A├»ssa Ma├»ga im Interview mit AVIVA-Berlin. ZUM VERWECHSELN ├äHNLICH - ab 13. Juli 2017 im Kino - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
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22.06.2018

Aïssa Maïga im Interview mit AVIVA-Berlin. ZUM VERWECHSELN ÄHNLICH - ab 13. Juli 2017 im Kino
Kristina Tencic

AVIVA-Berlin hat die im Senegal geborene und in Frankreich aufgewachsene Schauspielerin, Drehbuchautorin und Regisseurin A├»ssa Ma├»ga in Paris getroffen. Anlass war ihre Hauptrolle in der franz├Âsischen Kom├Âdie "Zum Verwechseln ├ähnlich" von Lucien Jean-Baptiste, in der ein schwarzes Paar ein wei├čes Baby adoptiert. Das Gespr├Ąch bot auch Raum, um mit ihr ├╝ber ihre eigene Schreibt├Ątigkeit und ihre pers├Ânliche Familiengeschichte zu sprechen.



A├»ssa Ma├»ga wurde im Senegal als Tochter einer senegalesischen Mutter und einem malischen Vater geboren und wurde mit vier Jahren in die Obhut ihrer Tante und Onkels nach Frankreich gegeben. Ihr Vater war ein politisch engagierter Journalist in Mali, der f├╝r seine T├Ątigkeit 1987 (sie war damals 8 Jahre alt) mit Gift ermordet wurde, was f├╝r sie das Schreiben lange zu einer traumatisch behafteten T├Ątigkeit werden lie├č.

Schon fr├╝h hat A├»ssa Ma├»ga den Drang versp├╝rt, Mutter zu werden und mit 21 Jahren ihren ersten von heute zwei S├Âhnen zur Welt gebracht.
Ihr Wunsch, Schauspielerin zu werden, entstand an der Schule, wo sie schon als Teenager Theater spielte. Ein von ihr als zu theoretisch empfundenes Theaterstudium brach sie schnell ab, schaffte es aber bald an die Leinwand. Seither hat sich ihre Karriere steil entwickelt und sie stand, in einigen F├Ąllen preisgekr├Ânt, f├╝r Filmgr├Â├čen wie Michael Haneke, Claude Berri, Cedric Klapisch und Michel Gondry vor der Kamera.
Seit einigen Jahren schreibt sie selbst Drehb├╝cher und verfilmt sie. Au├čerdem engagiert sie sich f├╝r humanit├Ąre Projekte in Afrika und gegen Rassismus. A├»ssa Ma├»ga lebt in Paris.

Zum Film "Zum Verwechseln Ähnlich":

Eigentlich ist es keine gro├če Sache - ein kinderloses Paar m├Âchte ein Baby adoptieren und wartet ├╝ber Jahre hinweg sehns├╝chtig auf den entscheidenden Anruf. Den erhalten sie auch tats├Ąchlich, das Paar mit dem eigenen Blumenladen bekommt einen gesunden Jungen. Von hier an wird es aber zu einer gro├čen Sache - nicht so sehr f├╝r die stolzen und vor Liebe blinden Eltern als vielmehr f├╝r ihre Umwelt - denn das Kind ist hell - und das Paar dunkelh├Ąutig. Eine Tatsache, die neben einigen Verwicklungen die Doppelmoral unserer Gesellschaft zum Vorschein bringt. Denn wer hat sich schon jemals daran gest├Ârt, wei├če Eltern mit einem dunkelh├Ąutigen, adoptierten Kind zu sehen?


Aïssa Maïga 1
Ein recht spezieller Fall: die Alokas (A├»ssa Ma├»ga & Lucien Jean-Baptiste) h├Âren von der Jugendf├╝rsorge, dass ihr Adoptionsvorhaben, sagen wir mal, eher selten ist. ┬ę Neue Visionen Filmverleih



AVIVA-Berlin: Frau Ma├»ga, warum, denken Sie, nimmt die franz├Âsische Kom├Âdie solch eine Einzelstellung im internationalen Geflecht der Kom├Âdien ein? Im Gegensatz zu vielen anderen schafft es die franz├Âsische, ein internationales Publikum zu erreichen und fremde Gesellschaften mit ihren Eigenheiten zum Lachen zu bringen, funktioniert somit kultur├╝bergreifend.

