√∂√ütem Beerdigungsinstitut.

Jackie van Beek folgt in "The Inland Road" dem 16-j√§hrigen Maorim√§dchen Tia √ľber die S√ľdinsel Neuseelands und zeigt einen Einblick in das komplizierte Gef√ľhlsleben einer rastlosen jungen Frau.

Als Dokumentation zeigen die Zwillinge Annika und Jessica Karlsson in "Loving Lorna" das ärmliche Leben der 17-jährigen Lorna, die schon als Baby auf einem Pferd saß. Sie wohnt mit ihrer Familie in Ballymun, einem sozial benachteiligten Vorort von Dublin, in dem Pferde seit Generationen zum Leben dazu gehören.

"Mulher do pai", Regie Cristiane Oliveira, folgt dem Leben der 16-j√§hrigen Nalu, die sich nach dem Tod der Gro√ümutter um ihren blinden Vater k√ľmmern muss. In einem kleinen brasilianischen Dorf lebend, vertraut sie sich der Kunstlehrerin an und sch√∂pft dadurch Hoffnung auf ein eigenes Leben, doch dann wendet sich diese ihrem Vater zu.

Die zehnj√§hrige Jarka w√ľnscht sich in Iveta Gr√≥fov√°s "Piata Iod¬ī" eine richtige Familie und ein Haus am Meer, statt einer Mutter, die sie als Freundin betrachtet. Als sie ein auf sich gestelltes Zwillingspaar trifft, √ľbernimmt sie, zusammen mit einem Freund, bei ihnen die f√ľrsorgliche Elternrolle.

"Shkola nomer 3" von Yelizaveta Smith und Georg Genoux, nominiert f√ľr den Dokumentarfilmpreis, ist die Fortf√ľhrung des Theaterprojekts "My Mykolaivka", das sich einer Wahrheitssuche mit √§sthetischen Mitteln verschrieben hat. 13 Jugendliche einer Schule in Donbass erz√§hlen in den vertrauten R√§umen von ihrem Alltag.

Mit dokumentarischer Bildsprache begleitet Maria Novaro in "Tesoros" den siebenj√§hrigen Dylan, der gerade nach Barra de Potosi gezogen ist, einem mexikanischen Paradies an der Pazifikk√ľste. W√§hrend die Kinder einen Piratenschatz suchen, er√∂ffnet die Kamera einen intimen Einblick in das Zusammenleben der Bewohner*innen.

Aus "Uilenbal" entwickelt sich ein cooles, mit Musicalpassagen bereichertes Lehrst√ľck √ľber die Wunder der Natur unter der Regie von Simone van Dusseldorp um die junge Meral, die neu in der Stadt ist und sich erst mit den neuen Mitsch√ľler*innen anfreunden muss.

Und sonst noch...

Mit der Berlinale Kamera 2017 wird die Produzentin und Verleiherin Nansun Shi ausgezeichnet. Sie ist eine der einflussreichsten und wichtigsten Produzentinnen und Verleiherinnen im internationalen Filmgeschäft, dem sie sich seit Anfang der 1980er Jahren widmet, 2007 war sie Mitglied der Internationalen Jury der Berlinale.

Den Goldenen Ehrenb√§r f√ľr ihr Lebenswerk und eine Hommage gibt es f√ľr die Oscar-Preistr√§gerin und italienischen Kost√ľmbildnerin Milena Canonero. Ihre vielf√§ltige, kunsthistorisch recherchierte Arbeit f√ľhrte sie von Stanley Kubrick bis zu Sofia Coppola, sie inspirierte internationale Modetrends und Modesch√∂pfer*innen. F√ľr den 2014 auf der Berlinale gezeigten "The Grand Budapest Hotel" wurde sie mit ihrem vierten Academy Award f√ľr das Beste Kost√ľmbild ausgezeichnet.

F√ľr Zuschauer*innen, die gleich um die Ecke ins Berlinale-Kino gehen wollen, gibt es sieben Kiezkinos als zus√§tzliche Spielorte in Wilmersdorf, Wedding, Kreuzberg, Sch√∂neberg, Potsdam-Babelsberg, Wei√üensee und Neuk√∂lln.

Um die kulturelle Teilhabe zu fördern, erhalten Menschen mit geringem Einkommen eine Ticketermäßigung von 50 Prozent und bekommen freie Platzkontingente vermittelt.

Die Berlinale spricht eine Spendenempfehlung f√ľr die Kinder- und Jugendabteilung im Zentrum √úberleben aus, in dem Kinder und Jugendliche, die Folter und Kriegsgewalt, Flucht und Verfolgung durchlebt haben, psychosozial und integrativ unterst√ľtzt werden. Weiterhin gibt es Kinopatenschaften mit Gefl√ľchteten und Freitickets f√ľr VHS-Integrationsklassen.

F√ľr den Publikumstag am 19.02.2017, dem letzten Sonntag der Berlinale, gibt es ab Festivalbeginn Karten zum g√ľnstigen Preis.

AVIVA-Tipp: Die Berlinale verspricht wieder eine gro√üe Auswahl an spannenden, emotionalen und informativen Filmen f√ľr jeden Geschmack. Und nicht vergessen, die meisten Filme bieten im Anschluss an den cineastischen Genuss Filmgespr√§che mit den Filmschaffenden an, f√ľr die unbedingt Zeit eingeplant werden sollte. Wir w√ľnschen bereichernde Erfahrungen und ein gutes Durchhalteverm√∂gen f√ľr die weiten Welten auf der Leinwand.

Mehr Infos zur Berlinale und dem Teddy 2017 unter:

www.berlinale.de

www.teddyaward.tv

www.proquote-regie.de