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26.05.2018

Der andere Liebhaber - ein Film von François Ozon mit Marine Vacth, Jacqueline Bisset, Myriam Boyer, Dominique Reymond, Jérémie Renier. Kinostart: 18. Januar 2018
Tina Schreck

Nach der Romanvorlage von Joyce Carol Oates´ "Der Andere". Auf der Suche nach Halt und Stabilität schlittert eine junge Frau von der vermeintlich soliden Partner_innenschaft in eine aufregende Dreiecksbeziehung, die bald ihre eigenen psychischen Abgründe zum Vorschein bringt. AVIVA verlost 3 Fanpakete, darunter Kinofreikarten



Die Großaufnahme einer Vagina, ein Spekulum, das aus ihr herausgezogen wird und die Stimme der Gynäkologin, die keine physischen Ursachen für die chronischen Bauchschmerzen der 25-jährigen Chloé finden kann. "Sie entstehen sicher psychosomatisch. In Ihrem Kopf", lautet die ärztliche Diagnose. Daraufhin sucht die junge Frau bei dem Psychotherapeuten Paul Meyer Hilfe, in den sie sich nach einigen Sitzungen verliebt. Auch in ihm wachsen Gefühle für seine attraktive Patientin und die beiden werden ein Paar. Mit dem Einzug in sein Pariser Apartment scheinen zunächst all ihre Probleme gelöst. Denn der ruhige, zuverlässige Paul gibt der labilen Chloé Liebe und Sicherheit, die Bauchschmerzen verschwinden und sie gelangt zu neuem Selbstbewusstsein. Als sie aber einen alten Pass in seinen Sachen findet, auf dem er einen anderen Nachnamen trägt, kommen erste Zweifel an seiner Aufrichtigkeit auf.

Der böse Zwilling

Paul versucht, sich mit einer Ausrede aus der Affäre zu ziehen. Als Chloé ihn jedoch in der Stadt vertraut mit einer anderen Frau beobachtet, ist ihr Argwohn geweckt und sie beschließt, der Sache auf den Grund zu gehen. So erfährt sie von der Existenz seines Zwillingsbruders, der ebenfalls Therapeut ist. Von Neugierde getrieben, begibt sie sich unter einem Vorwand bei ihm in Behandlung. Louis, der seinem Bruder bis aufs Haar gleicht, ist ansonsten das komplette Gegenteil von Paul. Doch obgleich seine zynische und herablassende Art Chloé abstößt, fühlt sie sich auf unerklärliche Weise zu ihm hingezogen. Schon nach wenigen Treffen beginnen die beiden eine leidenschaftliche Affäre.

SĂĽchtig nach Louis

Seine Rohheit, der harte Sex mit ihm und der Reiz des Verbotenen schaffen einen aufregenden Kontrast zu Chloés Alltag. Sie fühlt sich ausgeglichen, fast so, als hätte ihr diese dunkle Seite in ihrem Leben immer gefehlt. Wenn sie Louis spürt, scheint ihr Verlangen für einen Moment gestillt. Doch dann denkt sie an Paul, an die Liebe und Zärtlichkeit zwischen ihnen. Sie stellt sich vor, mit beiden Brüdern gleichzeitig zu schlafen, um so ihre Gegensätzlichkeiten zu vereinen. Vier Hände auf ihrem Körper. Paul und Louis, die erst sie und dann sich küssen. Eine Fantasie, die mehr und mehr zur Obsession wird. Ihr Doppeltsein fasziniert sie fieberhaft. Auch sie will doppelt sein: "Ich habe mir oft vorgestellt, eine Schwester zu haben. Ja, eine Zwillingsschwester. Ein Double, das mich beschützen würde." Eine unerklärliche Sehnsucht ergreift sie und auch die Bauchschmerzen kehren mit unerwarteter Wucht zurück.