A├»ssa Ma├»ga: Ach ja, ist das so? Das w├Ąre ein gro├čer Erfolg.

AVIVA-Berlin: Mich w├╝rde interessieren, was Sie beim Lesen des Drehbuchs an dieser Kom├Âdie gereizt hat?

A├»ssa Ma├»ga: Ich w├╝rde sagen, es war ein Mix aus mehreren Faktoren: Das Drehbuch war sehr gut geschrieben, sehr klar konstruiert mit gut ausgebauten Charakteren. Bereits beim Lesen hat mich die Geschichte sehr bewegt und zum Lachen gebracht. Au├čerdem fand ich die Idee gewagt, das Thema der Akzeptanz des Anderen und der Differenz durch eine Kom├Âdie anzusprechen. Manchmal m├Âchte man andere zum Lachen bringen, indem man Klischees bedient, und nicht zum Fallen bringt.

Ich h├Ątte den Film nicht gemacht, wenn ich nicht gleich gesp├╝rt h├Ątte, dass sich der Film zu diesen Fragen sehr klar positioniert. In diesem Zusammenhang dachte ich gleich, dass Lucien Jean-Baptiste die n├Âtige Brillanz und Finesse hat, und sehr offen mit dem Thema der Adoption umgeht.

Ich fand auch, dass sich der Film an der Kreuzung einiger Thematiken bewegt, der Akzeptanz des Anderen innerhalb der Familie, aber dann gleichzeitig eben auch in der Gesellschaft. Ich fand das Drehbuch einfach genial und habe Lucien gleich zur├╝ckgerufen. Wir haben uns dann in einem Caf├ę getroffen, damit er mir die Geschichte genauer erz├Ąhlt, bevor ich das Drehbuch eingehender gelesen habe. Ich hatte Lust, es zu m├Âgen und habe es sehr gemocht. Vielleicht hat es auch damit zu tun, mit einem Regisseur zu arbeiten, der gleichzeitig Schauspieler ist. Das bedeutet, dass alle SchauspielerInnen viele Freiheiten hatten - er hat uns behandelt, wie er selbst gerne behandelt werden m├Âchte. Er hat uns die M├Âglichkeit gegeben, mit ihm zu interagieren und das Drehbuch gemeinsam zu gestalten, was ich auch sofort getan habe. Ich wollte meine Ideen einbringen und ├╝ber einzelne Aspekte diskutieren. Vor gut zwei Jahren haben wir hier an dem Tisch, an dem wir nun sitzen, sehr viel gemeinsam an dem Drehbuch gearbeitet.

AVIVA-Berlin: Das Zusammenspiel des Paares, also Ihnen und Lucien Jean-Baptiste, ist sehr lebhaft und bewegend, weshalb ich mich gefragt habe, wie Sie beim Dreh zusammengearbeitet haben. Lucien musste ja stets in seiner Doppelrolle auf die Technik achten und gleichzeitig als Schauspieler ├╝berzeugen.

A├»ssa Ma├»ga: Ich glaube, am Anfang hat er sich etwas Sorgen gemacht, ob er den SchauspielerInnen die n├Âtige Aufmerksamkeit schenken kann. Jedoch war dies sein vierter Film, also kennt er die Kamera und die Technik zunehmend auswendig. Die Atmosph├Ąre beim Dreh war sehr von ihm beeinflusst. Er ist ein sehr positiver Mensch, sehr energetisch, sehr respektvoll mit allen, er hat unendlich viel Enthusiasmus. Ich glaube, das hat alle Schauspieler und Schauspielerinnen auch dazu motiviert, ihn in seinen beiden Rollen zu unterst├╝tzen. Ich hatte Lust, ihm beim Dreh viel abzunehmen - generell habe ich beim Dreh gerne das Zepter in der Hand - damit das Drehen eine reine Freude ist, was es auch wirklich war. Wir haben in einer totalen Komfortzone gearbeitet. F├╝r ihn war es vielleicht etwas schwieriger, da er Feuer und Flamme f├╝r seinen Film war und somit viel Druck auf ihm lag. Er war etwas terrorisiert von seinem eigenen Anspruch, also haben wir versucht, ihn zu beruhigen, wenn die Kamera auf ihn umgeschwenkt hat (lacht).

