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24.05.2018

European Maccabi Games Berlin - Europas gr├Â├čtes j├╝disches Sportfest. Eine Dokumentation
Sharon Adler

2.100 TeilnehmerInnen aus 38 L├Ąndern, ├╝ber 180 Wettk├Ąmpfe in 19 Sportarten in nur sieben Turniertagen. Mit den European Maccabi Games im Jahr 2015 kam die gr├Â├čte j├╝dische Veranstaltung Europas erstmals nach Deutschland, in den Berliner Olympiapark ÔÇô genau 70 Jahre nach Ende des Holocausts. F├╝r die j├╝dische Gemeinschaft in Deutschland und dar├╝ber hinaus war das Sportfest Ausdruck...



... eines neuen j├╝dischen Selbstbewusstseins und Selbstverst├Ąndnisses.

Der vorliegende Band versammelt in Fotos und Text Impressionen, macht die Eindr├╝cke, Emotionen und Dimensionen dieses Ereignisses sichtbar.

"Wo Hitler sein ┬┤Deutschland, Deutschland ├╝ber alles┬┤ br├╝llte, singen wir heute die HaTikwa. Wo die Nazis von einem ┬┤judenfreien┬┤ Europa tr├Ąumten, lassen wir unseren j├╝dischen Traum Wirklichkeit werden." (Dr. Josef Schuster, Pr├Ąsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, zur Er├Âffnungszeremonie am 28. Juli 2015, in der Waldb├╝hne, Berlin)

In seinem Gru├čwort zur Dokumentation schildern Alon Meyer, Pr├Ąsident Makkabi Deutschland, und Oren Osterer, Direktor des Organisationskomitees, die gr├Â├čten Herausforderungen zu Beginn der Planungen, denn die Games entstanden zun├Ąchst in einem Zweizimmer-B├╝ro am Spreeufer in Berlin-Kreuzberg mit nur drei hauptamtlichen MitarbeiterInnen:

"Auch mehr als zwei Jahre nach den European Maccabi Games ist f├╝r MAKKABI Deutschland und alle handelnden Akteure nicht wirklich zu begreifen, wie es gelingen konnte, die gr├Â├čte Sportveranstaltung Deutschlands unter den damals gegebenen Bedingungen aufzuziehen. (ÔÇŽ) Die Vorbereitungszeit betrug weniger als 18 Monate. (...)"

"Makkabi Chai ÔÇô Makkabi lebt!"

"Dass die European Maccabi Games Berlin zum ersten Mal auf deutschem Boden stattfinden, freut mich sehr und ber├╝hrt mich gleichzeitig. Die Geschichte Berlins unterstreicht dieses Ereignis auf eine einzigartige Weise." (Sportpatin Sarah Poewe, Brustschwimmolympionikin. Die Sportlerin s├╝dafrikanisch-deutscher Nationalit├Ąt ist 17fache Deutsche Meisterin und h├Ąlt drei Europarekorde sowie neun Deutsche Rekorde. Sie ist die erste J├╝din, die nach 1936 eine Olympiamedaille f├╝r Deutschland holte.

Bewegend ist auch die im Band enthaltene Rede der Holocaust-├ťberlebenden Margot Friedlander. Geboren 1921 in Berlin, erlebte sie die Deportation ihrer Mutter und ihres j├╝ngeren Bruders, die beide 1943 in Auschwitz ermordet wurden. Margot Friedlander ├╝berlebte bis zu ihrer Deportation nach Theresienstadt Verfolgung und Krieg f├╝nfzehn Monate lang im Untergrund in Berlin. Ihre Erinnerungen erschienen 2008 bei rowohlt Berlin unter dem Titel "Versuche, dein Leben zu machen. Als J├╝din versteckt in Berlin". 1946 emigrierte sie in die USA, lebte und arbeitete jahrzehntelang in New York, und heute, seit 2010, ist sie zur├╝ck in Berlin. In ihrer Rede wies sie auf "ein Neues Deutschland" hin, sie ermutigte die TeilnehmerInnen, nach Deutschland zu kommen, und bat auch darum, die Erinnerung an die Toten w├Ąhrend der Spiele wachzuhalten:

"Und ich m├Âchte euch bitten, eure Teilnahme an dieser Makkabiade mit dem Gedenken an meinen Bruder Ralph und all die anderen Athletinnen und Athleten, die nicht ├╝berlebt haben, zu verbinden. (...) Diese Makkabiade soll der Welt zeigen, dass wir hier sind und dass wir gewinnen, aber nat├╝rlich auch verlieren k├Ânnen. Der Geist dieser Makkabiade steht f├╝r Toleranz, Offenheit gegen├╝ber der Welt und f├╝r ein friedliches Miteinander.
Und es gibt keinen besseren Platz, um diese Botschaft in die Welt zu tragen, als von hier ÔÇô 70 Jahre nach dem Krieg."


