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22.05.2018

Ausstellung - Kriegsalltag und Abenteuerlust. Kriegsfotografinnen in Europa 1914-1945. Vom 28. September 2017 bis 25. März 2018
AVIVA-Redaktion

Das Verborgene Museum. Dokumentation der Kunst von Frauen e.V. zeigt rund 70 Fotografien, Grafiken, Zeitschriften und Dokumente fotografierender Frauen unterschiedlichster politischer Couleur, europ√§ischer Profi- und Amateurfotografinnen, Journalistinnen oder auch Krankenschwestern, die sowohl die beiden Weltkriege als auch den Spanischen B√ľrgerkrieg dokumentiert haben.



Aus n√§chster N√§he hielten Frauen den Krieg, die Versorgung der Verwundeten im Lazarett, die Betreuung der Soldaten in der Etappe sowie das Leben zu Hause fest. Sie waren √ľberwiegend gegen Wilhelminismus, Faschismus und Nationalsozialismus, jedoch nicht zwangsl√§ufig pazifistisch eingestellt. Aber auch Frauen, die der NS-Propaganda-Presse in die H√§nde spielten, sind in der Ausstellung vertreten.

Grausame Faszination

Die j√ľdisch-√∂sterreichische Schriftstellerin und Fotografin Alice Schalek war fasziniert vom Krieg. Zwischen 1915-1917 begab sie sich begeistert als erste akkreditierte Kriegsfotografin bis in die Gebirgsz√ľge am Isonzo und lieferte sich zudem mit dem Wiener Pazifisten Karl Kraus in der Tagespresse aufsehenerregende Wortgefechte. Ihre mit verharmlosenden Kommentaren versehenen Momentaufnahmen brachten ihr den Ruf einer Kriegstreiberin ein. In England waren es die Suffragetten, die neben dem Frauenwahlrecht ab Anfang des 20. Jahrhunderts auch f√ľr ihren Einsatz im Krieg k√§mpften. Die Ausstellung zeigt unter anderem Aufnahmen der professionellen Studio- und Pressefotografin Christina Broom sowie Fotos der Krankenschwestern Elsie Knocker oder Mairi Chisholm, die in Belgien und Russland neben der Versorgung der Verwundeten den Kriegsalltag in der Etappe dokumentierten.

Politisches Statement gegen den Krieg

Die Aufnahmen der in Deutschland geborenen Fotoreporterin und Dokumentaristin Gerda Taro, die gemeinsam mit ihrem Lebenspartner und Kollegen Robert Capa die Greueltaten des Spanischen B√ľrgerkriegs festhielt, r√ľcken die Menschen, nicht die Waffen oder das Kriegsgeschehen in den Mittelpunkt und klagen den Faschismus und die mit ihm einhergehende Gewalt an. Die Fotografin selbst kam 1937 bei ihrer Arbeit an vorderster Front auf Seiten der Internationalen Brigaden zu Tode und gilt als Pionierin der Kriegsfotografie in Europa.

Zunehmendes Interesse

Mit dem Zweiten Weltkrieg stieg die internationale Teilnahme fotografierender Frauen noch weiter an. 1940 fotografierte die in die Niederlande gefl√ľchtete j√ľdisch-ungarische Journalistin und Fotografin Eva Besny√∂ Rotterdam nach der Zerst√∂rung durch die deutsche Luftwaffe und 1944 brachte die deutsch-niederl√§ndische Fotografin, Kriegskorrespondentin und Hotelmanagerin Germaine Krull eine ausf√ľhrliche Reportage √ľber die Befreiung des Elsass durch die Alliierten f√ľr den milit√§rischen Pressedienst der Freien Franz√∂sischen Streitkr√§fte hervor. Die Bilder und Dokumente der sowjetischen Kriegskorrespondentinnen Natalja Bode und Olga Lander, die im Dienst der Roten Armee f√ľr die zentralen Presse-Agenturen fotografierten, zeigen und behandeln den Krieg um Stalingrad und werden erstmals au√üerhalb der Sowjetunion ausgestellt.

Kriegsberichterstatterinnen in Deutschland. Vom Ersten Weltkrieg bis zur NS-Propaganda-Presse

Zwar hatten die deutschen Frauen keinen Zugang zu den Schlachtfeldern, dennoch √ľbernahm die Mehrheit stolz und freiwillig alle Arbeiten, die zur Versorgung an der "Heimatfront" notwendig waren. So dokumentierte die Amateurfotografin K√§the Buchler im Ersten Weltkrieg Frauen in "M√§nnerberufen" und machte Portr√§taufnahmen von Schaffnerinnen, Brieftr√§gerinnen oder Nachtw√§chterinnen. F√ľr Liselotte Purper begann 1936/37 eine √ľberaus erfolgreiche Karriere als Bildberichterstatterin im "Dritten Reich", nachdem die Chefredakteurin der dem "Deutschen Frauenwerk" angeh√∂renden Zeitschrift "Frauenkultur" auf sie aufmerksam wurde und sie seitdem freiberuflich f√ľr die Presse- und Propagandaabteilungen der "Reichsfrauenf√ľhrung", der "NS-Frauenschaft", der "NS-Volkswohlfahrt", des "Reichsarbeitsdienstes" und andere Organisationen arbeitete. Den thematischen Schwerpunkt ihrer Fotografien bildete der Frauenalltag im Nationalsozialismus. Und auch die Kriegsreporterin Ilse Steinhoff fotografierte w√§hrend des Zweiten Weltkriegs in den besetzten Gebieten in Libyen 1942 und auf dem Balkan 1941-43 f√ľr die gleichgeschaltete nationalsozialistische Presse, wie der Milit√§rzeitschrift "Die Wehrmacht" oder dem Propagandablatt "Signal".

Veranstaltungsort: DAS VERBORGENE MUSEUM. Dokumentation der Kunst von Frauen e.V.
Schl√ľterstra√üe 70
10625 Berlin
Weitere Informationen zur Ausstellung unter: www.dasverborgenemuseum.de
√Ėffnungszeiten:
Donnerstag, Freitag 15 - 19 Uhr
Samstag, Sonntag 12 - 16 Uhr
Geschlossen vom 21.12.2017 ‚Äď 25.03.2018


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