AVIVA-Berlin: Und hatten Sie beim Dreh auch die M├Âglichkeit zur Improvisation?

A├»ssa Ma├»ga: Ja, wir hatten wir viel Freiraum vor dem Dreh, bei der Pr├Ąparation des Drehbuchs. Ich konnte fast ganze Szenen umschreiben, zum Beispiel die Szene, in der uns das Kind weggenommen wird. Sie war meiner Meinung nach sehr lang und zu explizit. Ich wollte gerne, dass man in zwei drei S├Ątzen Jahre des Wartens, der Dem├╝tigung, des Zweifels und des Schmerzes versteht. Es war toll, dass ich mich so einbringen konnte, da ich wei├č, dass viele Regisseure - und das respektiere ich nat├╝rlich auch - h├Âren und sehen m├Âchten, was sie selbst geschrieben haben.
In der Kom├Âdie ist ja immer auch der Rhythmus und die Interaktion mit den anderen sehr ausschlaggebend f├╝r das Gelingen, also muss man mit der Improvisation etwas zur├╝ckhaltend sein, da es im Gesamtbild Hand und Fu├č haben muss.

AVIVA-Berlin: Ich fand eben genau, dass der Film sehr lebendig ist und einen Rhythmus hat, der sehr gut funktioniert. Die Zuschauerin sp├╝rt als, dass die SchauspielerInnen sich am Set sehr wohl f├╝hlen.

A├»ssa Ma├»ga: Ja, wir haben uns alle wohl gef├╝hlt, da wir sehr gut gef├╝hrt wurden. Lucien lie├č uns nicht in Ruhe, und ich wei├č, dass es wichtig war, dass er das nicht getan hat, da er sehr pr├Ązise Ideen hatte. Man w├╝rde es ihm nicht zutrauen, aber dieser coole Typ ist ein sehr ehrgeiziger und flei├čiger Regisseur. Er wusste genau, was er von jeder/m einzelnen wollte, von jeder einzelnen Szene, und ich glaube, das hat allen weitergeholfen. Wir witzeln nat├╝rlich viel beim Dreh und da war es sehr wichtig, jemanden zu haben, der sich sehr bewusst dar├╝ber ist, was hier vor sich geht, wie dieser Dialog gesprochen werden muss und diese Szene auszugehen hat - er hatte jede Einzelheit im Kopf!

AVIVA-Berlin: Kommen wir noch einmal zum Drehbuch zur├╝ck - hat es Sie beim Lesen auch auf pers├Ânliche Erfahrungen zur├╝ckgeworfen?

A├»ssa Ma├»ga: Ja und nein - ich bin nicht in der gleichen famili├Ąren Konstellation wie meine Figur im Film aufgewachsen, vor allem, da ich keine traditionelle Erziehung erhielt. Mein Vater war Journalist und starb, als ich noch sehr jung war. Ich glaube nicht, dass er mir irgendetwas aufgezwungen h├Ątte, weder Religion, noch wen ich heiraten solle. Schon als Kind wurde ich mir dar├╝ber bewusst, dass er mir viel Freiheiten lie├č. Meine Tante und mein Onkel, die mich erzogen, sind da sehr verschieden. Aber in meiner weiter entfernten Verwandtschaft konnte ich mich von ein paar Pers├Ânlichkeiten inspirieren, etwa von anderen Tanten oder Onkeln, oder auch ein paar FreundInnen, die nicht unbedingt aus Afrika kommen.

