Animals - Stadt Land Tier. Ein Film von Greg Zglinski mit der großartigen Birgit Minichmayr. Kinostart: 16. November 2017 - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
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24.06.2018

Animals - Stadt Land Tier. Ein Film von Greg Zglinski mit der großartigen Birgit Minichmayr. Kinostart: 16. November 2017
Tina Schreck

Die rettende Stadtflucht in die Schweizer Alpen entwickelt sich zum Horrortrip fĂŒr ein Wiener Ehepaar, das in der lĂ€ndlichen Idylle einen Neustart wagen will. Ein packender Psychothriller, der unerwartete Wendungen nimmt.



Anna und Nick stecken in einer Ehekrise. Sie will Kinder, er schlĂ€ft lieber mit Andrea, der Nachbarin aus dem dritten Stock. Als letzter Rettungsanker soll eine sechsmonatige Reise in die französische Schweiz dienen. Weit weg von allen Problemen will Anna, die sich als Kinderbuchautorin ihr Geld verdient, endlich einen Roman fĂŒr Erwachsene schreiben und Restaurantbetreiber Nick plant, ein Kochbuch ĂŒber vergessene Schweizer SpezialitĂ€ten zusammenzustellen. Um die gemeinsame Altbauwohnung soll sich in ihrer Abwesenheit Mischa, eine entfernte Bekannte kĂŒmmern. Kurioserweise weist diese eine verblĂŒffende Ähnlichkeit zu Andrea auf, von der Nick sich vor Abreise trennt. Verkrampft, doch guter Dinge, machen sich die ahnungslose Anna und ihr untreuer Gatte im schicken Cabrio auf den Weg in eine bessere Zukunft.

"StörtÂŽs di? ", fragt Anna ihren Mann mit einer Mischung aus Langeweile und Angst vor ZurĂŒckweisung, als sie ihm ihre Hand auf den Oberschenkel legt.
"Na!", erwidert dieser gereizt.
"Ich kannÂŽs auch wieder wegnehmen
", zögerlich zieht sie ihre Hand zurĂŒck.
"Geh, legÂŽs wieder hin!"

Der trockene, österreichische Witz und der Wiener Dialekt sind elementarer Bestandteil dieser schwarzen Mystery-Komödie, die sich schwerlich in eine Schublade stecken lÀsst. Vom klischeehaften Beziehungsdrama entwickelt sich die Geschichte in rasantem Tempo in ein nervenaufreibendes Vexierspiel zwischen Traum und RealitÀt, das Anna schon wÀhrend der Autofahrt durch die beschauliche Alpenlandschaft vorherzusehen scheint. Um sich von ihren bösen Vorahnungen abzulenken, vertreiben sich die beiden mit Spielen die Zeit.

Tier mit T

"Truthahn"
"Tapir"
"Tokee"
SCHAF!, schreit Anna, doch da ist es schon zu spĂ€t. Nach dem Aufprall ist das Schaf tot, Anna erleidet eine GehirnerschĂŒtterung und Nick bleibt unversehrt. Erleichtert setzen sie nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt ihre Reise fort, doch schon bald wird klar, dass nichts mehr so ist, wie es war. Seltsame Dinge geschehen. In der abgelegenen BerghĂŒtte wie zu Hause in der Stadtwohnung. Die Figuren beginnen miteinander zu verschmelzen, Parallelwelten entstehen und ein selbstmörderischer Vogel leitet schließlich den Abstieg in die surreale Hölle ein, in die Anna seit dem Unfall immer tiefer zu versinken droht. UnerklĂ€rliche Zeitverschiebungen und rĂ€tselhafte Perspektivenwechsel werden zur quĂ€lenden RealitĂ€t und lassen sie zunehmend an ihrem Verstand zweifeln. SpĂ€testens als ein unheimlicher schwarzer Kater auftaucht, um ihr von Nicks AffĂ€re zu berichten und ihr dazu rĂ€t, ihren Mann zu ermorden, gerĂ€t ihre Welt vollends ins Wanken.

