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24.05.2018

Bildungs- und Aktionswochen gegen Antisemitismus 2017 unter dem Titel #AntisemitismusHeute
AVIVA-Redaktion

Mit den bundesweiten Bildungs- und Aktionswochen gegen Antisemitismus vereinen die Amadeu Antonio Stiftung und das Anne Frank Zentrum bundesweit ĂŒber 100 Veranstaltungen lokaler Initiativen, die ĂŒber Antisemitismus aufklĂ€ren und Gegenstrategien vermitteln. Die deutschlandweit grĂ¶ĂŸte Aktion gegen Antisemitismus findet rund um den 9. November 2017 statt.



In der U-Bahn werden Menschen verprĂŒgelt, weil vermutet wird, sie seien jĂŒdisch. Eine neugebaute Synagoge wird durch Vandalismus beschĂ€digt und ein deutschlandweit bekannter Politiker einer demokratisch gewĂ€hlten Partei hĂ€lt eine antisemitische Rede. Nur drei von hunderten antisemitischer VorfĂ€lle und Straftaten, die nicht etwa aus dem Geschichtsbuch stammen, sondern tĂ€glich geschehen. Die diesjĂ€hrigen Bildungs- und Aktionswochen gegen Antisemitismus der Amadeu Antonio Stiftung in Kooperation mit dem Anne Frank Zentrum sind also dringlicher denn je – in diesem Jahr bereits zum 15. Mal!

Unter dem Titel #AntisemitismusHeute widmen sich mehr als 100 Veranstaltungen bundesweit Themen von Antisemitismus im Hip-Hop ĂŒber israelbezogenen Antisemitismus bis hin zur antisemitismuskritischen Bildung in der Migrationsgesellschaft. Die Bandbreite ist groß: vom Zeitzeug_innen-GesprĂ€chen in Schwerin, ĂŒber Workshops zur PrĂ€vention von Antisemitismus in Dortmund bis zu der "Youth against antisemitism" aus Esslingen am Neckar, die ein ganzes Abendprogramm mit abschließendem Konzert organisieren. Mit vier regionalen Netzwerktreffen wird Raum fĂŒr Erfahrungsaustausch der Akteure in der Arbeit gegen Antisemitismus geschaffen. An öffentlichen GebĂ€uden in mehreren StĂ€dten wird die "Chronik antisemitischer Straftaten und VorfĂ€lle" der Amadeu Antonio Stiftung projiziert, um Licht in das Dunkelfeld antisemitischer Delikte zu bringen.

Auch beim Fußball ist Antisemitismus seit dem Aufstieg RB Leipzigs in die Bundesliga ein breit diskutiertes Thema. Fliegende Pflastersteine und Schwerverletzte, wie nach dem Spiel von RB Leipzig bei Borussia Dortmund im Winter diesen Jahres wiesen auf ein Problem, auf das die Fußballfans gegen Antisemitismus schon lĂ€nger aufmerksam machen. Im Rahmen der Aktionswochen werden die aktiven Fußballfans so auch u.a. einen Vortrag zur weit verbreiteten Feindschaft gegenĂŒber RB Leipzig in Bremen organisieren und erklĂ€ren, was diese mit Antisemitismus zu tun hat.

Linker Antisemitismus? FĂŒr die meisten klingt das nach wie vor, wie ein Widerspruch in sich. Dass es indes auch in der politischen Linken einen weit verbreiteten Antisemitismus gibt, wird Gegenstand des Vortrags von David Hirsh am 14. November in den RĂ€umlichkeiten der Amadeu Antonio Stiftung sein. In seinem kĂŒrzlich erschienen Buch "Contemporary Left Antisemitism" setzt sich der britische Soziologe u.a. mit Antisemitismus in der Labour Party oder der selbsterklĂ€rten antizionistischen BDS-Bewegung auseinander.

Daniel Botmann, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Zentralrats der Juden, ist froh ĂŒber die UnterstĂŒtzung in der BekĂ€mpfung von Antisemitismus durch die Aktionswochen: "Es ist zu begrĂŒĂŸen, dass bei den Bildungs- und Aktionswochen gegen Antisemitismus die jĂŒdische Perspektive sichtbar wird und die jĂŒdischen Gemeinden einbezogen sind. Gerade in Zeiten eines deutlichen Rechtsrucks ist es Aufgabe aller Demokraten, sich gemeinsam entschieden gegen jede Form von Antisemitismus zu engagieren."

Die Bildungs- und Aktionswochen gegen Antisemitismus wollen jeden und jede dazu ermutigen, Haltung gegen Antisemitismus und Gesicht fĂŒr eine offene und tolerante Gesellschaft zu zeigen.

Den laufend aktualisierten Veranstaltungskalender finden Sie unter:

www.amadeu-antonio-stiftung.de

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