Denn schlu├čendlich erz├Ąhlt das Drehbuch davon, dass man als Eltern einen Wunsch hat und eine Idee davon, was gut ist f├╝r das eigene Kind, was uns die Kultur vorgibt, und das konnte ich bei urfranz├Âsischen wie auch bei ausl├Ąndischen FreundInnen beobachten. Das Interessante daran ist, dass man von seinen eigenen Erfahrungen gepr├Ągt ist, aber auch von denen anderer. Das war auch in unseren Brainstorming Meetings mit Lucien spannend, da viele Erfahrungen wieder hochkamen, die ich dann mit ihm geteilt habe - selbst wenn es nicht unbedingt meine eigens erlebten waren. Es ist nat├╝rlich eine wahnsinnig schmerzhafte Erfahrung, wenn die eigenen Eltern den/die PartnerIn ablehnen, oder ein Kind von einem gemischt-hautfarbigen Paar.

Lucien hat mir auch von seiner Ankunft in Frankreich erz├Ąhlt, in den 60er Jahren in Creteil (in der Pariser Banlieu), und ich glaube, selbst wenn nicht alles im Drehbuch zu finden ist, hat es das Drehbuch sehr bereichert. Das kann frau mit einem Bildhauer vergleichen, der von einer Skulptur immer mehr Schichten abnimmt, um dann zum Endergebnis zu gelangen - der fertigen Skulptur. Der Prozess hat uns sehr geholfen, um die Figuren authentisch wirken zu lassen.

AVIVA-Berlin: Das erinnert mich an die Szene mit der Gro├čmutter, die wirklich nichts mit dem Kind zu tun haben m├Âchte und sich dann doch in der eigenen Pflicht sieht, das Kind an sich zu nehmen. Man kann genau beobachten, wie sich ihre Abneigung in zwei Sekunden in Zuneigung verwandelt.

A├»ssa Ma├»ga: Ja, ich finde auch, dass dies eine sehr sch├Âne Szene ist, Lucien hat sich hier von scheinbar sehr klassischen Adoptionsgeschichten inspiriert. Ich wusste das vor dem Dreh auch nicht, aber scheinbar passiert es sehr oft, dass die Gro├čeltern das neue Kind - egal welcher Herkunft - nicht gleich akzeptieren und sie eigentlich auch den Wunsch hegen, ihre Familiengene weiterleben zu lassen, und die Adoption auch nicht ihr eigenes Projekt ist. Wenn das Kind dann eine andere Hautfarbe hat, ist es sehr schwer f├╝r sie, sich mit dem Kind zu identifizieren und es in ihrem Kreis zu akzeptieren. Also glaube ich, dass diese Szene authentisch und anr├╝hrend wirkt, da sie wahr ist. Das Sch├Âne ist ja, dass frau genau beobachten kann, wie die Liebe sie ├╝bermannt, wie alle Klischees ├╝ber Bord geworfen werden.

Aïssa Maïga 3
Liebe auf den ersten Schluck ÔÇô auch die Pflegerin (Naidra Ayadi) muss anerkennen, dass die Chemie zwischen Benjamin und seinen Eltern (A├»ssa Ma├»ga & Lucien Jean-Baptiste) maximal stimmt. ┬ę Neue Visionen Filmverleih


AVIVA-Berlin: Das ist wirklich ein magischer Moment. Ich h├Ątte niemals gedacht, dass diese Ablehnung bei den Gro├čeltern stattfindet und jetzt, da sie mir sagen, dass dies tats├Ąchlich vorkommt, finde ich es noch interessanter, das gibt dem Film umso mehr St├Ąrke.
Gab es auch Szenen, die beim Schnitt auf der Strecke geblieben sind?

Aïssa Maïga: Ja, aber ich erinnere mich nicht, denn am Anfang kann man das bereuen, aber dann vergisst man sie.

AVIVA-Berlin: Sie haben in ihrer Filmkarriere bereits mit sehr erfolgreichen Regisseuren zusammengearbeitet, mit einigen, die einen Kultstatus haben. Wenn ich Ihnen die Namen zuwerfe, h├Ątten Sie Lust, mir ein paar Worte zu jedem zu sagen?