Machtspiele

Was auf den ersten Blick wie eine in sich verworrene Dreiecksliebe erscheint, entpuppt sich schon bald als perfides Machtgefüge. Denn nicht nur Paul und Louis stehen zueinander in Konkurrenz. Auch Chloé trägt einen inneren Kampf aus, der dem der Zwillinge gleicht. Sie scheinen vielmehr als Sinnbild ihrer eigenen Zerrissenheit zu stehen. Ihr eigener Wunsch nach Doppelheit steht in absurdem Kontrast mit ihrer Besessenheit, die Brüder zu vereinen.

Der Andere

Genau wie in der Romanvorlage "Der Andere" (1987) von der vielfach preisgekrönten, amerikanischen Schriftstellerin Joyce Carol Oates, den sie unter dem Pseudonym Rosamond Smith veröffentlichte, entwickelt sich die Dreiecksgeschichte zu einer nervenaufreibenden Achterbahnfahrt. Denn nicht nur die gefährliche Affäre zu dem brutalen und dominanten Louis, auch Chloés Wahnvorstellungen und ihre Manie sorgen für elektrisierende Hochspannung. Was ist Realität, was Fantasie?
François Ozon gelingt hier ein meisterhaft inszeniertes Vexierspiel, das sich nicht zuletzt wegen seiner gewagten Sexszenen vom Mainstream abhebt.

Der Cast

Neben Jérémie Renier in einer Doppelrolle ist vor allem die Darstellerinnenriege sehenswert: In Haupt- und Nebenrollen sind die mehrfach ausgezeichneten Schauspielerinnen Marine Vacth, Jacqueline Bisset, Myriam Boyer, Dominique Reymond zu sehen.

AVIVA-Tipp: "Der andere Liebhaber" ist ein kluger Psychothriller, der vor allem durch seine Drastik besticht. Schleierhafte Traumsequenzen vermischen sich mit der rauen Wirklichkeit, die absurde Überraschungen bereithält.


Der andere Liebhaber
Originaltitel: L´amant double
Frankreich/Belgien 2017
Regie: François Ozon
Darsteller_innen: Marine Vacth, Jérémie Renier, Jacqueline Bisset, Myriam Boyer, Dominique Reymond
Verleih: Weltkino Filmverleih GmbH
Lauflänge: 107 Minuten
Kinostart: 18.01.2018
FSK: 16
Filmwebsite und Trailer: www.derandereliebhaber-film.de
Facebook: www.facebook.com

Zur Hauptdarstellerin: Marine Vacth: wurde am 9. April 1991 in Paris geboren. Sie arbeitet sowohl als Model wie als Schauspielerin. Ihr Filmdebüt gab sie im Jahr 2011 in "Mein Stück vom Kuchen" von Cédric Klapisch. Bereits 2013 stand sie für den französischen Regisseur François Ozon vor der Kamera, als sie in seinem Film "Jung & Schön", der im selben Jahr bei den Filmfestspielen von Cannes für die goldene Palme nominiert war, die Hauptrolle spielte.
Weitere Infos zu Marine Vacth unter: www.imdb.com

Zu Joyce Carol Oates: Die Autorin wurde am 16. Juni 1938 in Lockport, New York geboren. Bereits im Alter von 14 Jahren begann sie zu schreiben. Sie studierte Literatur und Philosophie an der Princeton Universität, wo sie heute als Dozentin kreatives Schreiben lehrt. Für ihre Romane, Erzählungen und Theaterstücke wurde sie vielfach preisgekrönt.
Weitere Infos zu Joyce Carol Oates unter: www.imdb.com


AVIVA-Berlin verlost 3 Fanpakete bestehend aus je 2 Kinofreikarten und der Blu-ray von JUNG UND SCHĂ–N, FRANTZ und EINE NEUE FREUNDIN. Bitte senden Sie uns dazu den Abschlussdialog aus dem Trailer mit Angabe Ihrer Postadresse bis zum 25.01.2018 per Email an folgende Adresse: info@aviva-berlin.de


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