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22.07.2018

Interview mit Roberta Vinci, der Gegnerin von Maria Sharapova nach ihrer Doping-Sperre
Sylvia Rochow

Nach insgesamt 110 Wochen an der Spitze der Doppel-Weltrangliste sorgte die italienische Tennisspielerin Roberta Vinci bei den US Open 2015 auch im Einzel für Schlagzeilen und bezwang im Halbfinale Serena Williams.



Neben bislang fünf Grand Slam-Titeln im Doppel gewann Vinci unter anderem auch bereits vier Mal den Fed Cup mit Italien. Vor ihrem ersten Match in Stuttgart traf sich AVIVA mit der 34-Jährigen zum Gespräch.

AVIVA-Berlin: Jetzt wurde schon so viel über das erste Match von Maria Sharapova nach ihrer Doping-Sperre gesprochen – Sie werden die Gegnerin sein. Sind Sie zufrieden mit dieser Auslosung?

Roberta Vinci: Ja, ich bin eigentlich ganz glücklich damit. Es wird bestimmt ein interessantes Match in der ersten Runde, aber natürlich auch ein schwieriges, kniffliges Match. Das ist aber auch kein Wunder, bei einem so stark besetzten Turnier wie dem Porsche Tennis Grand Prix. Trotzdem, ich bin zufrieden.

AVIVA-Berlin: Wie gehen Sie persönlich mit dem ganzen Rummel um, den das Sharapova-Comeback ausgelöst hat?

Roberta Vinci: Wow, ja, ich habe mich schon gewundert, warum hier so viele Presseleute sitzen – verstehe ich gar nicht. (lacht) Das wird am Mittwoch mit Sicherheit ein riesiges Event – für Maria, für den Tennissport, ganz allgemein. Für mich dagegen ist es ein normales Erstrunden-Match bei einem normalen Turnier. Ich bereite mich genauso vor, wie ich es immer tue und versuche, nicht zu viel darüber nachzudenken, gegen wen ich da antrete.

AVIVA-Berlin: Zahlreiche Spielerinnen haben in den vergangenen Wochen kritisiert, dass Maria Sharapova nicht sozusagen wieder bei null anfangen und sich in der Rangliste nach oben arbeiten muss, sondern eine Wild Card unter anderem hier in Stuttgart sowie für die Turniere in Madrid und Rom erhält. Wie stehen Sie zu dieser Regelung?

Roberta Vinci: Meine ganz persönliche Meinung ist, dass ich es nicht gut finde, dass Maria diese Wild Cards erhalten kann. Keine Frage, sie ist eine großartige Spielerin und ich habe auch gar nichts gegen sie als Person, dennoch finde ich es keine schöne Situation, dass sie nun wahrscheinlich nach ein paar Turnieren, an denen sie aufgrund der Wild Cards teilnehmen darf, direkt wieder in den Top 30 der Weltrangliste stehen wird. Mir ist bewusst, dass Maria für die WTA-Tour wichtig ist und natürlich hat sie für ihren Fehler bezahlt – wenn auch durch die Verkürzung der Sperre etwas weniger, was soll´s –, aber meiner Ansicht nach wäre es besser, sie würde ohne irgendwelche Hilfe wieder einsteigen.

AVIVA-Berlin: Was war dann Ihr erster Gedanke, als Sie mitbekommen haben, dass ausgerechnet Sie es sind, gegen die Maria Sharapova ihr erstes Match nach der Sperre bestreitet?

Roberta Vinci: Es war Samstagnachmittag und ich gerade auf dem Stuttgarter Flughafen angekommen. Irgendjemand meinte: "Du spielst erst am Mittwoch." Da war mir klar, dass ich gegen sie spielen werde. (Anm.: Die Turnierverantwortlichen sicherten Sharapova bereits im Vorfeld zu, ihr Erstrunden-Match erst am Mittwoch, 26. April 2017, bestreiten zu müssen, da die Sperre noch bis einschließlich 25. April läuft.) Im Scherz meinte ich zu meinem Coach: "O.k., dann lass´ uns wieder nachhause fliegen und später wiederkommen." Bereits vier Tage vor dem ersten Match vor Ort zu sein macht die Sache nicht unbedingt einfacher, aber so haben wir eben viel trainiert und ich spiele am Mittwoch. Das ist schon o.k.

AVIVA-Berlin: Einen Ihrer größten Erfolge feierten Sie 2015 bei den US Open, wo sie im Halbfinale völlig überraschend die Weltranglisten-Erste und Topfavoritin Serena Williams schlugen. Sind Sie vielleicht die Frau für die besonderen Siege?

Roberta Vinci: Ich glaube, das kann man nicht vergleichen. Es ist zwar richtig, dass ich jetzt wieder die Möglichkeit habe, eine großartige Spielerin zu schlagen, und vielleicht hilft mir da auch die Erfahrung aus New York, aber es ist doch eine ganz andere Situation. Damals war es das Halbfinale bei einem Grand Slam-Turnier, hier ist es ein Erstrunden-Match. Bei den US Open spielen wir auf Hartplatz, in Stuttgart auf Sand.

AVIVA-Berlin: Erfahrung ist ein gutes Stichwort. Wie sind Ihre Erinnerungen an den Porsche Tennis Grand Prix?

Roberta Vinci: Sehr positiv. Ich denke gerne an das vorige Jahr zurück, da habe ich hier das Viertelfinale erreicht und wie ich finde ein richtig gutes Turnier gespielt. Außerdem liegt mir der Sandplatz, der etwas schneller ist als es Sandplätze üblicherweise sind, und in der Halle spiele ich sowieso gerne.

AVIVA-Berlin: Es heißt, Sie seien auch eine gute Fußballerin.

Roberta Vinci: Oh, na ja…aber wenn das über mich gesagt wird, dann ist es wohl so. (lacht)

AVIVA-Berlin: Spielen Sie nur selbst oder gucken Sie auch gerne Fußball?

Roberta Vinci: Natürlich beides! Fußball ist ein toller Sport. Ich liebe es, hin und wieder selbst zu spielen und ich finde es auch sehr interessant, Fußball zu gucken.

AVIVA-Berlin: Haben Sie ein Lieblingsteam?

Roberta Vinci: Nein, Fan eines bestimmten Clubs bin ich nicht, aber ich verfolge das Geschehen in der italienischen Serie A sehr genau. Bei uns finden die Spiele samstags und sonntags statt, und wenn ich da gerade mal zuhause bin, schaue ich nach Möglichkeit alles im Fernsehen. Wenn ich Zeit habe, gehe ich auch gerne ins Stadion.

AVIVA-Berlin: Sie wohnen in Tarent in Apulien. In welchem Stadion kann man Sie denn antreffen?

Roberta Vinci: Das ist verschieden. Entweder in Palermo oder im Stadio Olimpico in Rom, aber auch in Mailand im Stadio San Siro.

AVIVA-Berlin: Das sind ja nicht die gerade die schlechtesten!

Roberta Vinci: Nein, das stimmt. (lacht) Aber ich war noch nie in dem neuen Stadion von Juventus Turin, dem Juventus Stadium! Da muss ich auf jeden Fall mal hin.

AVIVA-Berlin: Viel Spaß dabei, vielen Dank für das Gespräch und alles Gute fürs Turnier!


Weitere Infos unter: www.twitter.com/roberta_vinci

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Copyright Text und Foto: Sylvia Rochow