Aïssa Maïga: Ja, versuchen wir´s! (Lacht)

AVIVA-Berlin: Cedric Klapisch

A├»ssa Ma├»ga: Cedric - man kann ihn nicht nicht m├Âgen und es ist wirklich das Gleiche mit seinen Filmen. Er ist sehr neugierig, hat eine Empathie f├╝r das Menschliche und viel Moral, und jemand, der f├╝r mich den j├╝dischen Humor personifiziert. Ich habe ihm das noch nie gesagt, das kommt mir jetzt so ein, aber ich glaube, dass es da eine kulturelle Ebene gibt, die er in sich tr├Ągt, aber die ich sehr moralisch finde - vielleicht sollte ich das lieber mit ihm besprechen, da ich vielleicht nur Unsinn erz├Ąhle (lacht).
Ich kenne Cedric nun schon sehr lange und ich habe immer wieder Lust, mit ihm zu arbeiten.

AVIVA-Berlin: Michael Haneke

A├»ssa Ma├»ga: Ich habe zwei Hanekes kennengelernt. Der eine machte seinen ersten Film in Frankreich, aus ├ľsterreich kommend, und er war noch sehr unbekannt hier. Ich war noch sehr jung und habe mit Juliette Binoche in der Hauptrolle gedreht. Ich sollte meine Haare abrasieren und blond werden - damals war das ├╝berhaupt nicht en vogue und ich habe mir viele dumme Kommentare auf der Stra├če anh├Âren m├╝ssen (lacht). Man sagte mir, dass ich meine Herkunft verleugne!
Dieser erste Haneke hat sich viel Sorgen gemacht, einen Film au├čerhalb seiner Muttersprache zu drehen. Den zweiten Haneke habe ich einige Jahre sp├Ąter auf der Stra├če getroffen, in Cannes oder so, und dann habe ich eine ganz kleine Rolle in seinem n├Ąchsten Film gespielt. Dieser Dreh fand in ├ľsterreich auf dem Land statt.
Da war er wirklich ein anderer Haneke - mit sehr viel Humor, viel Sanftheit. Er hatte damals schon das Vertrauen der franz├Âsischen SchauspielerInnen, die ihn schon fast alle kannten und er sie.
Ich w├╝rde ich freuen, nochmal mit ihm zu drehen, er ist ein wahrer Meister. Sein Film "Das weisse Band" bleibt unvergesslich, eine so wichtige Geschichte!
Und ich bin wirklich sehr froh, dass ich auch seine Clownseite kenne! Er hat sehr viel Humor!

AVIVA-Berlin: Michel Gondry

A├»ssa Ma├»ga: Er ist ein wahres Genie, ich wei├č nicht, ob ich in meinem Leben nochmal die Gelegenheit haben werde, in solch eine verr├╝ckte Welt einzutauchen. Er ist ein Genie, da er einen Blick auf die Welt wirft, der nur ihm zu Eigen ist. Er arbeitet sehr schnell, hat eine blitzschnelle Intelligenz und dabei eine sehr eigene Sprache entwickelt. Ich glaube, dass es ihm nicht immer einfach f├Ąllt, sich im Alltag verst├Ąndlich zu machen. Ich bewundere ihn!

AVIVA-Berlin: Lucien Jean-Baptiste

A├»ssa Ma├»ga: Ich glaube, er hat uns noch nicht alles gesagt. Er hat wie ein Klapisch die Eleganz, eine Geschichte mit einem gro├čen G zu erz├Ąhlen. Es gibt immer eine tragische Dimension, wie auch bei Klapisch, aber gleichzeitig ist er jemand, der eine Konstanz in sich tr├Ągt und alles sogleich transformiert. Das ist selten, da der Mensch normalerweise etwas Zeit braucht, um eine Information aufzunehmen und sie zu verwandeln. Lucien verwandelt alles sofort in Humor, in Leichtigkeit und hier habe ich viel von ihm gelernt. Ein Regisseur h├Ârt die ganze Zeit von allen m├Âglichen Leuten, dass das und das nicht m├Âglich ist, dass wir nun Schluss machen m├╝ssen, dass dieses Dekor nicht auffindbar istÔÇŽ Und da ist oft eine Frustration mit einhergehend, aber Lucien hat diese Gabe, alles, ja wirklich alles, sofort ins Positive zu verwandeln. Und ich glaube, wenn er anf├Ąngt, diese tragische Seite noch mehr auszubauen, wird das etwas Wunderbares.