In jedem ver├Âffentlichtem Foto der in der nun vorliegenden Dokumentation ist eben dieser Geist sichtbar, die Leidenschaft und das Engagement, die Begeisterung der SportlerInnen. Die Aufnahmen stammen von einem elfk├Âpfigen Foto-Team. Eine von ihnen ist die Fotografin Jessica Brauner:

"F├╝r mich als ehemaliges Makkabikind, Fotografin und Berliner J├╝din in vierter Generation gab es kein Z├Âgern: Ich wollte die Spiele von der ersten bis zur letzten Minute fotografisch dokumentieren, denn Bilder halten Erinnerungen lebendig."

Der Initiative von Jessica Brauner ist es auch zu verdanken, dass die EMG 2015 nun auch als Buch vorliegt, erschienen im Hentrich & Hentrich Verlag Berlin. Das Ergebnis harter Arbeit ist sehenswert: Gro├čartige professionelle Sportfotos ÔÇô entstanden unter teils schwierigen fotografischen Lichtbedingungen und unter Einsatz ungew├Âhnlicher Perspektiven - fangen die sportlichen Wettk├Ąmpfe ebenso sp├╝rbar ein wie die famili├Ąre Atmosph├Ąre des gr├Â├čten j├╝dischen Sportfests.

"Damals" und "Heute"

Die sportlichen Wettk├Ąmpfe fanden fast alle im Berliner Olympiapark statt ÔÇô dem Ort, an dem die Olympiade 1936 unter Naziherrschaft und unter Ausschluss der j├╝dischen SportlerInnen ausgetragen wurde.

Den in den 1920er Jahren erfolgreichen und gefeierten j├╝dischen Sportlerinnen wie Lilli Henoch, Gretel Bergmann und Marta Jacob wurde es durch die Einf├╝hrung des sogenannten "Arierparagraphen" ab 1933 nicht mehr gestattetet, aktiv am Vereinsleben in nichtj├╝dischen Sportvereinen teilzunehmen und sie wurden zum Austritt gezwungen. Die j├╝dische Bev├Âlkerung konnte sich nun nur noch in rein j├╝dischen Sportvereinen darunter vor allem "Makkabi" engagieren.

Gretel Bergmann emigrierte nach Erlass dieses Gesetzes nach Gro├čbritannien. Ihre Geschichte veranschaulicht besonders gut die perfiden Machenschaften der Nazis im Rahmen der Olympischen Spiele 1936. Gretel Bergmann kehrte nach Deutschland zur├╝ck, um sich f├╝r einen Start im deutschen Olympiateam vorzubereiten. Kurz vor Beginn der Spiele wurde ihr dann allerdings als Vollj├╝din die Teilnahme im deutschen Olympiateam verweigert. Nach dieser Dem├╝tigung wanderte sie 1937 endg├╝ltig in die USA aus.

Aufgrund ihrer Flucht ins Exil ├╝berlebten Martha Jacob und Gretel Bergmann den Holocaust. Lilli Henoch dagegen blieb in Berlin und unterrichtete Sport an der j├╝dischen Volksschule in der Rykestra├če. Sie wurde 1942 deportiert und ermordet. Die Schicksale von Martha Jacob, Gretel Bergmann und Lilli Henoch erinnern stellvertretend an diesen fast vergessenen Teil deutscher Geschichte.