"Ich werd dich verlassen."
"Eine Katze."
"Was? Ich hab gsagt, ich wird dich verlassen."
"Und ich antworte, eine Katze ist vor der TĂŒr!"
"...mit der hab ich heut schon gredet"
"Und was hatÂŽs gsagt?"
"Dass ich dich umbringen soll"
"Na, dann fĂŒttern wir sie halt, wennÂŽs so Hunger hat."

Immer verworrener werden die GesprĂ€che des Paares, immer grĂ¶ĂŸer die Kluft zwischen Wahrheit und Illusion. Auf brillante Weise gelingt es der wunderbaren Birgit Minichmayr, die Zuschauer_innen immer tiefer in das unheimliche Labyrinth aus trĂŒgerischem Schein und verblassender Existenz hineinzufĂŒhren, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint.

AVIVA-Tipp: "Animals – Stadt Land Tier" ist eine meisterhaft inszenierte Mischung aus beißender Komödie, mysteriösem Psychodrama und schauderhaftem Horror, deren subtiles Grauen sich inmitten der malerischen Bergkulisse unaufhaltsam auszubreiten droht. Das ausgeklĂŒgelte Zusammenspiel zwischen den Figuren und den miteinander verwobenen Ereignissen ergibt ein faszinierendes Geflecht aus AbsurditĂ€ten, welches sich immer wieder von Neuem zusammensetzt.

Animals – Stadt Land Tier
Originaltitel: Tiere
Schweiz, Österreich, Polen 2017
Regie: Greg Zglinski
Drehbuch: Jörg Kalt, Greg Zglinski
Darsteller*innen: Birgit Minichmayr, Philipp Hochmair, Mona Petri, Mehdi Nebbou, Michael Ostrowski
Produziert von: Katrin Renz, Stefan JĂ€ger, Bruno Wagner, Antonin Svoboda, Ɓukasz DzięcioƂ
Verleih: FilmKinoText
www.filmkinotext.de
LauflÀnge: 95 Minuten
Kinostart: 16. November 2017
Filmwebsite und Trailer: www.animals-film.de

Zur Schauspielerin: Birgit Minichmayr wurde 1977 in Linz, Oberösterreich geboren und absolvierte ihre Schauspielausbildung am Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Schon wĂ€hrend ihrer Studienzeit wurde sie am Wiener Burgtheater engagiert, wo sie 1998 debĂŒtierte. Nach einer Castorf-Produktion bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen wechselte sie 2004 zu Castorf an die VolksbĂŒhne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin und kehrte erst 2007 wieder ans Wiener Burgtheater zurĂŒck. Seit 2010 ist sie an der Seite von Nicolas Ofczarek die Buhlschaft im "Jedermann" bei den Salzburger Festspielen. Die vielfach ausgezeichnete Schauspielerin gewann unter anderem den Ulrich-Wildgruber-Preis und den Nestroy-Theaterpreis und ist neben der Theaterschauspielerei auch in zahlreichen Filmen zu sehen. Dazu zĂ€hlen Erfolge wie "Taking sides" (2002), "Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders" (2006) und "Das weiße Band" (2009). Seit 2011 spielt sie am Residenztheater in MĂŒnchen.
Weitere Infos zu Birgit Minichmayr unter: www.residenztheater.de

Zur Darstellerin Mona Petri wurde am 16.Dezember 1976 in ZĂŒrich geboren und studierte an der Hochschule fĂŒr Musik und Theater in Bern. Nach einem einjĂ€hrigen Engagement am Landestheater TĂŒbingen wechselte sie ans Staatstheater in Karlsruhe. Seit 2007 arbeitet sie als Schauspielerin und Dramaturgin bei der freien Schweizer Theatergruppe MARIE. Sie spielte mitunter in den Schweizer Produktionen "Jeune Homme" (2006) und "Fliegende Fische" (2011), dem deutschen Spielfilm "Dolores" sowie in den Tatort-Folgen "Wunschdenken" (2011) und "Schutzlos" (2015) mit.
Weitere Infos zur Schauspielerin unter: www.imdb.com

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