AVIVA-Berlin: Zum Schluss m├Âchte ich gerne noch auf Ihr eigenes Schreiben eingehen.

A├»ssa Ma├»ga: Ich habe mich sehr lange mit dem Schreiben besch├Ąftigt, jedoch gelang es mir nicht, etwas zu Ende zu bringen. Ich habe mich selbst beschuldigt und es einfach nicht verstanden. Und dann, eines Tages, habe ich einfach so verstanden, was hier vor sich ging, auch ohne gro├če Psychoanalyse. Als Tochter eines Journalisten, der beim Schreiben ermordet wurde, hat sich dieser Akt des Schreibens als schwierig f├╝r mich gestaltet, und doch bin ich immer wieder darauf zur├╝ckgekommen. Als mir dies dann eines Tages wie Schuppen von den Augen fiel, habe ich mich auf einmal wie befreit gef├╝hlt. Total befreit, diese Einsicht war magisch - fast zu einfach: Ich werde nicht sterben, nur weil ich schreibe! (Lacht)

Ich habe ein Drehbuch geschrieben, das ich noch nicht gedreht habe, und gleichzeitig bin ich dabei, ein Drehbuch zu schreiben und gleichzeitig zu drehen, ein Dokumentarfilm ├╝ber eben meinen Vater. Ich glaube, es ist der Stein des Ansto├čes, in der Symbolik ist es f├╝r mich, als ob ich meine eigene Rolle erlange. Als ob es ein obligatorischer Passationsritus ist, die Geschichte eines Journalisten in den 80er Jahren zu erz├Ąhlen, der in einem sehr kleinen Land, Burkina Faso, das keiner kennt geschweige denn sich daf├╝r interessiert, und dort die Entscheidung trifft, die Welt zu ver├Ąndern. Fast alle Revolution├Ąre dieser Bewegung wurden get├Âtet, heute ist fast niemand mehr am Leben. Es ist eine wunderbare Geschichte, da sie vor allem von der Utopie handelt, der Uridee der Politik, des Traums, und von Mut erz├Ąhlt. M├Ąnner und Frauen, die sich f├╝r die Umwelt, den Feminismus und eine partizipative Demokratie eingesetzt haben, von der wir immer noch tr├Ąumen. Es war eine Moderne, ein Aufflammen, aber auch etwas Tragisches. Ich wei├č nicht, ob man es Scheitern nennen kann, aber auf jeden Fall stellt sich die Frage, was man mit diesem Erbe heutzutage anfangen sollte.

Vielleicht ist es ein bisschen wie - Er hat ja schon deine Augenfarbe! (Anm. d. Red. w├Ârtliche ├ťbersetzung des franz├Âsischen Titels des Films Zum Verwechseln ├Ąhnlich)- in Bezug auf meinen Vater.

AVIVA-Berlin: Danke f├╝r das Interview! Wir freuen uns schon auf das Resultat!

"Zum Verwechseln ├Ąhnlich" startet am 13. Juli 2017 in den deutschen Kinos.
Mehr zum Film "Zum Verwechseln ├Ąhnlich" und der Trailer unter:

www.zum-verwechseln-aehnlich.de und auf Facebook: www.facebook.com/ZumVerwechselnaehnlich

Aïssa Maïga 2
Unsere wunderbare ├ähnlichkeit: Sali (A├»ssa Ma├»ga) hat sich die Toleranzschwelle ihres Umfelds deutlich niedriger vorgestellt. ┬ę Neue Visionen Filmverleih


Mehr Infos zu Aïssa Maïga unter:

twitter.com/aissamaiga

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