Die 1921 bei dem 21. Zionistischen Kongress in Karlsbad, Tchechoslowakei als Makkabi-Weltverband (Maccabi World Union) gegr├╝ndete Maccabiah ist die gr├Â├čte internationale j├╝dische Sportveranstaltung und die drittgr├Â├čte Sportveranstaltung der Welt ÔÇô nach den Olympischen und Paralympischen Spielen. Dass die Durchf├╝hrung der Maccabiah keine Selbstverst├Ąndlichkeit, kein vergleichbares Gro├čevent ist, beweisen auch die beinahe t├Ąglichen ├ťbergriffe auf j├╝dische Kinder, die beschimpft werden, die mitten in Berlin brennende Israel-Fahne. Der Hass auf Juden und Israelis zeigt sich vielerorts in Deutschland ÔÇô ob auf Schulh├Âfen, auf Sportpl├Ątzen oder in Restaurants.

Das "European Maccabi Games Berlin - Europas gr├Â├čtes j├╝disches Sportfest" brachte 2.100 TeilnehmerInnen aus 38 L├Ąndern zusammen. Bestritten wurden insgesamt ├╝ber 180 Wettk├Ąmpfe in 19 Sportarten in nur sieben Turniertagen. Ein unglaublicher Kraftakt, der nur durch die Unterst├╝tzung unz├Ąhliger HelferInnen und SponsorInnen zustande kommen konnte.

AVIVA-Tipp: Die Dokumentation "European Maccabi Games Berlin - Europas gr├Â├čtes j├╝disches Sportfest" ist eine sch├Âne Erinnerung an alle ZuschauerInnen, und ein gro├čes Dankesch├Ân an die mehr als 300 ehrenamtlichen HelferInnen hinter den Kulissen, die bei den EMG 2015 fast rund um die Uhr f├╝r das Gelingen des Sportfests gearbeitet haben. Aber auch die LeserInnen, die nicht dabei sein konnten, erfahren viel Wissenswertes ├╝ber die Geschichte und Ziele der Makkabiade, der SportlerInnen und Sportarten und den "Spirit" der European Maccabi Games Berlin 2015.

European Maccabi Games Berlin - Europas gr├Â├čtes j├╝disches Sportfest
Eine Dokumentation
MAKKABI Deutschland e.V. (Hg.)

Hentrich & Hentrich Verlag Berlin, erschienen im Januar 2018
Sprache: Deutsch, Englisch
160 Seiten, Hardcover, 212 Abbildungen
ISBN: 978-3-95565-243-2
29,90 ÔéČ
Mit Beitr├Ągen u.a. von: Margot Friedl├Ąnder, Manfred L├Ąmmer, Marcel Reif
SportpatInnen: Sabine Auken, Frank Bachmann, J├ęr├┤me Boateng, Martin H├Ąner, Nicolas Limbach, Arkadij Naiditsch, Dimitrij Ovtcharov, Sarah Poewe, Pascal Roller, Marc Zwiebler
Mit Fotos von: Nikolaus Becker, Lothar Bladt, Jessica Brauner, Petra & Wilfried Chruscz, Selin Esterkin, William Glucroft, Nadine Harms, Francisca P├ęrez y P├ęrez, Benyamin Reich, Ronit Tayar

Mehr Infos zum Buch und Bestellen unter: www.hentrichhentrich.de

Mehr Infos:

Makkabi Deutschland e.V. J├╝discher Turn- und Sportverband Deutschland
makkabi.de und www.facebook.com/MakkabiDeutschland

TUS MAKKABI - BERLIN e.V.:
www.tus-makkabi.de

Detaillierte Informationen zur Maccabiah 2017 auf:
www.maccabiah.com

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14. European Maccabi Games vom 27. Juli ÔÇô 5. August 2015 in Berlin
Europameisterschaften des j├╝dischen Sports erstmals in ihrer Geschichte in Deutschland. 70 Jahre nach Ende der Shoah, 50 Jahre nach der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland sowie 50 Jahre nach der Wiedergr├╝ndung von Makkabi Deutschland als Dachverband des j├╝dischen Sports in Deutschland wird Berlin vom 27. Juli bis zum 5. August erstmals Gastgeber der Spiele.

Berno Bahro, Jutta Braun, H.-J. Teichler - Vergessene Rekorde. J├╝dische Leichtathletinnen vor und nach 1933

Berlin `36 - Das Buch zum Film



Quellen: Hentrich & Hentrich Verlag Berlin, Makkabi Deutschland e.V., AVIVA-Berlin